Montag, 25. September 2017
Filmen beginnt im Kopf – und in 3D

Ein Blick in die Zukunft | © Rote Mütze Video Produktion

Wie planen Hollywoodstudios ihre Großproduktionen digital? Und ist dieses technische Equipment auch für deutsche Filme erschwinglich? Ein Beitrag von Jörn Schumacher

Für manchen Regisseur wäre es schön, wenn er eine Szene schon einmal virtuell durchgehen könnte, bevor er ans Eingemachte geht und für den Dreh seine Schauspieler holt und die Kamera, die Lichter und Mikrofone aufstellt. In der Tat machen das bereits einige Filmemacher. Für die „Previs“ (der „Previsualization“) bieten mittlerweile Studios die Möglichkeit an, eine Szene virtuell im Computer aufzubauen, um in der digitalen Welt zu sehen, wie sie nachher im Film wirken wird.

Die Universität Bremen forscht im Projekt „first.stage“ an einem solchen System. Der Vorteil: Ihr Equipment ist deutlich günstiger als das der Hollywoodstudios, und ein Film- oder auch Theater-Regisseur kann schon in wenigen Minuten Einarbeitungszeit lernen, damit umzugehen. Wir haben das Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen (TZI) besucht und uns den ersten Prototypen angesehen. Das Ergebnis sehr ihr oben im Video.

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Donnerstag, 22. März 2012
Girl, You'll Be a Woman Soon
Faszinierend, faszinierend. Spielte Luna Schweiger gestern noch das kleine Zahnspangenmonster in "Keinohrhasen", ginge die 15-Jährige mit dunkelgefärbten Haaren jetzt problemlos als neue Kurzzeitfreundin vom Schweiger Til durch und wandelt so ein bisschen auf Natalie Portmans Spuren. Schließlich spielt sie, wie die Portman in "Leon - Der Profi", in "Schutzengel", dem neuen Film ihres Vaters, eine doch ziemlich ähnlich gelagerte Rolle. Luna Schweiger gibt nämlich die einzige Zeugin eines schrecklichen Verbrechens und Til einen ehemaligen Elitesoldaten, der sie vor brutalen Killern beschützen will. Wenn man sie dann aber auf der Pressekonferenz reden hört, ist sie wieder ganz schnell das kleine Mädchen, dem man sogar das vererbte Nuscheln des Vaters abnimmt. Und eigentlich ist das genau die Genrewandlung, die ich auch von den anderen Schönlingen der Branche erwarte. Es wäre ja nur zu toll, wenn Til eine Renaissance des Action- und Gangsterfilms auslösen könnte, wie er es zuvor mit den Romcoms getan hat. Dann sähen wir bald Elyas M'Barek, Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz in mediokeren "Drive"-Ripoffs von Gansel & Co, was immerhin besser wäre als eine Mischung aus "Crazy, Stupid, Love" und "50/50", wonach die neue Constantin-Tragikkomödie "Heiter bis wolkig" mit M'Barek und Max Riemelt aussieht.

Link: - Pressekonferenz, - Heiter bis wolkig

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Montag, 19. März 2012
Negativ Film zensiert löscht Movies & Sports
Es stört mich doch ein bisschen, dass mein Kommentar unter einer der wenigen ernsthaften, frühzeitigen Kritiken zu "Türkisch für Anfänger - Der Film" einfach verschwunden ist. Der Umstand, dass es nur so wenige Filmtexte vor dem Kinostart gab, hing wohl zum einen an den überschaubaren - in Zahlen drei - Pressevorführungen, zum anderen am Unwillen deutscher Kritiker deutsche Komödien ernst zu nehmen. Sicher, in einigen Wochen wird jede größere Tageszeitung und Wochenzeitschrift ihren bedeutsamen Artikel zum Kinophänomen "Türkisch für Anfänger" nachgeliefert haben. Bis dahin muss man sich aber mit dem vergnügen, was die deutsche Kritikerzunft aktuell anbietet. Und das war im Falle des Films nun mal sehr wenig. Eben neben der höchstwahrscheinlich mechanisch erstellten Videokritik der FAZ und dem "Selbst Thilo Sarrazin hätte geschmunzelt"-Schmuh von Spiegel online unter anderem auch Elisabeth Maurers Kritik bei Negativ Film.

Es ist schade, dass Maurers Kritik so vernichtend ausgefallen ist und so dem Namen der Internetseite alle Ehre macht, weil unter dem ganzen Hass und Fremdschämen ein enttäuschter Serienfan zu erkennen ist, für den am besten alles so geblieben wäre, wie es ihm das Fernsehen aufbereitete. Wie sagte schon der Weltraumphilosoph Philip J. Fry in der Kultserie "Futurama": Menschen mögen es nicht, wenn sich ihre Serienhelden verändern. Weiterentwicklung mache ihnen Angst. Sie wollten vor allem das ewig Gleiche sehen. Maurers Text ist ja plausibel argumentiert, aber meinem Empfinden nach doch so falsch und meilenweit an der Filmerfahrung vorbei, wie es nur geht. Die hervorstechende Qualität der Serie würde durch das Verlegen des Settings von Berlin auf eine tropische Insel ihre sämtlichen Reize einbüßen, weil das Thema Kulturclash dort bedeutungslos wäre. Pustekuchen. Die Insel ist doch viel mehr ein Beschleuniger des Erkenntnisprozesses, wie dämlich kulturelle Vorbehalte sind. Hier zeigt sich im "Herr der Fliegen"-Mode viel schärfer, dass die Konflikte letztlich eher an den Charakteren hängen und zum Beispiel auch bildungstechnischer Natur sind. Dazu bringt die Insel eine doch sehr faszinierende Abenteuernote, deren Authentizität man etwa in der Ufa Cinema-Produktion "Dschungelkind" extrem vermisst hat und die man deshalb in der deutschen Filmgeschichte nicht mehr seit einem 1950er-Jahre-Blockbuster wie "Liane - Das Mädchen aus dem Urwald" oder dem Eduard von Borsody-Klassiker "Kautschuk" verspürte.

Was die Kritik der Mutter-Figur von Maurer betrifft, muss ich ebenso heftig widersprechen. Erst einmal wäre der Subplot der Eltern in jedem Hollywoodfilm zuerst rausgeworfen worden. In "Türkisch für Anfänger" ist doch gerade das Balzen der Generation 40Plus eine Wonne und angenehme Konterkarierung der pubertierenden Geschehnisse auf der Insel. Wann hat sich das letzte Mal trotz der Überzeichnungen ein Kinofilm dieser Thematik so würdevoll angenommen, dass er in seinen besten Momenten geradezu peinlich schmerzhaft ist. Und was dem Serienfan Maurer nicht aufgefallen ist: Hier erzählt uns der "Türkisch für Anfänger"-Erfinder Bora Dagtekin etwas, was uns die Serie nie erzählt, nämlich wie sich Doris und Metin kennenlernen. Als die Serie einsetzte, gab es bereits die Beziehung der beiden, mit der dann die Kinder klar zu kommen hatten. Genau das sind doch die Stärken einer TV-Serienadaptierung. Wenn nicht versucht wird, das Ganze so platt und massentauglich wie möglich zu machen und sämtliche Stärken des Formats einem möglich großen Boxoffice zu opfern, sondern spielerisch die Ausgangsgeschichte weiterzuentwickeln und die Graustellen interessant auszufüllen. J.J. Abrams hat darüber einen ganzen "Star Trek"-Film gemacht. Und er wurde so gut, weil er jeden noch so kleinen Halbsatz aus dem Meisterwerk der Serie, "Star Trek II - Der Zorn des Khan", plünderte und zu interessanten Neuinterpretationen ausbaute.

Wenn die Mehrheit der deutschen Kinozuschauer denn überhaupt Filmkritiken auf Seiten wie Negativ Film lesen würde, könnte ich mich über das nur allzu schnelle Abwatschen des Films ernsthaft ärgern. Leider gehört es zu den sehr bitteren Realitäten des deutschen Filmbetriebs, dass man wirklich besser fährt, wenn man seinen Film vorher nicht der Presse zeigt. Denn die findet ja immer etwas zu meckern. Man muss doch die unterschiedlichen Klassen von deutschen Komödien deutlich machen. Das ist nicht ein großer Einheitsbrei. "What a Man" ist unsägliche Scheiße, "Männerherzen" ist entsetzlich einfältig, aber "Hotel Lux" zum Beispiel ein toller Film und "Türkisch für Anfänger" zurecht auf Platz eins der deutschen Kinocharts. Das ist ein ganz wundervoller Debütfilm, der bestimmt nicht alles richtig macht (Soundtrack, Katja Riemann, die Länge), aber doch deutlich mehr Würdigung verdient. Und sei es nur dafür, dass er Whigfields "Saturday Night" in die Ohren und Stammheim in die sexuellen Fantasien junger Intellektueller zurückbringt.

Nachtrag (23.02.): Wie mir Negativ Film-Mitherausgeber Ciprian David über Twitter mitgeteilt hat, habe man mich nicht zensieren wollen, sondern mein Beitrag sei, wie einige andere Kommentare auch, bei einer Plugin-Umstellung verloren gegangen.

Link: - Negativ Film

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Sonntag, 18. März 2012
"Türkisch für Anfänger" stößt "Ziemlich beste Freunde" vom Charts-Thron
Der zweite, sonntägliche Trend der Branchenseite InsideKino sagt ein 400.000 Zuschauer-Wochenende voraus. Die besten Kinozahlen für eine deutsche Produktion seit Til Schweigers "Kokowääh". Mal sehen, wie sich die wirklich sehr sehenswerte Komödie gegen "Die Tribute von Panem", Matthias Schweighöfer und den "Zorn der Titanen" schlägt. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir Cem und Lena noch sehr lange in den deutschen Lichtspielhäusern erleben werden. An diesem Montag jedenfalls wird "Türkisch für Anfänger" den seit zehn Wochen die heimischen Kinocharts konkurrenzlos regierenden Mega-Blockbuster und erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten in Deutschland, "Ziemlich beste Freunde", von Platz eins ablösen und in seinen wohlverdienten Ruhestand rollen. Ob es am Ende auch über acht Millionen Zuschauer werden, ist natürlich höchst unwahrscheinlich. Das Zeug zum Dauerbrenner hat die perfekte Blaupause für andere im Fernsehen gescheiterte, jedoch sehr geschätzte TV-Serien dafür allemal.

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Freitag, 13. Januar 2012
Komödienlauf für deutschen Film
Wie sagte mein deutscher Lieblingsfilmkritiker Rüdiger Suchsland am Ende des Jahres im Deutschlandradio so treffend: "Der deutsche Film war leider so schlecht wie lange nicht. Diese ganzen dahergelaufenen Komödien sind eher Klamotten." Nun, es scheint wohl so, als hätte der deutsche Film nach längerer Auszeit wieder den Geschmack getroffen, der das Publikum in einer messbaren Breite anspricht. Anders kann man sich die kleine Erfolgswelle der letzten Wochen in den deutschen Kinos jedenfalls nicht erklären. Die Kritikaster werden natürlich gleich wieder einwenden, dass das weder Produktionen seien, die Goldene Palmen auf A-Festivals gewännen, noch die Polen und Australier hinterm Sofa vorlocken würden. Aber welche klamaukigen Komödien dieses Planeten tun das schon jenseits von Hollywood in aller Regelmäßigkeit. Immerhin hat ein Film wie "Almanya" doch beinahe hunderttausend Zuschauer in Italien gesammelt. Darüber könnte man ja auch mal schreiben. Aber zurück zur deutschen Klamauk-Welle: Die Telefonsex-Komödie "Eine ganz heiße Nummer" machte im Herbst mit über einer Million Besuchern den Anfang. Detlev Bucks von zahlreichen Kritikern als Ausverkauf bezeichnetes "Charleys Tante"-Reboot "Rubbeldiekatz" machte da weiter und strebt inzwischen gemütlich auf die zwei Millionen zu. Die von Fatih Akin mitproduzierte Sido-Komödie "Blutzbrüdaz" ist ein kleiner moderater Erfolg. Und dieses Wochenende sieht es nach dem ersten Trend auch ganz gut für die neue Nora Tschirner-Komödie "Offroad" aus. InsideKino geht nach den ersten Zahlen von 150k Zuschauern aus. Was der deutschen Filmindustrie jetzt noch zu einem größeren Sprung fehlt, sind die Blockbuster nach französischem Vorbild wie "Nichts zu verzollen" und "Ziemlich beste Freunde": Komödien also, die die Phalanx der ungefähr zwanzig sauteuren, stetig vorne stehenden und alles blockierenden Hollywoodproduktionen mit hundert-Millionen-Budget sprengen könnten.

Links: - InsideKino, - Komödien-Kalender, - Almanya

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Sonntag, 8. Januar 2012
Die erfolgreichsten deutschen Filme 2011
Als recht solides, die Vorsaison knapp übertreffendes Kinojahr wird 2011 in die Geschichtsbücher der deutschen Filmindustrie eingehen. In anderen europäischen Ländern wie Italien, Norwegen oder Frankreich stellte man neue Bestmarken auf, was einheimische Kinobesuche betraf. In Deutschland musste es schon reichen, dass Til Schweiger mit "Kokowääh" den einzigen echten teutonischen Vier-Millionen-Blockbuster produzierte. Ein Umstand, der zumindest ansatzweise nervös machen sollte, wenn der Blick über die Kinostarts 2012 streift: Schweigers Keinohrhasen-Fortsetzung bzw. das Animations-Spin-off "Keinohrhase und Zweiohrküken" stehen noch in den Sternen. Vorrang hat aktuell Tils "Schutzengel"-Projekt mit seiner Tochter Emma, das wohl mehr Auftragskiller-Thriller als Komödie werden wird und somit generell weniger Blockbusterpotenzial zu haben scheint.
Sechs Fäuste für ein Halleluja
Die Hoffnungen liegen daher vor allem auf Matthias Schweighöfer, der sich mit seinen beiden Smash-Hit-Komödien "What a Man" und "Rubbeldiekatz" endgültig das Prädikat 'einziger deutscher Kinostar neben Til' verdient hat. Aber Vorsicht: Florian David Fitz ("Jesus liebt mich", "Die Vermessung der Welt") wird 2012 überprüfen, ob die Kinos auch drei männliche Kinogötter nebeneinander aushalten. Übrigens bezeichnend, dass es Til selbst war, der diese Entwicklung mit der Besetzung von Schweighöfer in den "Keinohrhasen"-Filmen und der Rückendeckung für Fitz in "Männerherzen" forcierte. Dafür hat sich aber Matthias Schweighöfer extrem schnell aus Tils Schatten herausbewegt. Auf sein Regiedebüt "What a Man" lässt er in diesem Jahr die Roadtrip-Komödie "Schlussmacher" mit Anna Bederke ("Soul Kitchen") und Sascha Hehn ("Die Schwarzwaldklinik") folgen. Dazu hat er ein weiteres heißes Eisen, die Wladimir Kaminer-Verfilmung "Russendisko", im Feuer. Chance eindeutig genutzt. Und die vernichtenden Kritiken des deutschen Feuilletons erreichen auch bereits ein ähnliches Hasslevel wie bei Til. Schön wäre es indes, wenn Schweighöfer seinen neu gewonnenen Ruhm in ein Projekt wie den Peter Torwarth-Vampirthriller "Blood Red Sky" einfließen lassen würde, für den er im Gespräch ist.
Eichinger schaut jetzt von oben zu
Das Aushängeschild der deutschen Produktionsschmieden, weiterhin die Constantin Film, schlug sich so durch. "Wickie auf großer Fahrt" war ein Erfolg - aber vielleicht nicht der Riesenerfolg, den man sich nach dem erste Teil von Bully Herbig erhofft hatte. Im Gegensatz zu den USA - der amerikanische Verleih Summit verkackte den Start durch bewusste Sparmaßnahmen im Werbebudget - lief hier aber immerhin das englischsprachige Prestigeprojekt "Die drei Musketiere" sehr respektabel. Sogar im Rest Europas schrieb das 3D-Spektakel ordentliche Zahlen. Es wird spannend sein, zu beobachten, wohin der stolze Kahn unter dem Kapitän Martin Moszkowicz im ersten Jahr ohne Produzentengott Bernd Eichinger schippern wird. Überwältigendes Blockbusterpotenzial kann ich jedenfalls bei keinem angekündigten Constantin-Film für 2012 ausmachen, auch wenn ich mich zum Beispiel auf "Türkisch für Anfänger" und "Glück" freue. Vielleicht startet ja wieder der neue Doris Dörrie-Film, dieses Mal nach dem Ferdinand von Schirach-Bestseller, auf der Berlinale durch, die immer als perfekte Startrampe für mindestens einen deutschen Überraschungshit gut ist. Vergangenes Jahr waren es mit "Almanya" und "Pina" sogar gleich zwei Stück.
Wo bleibt die Telefonsexkomödien-Welle?
Auf das bayerische Lokalkolorit des zweiten großen Überraschungs-Hit, "Eine ganz heiße Nummer", ist bisher aber noch niemand so richtig abseits des erfahrenen Vielfilmers Marcus Rosenmüller aufgesprungen. Beziehungskomödien und Kinderfilme werden den Markt weiter überschwemmen, aber selten echte inspirierende Durchbrüche schaffen. Nach Erfolg riechen 2012 "Offroad", "Anleitung zum Unglücklichsein", "Fünf Freunde", "Unter Frauen", "Yoko" und "Frisch gepresst". Die mit viel Tamtam in den Markt gehobene Ufa Cinema-Zweigstelle des Bertelsmann-Konzerns musste dagegen 2011 als interessanten Erfahrungswert für die hoffentlich erfolgreichere Zukunft abhaken. Ging dort doch eigentlich alles schief, was kein Kinderfilm war ("Dschungelkind", "Die Relativitätstheorie der Liebe"). Mut macht dafür das bislang noch etwas zarte Erfolgspflänzchen des Sido-Films "Blutzbrüdaz", das im Gegensatz zum kommerziell wie künstlerisch gefloppten Bushido-Debakel "Zeiten ändern dich" klein gestartet wurde und dank vorhandener Qualität auf die positive Mundpropaganda des Publikums setzen kann. Aber auch den produzierte die Constantin Film mit. Anspruchsvollere Kinokost aus deutschen Landen hatte es wie gewohnt schwer. Hinter "Pina" kam lange Zeit nichts. Freuen kann man sich über den Achtungserfolg des Jessica Schwarz-Dramas "Das Lied in mir". Vielleicht brechen auf der kommenden Berlinale aber auch mal wieder die neuen Filme von Oskar Roehler ("Die Quellen des Lebens") und Christian Petzold ("Barbara") durch. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Boxoffice 2011 (Stand: 09.01.2012):

01. Kokowääh - 4,31 Mio. Besucher
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02. What a Man - 1,78 Mio.
03. Wickie auf großer Fahrt - 1,74 Mio.
04. Rubbeldiekatz - 1,58 Mio.*
05. Almanya - 1,39 Mio.
06. Männerherzen 2 - 1,35 Mio.
07. Die drei Musketiere - 1,20 Mio.
08. Eine ganz heiße Nummer - 1,10 Mio.*
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09. Vorstadtkrokodile 3 - 0,79 Mio.
10. Hexe Lilli 2 - 0,66 Mio.
11. Resturlaub - 0,62 Mio.
12. Unknown Identity - 0,62 Mio.
13. Prinzessin Lillifee 2 - 0,62 Mio.
14. Der Gott des Gemetzels - 0,57 Mio.
15. Sommer in Orange - 0,52 Mio.
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16. Pina - 0,47 Mio.
17. Werner eiskalt - 0,44 Mio.
18. Die Superbullen - 0,43 Mio.
19. Blutzbrüdaz - 0,39 Mio.*
20. Lauras Stern & die Traummonster - 0,35 Mio.
21. Dreiviertelmond - 0,31 Mio.

Erwähnenswert: Tom Sawyer (0,29 Mio.), Dschungelkind (0,27 Mio.), Hotel Lux (0,16 Mio.), Das Lied in mir (0,15 Mio.), Hell (0,14 Mio.)

* = läuft noch erfolgreich im Kino

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Sonntag, 13. November 2011
Der Sleeper-Hit "Eine ganz heiße Nummer"
Telefonsex boomt - zumindest im Kino. Nach nur zwei Wochen befindet sich die deutsche Komödie "Eine ganz heiße Nummer" schon auf Platz 68 der Jahrescharts. Das ist besonders beachtlich, wenn man einmal bedenkt, dass die Geschichte um drei finanziell etwas klamme Frauen, die ihre audioerotischen Qualitäten an der Sprechmuschel entdecken, fast ausschließlich in Bayern und den badischen Grenzregionen gezeigt wird. Oder wenn man sich an das männliche Pendant von vor ein paar Jahren, nämlich die Komödie "Stellungswechsel", erinnert, in der arbeitslose Männer im "The Full Monty"-Style doch eher abseitigere Betätigungsfelder für sich entdeckten. Das wollte damals niemand sehen. Filmisch war das auch eine ziemlich misslungene und witzlose Angelegenheit, wovon aber die Zuschauer zuerst nichts wissen konnten. Das Erfolgsgeheimnis von "Eine ganz heiße Nummer" liegt sicherlich in der Kombination des bajuwarischen Lokalkolorits mit der Fokussierung auf weibliche Darsteller verborgen - und wohl darin, dass es den Zuschauern offensichtlich gefällt.
Der Zahlenmagier lässt den Rest verschwinden
In der ersten Woche gab es gleich einen Bogey für einen Kopienschnitt jenseits der Tausend-Besucher-Grenze. Nun am dritten Wochenende bleibt man konkurrenzfähig zu den zahlreichen Hollywoodproduktionen, verliert praktisch nichts gegenüber dem tollen Startwochenende und schwebt ganz gemächlich Richtung eine Million Besucher. Die magische Marke, welche dieses Jahr bisher nur Til Schweiger, Bully, Matthias Schweighöfer und der andere große Überraschungs-Hit "Almanya" überspringen konnte. Für den InsideKino-Betreiber und Kinocharts-Experten Mark G. war "Eine ganz heiße Nummer" keine Überraschung. Er hatte das Zuschauerpotenzial gerochen und lange vorhergesagt, wahrscheinlich weil er den irren Trick anwendete, sich den Film vorher anzuschauen. Vielleicht orientierte sich Mark G. auch am Regienamen Markus Goller, der letztes Jahr bereits den großen Überraschungserfolg "Friendship!" feierte.
Jodeln is' ka Sünd & Liebesgrüße aus der Lederhose
Richtig spannend würde es jetzt aber erst werden, wenn "Eine ganz heiße Nummer" eine Art Renaissance an erotisch gefärbten Komödien auslösen würde, die jenseits des doch eher tristen RomCom-Schemata eines "Keinohrhasen" funktioniert. Aus der Ferne erinnert mich die Telefonsexkomödie bereits an die teilweise herrlichen Lederhosenfilme der 1970er-Jahre. Irgendwie müsste man nur die Freizügigkeit der Autorenfilmer mit den kommerziellen Qualitäten der Lokalkomödie wieder zusammen bekommen, damit neben Kinderfilmen und RomComs der deutsche Filmindustrie ein drittes Standbein erwachsen könnte. Mit großer Sicherheit bleibt das aber Wunschdenken. Blanke Haut zieht schon lange keine Zuschauermassen mehr ins Kino; sie ghettoisiert eher. Wenn Erotik noch heute in Zeiten von YouPorn & Co. auf der Leinwand mobilisiert, dann durch verquere, indirekte Wege wie die Enthaltsamkeit (siehe die "Twilight"-Reihe), das Grenzgängertum von Stars (siehe Natalie Portman in "Black Swan") oder eben über die Hörkanäle wie bei "Eine ganz heiße Nummer".

Links: - InsideKino, - Boxofficemojo, - Passauer Neue Presse

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Montag, 24. Oktober 2011
Der heiße deutsche Sleaze-Herbst
Ein gewisser Raoul Sternberg sei der mysteriöse Regisseur hinter der DVD-Veröffentlichung "Hollywood Fling", vermeldet Amazon. Das ist ein cineastischer Gag aller erster Klasse. Unter diesem Pseudonym, das die Hollywood-Aristokraten Raoul Walsh und Josef von Sternberg miteinander vereint, drehte der Kult-Filmemacher Eckhart Schmidt ("Jet Generation", "Der Fan") nämlich in den 1980er-Jahren die Blödel-Komödie "Die Küken kommen". Vor einigen Monaten schon hatte der Filmkritiker Hans Schifferle in der epd-Film darauf hingewiesen, dass sich deutsche Cineasten auf "Hollywood Fling" vorbereiten sollten. Da wusste aber auch noch niemand, dass Eckhart Schmidts neuester Film still und heimlich auf den Heimvideomarkt geschmissen würde. Bei YouTube fragte ein irritierter User noch vor einem Jahr angesichts des Teasers: "What the hell is that? It makes no sense." Ein Film, komplett aus der Perspektive eines Serienkillers gedreht, der sich hübsche, hoffnungsvolle Jungschauspielerinnen für seine perversen Spielchen herauspickt.
Kein Sex ist auch keine Lösung
In diesem nicht kalt werden wollenden Herbst sind es die Filmprojekte alter deutscher Regierecken wie eines Eckhart Schmidt, die das Blut der jungen Cinephilen in Wallung bringen. Von der DVD zu "Hollywood Fling" lesen sie etwa in einer Nebenbemerkung des Filmblogs der Eskalierenden Träume. Von Klaus Lemkes nächstem ZDF-Film "Drei Kreuze für einen Bestseller", der dieser Tage auf der Viennale und den Hofer Filmtagen läuft, erfahren sie aus beiläufigen Spex-Interviews. Ein Film, der nach der letztjährigen Lemke-Offenbarung "Schmutziger Süden" die höchste Bürgerpflicht geworden ist. In Hof, nahe der tschechischen Grenze, läuft aber auch der neue Roland Reber-Film "Die Wahrheit der Lüge". Dessen von der Bild-Zeitung gepushter Selbsterfahrungstrip "Engel mit schmutzigen Flügeln" war letztes Jahr zwar in der Fantasie weitaus spannender als in der tatsächlichen Filmform. Aber man hat Vertrauen gewonnen in einen Regisseur, der viel wagt und dafür gelegentlich auch mal auf die Nase fällt. Und die SadoMaso-Szene war ja bereits in Roland Rebers Film "24/7: The Passion of Life" das geeignete Pflaster für seine eigenartig schönen Obsessionen. Dazu passt wiederum der kleine Cannes-Skandalfilm "Code Blue", bei dem der Deutsche Lars Eidinger eine tragende Rolle spielt und der zufälligerweise auch in Hof zu sehen ist. "Kein Sex ist auch keine Lösung" heißt eine deutsche Mainstream-Komödie, die in den nächsten Wochen ins Kino kommen und ziemlich sicher floppen wird. Für interessante deutsche Genrefilme scheint Sex aktuell die einzig wahre Lösung zu sein.

Links: - Hollywood Fling, - Hans Schifferle, - Amazon.de

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Donnerstag, 13. Oktober 2011
Deutschland beißt weiter! Neuer Vampirthriller!
Ok, ok, Dennis Gansels Vampirfilm "Wir sind die Nacht" war letztes Jahr kein Meisterwerk, aber immerhin einer der interessanteren deutschen Genrefilme seit langem. Ich denke sogar, wenn ich ihn mir demnächst noch mal in der amerikanischen Synchro anschaue - die IFC Midnight veröffentlichte Direct-to-DVD -, werden aus einigen Stilblüten schöne, lakonische Dialogfetzen. Und das Tolle ist: Rat Pack Filmproduktion hat sich vom verhaltenen nationalen Echo nicht entmutigen lassen. Erst neulich förderte die Film- und Medienstiftung NRW das neue Peter Thorwarth-Werk "Blood Red Sky" mit 900.000 Euro. Insidern ist dieses Rat Pack-Projekt seit Jahren eher unter dem Titel "Evil Blood" bekannt. Der "Bang Boom Bang"-Kultregisseur, der leider mit dem Dirk Benedict-Totalausfall "Goldene Zeiten" etwas aus der Spur geflogen war, könnte mit diesem modernen Vampirthriller wieder auf die Gewinnerstraße finden. Vor allem wenn sich die Gerüchte erhärten, dass die beiden Boxoffice-Schwergewichte Moritz Bleibtreu und Matze Schweighöfer die Hauptrollen spielen werden. Gedreht wird in Zusammenarbeit mit MMC Independent komplett in Nordrhein-Westfalen.

Link: - Deutsche Filme 2011/12

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Mittwoch, 12. Oktober 2011
Coming Soon: Blockbuster 2012
Wer nach "Harry Potter 8", "Pirates of the Caribbean 4", "Hangover 2", "Transformers 3" und "Die Schlümpfe 3D" keine Lust auf das kommende Blockbuster-Jahr bekommen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Denn das waren die größten Hits des ablaufenden Kinojahres. Nicht schwer vorherzusagen, eben nur viel schwerer durchzusitzen. Die schönen Überraschungen der Saison konnte man an einer Hand abzählen: Ein kruder Balletsploitation-Film, in dem es Natalie Portman mit Mila Kunis treibt, schafft über 2 Millionen Zuschauer; das Cameron Diaz-Revival als "Bad Teacher"; das deutsche Multikulti-Kinophänomen "Almanya" und die halbe Million Besucher für Wim Wenders' "Pina"-Hommage. 2012 wird uns entscheidende Fragen der Menschheit beantworten: Taugen Brettspiele tatsächlich zum Hollywood-Franchise? Schaffen Comicverfilmungen in Deutschland endlich ihren Durchbruch? Was wird das nächste "Twilight"? Wie heißen die nächsten Komödien von Adam Sandler und Kevin James? Und werden die Zuschauer vor Bilbo Beutlin genauso in die Knie gehen wie vor Frodo aus dem Auenland?
Zwei ältere Damen am Catskill-Buffet
Was das nächste "Twilight" wird, ist leicht zu beantworten: Wenn es nach den amerikanischen Medien geht, soll das die Bücher-Reihe "The Hunger Games", eine soapige Mainstream-Mischung aus "Battle Royale" und "Herr der Fliegen", bei der die oscarnominierte Blondine Jennifer Lawrence ("Winter's Bone") eine der Hauptrollen spielt, werden. Ob das wirklich erfolgreich wird, steht in den Sternen. Es erscheint mir aber deutlich spannender zu sein als andere potenziellen Blockbuster 2012 wie "Men in Black 3", "Ice Age 4", "Madagascar 3" oder "Breaking Dawn: Part 2", die dagegen am Ende des Jahres ganz sicher die Boxoffice-Rangliste anführen werden. Und die Comicverfilmungen hatten zuschauertechnisch auch selten bessere Aussichten als 2012. Gut, der große Marvel-Vereinigungsfilm "The Avengers" wird keine vergleichbaren Zahlen wie in Amerika schreiben. Dafür starten aber die zwei Lieblingscomichelden der Deutschen neu durch: "The Amazing Spider-Man" und "The Dark Knight Rises". Dazu gibt es David Finchers US-Remake "Verblendung", den 23. James Bond-Film, Brad Birds "John Mars", "Django Unchained", "The Bourne Legacy" und "Clash of the Titans 2". Darauf unzählige 3D-Animationsschlachtschiffe, Beziehungs-Komödien, Fortsetzungen, Remakes und Reboots. Darunter auch der erste anvisierte Brettspiel-Blockbuster "Battleship", der bei uns wohl schlicht "Schiffeversenken" heißen müsste. Hauptsächlich also immer mehr vom Immergleichen in immer kürzeren Intervallen. Nur auf ein Prequel freue ich mich richtig und zwar Peter Jacksons "Der Hobbit". Das ganze Projekt hat etwas organisches an sich. Die eher kindliche, simpel gestrickte Vorlage ist eine echte Herausforderung. Mehr davon, Hollywood!
Weniger davon, Babelsberg!
Zum bislang einzigen lukrativen Genre-Standbein des deutschen Kinos, nämlich dem Kinderfilm, ist seit Til Schweigers "Keinohrhasen" wieder einmal die romantische Beziehungskomödie hinzugekommen. Das kann man ganz ausgezeichnet an den bisherigen einheimischen Kinostarts ablesen: Auf der einen Seite lauern "Rubinrot", "Yoko", "Enid Blytons Fünf Freunde", "Haus der Krokodile", "Sams im Glück", "Hanni und Nanni 2" und "Die Vampirschwestern" darauf, sich gegenseitig die jungen Zuschauer abzugraben. Auf der anderen Seite dominieren RomComs wie "Anleitung zum Unglücklichsein", Florian David Fitz' "Jesus liebt mich", Matthias Schweighöfers "Schlussmacher", Benno Fürmanns "Kokowääh"-Ripoff "Der perfekte Mann" und Marc Rothemunds "Man tut, was man kann" den Spielplan, die allesamt hoffen, im Multiplex nicht zwischen den amerikanischen Konkurrenten als fremd aufzufallen. Wenn Doogie Howser ("Der Bro Code") und Comedians wie Dieter Nuhr glauben, Beziehungsratgeber für die Nation schreiben zu können und damit auch noch Erfolg haben, glauben das junge männliche Model-Schauspieler erst recht. Und umso interessanter deutsche Filmprojekte dann wiederum klingen, umso weniger Zuschauerpotenzial sieht man. Wie wär's etwa mit Doris Dörries Film "Glück", den Daniel Kehlmann-Adaptionen "Ruhm" und "Die Vermessung der Welt", dem "Türkisch für Anfänger"-Kinofilm, Fatih Akins "Kämpfernatur", Dennis Gansels "Im Jahr der Schlange" oder Marc Rothemunds Bestseller-Verfilmung "Heute bin ich blond". Ja, umso mehr die Filme von den vorgetretenen Pfaden abweichen, umso erfolgloser werden sie wohl. Von der Berliner Schule gar nicht zu sprechen. Dann lieber von durchbrechenden Geheimtipps auf der Berlinale, zum Beispiel Klaus Lemkes "Berlin für Helden".

Links: - Deutsche Filme 2011/12, - Hollywood Vs. Babelsberg

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