Dienstag, 12. Dezember 2017
Film Comment liebt die Safdie Brothers

Ehre wem Ehre gebührt: die Wiseman-Doku „Ex Libris“

Die wichtigste amerikanische Filmzeitschrift Film Comment wählt „Good Time“ auf Platz eins der Jahrescharts. Es ist die erste große Liste, welche die Genialität der Wiseman-Doku „Ex Libris“ aufgreift.

01. Good Time (Josh & Benny Safdie)
02. A Quiet Passion (Terence Davies)
03. Personal Shopper (Olivier Assayas)
04. Get Out (Jordan Peele)
05. Nocturama (Bertrand Bornello)
06. Ex Libris: New York Public Library (Frederick Wiseman)
07. The Death of Louis XIV. (Albert Serra)
08. Faces Places (Agnes Varda)
09. The Lost City of Z (James Gray)
10. Lady Bird (Greta Gerwig)

Link: Film-Comment-Liste 2017

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Montag, 11. Dezember 2017
Streaming-Tipp: Rüdiger Suchslands Doku „Hitlers Hollywood“

Hitler und Goebbels bei der UFA | Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-500 (CC-BY-SA 3.0)
Heute um 23.35 Uhr strahlt Arte Rüdiger Suchslands Doku „Hitlers Hollywood“ in die Nacht aus. Danach gibt es aber in der Mediathek eine Woche lang die Gelegenheit, den Film nicht zu verpassen. Ein Streaming-Tipp von Michael Müller

Der von mir einst verehrte, heute eher zwiespältig wahrgenommene deutsche Filmkritiker Rüdiger Suchsland hat den Dokumentarfilm „Hitlers Hollywood – Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945“ gedreht. Damit schaffte er es im September sogar auf das prestigeträchtige Telluride-Festival, wo ansonsten die Oscar-Filme der Saison ausgerufen werden. Das passt: Denn in den verschneiten Bergen von Colorado wurde in den 1970er-Jahren auch die Regisseurin Leni Riefenstahl wieder in den cineastischen Pantheon aufgenommen – übrigens vor allem durch New Hollywood-Regisseure. Da schließt sich also ein Kreis.

Vom 11. bis zum 18. Dezember 2017 ist Suchslands Doku in der Arte-Mediathek zu sehen (unten verlinkt). Am Montag ist er in den letzten Programmtag der 100-Jahre-Ufa-Retrospektive des deutsch-französischen Senders eingebunden: Erst läuft von Sternbergs „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich, dann Veit Harlans „Opfergang“ mit Kristina Söderbaum. Zum Abschluss zur Geisterstunde folgt Suchslands Werk.
Braucht es Schutzpatron Kracauer?
Ich hätte mir doch noch mehr die filmjournalistische Schule eines Eric Rentschlers („Ministry of Illusion“) gewünscht als den erhobenen Zeigefinger von Erwin Leiser („Deutschland, erwache!"). Braucht es denn immer noch den ewigen Film-Paten Siegfried Kracauer, der einem den intellektuellen Unterbau bereitet? Sind dessen Thesen nicht bereits beim Weimarer Kino widerlegt worden? Und wie kann man eine Doku über den Film des Dritten Reiches drehen, aber mit keinem einzigen Wort Werner Hochbaum erwähnen? Und wenn schon von einem der besten deutschen Regisseure aller Zeiten, nämlich Helmut Käutner, schwärmen, müsste die Doku nicht 200 anstatt 100 Minuten laufen? Fragen über Fragen.

„Hitlers Hollywood“ ist etwas wirr und sprunghaft, das Konzept erschließt sich mir nie so ganz. Irgendwann darf Susan „Fascinating Fasicm“ Sontag noch einen Satz in die Kamera sagen und Hannah Arendt wird irgendwo noch reingequetscht. Aber es ist eine wahre Freude, so viele digital restaurierte Ausschnitte in formidabler Bildqualität wiederzusehen. Suchsland Film richtet sich eher an Einsteiger denn an Filmhistoriker. Wenn Suchsland schwärmt, wagt er etwas. Dann sind seine Beobachtungen spannend. Ansonsten werden viele klassische Eckpunkte pflichtschuldig abgehakt (Der antisemitische Film, der Genie-Film, die Morgengaben 1933 usw.).

So machen die Schnappschüsse und angerissenen Regie-Biografien vor allem Lust auf mehr. Die Karl-May-Verfilmung „Durch die Wüste“ (1936), „Großstadtmelodie“ (1943) von Wolfgang Liebeneiner oder „Zwei in einer großen Stadt“ (1942) von Volker von Collande will ich jetzt nachholen. Es ist letztlich ein schlampig sortierter, wenn auch anregender Gemischtwarenladen. Wer richtig in die Tiefe gehen will, macht mit Eric Rentschler oder dem französischen Duo Francis Courtade und Pierre Cadars („Geschichte des Films im Dritten Reich“) weiter.

Arte-Stream | 100 Jahre Ufa

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Ich rieche was, was Du grad siehst

Sweet Smell of Success | © Luca Mascaro, flickr (CC BY-SA 2.0)
Ein Kinofilm kann viele unterschiedliche Gefühle auslösen: Stress, Spaß, Angst und so weiter. Und diese Emotionen rufen wiederum körperliche Reaktionen hervor. Und die können Wissenschaftler messen. Nur anhand der Atemluft in einem Kinosaal können Forscher erkennen, welcher Film geschaut wird. Ein Beitrag von Jörn Schumacher

Forscher vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz haben in Kinosälen während der Vorstellungen die Zusammensetzung der Atemluft im Saal gemessen und dabei Erstaunliches festgestellt. Die Atemluft spiegelte die Gefühle wider, die im Saal vorherrschten, während der Film lief. Mehr noch: Anhang der Konzentrationen der biologischen Spurengase konnten die Forscher letztendlich sogar erkennen, welcher Film gezeigt wurde.

Die Forscher um Jonathan Williams maßen zwischen dem 1. Dezember 2013 und dem 14. Januar 2014 im Mainzer Cinestar die abgesaugte Luft während einer Kinovorstellung – alle 30 Sekunden. Die Klimaanlage lief dabei wie bei jeder anderen Vorstellung auch. Insgesamt untersuchten sie 108 Vorführungen mit insgesamt 9.500 Kinozuschauern. Sie hatten 16 unterschiedliche Filme aus den Genres Comedy, Horror und Romantik ausgewählt. Darunter waren etwa „Der Hobbit: Smaugs Einöde“, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“, „Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 2“ und „Carrie“. (Die volle Liste findet sich innerhalb der Original-Studie. Für das Experiment wurden keine personenbezogenen Daten erfasst, lediglich die Anzahl der Kinobesucher wurde registriert.
Kampf ums Überleben
Im Ergebnis konnten die Forscher genau sehen, wann ein Film lustig, spannend oder langweilig ist. Am Beispiel der chemischen Signatur von „Tribute von Panem“ erklärt Forschungsleiter Jonathan Williams: „An der Stelle, an der die Heldin um ihr Leben kämpft, stiegen die Werte für Kohlendioxid und Isopren in der Abluft immer deutlich an“. Isopren (C5H8) und Aceton (C3H6O) sind die beiden häufigsten organischen Spurengase. Sie und die Menge an Kohlendioxid maßen die Forscher. Eine Erklärung für ihre Ergebnisse sehen die Wissenschaftler darin, dass die Kinobesucher bei aufregenden Filmszenen unruhig werden und schneller atmen.

Theoretisch wäre es damit für die Werbeindustrie möglich, mal in einen Kinosaal „reinzuschnuppern“, wie da gerade so die Stimmung ist. Oder wie ein Werbeclip ankommt.
Zuschauermanipulation möglich?
Der nächste Schritt wäre dann der umgekehrte: Warum nich die Luft im Saal so abändern, dass bestimmte Stimmungen entstehen? Es hält sich ja schon lange das Gerücht, dass Kinobetreiber besonderen Wert auf den ganz speziellen „Popcorn-Duft“ legen. Es soll sogar Kinos geben, die über die Klimaanlage diesen Kino-Duft extra in den Saal leiten, damit das Publikum Lust auf Popcorn bekommt und konsumiert.

So weit scheint der Weg zum duft-manipulierten Kino gar nicht zu sein: Der Künstler und Geruchsexperte Wolfgang Georgsdorf hat eine elektronische „Geruchsorgel“ entwickelt, die den einfallsreichen Namen „Smeller“ trägt. Damit lassen sich Düfte komponieren wie ein Musikstück. Werden wir also demnächst das Geruchs-Kino erleben, in dem die Gefühle auf der Leinwand mit Gefühlen aus einem chemischen Cocktail über die Atemluft kombiniert werden?

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Samstag, 9. Dezember 2017
Cahiers du Cinema wählen David Lynch

Kyle MacLachlan in „Twin Peaks: The Return“ | © Showtime

Eine TV-Serie auf Platz eins? Typisch, Franzosen! ;) Auch wenn man keinen der Kritiker mehr kennt, die für die Cahiers du Cinema schreiben, funktioniert heute immer noch die von der Nouvelle Vague etablierte Marke. Ihre Jahresliste hat schöne exzentrische Spitzen.

01. Twin Peaks: The Return (David Lynch)
02. Jeannette (Bruno Dumont)
03. Certain Women (Kelly Reichardt)
04. Get Out (Jordan Peele)
05. The Day After (Hong Sang-soo)
06. Lover for a Day (Philippe Garrel)
07. Good Time (Josh & Benny Safdie)
08. Split (M. Night Shyamalan)
09. Jackie (Pablo Larraín)
10. Billy Lynn's Long Halftime Walk (Ang Lee)

Links: - Cahiers du Cinema-Liste, - Lieblinge 2016

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Mittwoch, 6. Dezember 2017
„Get Out“ rockt Sight & Sound-Liste


Es ist die wohl wichtigste Top-Ten-Liste einer Vereinigung von internationalen Filmkritikern: Auf Platz eins des britischen Filmmagazins Sight & Sound landete der US-Horrorfilm "Get Out". Auch ein deutscher Film steht in der Top Ten.

01. Get Out (Jordan Peele)
02. Twin Peaks: The Return (David Lynch)
03. Call Me by Your Name (Luca Guadagnino)
04. Zama (Lucrecia Martel)
05. Western (Valeska Grisebach)
06. Faces Places (Agnès Varda)
07. Good Time (Josh & Benny Safdie)
08. Loveless (Andriy Zvyagintsov)
09. Dunkirk (Christopher Nolan)
10. The Florida Project (Sean Baker)

Link: - Sight & Sound Liste 2017

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Restaurierte Berlinale-Weltpremiere des seltenen Stummfilms „Das alte Gesetz“

„Das alte Gesetz“ | © Deutsche Kinemathek
Seltener deutscher Stummfilm „Das alte Gesetz“ feiert restaurierte Weltpremiere auf der Berlinale 2018.

In der Reihe Berlinale Classics präsentieren die 68. Berlinale mit Ewald André Duponts „Das alte Gesetz“ aus dem Jahr 1923 ein besonderes Stummfilm- und Konzert-Highlight. Die digitale Restaurierung der Deutschen Kinemathek erlebt mit einer neuen Musik des französischen Komponisten Philippe Schoeller am 16. Februar 2018 im Friedrichstadt-Palast ihre Weltpremiere. „Das alte Gesetz“, ein wichtiges Werk der deutsch-jüdischen Filmgeschichte, kontrastiert die in sich gekehrte Welt eines osteuropäischen Schtetls mit dem liberalen Wien der 1860er-Jahre und thematisiert die Assimilation der Juden im Europa des 19. Jahrhunderts.

Eine erste Rekonstruktion dieses Films hatte die Deutsche Kinemathek bereits 1984 unternommen und dabei versucht, sich der Originalfassung so weit anzunähern, wie die damalige Quellenlage das zuließ. Als später der Fund der Zensurkarte bekannt wurde, wurde dies der Auslöser für eine erneute weltweite Recherche und schließlich für eine neue, digitale Bearbeitung.
Erstmals verschollene Premierenfassung verwendet
Für die digitale Neubearbeitung standen zeitgenössische Nitrokopien in fünf verschiedenen Sprachen aus Archiven in Europa und den USA zur Verfügung. Erst anhand der Zensurkarte jedoch konnte das Restauratorenteam der Deutschen Kinemathek die bisher verloren geglaubten originalen Zwischentitel wiederherstellen sowie die Montage vervollständigen und korrigieren. Das Konzept für die Rekonstruktion einer farbigen Fassung orientierte sich vor allem an zwei hinsichtlich des Farbschnitts und der Farbwerte identischen Kopien. Erstmals wird jetzt die verschollene deutsche Premierenfassung in ihrer ursprünglichen Länge und in einer zeitgenössischen Einfärbung wieder zugänglich.

„Mit seiner authentischen Ausstattung und einem exzellenten Schauspielerensemble, großartig in Szene gesetzt von Kameramann Theodor Sparkuhl, ist 'Das alte Gesetz' ein herausragendes Beispiel für die Kreativität jüdischer Filmschaffender im Deutschland der 1920er Jahre", so Rainer Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

Die Aufführung des Films bei der Berlinale ist der Auftakt einer Tournee durch einstmals bedeutende Zentren jüdischen Lebens vor allem in Osteuropa. Zu den Stationen dieser Tour gehören Vilnius, Budapest, Warschau und Wien. In San Francisco wird er beim Silent Film Festival vorgestellt. Ihre TV-Premiere erlebt die restaurierte Fassung am 19. Februar 2018 auf Arte. Die digitale Neubearbeitung von „Das alte Gesetz“ durch die Deutsche Kinemathek wurde ermöglicht durch das persönliche Engagement von Cynthia Walk (University of California, San Diego) und die großzügige Unterstützung der Sunrise Foundation for Education and the Arts.

Link: - Retrospektive Weimarer Schätze 2018

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Dienstag, 5. Dezember 2017
Berlinale-Abrechnung: Negative Space zu Gast beim hochverehrten Wollmilchcast

Joaquin Phoenix in „A Beautiful Day“ | © Why Not Productions
Über die Berlinale mit und nach Dieter Kosslick: Negative Space war zu Gast im Wollmilchcast.

Wann lädt einen schon der Wollmilchcast in seine heiligen Hallen? Der Berlin-Aufenthalt für Negative Space-Chefredakteur Michael Müller hätte sich bereits allein für diesen Podcast-Besuch gelohnt gehabt. Ausgangspunkt des Gesprächs mit Jenny Jecke und Matthias Hopf war die Erklärung der 79 Regisseure, die sich einen Neuanfang bei der Berlinale wünschen. Darüber hinaus ist es aber vor allem ein ziemlich hörenswertes Gespräch über Filmfestivals geworden – und was man von ihnen erwartet.

Ab 00:55:35 diskutieren wir auch den neuen Lynne-Ramsay-Film „You Were Never Really Here“, der in Deutschland jetzt „A Beautiful Day“ heißen wird. Und ab 01:12:00 machen wir noch einen kleinen Hofknicks vor der französischen Entdeckung „Ava“. Beides Filme, die auf dem famosen Around-the-World-in-14 Films-Festival in der Berliner Kulturbrauerei liefen.



Links: - Mehr Wollmilchcasts, - The Gaffer, - Das Film Feuilleton

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Montag, 4. Dezember 2017
Toldja: Wes Andersons Animationsfilm „Isle of Dogs“ eröffnet Berlinale 2018
© 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation
Wird auch Yoko Ono über den Roten Teppich der Berlinale 2018 laufen? Als Stimme in Wes Andersons neuem Film „Isle of Dogs“, der das Festival eröffnet, könnte das passieren.

Zum Auftakt der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin am 15. Februar 2018 wird Wes Andersons Animationsfilm „Isle of Dogs – Ataris Reise“ seine Weltpremiere im Berlinale Palast feiern. Und in alter Nikki-Finke-Manier sagt der Blog Negative Space: Toldja. Das haben wir schon lange kommen sehen.

Wes Anderson hat bisher drei Filme im Berlinale Wettbewerb präsentiert: „Die Royal Tenenbaums“ (2002), „Die Tiefseetaucher“ (2005) und „Grand Budapest Hotel“ (2014), der die 64. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnete und den Silbernen Bären Großer Preis der Jury gewann. „Ich freue mich sehr, dass Wes Anderson wieder den Berlinale-Wettbewerb eröffnet. Mit 'Isle of Dogs – Ataris Reise' wird erstmals ein Animationsfilm zum Auftakt des Festivals gezeigt – ein Film, der mit dem verzaubernden Wes-Anderson-Stil begeistert“, sagt Festivaldirektor Dieter Kosslick.
Starparade auf dem Roten Teppich
„Isle of Dogs – Ataris Reise“ erzählt die Geschichte von Atari Kobayashi, dem zwölfjährigen Pflegesohn des korrupten Bürgermeisters Kobayashi. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt Megasaki City auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, macht sich Atari allein in einem Miniatur-Junior-Turboprop auf den Weg und fliegt nach Trash Island auf der Suche nach seinem Bodyguard-Hund Spots. Dort freundet er sich mit einem Rudel Mischlingshunde an und bricht mit ihrer Hilfe zu einer epischen Reise auf, die das Schicksal und die Zukunft der ganzen Präfektur entscheiden wird.

Die Besetzung der Stimmen umfasst Bryan Cranston, Koyu Rankin, Edward Norton, Liev Schreiber, Bill Murray, Bob Balaban, Jeff Goldblum, Scarlett Johansson, Kunichi Nomura, Tilda Swinton, Ken Watanabe, Akira Ito, Greta Gerwig, Akira Takayama, Frances McDormand, F. Murray Abraham, Courtney B. Vance, Yojiro Noda, Fisher Stevens, Mari Natsuki, Nijiro Murakami, Yoko Ono, Harvey Keitel und Frank Wood. „Isle of Dogs – Ataris Reise“ startet in den USA am 23. März 2018 in den Kinos. Weltweit wird der Film ab April 2018 in die Kinos kommen.

Link: - Mehr Berlinale-News

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Der Klassiker unter den Best-of-Videos: David Ehrlichs Top-25-Liste

THE 25 BEST FILMS OF 2017: A VIDEO COUNTDOWN from David Ehrlich on Vimeo.

Immer ein audiovisueller Augenschmaus. Gefühlt wahnsinnig viel 90er-Trash auf der Songliste, mit dem man damals so aufgewachsen ist. Die Top-25-Liste des amerikanischen Filmkritikers David Ehrlich gehört seit längerem zu den festen Traditionen am Ende des Jahres. Wir warten weiterhin auf sein erstes eigenes Filmprojekt!

David Ehrlichs Top Ten 2017:

01. Call Me by Your Name
02. Dunkirk
03. A Ghost Story
04. Personal Shopper
05. The Florida Project
06. Columbus
07. Lady Bird
08. The Post
09. Faces Places
10. Phantom Thread

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Was New York und Los Angeles für die Oscars empfehlen

Die Doku „Faces Places“ von Agnes Varda

Wie die wichtigsten US-Kritiker von der Ost- und der Westküste abgestimmt haben:

Die beiden bedeutendsten Kritikerverbände der Vereinigten Staaten von Amerika haben über ihres Jahresfavoriten abgestimmt. Einen Frontrunner bestimmen sie nicht. Aber sie definieren einige Favoriten in ausgewählten Kategorien: Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller für „Call Me by Your Name“, Willem Dafoe als bester Nebendarsteller in „The Florida Project“, das französische Werk „120 BPM“ als bester fremdsprachiger Film und Agnes Vardas „Faces Places“ als bester Dokumentarfilm:

BEST PICTURE

N.Y.: Lady Bird
L.A.: Call Me by Your Name

BEST DIRECTOR

N.Y.: Sean Baker (The Florida Project)
L.A.: Guillermo del Toro (The Shape of Water) & Luca Guadagnino (Call Me by Your Name)

BEST SCREENPLAY

N.Y.: Paul Thomas Anderson (Phantom Thread)
L.A.: Jordan Peele (Get Out)

BEST ACTOR

N.Y.: Timothée Chalamet (Call Me by Your Name)
L.A.: Timothée Chalamet (Call Me by Your Name)

BEST ACTRESS

N.Y.: Saoirse Ronan (Lady Bird)
L.A.: Sally Hawkins (The Shape of Water)

BEST SUPPORTING ACTOR

N.Y.: Willem Dafoe (The Florida Project)
L.A.: Willem Dafoe (The Florida Project)

BEST SUPPORTING ACTRESS

N.Y.: Tiffany Haddish (Girls Trip)
L.A.: Laurie Metcalf (Lady Bird)

BEST FOREIGN LANGUAGE FILM

N.Y.: 120 BPM (Frankreich)
L.A.: 120 BPM (Frankreich) & Loveless (Russland)

BEST DOCUMENTARY

N.Y.: Faces Places (Agnes Varda)
L.A.: Faces Places (Agnes Varda)

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Samstag, 2. Dezember 2017
Streaming-Tipp: Das neue RBTV-Format „Film Fights“

„Film Fights“: Auf den Spuren von Screen Junkies | © Rocket Beans TV

Am Freitag lief der Pilot zur neuen Sendung „Film Fights“ auf Rocket Beans TV. Es war erstaunlich hitzig – und ziemlich unterhaltsam.

Was sich nach der ersten Ausgabe „Film Fights“ von Rocket Beans TV festhalten lässt: Es ist von einem amerikanischen Format der Screen Junkies entlehnt, aber das haben die Raketenbohnen mit offenen Karten gespielt; es ist extrem unterhaltsam und reizvoll; es ließen sich aber auch kritische Nachfragen stellen: Ist es auf Dauer nicht ein bisschen sehr subjektiv, wenn eine einzige Person darüber entscheidet, wer am besten argumentiert hat? Verschwindet bei diesem Konzept letztlich nicht die eigene Meinung im Hintergrund und geht es dann fast ausschließlich um das Debattiertalent?

Für eine Live-Show mit den vielen Unwegbarkeiten war das auf jeden Fall großes Tennis. Bei „Film Fights“ diskutieren drei Experten über Fragen nach der besten Eröffnungssquenz der Filmgeschichte, oder sie pitchen eine Drehbuchidee zum wichtigsten Weltereignis des Jahres. Vor allem die frischen Kräfte Stefan Titze und Sophie Passmann wussten dabei zu überzeugen. Aber auch die Stammkräfte Etienne Gardé, Florentin Will und Daniel Schröckert fügten sich gut in ihr Aufgabenfeld. Obendrauf gab es eine eher grenzwertige Diskussion zum Thema #metoo und Weinstein-Tornados.
„Film Fights“ jagte „heute-show“ bei Twitter
Es ist vor allem eine Show, bei der man irgendwie immer gerne etwas dazwischenrufen, widersprechen oder zustimmen will. Die angeregte Interaktivität von „Film Fights“ zahlte sich aus: Die Spartensendung schaffte es hinter die „heute-show“ in die Trending Topics bei Twitter. Der Pilotfolge wäre es zu wünschen, dass sie in Serie geht. An den Feinheiten des Konzepts könnte dann gearbeitet werden.

Als Nächstes schlage ich den Raketenbohnen eine Adaption von „Das literarische Quartett“ mit Filmen vor: Die Sendung kommt einmal im Monat; alle vier Diskutanten haben alle zu besprechenden Filme gesehen; jeder Diskutant darf dabei einen Film vorschlagen; ein Diskutant stellt neutral einen Film vor; dann schlagen sich die Teilnehmer verbal für eine Viertelstunde die Köpfe ein. Es gibt drei Stammkräfte und einen wechselnden Gast. Das kann bei Gelegenheit auch mal ein Regisseur oder Drehbuchschreiber sein. Warum dann nicht mal einen internationalen Star wie Edgar Wright einladen, wenn er gerade auf Promo-Tour ist.

Link: - Mehr RBTV-News

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Unterzeichner von Berlinale-Aufruf fühlen sich für Anti-Kosslick-Kampagne ausgenutzt

Regisseur Dominik Graf | © JCS, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Der Blog Negative Space berichtete, dass 79 Regisseure eine Erklärung unterschrieben haben, welche die Nachrichtenseite Spiegel Online am 24. November veröffentlicht hat. Darin forderten die Filmemacher einen Erneuerungsprozess der Berlinale und eine transparente, internationale Ausschreibung für die Nachfolge des Festivalleiters Dieter Kosslick. Gefahren wurde die Veröffentlichung von Spiegel Online, aber auch von anderen Publikationen, vor allem als Abrechnung mit dem aktuellen Berlinale-Chef, der im Jahr 2019 aus seinem Amt ausscheidet.

Wie man aber am Donnerstag in der Wochenzeitung Die Zeit nachlesen konnte, war das zumindest von einigen Regisseuren, die unterzeichnet hatten, überhaupt nicht die Absicht. Einer der prominentesten Filmemacher unter den 79 Regisseuren, Dominik Graf („Die geliebte Schwestern“, „Die Katze“), stellte das jetzt klar: „Wenn ich gewusst hätte, dass unser Schreiben in das publizistische Fahrwasser einer Abrechnung mit Kosslick gezogen wird, hätte ich nie unterschrieben.“
„Es wird immer hintenrum draufgehauen“
Weiter führte Graf aus: „Genau das nervt mich an der deutschen Filmbranche: Dieses 'Kopf ab!'-Geschrei, dieser Mangel an direkter Auseinandersetzung, an Differenzierung – und stattdessen wird dann immer hintenrum draufgehauen. Wir wollten mit der Petition nach vorne blicken, ohne nach hinten zu treten.“ Diese Stoßrichtung unterstricht auch Regisseur Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Halbe Treppe“): „Es ging uns weder um Abrechnung noch um Kritik noch um die Kampagne, die daraus gemacht wurde. Die ganze Debatte ist in höchstem Maße unfair.“

Montag, den 4. Dezember, findet im Haus der Kulturen der Welt in Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema „Filmfestivals heute“ statt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters führt in die Debatte ein. Es diskutieren die Chefin des Medienboards Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus, die als Nachfolgerin von Kosslick gehandelt wird; der Regisseur Christoph Hochhäusler, der Unterzeichner der Erklärung ist sowie die Kulturchefin des Tagesspiegel, Christiane Peitz.

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Freitag, 1. Dezember 2017
Catch-22 2017
Candy Flip in Shu Lea Cheangs „Fluidø“ | © J. Jackie Baier
Negative-Space-Chefredakteur Michael Müller veröffentlicht seine 22 Lieblingsfilme des Kinojahres 2017 in alphabetischer Reihenfolge.

In der altehrwürdigen Tradition der einstmaligen Kultpostille Steadycam veröffentliche ich meine Catch-22-Liste zum Kinojahr 2017. Über 100 neue Filme standen mir dabei zur Auswahl. Für Tageskritiker, die werktags die Pressevorführungen besuchen, mag das nach wenig klingen. Für mich war es ein Jahr mit überdurchschnittlicher Ausbeute. Ich werde zwar das Gefühl nicht los, dass mir zu meinem ganzen Glück die knallhart heruntergezählte Top-Ten-Liste Ende Dezember fehlt. Auch mangelt es noch an einigen wunderschönen Dokumentationen, TV-Serien und sonstigen Highlights, die ich mit der Top Ten Ende des Jahres veröffentliche. Siebeneinhalb deutsche Filme sind unter meinen 22 Lieblingen. Mit „Logan“, „Get Out“ und „Es“ ist gefühlt zu wenig Popcornkino vertreten. Aber das sagt vielleicht auch viel über meine persönliche Präferenz im Kinojahr 2017 aus. Die Berlinale und das Filmfest Hamburg haben meine Auswahl überdeutlich stark geprägt. Unter den herausgesiebten Werken sind wirklich einige echte Goldnuggets, die in der Filmgeschichte ihren Platz finden werden.

Alphabetisch:

* 120 BPM – Robin Campillo
* BLIND & HÄSSLICH – Tom Lass
* THE CAKEMAKER – Ofir Raul Graizer
* CALL ME BY YOUR NAME – Luca Guadagnino
* CASTING – Nicolas Wackerbarth
* COLO – Teresa Villaverde
* ES – Andy Muschietti
* FIKKEFUCHS – Jan Henrik Stahlberg
* THE FLORIDA PROJECT – Sean Baker
* FLUIDØ – Shu Lea Cheang
* DIE FREIBADCLIQUE – Friedemann Fromm
* EIN TAG WIE KEIN ANDERER – Asaph Polonsky
* GET OUT – Jordan Peele
* Die HÖLLE – INFERNO – Stefan Ruzowitzky
* JEUNE FEMME – Léonor Serraille
* LOGAN – James Mangold
* ON BODY AND SOUL – Ildikó Enyedi
* PIELES – Eduardo Casanova
* RAW – Julia Ducournau
* SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES – Julian Radlmaier
* THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI – Martin McDonagh
* TIGER GIRL – Jakob Lass
* WESTERN – Valeska Grisebach

Links: - Catch-22 2016, - Catch-22 2015

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Dienstag, 28. November 2017
Und so beginnt es ...

Vicky Krieps in „Phantom Thread“ | © Annapurna Pictures / Focus Features

Das National Board of Review startet den traditionellen Oscar-Reigen. Steven Spielberg mischt die bisherigen Favoriten auf.

Das Oscar-Rennen ist offiziell eröffnet. Der erste richtungsweisende Kritikerverband, das National Board of Review, hat seine Gewinner gekürt. Als bester Film wurde Steven Spielbergs Werk „The Post“ ausgezeichnet. Beste Regisseurin wurde Greta Gerwig mit ihrem Film „Lady Bird“. Auch die beiden Hauptdarstellerpreise gehen an Spielbergs Zeitungsfilm: Tom Hanks wird bester Schauspieler, Mery Streep beste Schauspielerin. Am wichtigsten ist aber immer die Liste der zehn besten Filme des Jahres:
Platz eins: THE POST

* BABY DRIVER
* CALL ME BY YOUR NAME
* THE DISASTER ARTIST
* DOWNSIZING
* DUNKIRK
* THE FLORIDA PROJECT
* GET OUT
* LADY BIRD
* LOGAN
* PHANTOM THREAD
In einem normalen Jahr würde ich die Liste des National Board of Review nicht mehr posten. Ich würde sie amüsiert zur Kenntnis nehmen. Zu dubios ist eigentlich die Zusammensetzung der Kritikervereinigung, zu weit habe ich mich von den Oscar Bloggern entfernt. Aber in diesem Jahr sind einfach sehr viele Filme im Rennen, denen ich die Daumen drücke.

Das gilt selbst für einen von mir noch nicht gesehenen Film wie Paul Thomas Andersons „Vertigo“-Variation „Phantom Thread“ mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps. Wie cool ist das denn? Da ist auf einmal die famose Luxemburgerin aus „Das Zimmermädchen Lynn“ und „Der junge Karl Marx“ in einem potenziellen Oscar-Film zu sehen. Übrigens feierte der tolle „Karl Marx“ in der angeblich so überflüssigen Berlinale-Special-Reihe seine Weltpremiere.
Spannender ist fast, wer nicht drauf steht
Steven Spielberg erhält einen größeren Push mit den diversen Preisen. Mich amüsiert zwar ein bisschen der Spruch „Der beste Spielberg seit ...“, weil ganz klar „Bridge of Spies“ sein bester Film seit den frühen 2000er-Jahren ist. Und das war quasi sein bis dato letztes Werk. Aber ansonsten bestätigt das National Board frühe Favoriten wie „Call Me by Your Name“, „Dunkirk“, „The Florida Project“, „Get Out“ und „Lady Bird“. So schön ich auch die Nennung von „Logan“ finde, der wird in diesem Umfeld zu vernachlässigen sein. Auch „Baby Driver“ und „The Disaster Artist“ wirken wie Zeichen der versuchten Jugend. „Downsizing“ ist auch eigentlich schon in Toronto verbrannt worden.

Überraschenderweise außen vor sind hier auf jeden Fall „Shape of Water“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Darkest Hour“ und „The Big Sick“. Die Liste zeigt letztlich eigentlich nur, wie offen das Oscar-Rennen zu diesem Zeitpunkt noch ist. Die Kritiker positionieren sich, die letzten Kandidaten werden gesichtet. Spannend wird sein, wie sich „The Post“ und „Phantom Thread“ auf mittelfristige Sicht unter den Favoriten einsortieren werden.

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Freitag, 24. November 2017
Deutsche Regisseure wünschen sich Neuanfang auf der Berlinale

Entscheidet über die Zukunft der Berlinale: Kulturstaatsministerin Monika Grütters | Christof Rieken, Wikipedia CC BY-SA 3.0
Die wichtigsten deutschen Regisseure haben eine Erklärung veröffentlicht. Sie wollen frischen Wind auf der Berlinale. Festivalleiter Dieter Kosslick antwortet. Eine Zusammenfassung von Michael Müller

Die Nachrichtenseite Spiegel Online hat am Freitag eine Erklärung von 79 deutschen Filmemachern veröffentlicht. Darunter befinden sich die bekanntesten Regisseure der vergangenen 40 Jahre. Zum Beispiel sind es Fatih Akin, Maren Ade und Christian Petzold, aber auch Altmeister wie Volker Schlöndorff und Doris Dörrie. Es geht wohl vor allem darum, Namen und Konstellationen zu verhindern, die nach dem Vertragsende des Berlinale-Chefs Dieter Kosslick im Jahr 2019 Realität werden könnten:

„Die Berlinale ist eines der drei führenden Filmfestivals weltweit. Die Neubesetzung der Leitung bietet die Chance, das Festival programmatisch zu erneuern und zu entschlacken. Wir schlagen vor, eine internationale, zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzte Findungskommission einzusetzen, die auch über die grundlegende Ausrichtung des Festivals nachdenkt. Ziel muss es sein, eine herausragende kuratorische Persönlichkeit zu finden, die für das Kino brennt, weltweit bestens vernetzt und in der Lage ist, das Festival auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig in die Zukunft zu führen. Wir wünschen uns ein transparentes Verfahren und einen Neuanfang.“

Wenige Stunden später antwortete Dieter Kosslick darauf mit einer Pressemitteilung:

„Ich kann den Wunsch der Regisseur*innen nach einem transparenten Prozess der Neugestaltung der Berlinale verstehen. Die Zukunft der Berlinale ist uns allen ein Anliegen. Das Berufungsverfahren liegt in Händen der Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters. Mein Vertrag endet am 31. Mai 2019. Der Aufsichtsrat hatte mich aufgefordert, einen Vorschlag zu einer möglichen Neustrukturierung der Berlinale zu unterbreiten. Diesen Vorschlag werde ich – völlig unabhängig von meiner Person – dem Aufsichtsrat vorlegen.“
„Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“
Zusammenfassend ließe sich dazu das Zitat dier Figur Ranger aus dem „Schuh des Manitu“ anbringen: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden.“ 17 Jahre Dieter Kosslick haben ihre Spuren bei den Filmschaffenden hinterlassen. Aus ihrem Schreiben spricht die Angst, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin wieder aus der Filmförderungslandschaft kommen könnte. Und es existiert die leise Hoffnung, dass ihr kleinster gemeinsamer Nenner in Form dieser veröffentlichten Erklärung daran etwas ändern könnte. Eine Quelle kolportierte, dass die Erklärung der Regisseure bereits im Mai verfasst wurde, aber nicht die passende Reaktion bei Kulturstaatsministerin Grütters ausgelöst habe, die über Kosslicks Nachfolge entscheidet.

Am Donnerstag waren bereits zwei Texte im deutschen Feuilleton erschienen, die sich mit der Zukunft der Berlinale auseinandersetzten. Matthias Dell im Freitag bot auch gleich alternative Namen für die Festivalleitung mit den beiden Österreichern Christine Dollhofer und Alexander Horwath an. Lukas Foerster vom Perlentaucher glänzte mit dem insgesamt spannendsten und originellsten Vorschlag: Fortan solle das berüchtigte Hofbauer-Kommando die Retrospektive der Berlinale übernehmen.
Erklärung taugt nicht zur Generalabrechnung
Einer der Unterzeichner der Erklärung, Christoph Hochhäusler („Unter dir die Stadt“, „Dreileben: Eine Minute Dunkel“), gab am Freitag dem Deutschlandfunk Kultur ein eher schwammiges Interview, weil er auch nicht als der Vertreter der Gruppe sprechen wollte. Von Neuanfang und einem Nachfolger mit Visionen ist da die Rede. Interessanterweise könnte man einem der Hauptvorwürfe Hochhäuslers Lukas Foersters Text entgegenhalten: Hochhäusler fordert eine Entschlackung der Berlinale wegen der zahlreichen Nebenreihen. Foerster sieht gerade in der Verästelung des Programms den Reiz, weil sie gesellschaftliche Prozesse widerspiegelt. An dieser einen Stellschraube zeigt sich also bereits, dass die Erklärung der Regisseure überhaupt nicht zur Generalabrechnung mit Kosslick taugt. Was aber Hannah Pilarczyk von Spiegel Online oder auch Rüdiger Suchsland von Artechock nicht davon abgehalten hat, genau dies zu tun.

So oder so werden es spannende Zeiten: Ein Blick auf die anderen beiden bedeutenden A-Festivals der Welt reicht, um den Prozess auch kritischer betrachten zu können. Es gibt, glaube ich, wenige Kritiker, die behaupten, dass Cannes nach der Staffelstabübergabe von Gilles Jacob zu Thierry Frémaux ein besseres Programm bekommen hätte. Das Gegenteil ist eher der Fall. Und Venedig hat das Problem, dass die amerikanischen Weltpremieren mittlerweile gar nicht mehr als Venedig-Filme wahrgenommen werden. Denn sie laufen ein paar Tage später in Telluride und Toronto und erhalten dort die größere und auffälligere Berichterstattung. Nimmt man Venedig die drei Oscar-Filme, die dort zwangsläufig ihre Weltpremiere feiern, weg, was bleibt dann noch vom Wettbewerb 2017? Was schreibt eigentlich die italienische Presse über Alberto Barbera, der Marco Müller 2012 in Venedig abgelöst hatte?

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