Sonntag, 14. Juli 2019
Petzolds „Undine“-Projekt mit Paula Beer prädestiniert für die Berlinale 2020

Petzold, Beer & Rogowski | © ZDF/Marco Krüger
Einen neuen Petzold zur sagenhaften Nixen-Figur Undine mit Paula Beer? Da würde Carlo Chatrian zur Berlinale-Premiere nicht Nein sagen.

Der „Transit“-Regisseur Christian Petzold tritt in die Fußstapfen von legendären deutschen Filmemachern wie Rolf Thiele oder Eckhart Schmidt und wagt sich an den Undine-Mythos. In den Hauptrollen spielen wie bereits in „Transit“ Paula Beer („Frantz“, „Bad Banks“) und Franz Rogowski („Fikkefuchs“, „A Hidden Life“).

Petzolds Plot lautet wie folgt: Als die geheimnisvolle Undine (Paula Beer), die studierte Historikerin ist und in Berlin als Stadtführerin arbeitet, von ihrem Freund (Jacob Matschenz) verlassen wird, stürzt sie sich in eine neue Liebe. Doch ihr Schicksal holt sie ein, während sie eine Beziehung mit Christoph (Franz Rogowski) beginnt. Der Sage nach ist die Undine ein jungfräulicher Wassergeist, der dem untreuen Ehegatten den Tod bringt. Bei Petzold soll sich Undine gegen ihre Bestimmung wehren.

Die Kino-Dreharbeiten finden gerade für das ZDF in Berlin und Nordrhein-Westfalen statt. Drehende soll Mitte August sein. So könnte Petzolds „Undine“ rechtzeitig für Carlo Chatrians erste Berlinale fertig sein. „Wolfsburg“, „Gespenster“, „Yella“, „Barbara“ und „Transit“ liefen jeweils auch schon im Wettbewerb des wichtigsten deutschen Festivals.

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Samstag, 13. Juli 2019
Skandalfilm „Extase“ mit Hedy Lamarr leitet Venedig ein

Hedy Kiesler in „Extase“ | © ASAC - La Biennale di Venezia
Für Cineasten zaubert das Filmfestival von Venedig noch vor dem offiziellen Start den erotischen Klassiker „Extase“ in einer neuen Restaurierung aus dem Hut.

Am 27. August, vor der offiziellen Eröffnung, zeigt das Filmfest von Venedig den Skandal umwitterten Film „Extase“ als Weltpremiere in einer restaurierten 4K-Digitalkopie. Das Werk aus dem Jahr 1932 erlangte Weltruhm, weil es die erste Ganzkörper-Nacktszene in einer Mainstream-Produktion aufbot. Die Berüchtigkeit des Films ebnete auch der Hauptdarstellerin Hedy Kiesler den Weg nach Hollywood, wo sie als Hedy Lamarr bekannt wurde. Der Skandal um den Film des tschecheslowakischen Regisseurs Gustav Machatý ereignete sich auf dem zweiten Venedig-Festival 1934.

Die Wienerin Kiesler war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten von „Extase“ noch keine zwanzig Jahre alt. Die berüchtige Szene zeigt sie beim Nacktbaden. Ihr damaliger Mann, der Waffenhändler Fritz Mandl, versuchte vergeblich alle Filmkopien aufzukaufen. In vielen Ländern hatte der Film Zensurprobleme. Der am 7. August 1934 an der Mostra gezeigte Film erhielt den Regiepreis, und das Publikum wählte ihn zum besten fremdsprachigen Film. Der spätere Regisseur und damalige junge Filmkritiker Michelangelo Antonioni schrieb: „Im Garten des Excelsior in dieser Nacht konnte man das Atmen der begeisterten Zuschauer hören und den Schauder spüren, der dem Publikum über den Rücken lief.“
Floh vor den Nazis nach Hollywood
Kiesler hieß mit Vornamen eigentlich Hedwig. Der Berliner Theatergott Max Reinhardt entdeckte sie. Die Jüdin floh vor den Faschisten und den Nazis in den 1930er-Jahren über London nach Hollywood, wo der Produzent Louis B. Mayer sie in Hedy Lamarr umtaufte und sie eine ansprechende Karriere bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges genoss. Im vergangenen Jahr erschien die Dokumentation „„Geniale Göttin – Das Geheimnis der Hedy Lamarr“ in den deutschen Kinos.

Die Restaurierung von „Extase“ nahm das tschechische Filmarchiv mit der Unterstützung des Filmfestivals in Karlovy Vary vor. Ein großer Anteil der Arbeit passierte dazu in Bologna. Da keine Originalkopie in tschechischer Sprache mehr existiert, setzte sich die Restaurierung aus Kopien verschiedener anderer Sprachen zusammen. Die Filmarchive Großbritanniens, der Schweiz, Dänemarks, Österreichs, Frankreichs und der Slowakei halfen aus.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Der Blog Negative Space wird vor Ort berichten.

Link: - Karina Longworth über Hedy Lamarr

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Mittwoch, 3. Juli 2019
Tarantino spricht in dreistündigem Podcast über selbst kuratiertes Juli-Kinoprogramm

Foto: Georges Biard, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Drei Stunden Podcast mit Quentin Tarantino über seinen selbst programmierten Juli im New-Beverly-Kino.

Seit einiger Zeit hat Quentin Tarantinos New-Beverly-Cinema in Los Angeles seinen eigenen Podcast. Passend zum „Once Upon a Time in Hollywood“-Kinostart Ende Juli spricht Tarantino jetzt in einer knapp dreistündigen Ausgabe des Pure Cinema Podcast über die Filme, welche die Zuschauer auf sein neuestes Werk vorbereiten sollen. Es geht um Doube Features zu Raquel Welch, Ann-Margret, Jane Fonda, George Hamilton, Natalie Wood und Vince Edwards.

Link: - Pure Cinema Podcast mit QT

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Dienstag, 2. Juli 2019
Negative Space berichtet vor Ort von der Mostra

Foto: Mansour Nasiri, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Es wurde aber auch Zeit: Negative Space berichtet Ende August live vor Ort und exklusiv vom Venedig-Festival.

Der Blog Negative Space wird dieses Mal nicht die Internationalen Filmfestspiele von Venedig aus der Ferne mit einem Kritiker-Ticker beobachten. Chefredakteur Michael Müller wird vor Ort von der 76. Ausgabe des ältesten Filmfestival der Welt berichten, das vom 28. August bis 7. September stattfindet. Das ist eine Premiere.

Aber angesichts der Tatsache, dass in der Festivalwelt so viel in Bewegung ist, die Berlinale sich mit Carlo Chatrian sehr spannend neu aufgestellt hat und Venedig in den vergangenen Jahren auf Cannes so aufgeschlossen hat, ist der Besuch vor Ort zwingend notwendig. Es gilt mit eigenen Augen herauszufinden, wie gering der Abstand zum Klassenprimus wirklich geworden ist. Cannes hatte mit Filmen wie „Once Upon a Time in Hollywood“, „Portrait of a Lady on Fire“, „Parasite“, „A Hidden Life“ oder „The Wild Goose Lake“ einen bärenstarken Jahrgang. Vielleicht pushen sich die beiden besten Festivals der Welt auch gegenseitig durch die Konkurrenzsituation in neue Sphären.
Spekulationsblase mit Scorsese, Gray & Joker
In der Spekulationsblase für den Wettbewerb der Mostra befindet sich Martin Scorseses Netflix-Gangsterepos „The Irishman“, wobei die indieWIRE-Filmjournalistin Anne Thompson Zweifel gesät hat, ob die aufwendigen Aging-Spezialeffekte der Superstars Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci rechtzeitig fertig werden. Todd Phillips „Joker“ mit Joaquin Phoenix wird genauso gehandelt wie James Grays Sci-Fi-Film „Ad Astra“ mit Brad Pitt.

Negative Space berichtete am 12. Juni, dass Roman Polanskis Dreyfus-Affäre-Film „J'accuse“ ziemlich sicher für den Wettbewerb eingeloggt ist. Das Gleiche gilt für den Franzosen Robert Guédiguian und seinen Film „Gloria Mundi“. Wahrscheinlich sind auch die Safdie-Brothers mit dem Netflix-Film „Uncut Gems“ und Pablo Larraíns Netflix-Einkauf „Ema“. Weitere heiße Kandidaten sind Hirokazu Koreedas „La verité“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ludivine Sagnier, Roy Anderssons „About Endlessness“, Justin Kurzels „The True History of the Kelly Gang“ mit Nicholas Hoult und Russell Crowe, Greta Gerwigs „Little Women“, Mia Hansen-Løves „Bergman Island“, Ulrich Seidls „Böse Spiele“, Chloé Zhaos „Nomadland“ mit Frances McDormand, Sam Mendes' „1917“ und Katrin Gebbes „Pelikanblut“.

Das Line-Up des Wettbewerbs und der Nebenreihen wird am 25. Juli um 11 Uhr in Rom bekannt gegeben. Jurypräsidentin ist in diesem Jahr die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel. Ihr spanischer Kollege Pedro Almodóvar, dessen neuester Film „Leid und Herrlichkeit“ in Cannes für Furore gesorgt hat, wird mit dem Goldenen Löwen für das Lebenswerk geehrt.

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Donnerstag, 27. Juni 2019
Angela Schanelec macht ödipale „Musik“
© Hermine Engel, Wikipedia (CC BY-SA 4.0)
Die deutsche Regisseurin Angela Schanelec erzählt in ihrem neuen Projekt „Musik“ wieder von Identität und Familie.

Das nächste Projekt der diesjährigen Gewinnerin des Silbernen Bären für die beste Regie auf der Berlinale, Angela Schanelec („Ich war zuhause, aber ...“, „Orly“), ist bekannt gegeben worden. Das von der FFA mit 35.000 Euro geförderte Drehbuch heißt „Musik“. Offenbar widmet sich Schanelec damit dem Ödipus-Mythos. Es geht im Script um einen 20-jährigen Griechen, der unwissentlich den leiblichen Vater ermordet, den er nie kennengelernt hat. Im Gefängnis verliebt der Protagonist sich in eine Angestellte, mit der er nach seiner Entlassung zusammenlebt und eine Tochter bekommt. Keiner der beiden ahnt, dass sie seine Mutter ist. Deutscher Produzent ist die Berliner Faktura Film GmbH. Französischer Co-Produzent ist Les Films de l`Après-midi.

Link: -Abschluss-Podcast Berlinale 2019

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Mittwoch, 26. Juni 2019
Arte-Tipp: Pasolinis Skandalfilm „Teorema“ am 8. Juli

Der britische Kurz-Trailer zu „Teorema“

Sommernachtsfantasien auf Arte im Juli mit Pier Paolo Pasolinis Skandalfilm „Teorema“.

Am 8. Juli um 22.15 Uhr strahlt der Sender Arte Pier Paolo Pasolinis Skandalfilm „Teorema“ aus. Danach ist der Film einen Monat lang in der Mediathek anzuschauen. Der Film spielt im Jahr 1968. In eine Mailänder Industriellenfamilie kommt ein fremder Gast (der britische Schauspieler Terence Stamp), der alles durcheinander würfelt. Nach und nach unterliegen alle seinem Charme.

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Kultfilm „Die Tote von Beverly Hills“ ab 26. Juli auf DVD

„Gesellschaftskritische Seitenhiebe bleiben folgenlose Spielerei“ (Filmdienst)

Ab dem 26. Juli bietet sich die Chance, den deutschen Kultfilm „Die Tote von Beverly Hills“ auf DVD einzusammeln.

Die Unternehmen UCM.ONE und moviemax bringen am 26. Juli Michael Pfleghars deutschen Kultfilm „Die Tote von Beverly Hills“ auf DVD heraus. Die HD-restaurierte Version dieser satirischen Filmperle nach einer Vorlage von Curt Goetz hat den Geist der Gebrüder Zucker und Helge Schneiders vorweggenommen. Das schreiben zumindest die DVD-Produzenten. Aber „Die Tote von Beverly Hills“ genießt unter Cineasten wirklich einen hervorragenden Ruf. Nur war der Film mit Klausjürgen Wussow, Horst Frank und den Kessler-Zwillingen bislang schwer zu bekommen.

Im Jahr 1964 wurde Pfleghar damit in den Internationalen Wettbewerb von Cannes eingeladen, obwohl er nicht Teil des Neuen Deutschen Films war. Gefilmt wurde ohne Drehgenehmigung in Beverly Hills und Umgebung. Pfleghar ist heute eher durch seine Regie bei Fernseh-Klassikern wie „Klimbim“ oder „Zwei himmlische Töchter“ bekannt. Seinen Film soll es ab dem 26. Juli auch als Video on Demand geben.

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Montag, 24. Juni 2019
Lucrecia Martel wird Venedig-Jurypräsidentin
© Secretaría de Cultura de la Nación, Wikipedia (CC BY-SA 2.0)
Die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel entscheidet mit ihrer Jury Anfang September über den Goldenen Löwen des Venedig-Filmfestivals.

Wie das Venedig-Filmfestival am Montag bekannt gegeben hat, wird die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel („The Headless Woman“, „Zama“) Ende August die Präsidentin der Internationalen Jury bei der 76. Ausgabe des Festivals. Venedig-Chef Alberto Barbera nannte Martel die wichtigste zeitgenössische lateinamerikanische Regisseurin und eine der wichtigsten Regisseurinnen weltweit.

„Es ist eine Ehre, eine Verantwortung und ein Vergnügen, Teil dieser Feier des Kinos zu sein – und des menschlichen Verlangens, sich selbst zu verstehen“, sagte Martel zu ihrer Berufung. Die Entscheidung Venedigs, eine Frau den wichtigsten Juryposten zu geben, kann durchaus als Reaktion auf die letztjährige Kritik verstanden werden, dass Frauen im Wettbewerb marginalisiert waren. Jennifer Kent mit dem umstrittenen „The Nightingale“ war die einzige Regisseurin in der Konkurrenz.

2018 wurde Martel auf dem Filmfest München mit einer Retrospektive geehrt. In knapp zwei Jahrzehnten drehte sie nur vier Filme und eine Handvoll Kurzfilme. Trotzdem gehört sie seit längerem zu den heißesten Festivaltipps auf diesem Erdball. Einen ihrer ersten wichtigen Preise gewann Martel auf der Berlinale: Für ihren Film „Der Morast“ erhielt sie 2001 den Alfred-Bauer-Preis. Das Festival von Venedig findet vom 28. August bis 7. September statt.

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Sonntag, 16. Juni 2019
Jakob Lass' Martial Arthouse „Tiger Girl“ wird zu siebenteiliger RBB-Serie

© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Fogma
Zweite Chance für das unterschätzte Genrewerk „Tiger Girl“, ein Publikum zu finden: Der RBB hat aus Jakob Lass' tollem Film eine TV-Serie gemacht.

Der fulminante Martial-Arts-Kracher „Tiger Girl“ vom German-Mumblecore-Regisseur Jakob Lass („Love Steaks“) hat im deutschen Kino 2017 leider nie eine richtige Chance bekommen. Zu sehr saß das Werk zwischen allen Stühlen. Die Kinozuschauer konnten überspitzt geschrieben mehr oder weniger an zwei Händen abgezählt werden.

Jetzt bekommt „Tiger Girl“ als RBB-Miniserie eine zweite Chance. Zugegebenermaßen ist die am 25. Juni auf einem Sendeplatz kurz vor Mitternacht (23.50 Uhr) nicht viel attraktiver. Was aber Hoffnung macht, ist die Mediathek, die inzwischen auch vom deutschen Fernsehzuschauer immer mehr als Alternative zum linearen Fernsehen entdeckt wird.
45 Minuten Handlung ergänzt
Der ursprünglich einmal 90-minütige Kinofilm wird für den RBB auf sieben Episoden aufgeteilt und insgesamt um 45 Minuten verlängert. Das ergänzte Material soll vor allem auch den Nebenfiguren mehr Platz einräumen. Allein die wahnsinnig toll aufspielenden beiden Hauptdarstellerinnen Ella Rumpf und Maria Dragus hätten eine zweite Chance verdient.

Die Handlung: Vanilla (Maria Dragus) ist viel zu lieb. Sie widersetzt sich nie, weicht immer allen Konflikten aus. Als sie bei der Polizeiaufnahmeprüfung scheitert, versucht sie es zur Überbrückung mit einer Ausbildung zur Sicherheitskraft. Aus ihrem höflichen Dornröschenschlaf weckt sie Tiger (Ella Rumpf) auf. Die überlebt so mehr oder weniger auf der Straße – auch wenn sie ein stilechtes Wohnmobil hat –, indem sie das System anarchisch unterwandert.

Der Blog Negative Space feierte „Tiger Girl“ 2017 auf der Berlinale: „Der Film walzt in seinem Unterhaltungslevel und seiner technischen Virtuosität über die Zuschauer wie eine Naturgewalt: Tiger Girl ist energetisch, sexy, roh und voller Lebenslust. Genauso sollte sich deutsches Genrekino im besten Fall immer anfühlen: frisch, lebendig und frei.“

Link: - Damalige Berlinale-Kritik

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„Die Sieger“ Director's Cut im BR

Meret Becker und Hannes Jaenicke in „Die Sieger“

Dominik Grafs neun Minuten längerer Director's Cut zum Action-Thriller „Die Sieger“ feiert seine TV-Premiere im BR.

Der Bayerische Rundfunk strahlt am 9. Juli den Director's Cut von Dominik Grafs „Die Sieger“ um 22 Uhr aus. Der Action-Thriller wurde restauriert und läuft in einer neun Minuten längeren Fassung erstmals im deutschen Fernsehen. Es sind dabei in einem aufwendigen Verfahren dank der Bavaria Film vor allem drei Szenen ergänzt worden. Es geht in „Die Sieger“ um die Beziehung zwischen zwei Polizisten eines Sondereinsatzkommandos, die Herbert Knaup und Hannes Jaenicke spielen. Das gialloeske Werk von 1994 wird parallel auch auf dem Filmfest München auf der großen Leinwand gezeigt. Seine Weltpremiere feierte die neue Fassung auf der diesjährigen Berlinale im Februar, wo der Termin ein Stell-dich-ein deutscher Über-Cineasten und Cinemenschen war.

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Mittwoch, 12. Juni 2019
Venedig 2019: Schönes Gerücht um Roman Polanskis Dreyfus-Affäre-Film
1899: Zeitgenössische Darstellung von Alfred Dreyfus
Die Mostra kann nicht nur Cannes Netflix-Filme wie „The Irishman“ stibitzen. Jetzt gibt es mit Roman Polanski Potenzial für einen weiteren großen Wettbewerbskandidaten.

Das Filmfestival von Venedig ist zwar erst Ende August. Und es waren vor allem wieder die Netflix-Filme, die in diesem Jahr nicht in Cannes liefen, welche die Stimmung für den Herbst bereits anheizten. Bestätigt sind Martin Scorseses „The Irishman“, „Uncut Gems“ von den Safdie-Brüdern oder Pablo Larraíns „Ema“ noch nicht. Aber sie könnten die Mostra wieder zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Titel „wichtigstes Filmfestival der Welt“ machen.

Jetzt gibt es auch das erste schöne Gerücht jenseits von Netflix, nämlich, dass Roman Polanskis neuer Film „J'accuse“ in Venedig laufen soll. Quelle dieser Information ist wie so häufig bei den großen Festivals der Vorsitzende der internationalen Cinephilen-Gesellschaft, Cédric Succivalli. Für ihn ist Polanski „ziemlich sicher“ für den Wettbewerb eingeloggt. Es ist die Geschichte der Dreyfus-Affäre, ein von Antisemitismus geprägter Prozess im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der auch den Vordenker Theodor Herzl zu seinem ersten Zionistenkongress in Basel beeinflusst hat. Der angeklagte jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus wird gespielt von Luis Garrel. In weiteren Rollen sind Jean Dujardin und Emmanuelle Seigner zu sehen. Das Drehbuch hat Robert Harris geschrieben, der sich bereits für Polanskis starken „The Ghost Writer“ verantwortlich zeichnete.

Laut Succivalli ist das italienische Kontingent des diesjährigen Venedig-Wettbewerbs bereits runter auf nur noch drei potenzielle Kandidaten gedampft. Allesamt sind es keine bedeutenden Regienamen oder Insider zum Zungeschnalzen: „Volevo nascondermi“ (Giorgio Diritti), „Qui rido io“ (Mario Martone), „Martin Eden“ (Pietro Marcello) heißen die Anwärter. Aber wer weiß, was sich genau dahinter verbirgt. Von „Portrait of a Lady on Fire“ haben in Cannes schließlich auch nur die wenigsten einen Homerun erwartet. Dem Franzosen Robert Guédiguian räumt der Insider Succivalli ebenso einen fast sicheren Wettbewerbs-Slot mit dem Film „Gloria Mundi“ ein.
James Gray, Greta Gerwig & Hirokazu Koreeda
Heiße weitere Kandidaten für Venedig sind aufgrund ihrer Kinostarts James Grays Sci-Fi-Film „Ad Astra“ mit Brad Pitt, Hirokazu Koreedas „La verité“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ludivine Sagnier, Roy Anderssons „About Endlessness“, Justin Kurzels „The True History of the Kelly Gang“ mit Nicholas Hoult und Russell Crowe, Greta Gerwigs „Little Women“, Mia Hansen-Løves „Bergman Island“, Todd Phillips' „The Joker“, Ulrich Seidls „Böse Spiele“, Chloé Zhaos „Nomadland“ mit Frances McDormand, Sam Mendes' „1917“ und Katrin Gebbes „Pelikanblut“.

Das Filmfestival von Venedig findet vom 28. August bis 7. September statt. In den vergangenen Jahren hat sich das älteste Filmfest der Welt einen gigantischen Ruf wie Donnerhall erarbeitet. Von hier aus starten die verheißungsvollsten Hollywood-Produktionen ihren Oscar-Lauf. 2018 feierten „The Favourite“, „A Song Is Born“, „Roma“, „First Man“, „Werk ohne Autor“ und „At Eternity's Gate“ ihre Weltpremieren am Lido.

Links: - Venedig-Tipp Amanda | - Bester Wettbewerb ever?

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Montag, 10. Juni 2019
Sight & Sound-Herausgeber Nick James hört auf
Mit Nick James' Rücktritt als Sight & Sound-Chef verlässt einer der prägenden britischen Filmkritiker die große Bühne. Seine unterkühlt liebevolle Art, über Filme zu schreiben, werde ich vermissen. Ein Rückblick von Michael Müller

Er war das Gesicht des britischen Filmmagazins Sight & Sound: Der Filmkritiker und Herausgeber Nick James hört nach 23 Jahren bei einer der wichtigsten englischsprachigen Filmzeitschriften auf. Er selbst sagt, es sei seine eigene Entscheidung gewesen, die auch dadurch fiel, dass er sich zukünftig einer breiteren Form des Schreibens widmen will. Ob er damit Romane oder filmwissenschaftliche Werke meint, ließ er vorerst offen.

James wurde nicht nur von seinen internationalen Kollegen sehr geachtet. Die Wertschätzung reichte bis in die Führungsetagen der Filmfestivals. Erst 2016 saß er noch gemeinsam mit Meryl Streep, Lars Eidinger und Alba Rohrwacher in der Berlinale-Jury. Eine Ehre, die Filmkritikern selten zuteil wird. Auch bei seinem jetzigen traurig stimmenden Sight & Sound-Abschied betonte er, wie stark doch der aktuelle Cannes-Jahrgang gewesen sei.
Schmerzlicher Verlust einer coolen Koryphäe
Der Brite pflegte eine unterkühlte Form der Cinephilie, die aber gerade für Festivalbeobachter ein Segen war. Amerikanische Filmkritiker tendieren im Vergleich dazu, auch in den schlechtesten Filmen noch positive Eigenschaften zu entdecken. Bei James wusste man immer, woran man war. Wenn er einen Film nicht nur erwähnte, sondern lobte, konnte man sicher sein, dass das für ihn einer der stärksten Filme des Jahrgangs war. Bei meinem einjährigen Abo der Sight & Sound gab es nur einen Pflichtartikel, den ich immer las: Nick James' Editorial. Sein leicht verständlicher, ruhiger Schreibstil in Verbindung mit seinem ungebremsten Interesse an neuen weltweiten Entwicklungen und Filmtrends machte seine Texte unwiderstehlich.

Ende der 1980er-Jahre begann James, der davor als Rocksänger unterwegs war, für das Magazin City Limits über Film zu schreiben, wo er bald zum Leiter des Filmressorts aufstieg. Seit 1997 ist er Redakteur bei Sight & Sound. Seine Artikel zu Film, Kunst und Literatur erschienen unter anderem im Guardian, Observer und Independent. „Heat“, sein Buch über den gleichnamigen Film von Michael Mann wurde 2002 veröffentlicht. 2010 wurde er vom französischen Kulturministerium mit dem Titel Chevalier de L’ordre des arts et des lettres ausgezeichnet. Seit 2012 kuratiert er die zweimal jährlich stattfindende Filmreihe „Deep Focus“ des British Film Institute beim BFI Southbank.

James, der vergangenes Jahr „Roma“, „The Favourite“, „Burning“, „Cold War“ und „Shirkers“ in der Top Five hatte, will Sight & Sound als freier Mitarbeiter erhalten bleiben. Die Arbeit als Herausgeber beim britischen Filmmagazin hatte er immer als „größten Job auf der Erde“ beschrieben. Zu den zahlreichen Twitter-Reaktionen auf seine Entscheidung schrieb er: „Ich versuche mich jetzt zusammenzureißen. Das ist mehr Liebe, als ein Engländer ertragen kann. Ich danke euch für eure großzügigen Reaktionen. Ich fühle mich heute wertgeschätzt.“

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