Freitag, 11. August 2017
Arte feiert 100 Jahre UFA mit Marlene Dietrich und Veit Harlan

Hitler und Goebbels bei der UFA | Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-500 (CC-BY-SA 3.0)
Der Sender Arte wagt sich zum 100. Geburtstag der UFA an einen Schwerpunkt zum Film des Dritten Reiches. Es laufen sogar zwei Veit-Harlan-Filme, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind.

Um den 100. Geburtstag der UFA, dem berühmtesten deutschen Studio der Filmgeschichte, zu feiern, zeigt der Sender Arte eine 15-teilige Filmreihe. Der Programmschwerpunkt wird gestaffelt in den Monaten August, September und Dezember zu sehen sein. Zum einen laufen absolute Klassiker der deutschen Filmgeschichte wie der restaurierte „Münchhausen“, „Der blaue Engel“ oder „Der letzte Mann“. Gleichzeitig legt die Auswahl besonderen Wert auf die Filme, die im Dritten Reich entstanden sind. Es wird umfangreiches Zusatzmaterial auf der Webseite von Arte geben, zum Beispiel Portraits zu einzelnen Regisseuren. Außerdem gelangen ausgewählte Filme auch in die Mediathek.

Das ist mutig. Wann hat man schon mal eine Reihe zur deutschen Filmgeschichte im Fernsehen gesehen, in der zwei Veit-Harlan-Filme laufen. Zumal es die letzten beiden Filme sind, die Harlan im Zweiten Weltkrieg gedreht hat. „Kolberg“ ist ein echtes Propaganda-Machwerk, das über der Festung La Rochelle abgeworfen wurde, um die drohende Niederlage der Deutschen noch herumzureißen. „Opfergang“ dagegen ist ein spannendes, teils meisterhaftes Melodram, das zum Beispiel der slowenische Filmphilosoph Slavoj Zizek zu seinen Lieblingsfilmen zählt. Dazu passt auch die aktuelle Dokumentation „Hitlers Hollywood“ des Filmkritikers Rüdiger Suchsland und die Dokumentation „Wege zu Kraft und Schönheit“ von 1925, die bereits einem Körperkult frönt, dem die Nationalsozialisten auch wieder sehr zugetan waren. Kein Zufall, dass hier bereits die nackte Leni Riefenstahl herumturnt.
Wo ist Werner Hochbaum?
Die Liste der Filme hinterlässt den Eindruck, dass die Programmierer am liebsten nur Filme gezeigt hätten, die vom „Ministry of Illusion“ produziert wurden, wie der amerikanische Hochschulprofessor Eric Rentschler das Kino der Nazis in seinem Standardwerk betitelte. Aber pflichtschuldig mussten zum Ufa-Geburtstag eben auch ein paar Kanon-Klassiker drum herum gebaut werden. Bei Reinhold Schünzel hätte man auch gleich tollkühn zu „Amphitryon“ greifen können. Wo ist Gustav Ucickys „Der Postmeister“, wo Werner Hochbaums „Ein Mädchen geht an Land“? Ich verstehe aber auch sofort, warum man beim Namen UFA an bestimmten ikonografischen Meilensteinen gar nicht vorbeikommen kann und will. Wobei Georg Tresslers toller Abenteuerfilm „Das Totenschiff“ schon sehr nach dem einen Alibifilm ausschaut, der die ganzen 1950er-Jahre repräsentieren muss.

Das ist sicherlich eine der spannendsten Retrospektiven, die in den vergangenen Jahren im deutschen Fernsehen gelaufen sind. Hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken. Jeder Regiename lädt mit der eigenen Filmografie zu weiteren lohnenswerten Expeditionen in die deutsche Filmgeschichte ein, die wiederum ins europäische und amerikanische Kino führen.

Das Arte-Programm im Überblick (soweit bekannt):

28.08. - Münchhausen (Josef von Baky)
28.08. - Maschinenraum des deutschen Films (Sigrid Faltin)
28.08. - Wege zu Kraft und Schönheit (Wilhelm Prager)

01.09. - Der letzte Mann (Friedrich Wilhelm Murnau)
01.09. - Zu neuen Ufern (Douglas Sirk)
01.09. - Der Mann, der seinen Mörder sucht (Robert Siodmak)
04.09. - Die Liebe der Jeanne Ney (Georg Wilhelm Pabst)
04.09. - Der Mann, der Sherlock Holmes war (Karl Hartl)
11.09. - Titanic (Herbert Selpin)
xx.09. - Viktor und Viktoria (Reinhold Schünzel)
xx.09. - Glückskinder (Paul Martin)

04.12. - Kolberg (Veit Harlan)
11.12. - Der blaue Engel (Josef von Sternberg)
xx.12. - Das Totenschiff (Georg Tressler)
xx.12. - Opfergang (Veit Harlan)
xx.12. - Hitlers Hollywood (Rüdiger Suchsland)
xx.12. - Verbotene Filme
Kurz- und Werbefilme

Link: - Arte-Dossier: 100 Jahre UFA, - Peter Pewas

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