Donnerstag, 17. Mai 2018
Umbruch bei der Berlinale geht weiter – Terhechte hört auf

Foto: Tuluqaruk, Wikipedia (CC BY-SA 4.0)
Auf der Leitungsebene des wichtigsten deutschen Filmfestivals gibt es Bewegung: Der Berlinale-Nachfolger von Dieter Kosslick wird noch gesucht. Das Panorama hat bereits eine neue Chefin. Jetzt ist der Leiter der Forum-Sektion, Christoph Terhechte, zurückgetreten.

Christoph Terhechte gibt die Leitung des Forums der Berlinale zum Juli 2018 ab. 1997 wurde er als Mitglied in das Forum-Auswahlkomitee berufen, im Juni 2001 übernahm er von Forums-Gründer Ulrich Gregor die Leitung der Sektion, die seit 1971 vom Arsenal-Institut ausgerichtet wird. Seit 2002 war Terhechte zudem als Mitglied im Auswahlkomitee des Wettbewerbs der Berlinale tätig.

„Wir danken Christoph Terhechte sehr herzlich für seine langjährige Arbeit. Ihm ist es gelungen, dem Forum der Berlinale die Risikofreude zu erhalten und der Sektion in einer sich stark verändernden Festivallandschaft immer wieder neue Impulse zu geben. Die von Terhechte gesetzten Schwerpunkte für das Forum der Berlinale bereicherten auch ganzjährig das Programm des Arsenal“, kommentieren Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus vom Vorstand des Arsenal–Instituts.
Kommissarische Leitung des Forums 2019
„Herzlichen Dank an Christoph Terhechte für seine langjährige großartige Arbeit beim Forum. Das kuratorische Profil der Sektion hat mit seinem facettenreichen Programm einen bedeutenden Beitrag zur Vielseitigkeit der Berlinale und zum Filmdiskurs geleistet“, sagt Berlinale-Direktor Kosslick. Der Vorstand des Arsenal–Instituts wird zusammen mit der Berlinale eine kommissarische Leitung für das Forum 2019 stellen.

Nach Wieland Speck, der dieses Jahr den Staffelstab der Leitung der Panorama-Sektion an Paz Lázaro übergeben hat, und Kosslicks Abschied im kommenden Jahr geht mit dem 57-jährigen Terhechte die dritte bedeutende Führungsfigur der Berlinale. Der Weg ist frei gemacht für einen Generationenwechsel. Kulturstaatsministerin Monika Grütters setzt für die Kosslick-Nachfolge auf eine Lastenteilung: „Ich persönlich befürworte eine Doppelspitze, nach dem Vorbild anderer Festivals.“ Im Sommer soll das Ergebnis der Findungskommission präsentiert werden.
Internationale Filmszene ahnte den Abschied
Der Filmkritiker Ulrich Gregor und seine Frau Erika waren maßgeblich am Aufbau des Forums beteiligt. Zuerst riefen sie als Vorläufer im Jahr 1964 die Woche der Kritik ins Leben. Sie zeigten neue Filme von Lina Wertmüller („Die Basiliken“), Bo Widerberg („Das Rabenviertel“) und Jean-Luc Godard („Die Außenseiterbande“). 1970 etablierten sie das Forum im gekauften Arsenal-Kino.

Der Ruf des Forums als Korrektiv zum Wettbewerb hat unter den Stammzuschauern in den vergangenen Jahren etwas gelitten. Dabei war gerade das Programm in diesem Jahr gespickt mit großen Namen wie Sergei Loznitsa, Hong Sangsoo, Corneliu Porumboiu und Guy Maddin sowie diversen Entdeckungen („An Elephant Sitting Still“, „Casanovagen“, „Waldheims Walzer“). Es scheint fast so, als habe die internationale Filmszene von Terhechtes Abschied bereits gewusst und ihm einen besonders schönes letztes Programm bereiten wollen.

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