Dienstag, 26. September 2017
Perfect 10 – Die aktuellen Oscar-Favoriten

Greta Gerwigs Regiedebüt „Lady Bird“ mit Saoirse Ronan | © A24

Immer mehr Favoriten bilden sich im Oscarrennen heraus. Erstaunlich, wie sympathisch, anregend und erfrischend die Filme daherkommen. Einen richtigen Frontrunner gibt es noch nicht. Ein kurzer Blick in die Glaskugel von Michael Müller

Gefühlt gibt es unzählige Oscarblogs. Jedes Fachmagazin hat mittlerweile seinen Oscar-Experten. Über die Jahre entwickelt man selbst Präferenzen und Aversionen. Am liebsten habe ich lange Zeit die Podcasts von Jeffrey Wells (Hollywood Elsewhere) und Sasha Stone (AwardsDaily) gehört. Beides sind sie Alphatierchen in der Szene, die sich über eine unterschiedliche sexuelle Präferenz in die Haare bekamen. Das Traumduo zerbrach. Das andere Lieblingsgespann hieß Anne Thompson (indieWIRE) und Kris Tapley (Variety). Alle vier sind größer denn je ins Oscar-Business verstrickt.

Meine Erfahrung ist allerdings: Umso kontinuierlicher man ihrer Berichterstattung folgt, umso weniger Spaß hat man letztlich bei den Oscars, weil man praktisch alles vorher weiß. Als ich auf Abstand zu den Experten gegangen bin, fand ich den exzellenten Awards Chatter Podcast von Scott Feinberg. Der ist natürlich auch ein wahnsinniger Oscar-Nerd. Aber im Podcast spricht Feinberg mehr mit potenziellen Kandidaten, als dass er sie zu Tode analysiert. Da wir uns aktuell aber in einem so frühen Stadium des Oscarrennens befinden, muss ich sagen, dass ich jetzt sehr viel Spaß mit seiner ersten Oscar-Vorhersage beim Hollywood Reporter hatte.
Eine Liste wie die eigene Wunschvorstellung
Das mag daran liegen, dass sich unter Feinbergs Favoriten in der Best Picture-Kategorie hauptsächlich Filme befinden, die ich selbst im Blog frühzeitig vorhergesagt habe („Dunkirk“, „Call Me by Your Name“, „The Shape of Water“); oder es sind Filme auf der Liste, die ich selbst sehr schätze („Get Out“, „Wonder Woman“); oder es stehen Filme unter den ersten zehn, die ich auf dem Filmfest Hamburg sehen will („The Florida Project“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Battle of the Sexes“); oder es ist das Regiedebüt der verehrten Greta Gerwig („Lady Bird“).

Zum jetzigen Zeitpunkt mutet die Feinberg-Liste wie meine eigene Wunschvorstellung an: Die liebste Mumblecore-Darstellerin, die durch die Filmindustrie stolperte, landet mit ihrem Regiedebüt direkt einen Homerun; ein meisterhafter Horrrorfilm über Vorurteile und Rassismus wird noch ernsthaft für den Oscar gehandelt; der beste Film des Jahres („Call Me by Your Name“) scheint auch gewürdigt zu werden. Da wird sich sicherlich bis Dezember noch einiges verschieben, aber mir gefällt diese Momentaufnahme sehr.

Favoriten:

* Dunkirk (Christopher Nolan)
* The Shape of Water (Guillermo del Toro)
* Darkest Hour (Joe Wright)
* The Florida Project (Sean Baker)
* Lady Bird (Greta Gerwig)
* Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Martin McDonagh)
* Get Out (Jordan Peele)
* Battle of the Sexes (Jonathan Dayton & Valier Faris)
* Call Me by Your Name (Luca Guadagnino)
* The Big Sick (Michael Showalter)

Verfolger:

* Detroit (Kathryn Bigelow)
* Molly's Game (Aaron Sorkin)
* Okja (Bong Joon-ho)
* I, Tonya (Craig Gillespie)
* Wonder Woman (Patty Jenkins)
* War of the Planet of the Apes (Matt Reeves)

Was noch kommt (Auswahl):

* The 15:17 to Paris (Clint Eastwood)
* Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve)
* Last Flag Flying (Richard Linklater)
* The Meyerowitz Stories (Noah Baumbach)
* Phantom Thread (Paul Thomas Anderson)
* The Post (Steven Spielberg)
* Star Wars: The Last Jedi (Rian Johnson)
* Wonder Wheel (Woody Allen)

Link: - Scott Feinbergs komplette Vorhersage

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