Mittwoch, 21. August 2019
„Systemsprenger“ im Oscar-Rennen

„Systemsprenger“ | © Yunus Roy Imer / Port au Prince Pictures
Eines der wenigen Berlinale-Highlights 2019, der Debütfilm „Systemsprenger“, tritt bei den Oscars in die Fußstapfen von „Werk ohne Autor“.

Der Film „Systemsprenger“, der im Februar seine Weltpremiere auf der Berlinale feierte und den Alfred-Bauer-Preis gewann, wird von Deutschland ins Oscar-Rennen geschickt. Das Debütwerk von Nora Fingscheidt um einen kleinen Jungen, der seine Gewalt nicht kontrollieren kann, kommt am 19. September in die deutschen Kinos. Zur Konkurrenz in der finalen Runde zählten die Filme „Der Junge muss an die frische Luft“, „Der Fall Collini“, „Lara“, „Deutschstunde“, „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ und „Und der Zukunft zugewandt“.

Unter dem Vorsitz des Filmkritikers Frédéric Jaeger von critic.de entschied sich die Jury am Mittwoch für „Systemsprenger“. Regisseurin Fingscheidt sagte: „Wir fühlen uns geehrt und dankbar, dass Systemsprenger Deutschland bei den Oscars vertritt. Nach dem Silbernen Bären auf der Berlinale befindet sich unser Film auf einer weltweiten Tournee. Die erschlagenden Reaktionen der Zuschauer zeigen uns, dass Kino einen Dialog zwischen den Kulturen herstellt, weil es um Menschlichkeit geht.“ Für Negative Space gehörte „Systemsprenger“ zu den wenigen Highlights des Berlinale-Wettbewerbs 2019. Die Filmerfahrung sei eine „emotionale Achterbahnfahrt“ und komme in der Schilderung der sozialen und familiären Problemen und seiner Intensität einem Horrorfilm gleich.

Im Oktober wird die Academy eine Liste mit allen weltweiten Einsendungen für den besten internationalen Film veröffentlichen. Kurz vor Weihnachten gibt es eine Shortlist mit zehn Kandidaten. Fünf davon werden am 13. Januar 2020 für den Oscar nominiert. Die Verleihung ist am 9. Februar. Der im vergangenen Jahr von der Jury vorgeschlagene Film „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck wurde für einen Oscar nominiert. Davor schaffte es Fatih Akins „Aus dem Nichts“ auf die Shortlist. 2016 wurde auch „Toni Erdmann“ in der Kategorie „bester internationaler Film“ nominiert.

Link: - Systemsprenger-Kritik Berlinale 2019

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Sonntag, 14. Juli 2019
Petzolds „Undine“-Projekt mit Paula Beer prädestiniert für die Berlinale 2020

Petzold, Beer & Rogowski | © ZDF/Marco Krüger
Einen neuen Petzold zur sagenhaften Nixen-Figur Undine mit Paula Beer? Da würde Carlo Chatrian zur Berlinale-Premiere nicht Nein sagen.

Der „Transit“-Regisseur Christian Petzold tritt in die Fußstapfen von legendären deutschen Filmemachern wie Rolf Thiele oder Eckhart Schmidt und wagt sich an den Undine-Mythos. In den Hauptrollen spielen wie bereits in „Transit“ Paula Beer („Frantz“, „Bad Banks“) und Franz Rogowski („Fikkefuchs“, „A Hidden Life“).

Petzolds Plot lautet wie folgt: Als die geheimnisvolle Undine (Paula Beer), die studierte Historikerin ist und in Berlin als Stadtführerin arbeitet, von ihrem Freund (Jacob Matschenz) verlassen wird, stürzt sie sich in eine neue Liebe. Doch ihr Schicksal holt sie ein, während sie eine Beziehung mit Christoph (Franz Rogowski) beginnt. Der Sage nach ist die Undine ein jungfräulicher Wassergeist, der dem untreuen Ehegatten den Tod bringt. Bei Petzold soll sich Undine gegen ihre Bestimmung wehren.

Die Kino-Dreharbeiten finden gerade für das ZDF in Berlin und Nordrhein-Westfalen statt. Drehende soll Mitte August sein. So könnte Petzolds „Undine“ rechtzeitig für Carlo Chatrians erste Berlinale fertig sein. „Wolfsburg“, „Gespenster“, „Yella“, „Barbara“ und „Transit“ liefen jeweils auch schon im Wettbewerb des wichtigsten deutschen Festivals.

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Donnerstag, 27. Juni 2019
Angela Schanelec macht ödipale „Musik“
© Hermine Engel, Wikipedia (CC BY-SA 4.0)
Die deutsche Regisseurin Angela Schanelec erzählt in ihrem neuen Projekt „Musik“ wieder von Identität und Familie.

Das nächste Projekt der diesjährigen Gewinnerin des Silbernen Bären für die beste Regie auf der Berlinale, Angela Schanelec („Ich war zuhause, aber ...“, „Orly“), ist bekannt gegeben worden. Das von der FFA mit 35.000 Euro geförderte Drehbuch heißt „Musik“. Offenbar widmet sich Schanelec damit dem Ödipus-Mythos. Es geht im Script um einen 20-jährigen Griechen, der unwissentlich den leiblichen Vater ermordet, den er nie kennengelernt hat. Im Gefängnis verliebt der Protagonist sich in eine Angestellte, mit der er nach seiner Entlassung zusammenlebt und eine Tochter bekommt. Keiner der beiden ahnt, dass sie seine Mutter ist. Deutscher Produzent ist die Berliner Faktura Film GmbH. Französischer Co-Produzent ist Les Films de l`Après-midi.

Link: -Abschluss-Podcast Berlinale 2019

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Montag, 10. Juni 2019
Sight & Sound-Herausgeber Nick James hört auf
Mit Nick James' Rücktritt als Sight & Sound-Chef verlässt einer der prägenden britischen Filmkritiker die große Bühne. Seine unterkühlt liebevolle Art, über Filme zu schreiben, werde ich vermissen. Ein Rückblick von Michael Müller

Er war das Gesicht des britischen Filmmagazins Sight & Sound: Der Filmkritiker und Herausgeber Nick James hört nach 23 Jahren bei einer der wichtigsten englischsprachigen Filmzeitschriften auf. Er selbst sagt, es sei seine eigene Entscheidung gewesen, die auch dadurch fiel, dass er sich zukünftig einer breiteren Form des Schreibens widmen will. Ob er damit Romane oder filmwissenschaftliche Werke meint, ließ er vorerst offen.

James wurde nicht nur von seinen internationalen Kollegen sehr geachtet. Die Wertschätzung reichte bis in die Führungsetagen der Filmfestivals. Erst 2016 saß er noch gemeinsam mit Meryl Streep, Lars Eidinger und Alba Rohrwacher in der Berlinale-Jury. Eine Ehre, die Filmkritikern selten zuteil wird. Auch bei seinem jetzigen traurig stimmenden Sight & Sound-Abschied betonte er, wie stark doch der aktuelle Cannes-Jahrgang gewesen sei.
Schmerzlicher Verlust einer coolen Koryphäe
Der Brite pflegte eine unterkühlte Form der Cinephilie, die aber gerade für Festivalbeobachter ein Segen war. Amerikanische Filmkritiker tendieren im Vergleich dazu, auch in den schlechtesten Filmen noch positive Eigenschaften zu entdecken. Bei James wusste man immer, woran man war. Wenn er einen Film nicht nur erwähnte, sondern lobte, konnte man sicher sein, dass das für ihn einer der stärksten Filme des Jahrgangs war. Bei meinem einjährigen Abo der Sight & Sound gab es nur einen Pflichtartikel, den ich immer las: Nick James' Editorial. Sein leicht verständlicher, ruhiger Schreibstil in Verbindung mit seinem ungebremsten Interesse an neuen weltweiten Entwicklungen und Filmtrends machte seine Texte unwiderstehlich.

Ende der 1980er-Jahre begann James, der davor als Rocksänger unterwegs war, für das Magazin City Limits über Film zu schreiben, wo er bald zum Leiter des Filmressorts aufstieg. Seit 1997 ist er Redakteur bei Sight & Sound. Seine Artikel zu Film, Kunst und Literatur erschienen unter anderem im Guardian, Observer und Independent. „Heat“, sein Buch über den gleichnamigen Film von Michael Mann wurde 2002 veröffentlicht. 2010 wurde er vom französischen Kulturministerium mit dem Titel Chevalier de L’ordre des arts et des lettres ausgezeichnet. Seit 2012 kuratiert er die zweimal jährlich stattfindende Filmreihe „Deep Focus“ des British Film Institute beim BFI Southbank.

James, der vergangenes Jahr „Roma“, „The Favourite“, „Burning“, „Cold War“ und „Shirkers“ in der Top Five hatte, will Sight & Sound als freier Mitarbeiter erhalten bleiben. Die Arbeit als Herausgeber beim britischen Filmmagazin hatte er immer als „größten Job auf der Erde“ beschrieben. Zu den zahlreichen Twitter-Reaktionen auf seine Entscheidung schrieb er: „Ich versuche mich jetzt zusammenzureißen. Das ist mehr Liebe, als ein Engländer ertragen kann. Ich danke euch für eure großzügigen Reaktionen. Ich fühle mich heute wertgeschätzt.“

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Sonntag, 21. April 2019
Lapids neuer Film thematisiert berüchtigte Palästinenserin Tamimi

Lapid in Locarno | © נדב לפיד, CC BY-SA 3.0
Mit dem Gewinn des Goldenen Bären in Berlin im Rücken traut sich der Israeli Nadav Lapid an ein heißes Eisen: die Geschichte der jungen Palästinenserin Ahed Tamimi, die einen israelischen Soldaten ohrfeigte.

Der diesjährige Berlinale-Gewinner, der israelische Regisseur Nadav Lapid, hat sein neues Projekt bekannt gegeben. Nach „Synonyme“ dreht er den Film „Le Genou d'Ahed“ (Das Knie von Ahed), der von der französischen Firma Les Films du Bal und der israelischen Firma Pie Films co-produziert wird. Drehstart ist in diesem Dezember.

Zur Handlung schreibt der Sender Arte France, der an der Produktion beteiligt ist: „Der Film handelt von einer aktuellen Begebenheit. Ein Filmemacher stürzt sich in der Wüste kopfüber in zwei Schlachten, die dafür bestimmt sind zu scheitern: Die eine Schlacht geht gegen das Ende der Meinungsfreiheit in seinem Land, die andere Schlacht gegen den Tod seiner Mutter.“

Lapids Mutter Era, die alle seine Filme als Editor betreute, verstarb während der Produktion von „Synonyme“. Ihr ist auch der Gewinner des Goldenen Bären gewidmet. Anhand des Titels lässt sich die wahrscheinliche Protagonistin von Lapids neuem Film erahnen. Das Knie gehört wohl Ahed Tamimi, einer 18-jährigen Palästinenserin, die im Westjordanland lebt. Die eine Seite instrumentalisiert sie als mutige Freiheitskämpferin und Jeanne d'Arc der Araber mit rotem Wuschelkopf in der steten Auseinandersetzung mit den Israelis. Für die andere Seite ist sie eine antizionistische Aktivistin, die israelische Soldaten tätlich angegriffen hat und aus einer höchst problematischen Familie stammt.

Mit Aheds Knie nimmt der Titel wahrscheinlich Bezug auf das Zitat des rechts-religiösen, höchst umstrittenen Knesset-Abgeordneten Bezalel Smotrich. Nachdem Tamimi einen israelischen Soldaten geohrfeigt hatte, schrieb Smotrich auf Twitter: „Meiner Meinung nach hätte sie dafür mindestens einen Schuss in die Kniekehle verdient gehabt.“ Das hätte sie für den Rest ihres Lebens unter Hausarrest gestellt. Damit ist auf jeden Fall sicher gestellt, dass auch dieser Lapid-Film niemanden kalt lassen wird. Das Thema ist geradezu prädestiniert dafür, eine Kontroverse zu entfachen.

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Donnerstag, 28. Februar 2019
Robert-Hossein-Hommage im Frankfurter Filmmuseum

Robert Hossein in Frankfurt am Main wiederentdecken

Acht teils seltene Robert-Hossein-Genreperlen laufen im März im Frankfurter Filmmuseum auf 35mm-Kopien.

Der heute 91-jährige Künstler Robert Hossein war „zweifellos einer der vielseitigsten, kühnsten, unvorhersehbarsten Filmemacher Frankreichs der 1950er und 1960er Jahre.“ Das schreibt das Filmkollektiv Frankfurt über den Star seiner Hommage. Der französische Regisseur und Schauspieler wird im März mit acht seiner Regiearbeiten im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main gefeiert. Er und die Schauspielerin Marina Vlady werden persönlich bei den Vorführungen der 35mm-Kopien anwesend sein. Laut des Filmkollektivs ist es die größte Retrospektive, die Hossein jemals in Deutschland gewidmet bekommen hat.

Das Filmkollektiv, das in der Vergangenheit schon tolle Retrospektiven zu Eckhart Schmidt, Armando Bó und Miklós Jancsó organisierte, schreibt über sein neuestes Projekt: „Hossein begann früh als Schauspieler am Theater zu arbeiten, bevor er Mitte der 1950er-Jahre als Kinodarsteller zu Berühmtheit gelangte. Gleichzeitig begann er seine Regiekarriere, mit seiner damaligen Frau Marina Vlady als Muse und Hauptdarstellerin seiner ersten Werke. Der zeitgleich florierenden Nouvelle Vague setzte er die Vision eines dem Auteur-Prinzip verpflichteten Genrekinos entgegen.

Erst in den 1970er-Jahren trat sein Kinoschaffen hinter seiner Arbeit als Regisseur aufwändiger Theaterinszenierungen zurück, und sein letzter Kinofilm entstand Mitte der 1980er-Jahre.“ Hossein drehte in so unterschiedlichen Genres wie dem Film noir, dem Western, dem Agenten- und Gefängnisfilm.

Für Negative Space wird diese Hommage, die vom 15. bis 17. März stattfindet, eine echte Entdeckungsreise. Hossein ist ein Begriff, aber als Regisseur eigentlich nur durch den französischen Spaghetti Western „Friedhof ohne Kreuze“ – und natürlich als Schauspieler („Rififi“, „Angelique“, „OSS 117“). Seine anderen Regiearbeiten lesen sich aber äußerst spannend, zumal er ständig das Genre wechselte.

Fr. (15.03.)
20.00 Uhr – Die Lumpen fahren zur Hölle (1955)
22.45 Uhr – Zwei im Visier (1970)

Sa. (16.03.)
17.00 Uhr – Vis-à-vis (1960)
20.00 Uhr – Nachts fällt der Schleier (1959)
22.45 Uhr – Friedhof ohne Kreuze (1969)

So. (17.03.)
12.00 Uhr – Die Nacht der Spione (1959)
18.00 Uhr – Mitternachtsparty (1961)
20.30 Uhr – Das grausame Auge (1964)

Link: - Deutsches Filmmuseum, - Filmkollektiv Frankfurt

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Donnerstag, 14. September 2017
Amerikanerin Harrington neue Leiterin des Deutschen Filminstituts

Ellen M. Harrington | © Deutsches Filminstitut
Claudia Dillmanns Nachfolgerin im Deutschen Filminstitut und dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main ist gefunden: Die Amerikanerin Ellen M. Harrington kommt aus dem Umfeld der Academy Awards.

Ellen M. Harrington, derzeit Leiterin der Sammlungen am Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles, wird Direktorin des Deutschen Filminstituts in Frankfurt am Main. Die studierte Film- und Literaturwissenschaftlerin wird die Leitung des Instituts, zu dem auch das Deutsche Filmmuseum gehört, in Nachfolge von Claudia Dillmann zum 1. Januar 2018 übernehmen.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit Ellen M. Harrington eine herausragend qualifizierte Direktorin gefunden haben und nach Frankfurt holen können“, sagte die Verwaltungsratsvorsitzende des Deutschen Filminstituts, Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main: „Harrington bringt eine mehr als 20-jährige Erfahrung in einer der renommiertesten Filminstitutionen der Welt in ihre neue Position ein. Sie hat in allen für das Deutsche Filminstitut wesentlichen Bereichen – Archiv, Museum, Kino – in leitender Funktion gearbeitet. Ich bin überzeugt, dass das Deutsche Filminstitut samt Filmmuseum von ihrer Erfahrung profitieren wird, und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“
And the Oscar goes to ...
Harrington arbeitet seit 1993 für die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Beverly Hills. Zuvor war sie für gemeinnützige Filminitiativen sowie in der Filmproduktion tätig. Sie war Direktorin für Ausstellungen und Filmveranstaltungen sowie Gründungsdirektorin des International Outreach Program der Academy, die auch die Oscars verleiht. Mit der Gründung des akademieeigenen Filmmuseums im Jahr 2013 wechselte sie als Direktorin für Ausstellungen und Sammlungen in den Planungsstab des Großprojektes und ist seit 2015 für Aufbau und Konzeption der Museumssammlung zuständig.

Im Lauf ihrer Karriere hat Harrington für die Academy und für Partnerinstitutionen rund 50 Filmausstellungen kuratiert sowie weitere 30 Ausstellungsübernahmen verantwortet. Sie hat außerdem für die Academy, für internationale Filminstitutionen und Festivals mehr als 500 Filmvorführungen realisiert, darunter Retrospektiven, Hommagen und Bildungsveranstaltungen. Mit dem Deutschen Filmmuseum arbeitete sie mehrfach zusammen, besonders intensiv im Rahmen der Ausstellung „And the Oscar goes to... 85 Jahre ‚Bester Film‘“, welche das Deutsche Filmmuseum 2012 in Frankfurt realisierte. Derzeit schließt Harrington in Zusammenarbeit mit dem Getty Museum ein großes Ausstellungsprojekt über lateinamerikanische Filmkultur der 1960er-Jahre bis in die Gegenwart ab.

Die polyglotte US-Amerikanerin, die fließend Französisch, Spanisch und Italienisch spricht, widmet sich in den kommenden Monaten zudem intensiv dem Erlernen der deutschen Sprache.

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Montag, 31. Juli 2017
Trash ist Gold

Die Kunst des Trash: Trailer zu „The Disaster Artist“ mit James Franco

Mancher Trash ist reinstes Gold. Filme, die billig produziert wurden und auch genau so daher kommen, kennen wir alle. Je später der Abend, desto grandioser die Unterhaltung. Endlich hat sich mal ein Filmwissenschaftler mit dem Phänomen Trash-Film beschäftigt. Ein Artikel von Jörn Schumacher

Im vergangenen Jahr brachte der Forscher Keyvan Sarkhosh seine Studie „Enjoying trash films“ heraus. Der Mann arbeitet beim „Max-Planck-Institut fur empirische Ästhetik“ in Frankfurt am Main. Ja, diese Menschen forschen tatsächlich daran, wieso Kunst beim Menschen einen Kitzel hervorruft; sei es nun ein Gedicht, ein Bild oder ein Film.

„Wieso schaut man sich sowas an?“, fragte Sarkhosh seine Studienteilnehmer. Die waren ausgemachte Trash-Fans. Die erste Auffälligkeit: 90 Prozent der Teilnehmer an der Studie waren Männer, im Durchschnitt 35 Jahre alt. Der typische Trashfilmfan ist also männlich. Offenbar liegt das daran, dass es sehr oft um exzessive Darstellung von Sex und Gewalt geht, vermutet der Wissenschaftler.

Die häufigsten Filme, die als typische Trashfilme genannt wurden, waren „Sharknado“, „The Toxic Avenger“ und „Plan 9 from Outer Space“ von Ed Wood.

Zweite wichtige Erkenntnis: Das Publikum dieser Trashfilme ist keineswegs dumm. „Die Testpersonen stellten sich als überdurchschnittlich gebildet heraus“, sagte Sarkhosh im Magazin der Max Planck-Gesellschaft (Ausgabe 1/2017). „Sie haben viele Kulturinteressen, gehen ins Theater oder Museum und schauen sich Spartenkanale wie Arte an.“ Drei Viertel der Studienteilnehmer haben entweder Abitur oder einen Hochschulabschluss.
Erinnerung an Teenagerzeiten
Und warum nun schaut man so etwas? „Aus Langeweile am Mainstream, aus Frustration uber das sich immer wieder reproduzierende Hollywood“, stellt die Studie fest. Sarkhosh sagt: „Für die Liebhaber von Trashfilmen ist das Wort Trash ein Qualitätsmerkmal. Es wertet den Film eher auf.“

Trash-Fans schauen diese Filme gezielt und sehr bewusst und analysieren sie auch anschließend fleißig in Filmforen. Offenbar ist es so: Wer schlecht Gemachtes sieht, versteht besser, wie gut Gemachtes funktioniert. Oder anders ausgedrückt: Wer einem schlechten Film zusieht, versteht auf einmal besser, warum ein guter Film gut ist.

Und dann kommen natürlich noch die vielen Anspielungen auf frühere (Trash-)Filme hinzu. Wir mögen es offenbar, „aus ästhetischem Interesse“ die „Umsetzung von Klischees oder Anspielungen aus bereits gesehenen B-Movies“ zu genießen, drückt es der Experte aus. Die Ästhetik-Experten sprechen hier vom „Familiaritätsprinzip“, das angeblich „eine der stärksten Determinanten ästhetischen Gefallens“ ist.

In der Mythologie tritt der Satyr Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. auf
Sich an etwas zu ergötzen, was allgemein als „hässlich“ gilt, gab es schon immer. Schon in der Antike hätten Darstellungen etwa von Satyrn, Monstern mit Glatzen und Tiermerkmalen, einen ähnlichen Effekt gehabt, sagt der Wissenschaftler. Fur Kenner von Trashfilmen bedeute „guilty pleasure“ – die vermeintlich schuldige Lust am Abartigen – eine Art cineastisches Fest der Geschmacklosigkeit, welche nach Sarkhosh zur Kultur des Karnevalesken gezählt werden kann, also zu einer „Gegenkultur, in der unorthodoxe Freiheiten möglich sind“.

Sarkosh selbst empfiehlt als besonders trashigen Leckerbissen „Rabbits“ aus dem Jahr 1972. Hier mutieren Kaninchen zu menschenfressenden Bestien. In der Hauptrolle: Janet Leigh aus Hitchcocks „Psycho“. „Ein unglaublich charmanter Film, obwohl er einfach nur peinlich ist“, sagt der Filmwissenschaftler. Er trifft damit wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf, warum man Trash (manchmal) so mag.
Wissenschaft sucht Wohlfühlfilm
Übrigens: Keyvan Sarkhosh führt schon wieder eine neue Studie durch: Diesmal geht es um das Phänomen „Wohlfühlfilm: Genre-Merkmale und emotionale Effekte eines populären Filmtypus“. Was macht den zuckersüßen, rosaroten und Happy-End-sicheren „Feel-good-Movie“ à la „Pretty Woman“ oder „Dirty Dancing“ so unwiderstehlich? Offenbar konsumiert ein bestimmtes Publikum diese Filme gezielt eben wegen eines bestimmten „Wohlfühl-Faktors“. Ich lehne mich hier einmal weit aus dem Fenster und vermute, dass dieses Mal die Männer nicht in der Mehrzahl sein werden.

Das „Institut für empirische Ästhetik“ in Frankfurt am Main sucht übrigens immer mal wieder Versuchsteilnehmer. Manche Studien kann man online mitmachen, für andere muss man nach Frankfurt reisen. Auf der Webseite des Instituts kann man aktuelle Aufrufe zu Experimenten finden. Vielleicht darf man sich dort demnächst im Dienste der Wissenschaft dem „Wohlfühlfilm“ hingeben.

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Sonntag, 6. November 2011
Von "Drive", Workprints & Harry Knowles
Links: - Operation Kino, - Harry Knowles

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Dienstag, 19. April 2011
Podcast-Tipp: Operation Kino
Der tolle IFC News-Podcast von Matt Singer und Alison Willmore schloss Ende Januar für immer seine Pforten, der starke Film Talk von Jett Loe und Gareth Higgins hat die x-te Erpressungsaktion der Hörer am Laufen, damit nicht aufgehört werden muss. Und der Slashfilmcast hängt noch bis zur Blockbustersaison in den Seilen. Es ist also höchste Zeit für Abwechslung und frisches Blut. Wie wär's mit Katey Rich, der dynamischen, überdurchschnittlich attraktiven Filmkritikerin, die bis vor kurzem für Cinematical in die Tasten haute. Zusammen mit einem Haufen noch kennenzulernender Buddies ist sie bereits bei Episode vier ihres Operation Kino-Podcast angelangt. Und wer gelegentlich das Beste am Slashfilmcast war und seinen Podcast nach einer Mission in einem Tarantino-Film benennt, ist mehr als würdig, unterstützt zu werden.

Link: - Kino Katey

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