Mittwoch, 21. Januar 2015
Sundance-Ticker 2015

Jared Hess' Neuer "Don Verdean" (Rockwell, Clement) © Lionsgate
Absteigend aufgelistet sind hier die Sundance-Filme 2015, die mich persönlich am meisten interessieren. Die eigene Vorfreude wie auch das Kritiker-Feedback vor Ort sorgen für die Abstufungen, die ich mit Sternen von fünf bis drei kenntlich mache. Der Ticker wird mehrmals täglich upgedatet:

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★★★★

"Mississippi Grind" (Anna Boden & Ryan Fleck): "Ben Mendelsohn and Ryan Reynolds give terrific performances as gambling buddies in this bittersweet, beautifully textured road movie." (Justin Chang, Variety) "Ryan Reynolds’ performance as a charming gambler in MISSISSIPPI GRIND is his best ever. This is also the best film he’s ever starred in." (Jeffrey Wells, HE) "A rambling, Southern-tinged CALIFORNIA SPLIT update that's a great time until its half-dozen endings." (Alison Willmore, BuzzFeed) "Inspired by 1970s Hollywood films such as FIVE EASY PIECES and THE LAST DETAIL." (Anthony Kaufman, Screen Daily) "A good bet for lovers of unhurried, character-driven contemplation." (David Rooney, THR) "Everyone’s favourite under-the-radar Aussie pays back the praise with a blistering turn as a gambler in this winning spin on Robert Altman’s CALIFORNIA SPLIT." (Jordan Hoffman, Guardian) "A rambling, gambling, pleasing throwback to 70's road films, with good Ryan Reynolds and a great Ben Mendelsohn." (Ty Burr, Boston Globe)

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★★★½

"The Diary of a Teenage Girl" (Marielle Heller): "Frank, daring, funny chronicle of '70s San Francisco coming of age. Star Bel Powley sure to be a Sundance breakout." (Alison Willmore, BuzzFeed) "A fine adaptation of Phoebe Gloeckner's autobiographical novel." (Dennis Harvey, Variety) "A strikingly intimate look at a teenager's sexual life in an outstanding debut film." (Todd McCarthy, THR)

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★★★

"The Witch" (Robert Eggers): "A jaw-droppingly bold gift from God, THE WITCH is a major horror event on par with recent festival sensations like KILL LIST and THE BABADOOK. (David Ehrlich, TimeOut) "Malick’s THE NEW WORLD meets THE EXORCIST is as fine an elevator pitch as any." (Jordan Hoffman, Guardian) "Ye Olde CABIN IN THE WOODS. You'd think witchcraft & Satanism would always be this chilling, bleak & weird. Refreshing!" (Matt Patches, FITWR) "THE WITCH is like THE CRUCIBLE meets KILL LIST. A very impressive debut." (Eric Kohn, indieWIRE) "Most important influences on Eggers here were Kubrick's THE SHINING and Bergman's CRIES AND WHISPERS." (Todd McCarthy, THR) "An impressive feature debut with this gripping historical horror-thriller." (Justin Chang, Variety) "Often stunning, flame-licked film." (Samuel Zimmerman, STYD) "This is the breakout horror movie of Sundance. You must see it!" (Devin Faraci, Badass Digest)

"Mistress America" (Noah Baumbach): "Like FRANCES HA on adderall, Baumbach goes the full Sturges for his lightest, funniest & most winning film." (David Ehrlich, TimeOut) "Fastest spoken dialogue in an American film since Howard Hawks’s HIS GIRL FRIDAY, or else since Peter Bogdanovich’s THEY ALL LAUGHED." (Todd McCarthy, THR) "Felt labored to me for a long time, but takes off once it commits wholeheartedly to a screwball vibe. [57]" (Mike D'Angelo, TimeOut) "Lots to like, but it's such a concentrated dose of rapidfire clever Baumbach lines it becomes a little distancing." (Alison Willmore, BuzzFeed) "It's a CLUELESS for relentless millennial ambition. A hysterical, wild companion to FRANCES HA." (Matt Patches, FitWR)

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Freitag, 16. Januar 2015
„Honig im Kopf“ wird Boxoffice-Phänomen

Warum immer ich, deutsche Filmkritiker? ("Der bewegte Mann")
Deutsche Filmkritiker hassen Til Schweiger. Das ist ein Fakt, ja mittlerweile eine Art Naturgesetz der Branche. Und wer es nicht tut, gerät schnell in den Verdacht, Gefälligkeitsjournalismus zu betreiben.

Til Schweigers Alzheimer-Komödie „Honig im Kopf“, die nach drei Wochen bereits 2,64 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hat, beginnt jetzt in den Charts richtiggehend zu schweben. Klugerweise hatte sich Schweiger als Kinostart das Zeitfenster zwischen den Jahren ausgesucht. Da haben die meisten Menschen frei, die Kinos laufen vor Zuschauern über. Beeindruckende Zahlen lassen sich also deutlich einfacher erzielen. Aber nun, im trüben Januar, kommt es auf den Film selbst an. Was erzählen sich die Zuschauer, wird der Film weiterempfohlen? Wenn er nur von der Dauerbeschallung durch Trailer und Werbung künstlich getragen würde, fiele er spätestens jetzt in sich zusammen. Das Gegenteil ist bei „Honig im Kopf“ der Fall: Erste Zahlen besagen, dass das Ergebnis noch das letzte Wochenende übertrumpfen wird. 600.000 frische Zuschauer in drei Tagen, erzählt man sich. Schweiger hat einen Nerv getroffen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Film letztlich in „Keinohrhasen“-Dimensionen (über 6 Mio. Zuschauer) landen würde.

These: Es ist heutzutage schick, Til Schweiger zu hassen. In den Augen der Filmkritiker gibt es auch triftige Gründe, mit Abscheu auf sein Werk zu blicken:

1) Wenn sie einen seiner Filme sehen wollen, können sie das nicht mehr kostenlos in der Pressevorführung tun, sondern müssen dafür an der Kinokasse bezahlen.

2) Viele seiner aktuellen Filme laufen sehr erfolgreich. Es gibt nicht viel, was in der deutschen Filmindustrie regelmäßig ein Publikum findet. Wenn man sich über Schweiger aufregt, kann man sicher sein, dass man Gehör und Leser findet.

3) Neuere Schweiger-Filme sehen ästhetisch alle gleich aus: ungefähr wie ein verfilmter Waldorfkindergarten, in ökologisch gut abbaubaren Farbfiltern. Irgendwie scheint da immer goldener Herbst zu sein. Schweiger besetzt auch immer die gleichen Schauspieler, meistens Freunde und Prominente und vor allem aber die eigenen Kinder. Nur seine Schauspielpartnerinnen wechselt er – wie in der Realität – gern und häufig.

4) Die Ironie für die eigene Filmfigur geht ihm meistens ab. Das müssen immer beruflich erfolgreiche Womanizer sein, deren einziger Makel das Fremdgehen ist. Wie kann man so einen süßen Schluri nicht lieben.

Dabei werden aber schnell die Qualitäten eines Schweigers vergessen oder bewusst verdrängt. Einen so unterhaltsamen und - angesichts der Thematik - so leichten Publikumsfilm über ein gesellschaftlich so relevantes Thema wie Alzheimer zu drehen, der dann auch noch Millionen von Menschen in die Kinos zieht, nötigt mir Respekt ab. Potenzielle sechs Millionen Menschen im Fernsehen bekommt man bei den Öffentlich-Rechtlichen fast automatisch durch die eingeschlafene Grundmasse an Zuschauern geschenkt, die nach der Tagesschau nicht umschalten wollen/können. Im Kino allerdings solche Dimensionen zu erreichen, ist eine ganz andere kulturelle Leistung. Hier wird die Lust und Leidenschaft für ein um Anerkennung kämpfendes Medium gelegt. Am lautesten lachten nämlich in meiner ziemlich gut besuchten Nachmittagsvorstellung die Kinder.

Und man muss erst einmal den Film schreiben, der dem altehrwürdigen Dieter Hallervorden solch eine tolle Bühne bietet. Klar, eigentlich war schon der wunderbare Film „Sein letztes Rennen“ Hallervordens „The Wrestler“. Ein Werk, mit dem es die einstige Ulknudel allen noch einmal zeigen konnte, dass er ein großer, fälschlich ignorierter Schauspieler ist, der im ernsten mindestens genauso gut wie im komischen Fach sein kann, wenn man ihn nur machen lässt. Aber was wäre dieser immer noch viel zu wenig beachtete Triumph wert gewesen, wenn Hallervorden nicht diese Links-Rechts-Kombination nachgelegt hätte. Umso so süßer schmeckt doch jetzt der Zuschauererfolg auf aller breitesten Ebene. Und hätte Schweiger nicht „Sein letztes Rennen“ gesehen, es hätte kein „Honig im Kopf“ gegeben. Schweiger hätte wahrscheinlich eher eine romantische Komödie für die Poetry-Slammerin Julia Engelmann geschrieben (Arbeitstitel: "Geistertölpel").

„Honig im Kopf“ ist ein typischer Schweiger-Film in dem Sinne, dass er viele schreckliche Manierismen des Filmemachers fortsetzt. Genannt seien nur einmal der alles verklebende, allzu seichte und belanglose Pop-Soundtrack, der mehr auf die Verkaufszahlen als auf die Atmosphäre schielt – und natürlich die katastrophal unsympathisch gezeichnete Motz-Ehefrau, die gegen den hilflosen Alzheimer-Patienten stänkert. Aber im Gegenzug hat er herrlich profane Dialoge voller Schimpfwörter, die nicht fürs Kino geschönt wurden. Er traut sich ehrlichen, hausgemachten Fäkalhumor, der den Film erdet. Er hat den grandiosen Hallervorden, dazu den natürlichen, weil eben auch schmerzvollen Umgang mit der Alzheimer-Erkrankung. Und dann natürlich solche Gedankengänge, wie sie die Tochter im Kloster formuliert. Das Kind leidet offensichtlich schwer unter den Konflikten der Eltern. Angesichts dessen erscheint ihr das Zölibat der Nonnen, die ihre Liebe ausschließlich Gott versprochen haben, als Treue-Akt geradezu vorbildlich und nachahmenswert zu sein. Mögen Schweigers Inszenierungen von Paar-Beziehungen durch seine rosarote Brille einseitig gefärbt sein – bei der Kinderperspektive auf diese zeigt sich Schweiger aber immer mal wieder als sensibler Beobachter.

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Dienstag, 30. Dezember 2014
Meine Top Ten 2014

© Annapurna Pictures
01. FORMA – Ayumi Sakamoto
02. THE VOICES – Marjane Satrapi
03. BIRD PEOPLE – Pascale Ferran
04. FOXCATCHER – Bennett Miller
05. BLACK COAL, THIN ICE – Yi'nan Diao
06. BLUE RUIN – Jeremy Saulnier
07. BOYHOOD – Richard Linklater
08. WIE DER WIND SICH HEBT – Hayao Miyazaki
09. THE GRAND BUDAPEST HOTEL – Wes Anderson
10. COLD IN JULY / IT FOLLOWS / THE GUEST – Back to the 80’s

Lieblingsserien: Bob’s Burgers (Staffel 1 bis 4), Kindkind, Doctor Who (Staffel 5 & 6), Pastewka (Staffel 7), Rick & Morty, True Detective, Fargo, The Knick, Game of Thrones (Staffel 1 bis 4) + Lieblings-Dokus: Der Letzte der Ungerechten, Blackfish, Restrisiko, Die wirklich wahre Geschichte von 3sat + Lieblingsbücher: Forty Lashes Less One (Elmore Leonard), Arbeit und Struktur (Wolfgang Herrndorf), Das Lied von Eis und Feuer (George R. R. Martin) + Lieblings-Hörspiel: Paul Temple und der Fall Gilbert (1957) + Lieblings-Interviews: Harald Schmidts Abschieds-Marathon + Lieblings-Festival: Das Reflecta-Filmfestival im Frankfurter Mousonturm + Lieblings-Kurzfilme: Bär (Pascal Flörks), Dir muss er ja nicht gefallen (Franz Stephan) + Lieblingskritiker: Pavao Vlajcic + Lieblings-Zeitschrift: SigiGötz-Entertainment Nummer 24 (Sigi Rothemund-Spezial) + Lieblings-Fiktion: Christian Ulmen als jüdischer Patient Oliver Polak + Lieblings-Podcasts: Movies & Sports-Podcasts vom 13. Hofbauer-Kongress, Flimmerfreunde + Lieblings-Einleitungen: Buio-Omega-Olaf zu „Das Lusthaus teuflischer Begierden“ auf dem Terza Visione, Andi zu „Der Perser und die Schwedin“ auf dem Hofbauer-Sondergipfel in Frankfurt a. M. + Lieblings-Trailer: Zärtliche Chaoten 2 + R.I.P. Craig Ferguson.
+
Lieblingsklassiker: Im Weltraum gibt es keine Gefühle, Maciste im Kampf mit dem Piratenkönig, The Dion Brothers, Holiday in St. Tropez, Vanessa, Atemlos vor Liebe, Ferien mit Piroschka, Im Banne des Unheimlichen, Salomon und die Königin von Saba, Der schweigende Engel, The Life and Times of Grizzly Adams, Moscow on the Hudson, The Best of Times, Stranger at My Door, Rage (1972), Der Perser und die Schwedin, Tanja – Die Nackte von der Teufelsinsel.

Links: - 2013, - 2012, - 2011, - 2010, - 2009

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Freitag, 12. Dezember 2014
SigiGötz-Entertainment-Heft #25 im Handel

Auch bei Ihnen schon bald unter dem Weihnachtsbaum?
Der legitime Steadycam-Nachfolger SigiGötz-Entertainment hat wieder einmal überragendes Material vorgelegt. Für den Selbstkostenpreis von nur drei Euro entführt uns das Glamour- und Filmmagazin dieses Mal zurück hinter die Kulissen des deutschen Lederhosen- und Reportfilms mit dem zweiten Teil des so epischen wie wertvollen Sylvie Engelmann-Interview. Dem verstorbenen Schauspieler Jacques Herlin, den Silvia Szymanski so treffend im Movies & Sports-Podcast würdigte, wird noch mal der rote Teppich ausgerollt. Und ich stricke mit meinem Beitrag an der Utopie, dass einmal ein ganzes Heft dem Werk Harald Reinls gewidmet sein wird. Der Winnetou-Regisseur hätte es jedenfalls verdient. Dazu exklusive Sigi-Rothemund-Fakten sowie abseitigere Buch- und Filmempfehlungen, über die man nirgendwo sonst stolpern kann.

Links: - SigiGötz-Entertainment, - Bestellen

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Mittwoch, 10. Dezember 2014
Die Jury des Reflecta-Festival kürte 2 Gewinner – Das Publikum feierte „Bär“

Der Großvater als fremdes Raubtier (Pascal Flörks' "Bär")
Am Samstagabend, den 6. Dezember, kürte die Reflecta-Jury im Frankfurter Mousonturm ex aequo die Kurzfilme „Omul“ (Brigitte Drodtloff) und „Wheels of Change“ (Stefan Wagner) zu den Gewinnern des Reflecta Artist Award 2014. Der mit 500 Euro dotierte Kurzfilm-Preis, der erstmals 2011 im Museo Reina Sofia Madrid vergeben wurde, zählte dabei über zweihundert Einsendungen.

„Wheels of Change“-Regisseur Stefan Wagner bedankte sich auf der Bühne bei seinen Eltern, die ihm im Zusammenhang mit dem Projekt abgeraten hatten, nach Afrika zu fahren. Gerade das habe ihn aber besonders angespornt, es doch zu machen, scherzte der 24-jährige Preisträger. In „Wheels of Change“ zeigt Wagner, wie ghanaische Jungunternehmer Fahrräder aus Bambus für die eigene Bevölkerung und den Export herstellen. Der Jury gefiel besonders, dass hier ein stolzes, selbstständiges Afrika-Bild gezeigt werde, das sich ganz bewusst von der sonstigen Medienberichterstattung distanziere.

In „Omul“ (übersetzt: Mensch), dem zweiten Preisträger-Film, zieht ein Mann den Unmut anderer Händler auf sich, als er auf einem rumänischen Markt beginnt, seine Produkte zu verschenken anstelle sie zu verkaufen. Regisseurin Brigitte Drodtloff traf so den Nerv des Reflecta-Festival, das vor allem Filmkunst auszeichnen will, die bewegt und zur gesellschaftlichen Veränderung für eine sozialere Welt anregt.

Der Gewinner des Reflecta-Publikumspreises heißt „Bär“ von Pascal Flörks. Der Kurzfilm setzte sich in einem qualitativ hochwertigen, teils internationalen Wettbewerb gegen die anderen neun Finalisten durch, die allesamt mit englischen Untertiteln zu sehen waren. Der 32-jährige Filmemacher schaffte eine persönliche Hommage an seinen verstorbenen Großvater, indem er Fotos aus dem Familienalbum oder dem Archiv gekonnt nachbearbeitete. Statt des Mannes, der im Zweiten Weltkrieg als Fallschirmspringer kämpfte, ist auf den Bildern stets ein Braunbär zu sehen. Mit Humor, aber auch Nachdenklichkeit blickt der Film so auf die komplizierte Beziehung der Generationen zurück.

In der Jury des Reflecta Artist Award 2014 saßen die Arte-Redakteurin Dr. Catherine Colas, der Regisseur und Drehbuchautor Peter Altmann, der die nachhaltige Filmproduktion „ecofilm“ betreibt und Matthias Pees, der Intendant und Geschäftsführer des Mousonturms.

Das Reflecta-Filmfestival fand vom 5. bis 7. Dezember in Frankfurt am Main statt. Das sorgfältig ausgesuchte Dokumentarfilm-Programm wurde im Mousonturm ergänzt um Debatten, globalisierungskritische Stadtrundgänge und Konzerte. Das empfehlenswerte Kurzfilmprogramm sowie die Dokumentarfilme werden aktuell in Frankfurter Partnerkinos wie dem Orfeo's Erben oder dem Filmforum Höchst wiederholt.

Links: - Facebook, - Reflecta, - Partnerkinos

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Preisträger des 7. Fetisch Film Festival in Kiel

Julia Hummer in "Top Girl"
Das 7. Fetisch Film Festival fand vom 27. bis 29. November in Kiel statt. Die Hauptpreise gingen an:

Best Film of the Year:
TOP GIRL oder la déformation professionnelle
Directed by Tatjana Turanskyj

Best Actress:
Julia Hummer in TOP GIRL oder la déformation professionnelle

Best Actor:
RP Kahl in TOP GIRL oder la déformation professionnelle

Best Trans-Performance:
Nicolas Maury in
LES RENCONTRES D’APRES MINUIT

Best Documentary Film:
FOLSOM FOREVER
Directed by Mike Skiff

Link: - Die weiteren Preise 2014

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Donnerstag, 27. November 2014
35mm-Bollwerk gegen die Barbaren

"Moskau in New York": Robin Williams entdeckt den Kapitalismus
Seit zwei Monaten programmiert Quentin Tarantino das eigene New Beverly-Cinema in Los Angeles. Grund genug für Movies & Sports, einen genaueren Blick auf die Auswahl zu werfen.

Zuerst einmal herrschte ein Gefühl der Enttäuschung vor. Zu sehr ist man die letzten Jahrzehnte von Quentin Tarantino verwöhnt worden. Zu enzyklopädisch sind seine Filme ausgefallen, zu gut bestückt waren seine epischen QT-Film-Festivals in Austin, Texas. Irgendwie kommt einem das meiste seltsam bekannt vor: Die ersten beiden Monate im New Beverly speisen sich nämlich größtenteils aus dem Fundus der Empfehlungen, die der „Django Unchained“-Regisseur seit den 1990er-Jahren mehrfach abgefeuert hat. Die Wiederentdeckung Paul Mazurskys zum Beispiel ist ein alter Hut. Howard Hawks‘ „His Girl Friday“ stand schon damals Pate in den Dialogen zwischen Honey Bunny und Pumpkin in „Pulp Fiction“. Und auch die Eastern in der Midnight-Schiene wie „Die Schlange im Schatten des Adlers“ oder „Die Todesfaust des Cheng Li“ haben ihre Festival-Hommage hinter sich und wurden in „Kill Bill“ gleich ganz durchdekliniert. Tarantino-Aficionados wissen seit längerem, dass der Filmemacher den taiwanesischen Bruce Li dem legendären Bruce Lee vorzieht. Das Programm ist darauf angelegt, dem Kinobesitzer selbst zu gefallen. Die eigenen Filme werden mit oder auch ohne Jubiläum an mehreren Tagen abgefeiert, Freunde wie Samuel L. Jackson bekommen zu ihrem Geburtstag ein Double Feature spendiert, Eli Roth darf an Halloween das eigene mediokere Werk in seiner Gesamtheit ausbreiten. Und da die Dreharbeiten zu „The Hateful Eight“, Tarantinos offiziell achtem Film, im Dezember beginnen werden, ist nicht davon auszugehen, dass sich dieser Zustand so schnell ändern wird.
Quentins unheimliche Begegnung mit Außerirdischen
Schließlich war Tarantinos Intervention im eigenen Haus nicht von langer Hand geplant, sondern mehr eine Kurzschlussreaktion auf die allgemeine technologische Entwicklung. Das Schlüsselerlebnis passierte ihm diesen Mai auf den Filmfestspielen von Cannes. Der Regisseur war als Ehrengast geladen worden, um die feierliche Einführung zu 50 Jahre „Für eine Handvoll Dollar“ zu halten. Aber als sich Tarantino danach genüsslich in den Sitz fläzen und den Sergio Leone-Klassiker genießen wollte, traf ihn der Schlag. Der heiligste Tempel der Cinephilie, das Filmfestival von Cannes, zeigte den Film nicht in 35mm, sondern als digitale Kopie. Diese ignoranten Barbaren! Eigentlich sah Tarantinos Lebensplan so aus, dass er noch mindestens zwei weitere Filme drehen wollte, um sich langsam aus Hollywood zu verabschieden. Dann würde er nur noch der spinöse Filmprofessor und Kinovorführer sein, als den er sich in seinem Vorruhestand immer schon gesehen hat. Er hätte zehn Filme beisammen. Eine schöne runde Zahl und ein einheitliches Werk von durchgängig hoher Qualität, auf das er mit vielleicht einmal hundert Lebensjahren stolz zurückblicken könnte. Aber nein, die Dekadenz greift gerade jetzt wild um sich. Kinos schaffen ihre 35mm-Projektoren ab und stellen ausschließlich auf digitale Projektion um. Und die letzten Firmen, die noch Zelluloidstreifen herstellen, schließen.

Dafür habe er nicht unterschrieben, als er mit dem Filmemachen begann, so Tarantino. Digitale Kinoprojektion ist für ihn nicht mehr als Fernsehen in der Öffentlichkeit. Und dafür bräuchte man sein Haus nicht zu verlassen. 35mm-Filmkopien dagegen haben Charakter. Ihre Artefakte bezeugen, dass sie gelebt haben. Ganz zu schweigen vom hypnotischen Flicker-Effekt und der poetisch-magischen Illusion, bewegte Bilder zu sehen. Das New Beverly Cinema, das er lange Zeit finanziell unterstützte und das er kaufte, als der Besitzer verstarb, soll jetzt zu einem Bollwerk gegen die digitale Projektion werden. Ausschließlich 35mm- bzw. 16mm-Kopien sind erlaubt. Für einen bescheidenen Ticketpreis bekommt man am Abend ein Double Feature präsentiert. Dazu laufen coole, alte Werbungen, passende Trailer-Shows und Kurzfilme. Wahrscheinlich tut man dem Programm auch unrecht, wenn man es nur auf die Hauptfilme reduziert. Man müsste schon vor Ort sein, um das beurteilen zu können. Und schaut man etwas genauer hin, entdeckt man auch im Hauptprogramm die eine oder andere Perle, von der man bislang noch nichts gehört hat. Teilweise stehen die interessanten Empfehlungen auch gar nicht im Programm, sondern tauchen in Interview-Nebensätzen auf.
Das nicht ganz so stachelige Kindermädchen
Beispielsweise hat Tarantino der Deadline Hollywood-Journalistin Jen Yamato erzählt, dass er auch plane, samstägliche Kindervorstellungen für die nächste Generation zu veranstalten. Filme wie „Die Abenteuer der Familie Robinson in der Wildnis“ und „Der Mann in den Bergen“ sollen jungen Menschen den Spaß mit 35mm-Projektionen vermitteln. Welche Filme begeisterten den frühen Quentin und welche Werke hält er noch heute für ansehenswert? Tarantino, dessen Filme immer auch mit krasser Gewalt und Blutdurst assoziiert werden, erscheint in seinen Filmtipps immer dann am spannendsten, wenn diese am weitesten von den eigenen Werken entfernt liegen. Klein-Quentin sah mit seiner Mutter im Kino eben nicht nur Erwachsenenfilme wie „The Wild Bunch“ und „Die Kunst zu lieben“, sondern auch klassische Abenteuerstoffe, die für sein Alter bestimmt waren. „Der Mann in den Bergen“ ist eine faszinierende Mischung aus atemberaubender Tierdoku und romantischer Aussteigergeschichte um einen Vater, der fälschlicherweise des Mordes bezichtigt wird und sich in die Wälder des amerikanischen Westens flüchtet. Es ist ein bisschen so, als ob Daniel Defoe einen wilden Stummfilm geschrieben hätte. Es gibt fast keinen Dialog, nur gelegentlich einen romanhaften Off-Kommentar. In der Figur des Vaters, des Grizzly Adams (Dan Haggerty), verbinden sich Ideale der Abenteuerlust mit der jugendlichen Herangehensweise, vor Problemen einfach davon zu laufen. Zehn Jahre schlägt sich Adams in den Wäldern durch, wird unter den Dorfbewohnern zu einer Legende. Sein bester Freund soll ein Braunbär sein, einen Indianer soll er vor einer Bergkatze gerettet haben. Es stimmt alles. Das Unglaubliche ist, dass der Film das alles vor laufender Kamera und ohne doppelten Boden zeigt. Da sind teils lebensbedrohliche, teils spektakuläre, teils unwahrscheinlich intime Aufnahmen zwischen Mensch und Tier geglückt. „Der Mann in den Bergen“ ist ein märchenhafter Antizivilisationsreigen mit einer wundersam wehmütigen Stimmung.

Der andere angedachte 1970er-Jahre-Abenteuerfilm, „Die Abenteuer der Familie Robinson in der Wildnis“, folgt einer ähnlichen Fluchtbewegung in die Natur, auch wenn die Motive unterschiedlich sind. Die kleine Tochter der besagten Familie ist erkrankt – womöglich an der schlechten Stadtluft und dem allgegenwärtigen Stress. Also schmeißt der Familienvater seinen Baustellen-Job hin, packt seine unverschämt attraktive Ehefrau (Susan Damante) und die beiden Kinder und taucht ab. Tarantino hat eine erstaunliche hohe Trefferquote, was Filmtipps betrifft. Aber dieses Werk ging wohl vor allem dafür in die Filmgeschichte ein, dass nie häufiger die Tonangel unbeabsichtigt im Bild hing. Das ist seichtes, kitschig gemachtes Kinderkino mit schwülstigen Folk-Songs. Was die „Familie Robinson“ und „Der Mann in den Bergen“ verbindet, sind die wagemutigen Interaktionen zwischen Menschen und Tieren. Von Filmverrückten gedreht, die es damals einfach nicht besser wussten und ihren Hals riskierten.
Lang lebe Robin Williams!
Im tatsächlichen New Beverly-Programm fiel dagegen im ersten Monat vor allem das Robin Williams-Double Feature auf. Beide Titel suchte man vergebens in den endlosen Trauerbekundungen der letzte Zeit. Beide 1980er-Jahre-Filme sind ziemlich empfehlenswert. Paul Mazurskys „Moskau in New York“ ginge sogar glatt als Meisterwerk durch. „Rocket Man – Der Beste aller Zeiten“ von Roger Spottiswoode („Monster im Nachtexpress“) ist eine wundervoll leichte, comichafte Football-Komödie in der Slapstick-Tradition eines Frank Tashlin. Der Film erinnert an eine Zeit, als man noch unbekümmert „Mr. Baseball“, „American Wildcats“ und „Weiße Jungs bringen’s nicht“ heiß und innig liebte und keine Ahnung hatte, wer eigentlich dieser Eric Rohmer ist. Die Amerikaner haben schon immer besser als die Europäer verstanden, dass beim Sportfilm nie das Spiel selbst im Vordergrund stehen darf, sondern es immer um das Drumherum geht. Darin liegen der Zauber und die Poesie verborgen. Robin Williams spielt in „Rocket Man“ einen gepeinigten Mann, der regelmäßig zu einer Prostituierten fährt. Nicht, um mit ihr zu schlafen, sondern um immer wieder sein großes Trauma durchzusprechen. Williams griff als junger Footballer unglücklich daneben, als ihn der Quarterback Kurt Russell im entscheidenden Spielzug gegen den Erzrivalen mustergültig bediente. Das Trauma, das sein gesamtes Umfeld – inklusive der Prostituierten, die für die Beichtstunde den doppelten Preis verlangt – zu Tode langweilt, ging damals auch auf die kalifornische Kleinstadt über, dessen Namen man deswegen bis heute noch nie gehört hat. Wie der junge, vor Energie zerberstende Williams die eigenen Dämonen niederringt, das alte Team zusammentrommelt und die ganze Stadt für das Wiederholungsspiel motiviert, ist in seinen screwballhaften Dialogen und mit unzähligen tollen Nebenfiguren wundervoll anzuschauen.

Das Werk des New Hollywood-Regisseurs Paul Mazursky gehört bekanntlich nicht gerade zu Tarantinos Neuentdeckungen. Der Filmtitel „Moskau in New York“ tauchte allerdings zum allerersten Mal in diesem New Beverly-Oktober-Programm auf. Und was für ein wunderschöner Film das ist. Pauline Kael hat darüber bereits alles in „State of the Art“ geschrieben. Die Geschichte ist zweigeteilt: Lange, sehr atmosphärische Sequenzen, die Robin Williams als russischen Jazzspieler in Moskau zeigen, das Mazursky am Geiselgasteig auf dem Bavaria-Gelände hat aufbauen lassen. Auf den Spuren Ernst Lubitschs wandelnd, der Europa für Hollywood vielleicht am liebevollsten neu erfand, zeigt Mazursky elendig lange Schlangen um Häuserblocks, wo hauptsächlich für Toilettenpapier angestanden wird. In Williams‘ Liebesnest ist der Kühlschrank randvoll mit Wodka-Flaschen gefüllt. Und eigentlich ist seine Figur im Kommunismus gar nicht so unglücklich. Er hat eine vollbusige Freundin und wohnt mit seiner Familie in einer bescheidenen Unterkunft. Umso überraschender gestaltet sich sein Ausflug nach Amerika. Der Moskauer Zirkus ist zu einem Gastspiel in New York eingeladen worden. Und er, der in der Zirkus-Band spielt, nutzt die Gunst der Stunde in Bloemingdale’s, um zu türmen. Was Mazursky dann zeigt, ist für einen 1980er-Jahre-Hollywood-Film inspirierend ausgeglichen in der Bewertung der unterschiedlichen politischen Systeme. Ja, in Moskau wird man bespitzelt, unter Druck gesetzt und im schlimmsten Fall auch weggesperrt. In New York bricht Williams aber gleich zu Beginn angesichts der schieren Kaffee-Auswahlmöglichkeiten zusammen. Es sind die Ärmsten der Armen, die ihm Asyl in ihrer winzigen Wohnung gewähren. Hier lauern keine KGB-Agenten, nur einfache, junge Männer mit kalten, leeren Augen, die ihn direkt vor der Haustür überfallen. Der Film macht erfahrbar, wie es wohl sein muss, wenn man sich gegen sein altes Leben entscheidet und irgendwo in der Fremde völlig neu anfängt.

Robin Williams ist ein Erlebnis. Nicht nur, dass man ihm den russischen Jazzspieler von der ersten Sekunde an abnimmt. Er leuchtet hier förmlich von innen. Seine Figur ist so sympathisch, weil Williams sie mit seiner tierischen Sexualität, seinen Zweifeln und den kleinen Freuden am Leben so menschlich zeichnet. „Moskau in New York“ ist die bislang schönste Entdeckung des New Beverly-Programms. Man könnte natürlich noch über einige andere Entdeckungen schreiben. Zum Beispiel über den großen Unbekannten William Witney, den Tarantino schon ewig pusht, der dem geneigten Leser jetzt aber im Gewand einer Jules Verne-Verfilmung begegnet. „Robur – Der Herr der sieben Kontinente“ mit Vincent Price und Charles Bronson ist einen Blick wert. Und wenn man will, kann man gleich Witneys richtiges Meisterstück, „Der schwarze Mustang“, dran hängen. George C. Scott hat mit „Die Rache ist mein“ einen abgrundtief melancholischen Debütfilm über Militärexperimente und die Folgen für die Zivilbevölkerung hingelegt, der unter die Haut geht. Und im November widmete Tarantino dem Italo-Star Guiliano Gemma das exotische Double Feature „Der feurige Pfeil der Rache“ und „Ben & Charlie“. Auch nicht gerade zwei Filme, die in der Vergangenheit sonderlich viel Liebe in Cineasten-Zirkeln genossen hätten. „Wenn Leute kommen, wäre das super. Wenn sie nicht auftauchen, scheiß auf sie!“, lautet das Credo des Hausherrn. Zumindest Movies & Sports konnte auf diese Weise bereits inspiriert werden.

Link: - New Beverly Cinema

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Montag, 20. Oktober 2014
Historisch: Erster Hofbauer-Kongress in Frankfurt am Main
Vom 7. bis 9. November passiert es wirklich: Das sagenumwobene Hofbauer-Kommando macht das Rhein-Main-Gebiet unsicher. Es ist eine riesige Ehre und vor allem dem Filmkollektiv Frankfurt zu verdanken, dass die Eingreiftruppe ihr Stammterritorium Nürnberg für ein Wochenende verlässt, um einige der größten Schätze der vergangenen Kongresse ("Der Perser und die Schwedin", "Roulette d'amour") im Uni-Kino Pupille und im Filmforum Höchst zu zeigen. Weiter aufgewertet wird die Veranstaltung mit exklusive Einführungen ausgewählter Perlen durch die Ferroni Brigade. Es lohnt schon allein die Anreise, um einmal Olaf Möller ekstatisch von einem völlig unbekannten Film schwärmen zu hören. Ich freue mich darüber hinaus besonders auf Ernst Hofbauers nächsten Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut". Der erster Link führt zu den anregenden Programmtexten des aktuellen Kongresses, der zweite zurück zum letzten glorreichen Kongress samt der drei Movies & Sports-Podcasts.

Freitag, 07.11. (Filmforum Höchst)

16.30 Uhr - UNERSÄTTLICHE TRIEBE
18.30 Uhr - FRANKFURT KAISERSTRASSE
22.45 Uhr - 69 – VORSPIEL ZUR EKSTASE
01.00 Uhr - TAUSEND TAKTE ÜBERMUT
03.00 Uhr - "STÄHLERNER ÜBERRASCHUNGSFILM"

Samstag, 08.11. (Filmforum Höchst)

16.30 Uhr - HERBSTROMANZE
22.45 Uhr - NORDISCHE NÄCHTE – VERSCHWIEGENE PARTIES
01.00 Uhr - SÜNDE MIT RABATT
03.00 Uhr - "VIDEOKNÜPPEL"

Sonntag, 09.11. (Uni-Kino Pupille)

16.30 Uhr - DER PERSER UND DIE SCHWEDIN
18.15 Uhr - TANJA – DIE NACKTE VON DER TEUFELSINSEL
20.00 Uhr - … UND NOCH NICHT SECHZEHN
23.15 Uhr - BARON PORNOS NÄCHTLICHE FREUDEN
01.00 Uhr - SCHWEDISCHER SOMMERWIND
03.00 Uhr - EXPECTATIONS – HEMMUNGSLOSE VERFÜHRERIN

Links: - 1. auswärtiger Sondergipfel, - 13. Hofbauer-Kongress

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Donnerstag, 2. Oktober 2014
Tarantino spricht über New Beverly-Programm

Das nächste Bühnenstück? Aldrichs "Ardennen 1944"
Wer endlich einmal verstehen will, warum 35mm-Kopien den digitalen Kopien auf allen Ebenen so überlegen sind, der höre sich Quentin Tarantino an. Dieses Plädoyer muss verbreitet werden. Der Regisseur war in der Radiosendung "The Treatment" zu Gast bei Elvis Mitchell. Knapp eine halbe Stunde lang spricht er über die Magie des echten, flickernden Kinos, seine Programmauswahl im ersten Monat und was da noch kommen wird. Wer also wissen will, wer hinter Elvis Presley der attraktivste Schauspieler der Filmgeschichte ist, wie sich Roland Emmerich um die Bewahrung von Kopientechniken verdient gemacht hat und welche Kurzfilme vor dem Hauptprogramm laufen, hört bei "The Treatment" rein (am Ende des Artikels verlinkt). Wer allerdings schon wissen will, welche Filme Tarantino im November zeigt, schaut bei Amy Nicholsons L.A. Weekly-Artikel vorbei. Dort lässt sich Tarantino nämlich schon ein wenig in die Karten schauen: Ein Double Feature wird um den Themenkomplex Gefängnisgewalt kreisen. "Fortune and Men's Eyes" und "Short Eyes" beeinflussten in den 1970er-Jahren, laut Tarantino, die Darstellung von Gefängnissen im Kino. Diese beiden Filme sollen die bis dahin verharmlosende und ausblendende Filmsicht verändert haben, indem sie die schonungslose Gewalt und die sexuellen Übergriffe unter Mithäftlingen in aller Deutlichkeit zeigten.

Links: - The Treatment - L.A. Weekly

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Mittwoch, 27. August 2014
Venedig-Ticker 2014

Liebling in Nebenreihe verbannt © Sophie Dulac
Der so genannte Buzz, der regelmäßig in Venedig generiert wird, ist mit Vorsicht zu genießen. Die meisten amerikanischen Kritiker können sich pro Jahr nicht zwei Europa-Reisen leisten. Und so ist man vornehmlich auf die britischen Filmkritiker angewiesen, die im Gegensatz zu den auch immer zahlreichen deutschen Kritikern deutlich schneller und zielsicherer schießen. Aber gerade weil wir uns zum jetzigen Zeitpunkt im Auge des entstehenden Oscar-Tornados befinden, neigen einige der Anwesenden zu überspitzten Werturteilen. Zum einen liegt das an der Exklusivität der eigenen Meinung zu den heißesten Filmen der Saison. Zum anderen an der Möglichkeit, zumindest eine gute Woche lang im Oscar-Spiel die ersten Duftnoten zu setzen, bevor die Festivals in Telluride und Toronto den Rest der Welt einweihen werden.

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Most-Wanted 2014:

01. Ich seh Ich seh - Severin Fiala & Veronika Franz
02. Métamorphoses - Christophe Honoré
03. A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence - Andersson
04. Birdman - Alejandro González Iñárritu
05. The Look of Silence - Joshua Oppenheimer

Kommentar: Gefühlt der schwächste Wettbewerb seit langer, langer Zeit. Ich habe gerade mal eine Top-5 zusammen bekommen.

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★★★★½

"Ich seh Ich seh" (Severin Fiala & Veronika Franz): "A wicked little chiller full of foreboding and malevolent twists. It has cult potential stamped all over it." (David Rooney, THR) "Franz und Fiala drehen mit dieser garstigen Kollaboration Mutterliebe, kindliches Urvertrauen und die menschliche Sehnsucht nach Geborgenheit durch den Fleischwolf, dass die Knochen splittern." (Dietmar Dath, FAZ) "Sehr sehenswertes Spielfilmdebüt." (Barbara Schweizerhof, Die Presse) "It's put together with such precision and menace." (Nick James, Sight & Sound)

[Der österreichische Horrorfilm feierte in der Orizzonti-Nebenreihe Weltpremiere. Regie führten Ulrich Seidls Partnerin und sein Neffe.]

"Métamorphoses" (Christophe Honoré): "It's reminiscent of Pasolini’s literary films from the early 1970s, such as his DECAMERON and 1001 NIGHTS adaptations. There’s a lot less humor in Honore’s work, which feels more gently melancholy." (Boyd van Hoeij, THR)

[Lief leider nicht im Wettbewerb, sondern nur in der autonomen Nebenreihe Venice Days.]

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★★★★

"A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence" (Andersson): "It's magnificent and has some real shocks." (Nick James, Sight & Sound) "Hilarious deadpan Scandi-surreal genius. Cinematography in another dimension." (Kate Muir, The Times) "Heaven." (Robbie Collin, Daily Telegraph) "A Critic Sat on a Lido Reflecting on a Masterpiece." (Xan Brooks, Guardian)

"Birdman" (Alejandro González Iñárritu): "One of the most sustained examples of visually fluid tour de force cinema anyone's ever seen." (Todd McCarthy, THR) "A magnificent and enthralling film that fits into no easy genre bracket." (Mark Adams, SD) "Venice opener BIRDMAN was such a treat. Michael Keaton never better, and it's Inarritu's best film." (Catherine Bray, BBC) "Call it a DARK KNIGHT of the soul. [5/5]" (Robbie Collin, Daily Telegraph) "A mighty technical feat and a whole heap of fun. But 2-hrs in the head of hysterical, self-absorbed actor?" (Xan Brooks, Guardian) "Großartig." (Brigitte Häring, SRF) "Like so many stories about existential crises, it suffers from a kind of generic listlessness. And it whacks a little too obviously at some of its targets." (Stephanie Zacharek, Village Voice) "The most exhilarating 21st Century film I’ve seen." (Jeffrey Wells, Hollywood Elsewhere)

[Iñárritu ist von den drei mexikanischen Musketieren, die einst auszogen, um die Welt zu erobern, mein drittliebster.]

"The Look of Silence" (Joshua Oppenheimer): "It's more personal, more combative. But it’s just as much a must-see as its predecessor: innovative, inspired and important. [5/5]" (Peter Bradshaw, Guardian) "Tremendous companion piece to ACT OF KILLING. Tackles genocide from survivors' POV; a film of righteous fury." (Xan Brooks, Guardian) "It's a spellbinding sequel that internalises the moral critique of THE ACT OF KILLING." (Nick James, Sight & Sound) "It’s a gripping but also often tense and uncomfortable viewing experience." (Lee Marshall, SD)

[Der US-Verleiher Drafthouse Films ("Bullhead", "Klovn: The Movie") hat sich die Nordamerika-Rechte gesichert. Tim Leagues Auswahl bedeutet Qualität.]

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★★★

"The Price of Fame" (Xavier Beauvois): "The true story is quite small, Beauvois manages to turn it into something big, brash and even quite moving through sheer mastery of the filmmaking tools at his disposal." (Boyd van Hoeij, THR) "Quite enjoyed THE PRICE OF FAME, broad, winsome picaresque abt 2 clowns who steal Chaplin's corpse." (Xan Brooks, Guardian)

"Manglehorn" (David Gordon Green): "It is to David Gordon Green’s credit that he manages to keep MANGLEHORN intriguing, even if the film never completely delivers." (Mark Adams, SD) "This is the director's most accomplished and life-affirming dramatic work to date." (Adam Woodward, Little White Lies) "Pacino's larger-than-life persona is wrong fit for what could be a spiritual sequel to SCARECROW." (Peter Debruge, Variety) "Playing an embittered, curdled loser the actor looks as vital and exciting as he did in his pomp." (Xan Brooks, Guardian) "Since stepping away from studio work, Green has been on an agreeable track. But MANGLEHORN is a wrong turn." (David Rooney, THR)

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Montag, 4. August 2014
Movies & Sports-Podcast #3 - 13. Hofbauer-Kongress (Gast: Sano Cestnik)

"Vanessa": Urlaub war das Leitthema des 13. HK-Kongresses
Der abschließende dritte Podcast sollte ursprünglich einmal ein fokussierter Rückblick auf das Kongress-Programm mit zwei Gästen werden. Letztlich wurde es aber sogar ein bisschen mehr als das: Sano Cestnik, den cineastischen Lebemann und Filmkritiker von den Eskalierenden Träumen, könnte man - passend zu einer der Gesangsnummern in "Holiday in St. Tropez" - als fünften Beatle des Hofbauer-Kommandos bezeichnen, das hinter der Organisation des Festivals steht. Während die offiziellen Mitglieder also Rede und Antwort für den bayerischen Zündfunk mit dem blauen ARD-Mikrofon standen, hatte ich die Gelegenheit, etwas ausführlicher mit jemandem zu sprechen, der ganz nahe dran ist und doch inzwischen von außen draufschaut. Aus einem geplanten Dialog wurde ein Interview, das nicht nur einige der Programm-Highlights des 13. Hofbauer-Kongresses streift, sondern auch ein Stück weit hinter die Kulissen blickt, die Entstehung der Kongresse aufgreift und eigentlich am meisten von Sano selbst offenbart. Das ist insoweit hochinteressant, weil Sano ein extrem lesenswerter Filmkritiker ist, von dem man noch viel hören und noch mehr lesen wird. Außerdem konnte ich auf diese Weise zumindest unbewusst Alexander Kluges geschätzten DCTP-Interview-Formaten ein kleines, übermüdetes Denkmal setzen, deren Überleben im Privatfernsehen aktuell ja arg bedroht ist. Meine Zusammenfassung des Festivals liefere ich hier in traditioneller Listenform nach - und zwar in klassischer Lukas-Foerster-Ästhetik.

Ranking:

***** Atemlos vor Liebe
***** Holiday in St. Tropez
***** Vanessa
***** Eis am Stiel
****+ Dir muss er ja nicht gefallen
****+ Zärtliche Chaoten II-Trailer
**** Drei Schwedinnen in Oberbayern
**** Scopitones
**** SGE-Kurzfilme
**** Giulia
**** Das Recht zu lieben
***+ Wegen Verführung Minderjähriger
*** Mädchen des Lasters
*** Wang Yung – Stahlharte Hongkong-Killer
** Das Strandhaus
* Grün ist die Heide

Shownotes:

00:00:52 - Schwerpunkt Schlagerfilm
00:03:36 - Warum eigentlich "Giulia"?
00:07:58 - Anfänge des Hofbauer-Kommandos
00:09:37 - Gibt es schlechte Filme?
00:16:40 - "Der erste Ritter" als Augenöffner
00:17:51 - Außerirdischer Märchenonkel Siggi Götz
00:19:38 - Film des Monats
00:20:50 - Sano über Sarno
00:22:55 - Rätselhafter Surftipp
00:23:55 - Ré­su­mé



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Lesetipps: - Sano über "Schleppzug M17", - Sano über Nena

Links: - M&S-Podcast #1, - M&S-Podcast #2

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