Montag, 4. August 2014
Movies & Sports-Podcast #3 - 13. Hofbauer-Kongress (Gast: Sano Cestnik)

"Vanessa": Urlaub war das Leitthema des 13. HK-Kongresses
Der abschließende dritte Podcast sollte ursprünglich einmal ein fokussierter Rückblick auf das Kongress-Programm mit zwei Gästen werden. Letztlich wurde es aber sogar ein bisschen mehr als das: Sano Cestnik, den cineastischen Lebemann und Filmkritiker von den Eskalierenden Träumen, könnte man - passend zu einer der Gesangsnummern in "Holiday in St. Tropez" - als fünften Beatle des Hofbauer-Kommandos bezeichnen, das hinter der Organisation des Festivals steht. Während die offiziellen Mitglieder also Rede und Antwort für den bayerischen Zündfunk mit dem blauen ARD-Mikrofon standen, hatte ich die Gelegenheit, etwas ausführlicher mit jemandem zu sprechen, der ganz nahe dran ist und doch inzwischen von außen draufschaut. Aus einem geplanten Dialog wurde ein Interview, das nicht nur einige der Programm-Highlights des 13. Hofbauer-Kongresses streift, sondern auch ein Stück weit hinter die Kulissen blickt, die Entstehung der Kongresse aufgreift und eigentlich am meisten von Sano selbst offenbart. Das ist insoweit hochinteressant, weil Sano ein extrem lesenswerter Filmkritiker ist, von dem man noch viel hören und noch mehr lesen wird. Außerdem konnte ich auf diese Weise zumindest unbewusst Alexander Kluges geschätzten DCTP-Interview-Formaten ein kleines, übermüdetes Denkmal setzen, deren Überleben im Privatfernsehen aktuell ja arg bedroht ist. Meine Zusammenfassung des Festivals liefere ich hier in traditioneller Listenform nach - und zwar in klassischer Lukas-Foerster-Ästhetik.

Ranking:

***** Atemlos vor Liebe
***** Holiday in St. Tropez
***** Vanessa
***** Eis am Stiel
****+ Dir muss er ja nicht gefallen
****+ Zärtliche Chaoten II-Trailer
**** Drei Schwedinnen in Oberbayern
**** Scopitones
**** SGE-Kurzfilme
**** Giulia
**** Das Recht zu lieben
***+ Wegen Verführung Minderjähriger
*** Mädchen des Lasters
*** Wang Yung – Stahlharte Hongkong-Killer
** Das Strandhaus
* Grün ist die Heide

Shownotes:

00:00:52 - Schwerpunkt Schlagerfilm
00:03:36 - Warum eigentlich "Giulia"?
00:07:58 - Anfänge des Hofbauer-Kommandos
00:09:37 - Gibt es schlechte Filme?
00:16:40 - "Der erste Ritter" als Augenöffner
00:17:51 - Außerirdischer Märchenonkel Siggi Götz
00:19:38 - Film des Monats
00:20:50 - Sano über Sarno
00:22:55 - Rätselhafter Surftipp
00:23:55 - Ré­su­mé



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Lesetipps: - Sano über "Schleppzug M17", - Sano über Nena

Links: - M&S-Podcast #1, - M&S-Podcast #2

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Freitag, 1. August 2014
M&S-Podcast #2 - 13. Hofbauer-Kongress (Gäste: Silvia Szymanski & Sebastian Selig)

Einstmals "Flash-Teens im Blitzlicht"
Hatte der erste Tag des 13. Hofbauer-Kongresses mit "Holiday in St. Tropez" bereits die Schlager-Revolution gebracht, wurde man am zweiten Tag Zeuge eines seltenen Schauspiels: Das Filmprogramm war so gut aufeinander abgestimmt, dass jede Vorstellung von der vorherigen profitierte. So schaukelte sich alles zu einem grandiosen Finale hoch, bei dem man selbst noch in tiefster Nacht hellwach auf die Leinwand starrte und nicht glauben konnte, was man da sah. Und die, die doch einschliefen, glaubten nachher, die extravagante deutsche Loveploitation "Atemlos vor Liebe" mehr geträumt als gesehen zu haben. Es war der perfekte Sturm, ja der erhoffte Taifun der Zärtlichkeit, mit dessen Spätfolgen zumindest ich an den letzten beiden Tagen zu kämpfen hatte.

Und es war ein glücklicher Moment, dass mir für den Rückblick darauf im zweiten Movies & Sports-Podcast Silvia Szymanski und Sebastian Selig zur Seite standen. Silvia wurde im letzten Jahr um den Michael-Althen-Preis betrogen. Meiner Meinung nach ist sie die interessanteste Filmkritikerin Deutschlands. Niemand schreibt aktuell leidenschaftlicher, ehrlicher und persönlicher über Film. Und Sebastian ist womöglich der beste Anheizer der Republik, ein Filmkritiker, der vor allem bekannt für seine hymnischen und rauschhaften Texte ist, nach denen man sofort das empfohlene Werk sehen will. Mit Lukas Foerster den ersten Podcast aufzunehmen, war eine große Ehre, aber da hakte es noch bei mir wegen diverser Faktoren im Getriebe. Der zweite Podcast war zumindest ein bisschen so, als ob ich als NBA-Fan in der Halbzeitpause des Allstar-Game ein paar Körbe mit LeBron James und Kevin Durant werfen durfte. Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Programm, Freitag, 25.07.

00:00:55 - SGE-KURZFILME (1975-2014)
00:05:48 - DIE BORDELLCHEFIN VON HONGKONG (1977)
00:09:56 - DREI SCHWEDINNEN IN OBERBAYERN (1976)
00:16:24 - ATEMLOS VOR LIEBE (1970)
00:23:07 - FWU-FILME



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Lesetipps: - Silvia Szymanski, - Sebastian Selig

Links: - M&S-Podcast #1, - M&S-Podcast #3

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Dienstag, 29. Juli 2014
Movies & Sports-Podcast #1 - 13. Hofbauer-Kongress (Gast: Lukas Foerster)

Aufgepasst, Helene Fischer! Der Schlagerfilm ist zurück!
Irgendeiner musste ja den Job machen! Und da ich die passende Smartphone-App und den nötigen Übermut besaß, seid ihr selbst schuld, es nicht selbst gemacht zu haben. Denn den regelmäßig in Nürnberg und Fürth abgehaltenen Hofbauer-Kongressen, die vor allem das deutsche Genrekino der 1960er und 1970er-Jahre feiern, fehlt die Präsenz abseits der eingeschworenen Facebook-Zirkel. Das soll nicht heißen, dass diese hier auf Movies & Sports zu finden ist. Vielleicht inspiriert es aber den ein oder anderen das nächste Mal, eigene kleine Podcasts aufzunehmen und die Kunde in die Welt hinauszutragen. Denn bislang gibt es nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag. Dabei prägt die Auswahl der Macher mittlerweile auch stärker die cineastische Diskussion, welche vergessenen und verdrängten Genres eines zweiten Blickes wert sind. An die Tage vom 24. bis 27. Juli 2014 wird man sich noch erinnern müssen, weil hier unter anderem die Wiedergeburt des deutschen Schlagerfilms über die Bühne ging. Ob das eine gute oder schlechte Sache war, wird die Zukunft zeigen. Je nachdem, ob man mehr auf "Holiday in St. Tropez" oder "Grün ist die Heide" setzen wird, schätze ich. Nur ignorieren kann man die Tatsache nicht mehr.

Es geht meinerseits etwas trüb und hölzern los, was durchaus als unbeabsichtigte Reminiszenz an den ein oder anderen Kongress-Film zu verstehen ist. Aber die allererste Ausgabe des Movies & Sports-Podcast lohnt allein für Lukas Foersters kluge Gedanken, die er auch zum Teil in seinem Blog Dirty Laundry verschriftlicht hat.

Programm, Donnerstag, 24.07.

00:01:12 - WANG YUNG - STAHLHARTE HONGKONG-KILLER (1973)
00:09:24 - HOLIDAY IN ST. TROPEZ (1964)
00:14:27 - GIULIA (1986)
00:20:21 - WEGEN VERFÜHRUNG MINDERJÄHRIGER (1960)



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Surftipps: - Perlentaucher, - Wenn du mal allein bist

Links: - M&S-Podcast #2, - M&S-Podcast #3

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Sonntag, 29. Juni 2014
Top Ten 2014 - 2. Quartal

© kukuru inc.
Ayumi Sakamotos "Forma" - ein Film wie Donnerhall und ein Name, den wir demnächst im Cannes-Wettbewerb lesen werden. Aber auch der langjährige Kameramann Jeremy Saulnier hat einen Namen, den man sich spätestens nach "Blue Ruin" merken sollte. Dazu gab es Miyazakis wunderschönen Schwanengesang, der auf den Spuren Thomas Manns wandelt. Und wie habe ich Sansa Starks Entwicklung in der vierten Staffel "Game of Thrones" geliebt: Valar morghulis! Ansonsten habe ich in den letzten Monaten hauptsächlich das ziemlich überbewertete Venedig-Programm 2013 nachgeholt und in den letzten Tagen die erfrischend andersartige US-Serie "Bob's Burgers" für mich entdeckt. Dafür liegen Sundance, Berlin und Cannes noch fast komplett vor mir.
Top Ten
01. FORMA – Ayumi Sakamoto
02. BLUE RUIN – Jeremy Saulnier
03. THE WIND RISES – Hayao Miyazaki
04. BLACKFISH – Gabriela Cowperthwaite
05. GAME OF THRONES 4. Staffel – David Benioff & D.B. Weiss
06. NYMPHOMANIAC VOL. 2 – Lars von Trier
07. BLUTGLETSCHER – Marvin Kren
08. RESTRISIKO – Kathrin Bühlig
09. THE GRAND BUDAPEST HOTEL – Wes Anderson
10. THE SNOW WHITE MURDER CASE – Yoshihiro Nakamura

Most-Wanted: The Guest, Der Samurai, Bird People, Black Coal Thin Ice, Wild Tales, Kraftidioten, It Follows, A Girl Walks Home Alone at Night

Link: - 1. Quartal

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Freitag, 27. Juni 2014
Taifun der Zärtlichkeit - Der 13. Hofbauer-Kongress naht

Das Hofbauer-Kommando ist schon selbst gespannt ("Eis am Stiel")
Irgendjemand müsste sich mal die Mühe machen und den bisherigen feinen Programmen der Hofbauer-Kongresse einen Wikipedia-Eintrag spendieren. Und irgendjemand sollte eigentlich zu jedem Kongress eine Publikation organisieren, in der jeder einzelne Film mindestens von einem Zuschauer besprochen wird. Und irgendjemand - und damit meine ich wohl mich - sollte beim nächsten Kongress nicht nur die wertvollen Einleitungen zu den raren Filmperlen mitschneiden und im Blog hochladen, sondern ausführlichere Interviews mit den Machern führen. Ende Juli, vom 24. bis 28.07., geht es also wieder los. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der 13. Hofbauer-Kongress naht. Und drüben bei den Eskalierenden Träumern feiert man sich mit der genüsslich-langsamen Entblätterung der größten Highlights und den teils kryptisch verschnörkelten Teaser-Texten selbst.

Zurecht! Denn wenn im Nürnberger KommKino und im nur wenige Haltestellen entfernt liegenden Fürther Uferpalast wieder einmal die Lichter ausgehen werden, wird - um einen späten Hubert Frank-Titel zu zitieren - ein Taifun der Zärtlichkeit über die willigen Cineasten hinwegfegen. Das lässt sich schon jetzt anhand des bekannten Programms prophezeien. Regisseure wie der Schwedenfilm-Sexgott Joseph W. Sarno ("Das Strandhaus"), der Namenspatron Ernst Hofbauer ("Holiday in St. Tropez") und Boaz Davidson ("Eis am Stiel") werden sich die Klinke in die Hand geben. Hubert Franks Emmanuelle-Paraphrase "Vanessa" wird im Mondlicht mit Barzinis italienischem Video-Sleaze "Giulia" tanzen und den Hardcore-Film "Dirty Lilly" zum Dreier bitten. Und der Kultpostille SigiGötz-Entertainment und ihrem Schöpfer Ulrich Mannes wird ein Schwerpunkt gewidmet sein: Das bedeutet SGE-Kurzfilme en masse und einen sagenumwobenen Siggi Götz-Überraschungsfilm. Ob es "Zwei im 7. Himmel" oder "3 Bayern in Bangkok" sind, wird sich zeigen müssen. Es scheint aber ein den Temperaturen angemessenes, schweißtreibendes Sexploitation-Fest der allerersten Güteklasse zu werden.

Bislang bekanntes Programm:

Do, 24.07.
WANG YU - STAHLHARTE HONGKONG-KILLER (17 Uhr)
HOLIDAY IN ST. TROPEZ (21.15 Uhr)
GIULIA (23.30 Uhr)

Fr, 25.07.
SGE-Kurzfilme (17 Uhr)
SIGGI GÖTZ-ÜBERRASCHUNGSFILM (21.15 Uhr)
SIGGI GÖTZ-ÜBERRASCHUNGSFILM (23.30 Uhr)

Sa, 26.07.
DAS RECHT ZU LIEBEN (18 Uhr)
MÄDCHEN DES LASTERS (20 Uhr)
EIS AM STIEL (Mitternacht)
DIRTY LILLY (Nacht)

So, 27.07.
SCOPITONES (19.30 Uhr)
DAS STRANDHAUS (21.30 Uhr)

Link: - Hofbauer-Kongress #13

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Samstag, 31. Mai 2014
Die Flimmerfreunde – Der aktuell beste deutschsprachige Filmpodcast

Der George-Eastman-Ehrenlöwe geht an: Die Flimmerfreunde
Zuerst denkt man, der will mich jetzt verarschen. So redet ja kein Mensch, der verstellt doch seine Stimme. Aber Bernd Begemann meint es ernst. Der 51-jährige Musiker, der Ende letzten Jahres mit seinem Buddy Olli Schulz den halbironisch gemeinten Malle-Hit „Du bist verhaftet wegen sexy“ landete, spricht so wie er singt. Das mag im ersten Moment etwas affektiert und ein bisschen geknödelt klingen, aber es macht Sinn. Denn wenn Begemann im Filmpodcast „Flimmerfreunde“, der früher einmal „Ohrensessel“ hieß, als die Universal Pictures Germany noch mit im Boot war, zu einem seiner zahlreichen Vorträge ansetzt, versteht man, dass das keine Maskerade ist. Da scheint jemand schon sehr lange seinen inneren Groove gefunden zu haben, der für Außenstehende gewöhnungsbedürftig ist, dessen Singsang mit der Zeit jedoch süchtig macht. Es ist überhaupt ein sehr angenehmer Ton, den die Flimmerfreunde Begemann, Kay Otto und Ben Shadow im Podcast gefunden haben: weit jenseits der schrillen amerikanischen Extreme von vorschnellen Verbeugungen, die eigentlich nur den Hintergedanken haben, vielleicht beim nächsten Kickstarter-Projekt finanzielle Unterstützung einzuheimsen und den scheinheiligen Cine-Hipstern, die sich über jeden Blockbuster lustig machen müssen, als Fixstern aber insgeheim nicht Antonioni oder Tarkowski, sondern „Ghostbusters“ angeben.
Superhelden der Filmkritik
Die drei Flimmerfreunde haben untereinander eine virtuose Dynamik der Entschleunigung entwickelt, die einfach gute Laune verbreitet. Nicht zufällig ist die offizielle Droge der Wahl eigentlich immer eine Tee-Sorte aus dem nächstgelegenen Supermarkt. Bernd Begemann hat den größten Redeanteil, was sich aber auch mit seinem Gefühl deckt, wer am meisten zu erzählen hat. Er wirkt in seinem Mitteilungsdrang und den breitgefächerten Referenzen aus Popkultur, Geschichte und Philosophie wie die kauzigen Endlos-Studenten, die eine Wortmeldung im Seminar meistens zu einem gesellschaftlichen Rundumschlag nutzen, der dann die Sitzung in seiner Länge auch abschließt. Mit dem feinen Unterschied, dass man Begemanns Ausführungen und Interpretationen verdammt gerne lauscht. Sein Enthusiasmus für abseitigere Geschmacksurteile ist ansteckend. Kay Otto bringt seine Expertise als Filmemacher in technischen Details zum Ausdruck, überzeugt aber noch mehr, wenn er die ungeschriebenen Filmgeschichtsbücher des Exploitationkinos und die Gossip-Magazine der Bahnhofskioske plündert. Die beiden sind ein unschlagbares Team, das sich die Bälle nur so zuspielt. Superhelden der Filmkritik, deren Superkraft es ist, aus dem langweilig klingendsten Thema eine traumhaft unterhaltsame, knappe Stunde Podcast zu kredenzen. Wie ich über die Jahre und unzählige andere Filmpodcasts festgestellt habe, ist die Lauflänge mit vierzig bis fünfzig Minuten für die Aufmerksamkeitsspanne optimal gewählt. Als Dritter im Bunde darf natürlich nicht Ben Shadow vergessen werden. Die gute, meist wortkarge Seele der Flimmerfreunde, die genau weiß, wie gerne die anderen beiden reden und rumspinnen, so dass er nur zu gerne brüderlich in den Hintergrund zurücktritt. Ganz entfernt und verquer erinnert die Konstellation der drei so manchmal an den Pfandleiher Maynard, seinen Freund Zed und the Gimp aus „Pulp Fiction“, die als Spinnen glauben, mit dem aktuellen Hollywood-Blockbuster oder der nächsten Schweighöfer-Komödie wieder reichlich Beute gemacht zu haben.
Sowohl "The Sea Hawk" als auch "Fluch der Karibik"
Was die Flimmerfreunde aus dem Einheitsbrei der Filmpodcasts heraushebt, ist neben dem schön abseitigen Humor zuallererst aber die filmgeschichtliche Tiefe, die die Diskussionen erreichen können. Da wird beim Thema Frauenfilme schon mal der so schöne wie meist verdrängte deutsche Peter-Pewas-Filmklassiker „Der verzauberte Tag“ ausgegraben. Bei Kriegsfilmen hören die Assoziationen nicht bei „Der Soldat James Ryan“ auf, sondern reichen bis Raoul Walshs „The Naked and the Dead“. Episoden sind dem Mantel- und Degengenre oder Filmen, die am Südpol spielen, gewidmet. Die Piratenfilm-Historie beginnt bei den Flimmerfreunden nicht erst bei „Fluch der Karibik“, sondern mit „The Sea Hawk“ aus dem Jahr 1924. Teilweise gehen die Drei bis zu den Anfängen zurück und blicken gewinnbringend auf die ersten Stummfilm-Experimente. Die Flimmerfreunde vereinen beides: Die geekig-süffige Unterhaltungsqualität der besten aktuellen Filmpodcasts, die sich aus Superheldenverfilmungen und HBO-Serien (behandelte Themen u.a. „Girls“, „Game of Thrones“, „Louie“) speisen, aber auch das Bewusstsein für eine unheimlich reichhaltige Vergangenheit, aus der die Gegenwart nur lernen kann. Und es hilft, dass Begemann in seinem für Filmpodcasts geradezu biblischen Alter schon in den 1970er-Jahren eifriger Kinogänger war. Umso erstaunlicher ist es, dass der Flimmerfreund, der eigentlich schon alles gesehen hat, den größten Enthusiasmus an den Tag legt. Man müsste mit der Lupe suchen, um in den Jahren eine Handvoll Filme zu finden, die ihm nicht gefallen hätten. Begemann ist kein Filmfan, denn Filmfans lieben nur die Filme, die sie lieben. Begemann ist ein Cineast: Er liebt Film.

Anmerkung: Der George-Eastman-Löwe in Gold wird in unregelmäßigen Abständen an den deutschsprachigen Filmpodcast verliehen, der Movies & Sports aktuell am besten unterhält. Wäre der Preis keine spontane Erfindung, würden zu seinen bisherigen Preisträgern der Plauschangriff, die Celluleute und der Wollmilchcast zählen.

Link: - Flimmerfreunde

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Mittwoch, 14. Mai 2014
Cannes-Ticker 2014

Anaïs Demoustier in "Bird People" © Archipel 35
Entweder waren die Filmkritiker auf Drogen oder aber der diesjährige Cannes-Wettbewerb wirklich reichhaltig an guten bis sehr guten neuen Filmen. Es scheint immer ein qualitativer Vorteil für ein großes Festival zu sein, gezwungenermaßen auf Hollywoodfilme verzichten zu müssen und sich lieber um die weltweite Talentförderung zu kümmern. Es ist eine gute Mischung aus Schwergewichten und Newcomern geworden. Und selbst Runners-Up-Filme wie "Saint Laurent" oder "Foxcatcher" haben so viel Buzz erzeugt, dass ich sie jetzt sofort sehen will.

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Most-Wanted 2014:

01. It Follows - David Robert Mitchell
02. Bird People - Pascale Ferran
03. Wild Tales - Damián Szifron
04. Jauja - Lisandro Alonso
05. Two Days, One Night - Jean-Pierre & Luc Dardenne
06. Leviathan - Andrey Zvyagintsev
07. Winter Sleep - Nuri Bilge Ceylan
08. Force Majeure - Ruben Östlund
09. Amour Fou - Jessica Hausner
10. Adieu au Langage - Jean-Luc Godard

Runners-Up: Timbuktu, Maidan, The Wonders, Welcome to New York, Saint Laurent, Foxcatcher

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★★★★★

"It Follows" (David Robert Mitchell): "A wonderful genre mash-up (Dante, Carpenter, Argento) with heart, soul, and allegories to spare. Pure fun. [B+/A-]" (Glenn Heath Jr., Slant) "Brilliant, sui generis art-horror which extends a creepy amount of empathy towards its characters." (David Jenkins, Little White Lies) "It's a cult favorite in the making." (David Poland, Movie City News) "Wow! IT FOLLOWS might be my favourite Cannes 2014 film so far. The real deal: scary, beautiful, spine-tingling." (Catherine Bray, BBC) "It's a total riot. Teen sex politics take monstrous, humanoid form. Best teen horror in a decade." (Charlie Lyne, Ultra Culture) "A whole horror film based around the shot I find most scary -- something walking straight at the camera. Was cowering." (Alison Willmore, Filmspotting SVU) "I don't wish to overdo the hype today, but IT FOLLOWS is the absolute, spine-tingling business." (Tim Robey, Daily Telegraph) "Superbly creepy premise packs metaphorical punch, isn't executed quite as inventively as I'd hoped. But AIIEEE! [74]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "IT FOLLOWS is the genre hit at Cannes, unusual story, and very scary." (Alan Jones, FrightFest) "The only thing that could hamper it is a couple of full frontals, but otherwise this should be a perfect date movie." (Marc van de Klashorst, ICS)

[Ich habe David Robert Mitchells Film "The Myth of the American Sleepover" (was für ein Titel!) ein bisschen geliebt und mich deshalb wahnsinnig gefreut, dass er in der Critics' Week wieder aufgetaucht ist. Schönes Comeback nach vier Jahren!]

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★★★★½

"Bird People" (Pascale Ferran): "Pretty special. Never knew what was round the next corner. Playful spirit of Renais, but also its own thing." (David Jenkins, Little White Lies) "Hated the last three minutes (which are crucial); adored everything else. Truly extraordinary. Read nothing. [80]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "First half entirely dismal, then goes from boring to bananas in one, well, swoop. Kissed by magic, but can I forgive the rest?" (Guy Lodge, InContention) "BIRD PEOPLE would have been DESTROYED in competition. Smart move Thierry!" (Cédric Succivalli, ICS) "Possibly the wackiest film yet: Pascale Ferran's BIRD PEOPLE, an ennui feather fantasy with shades of THE WITCHES." (Isabel Stevens, Sight & Sound) "Still a courageous, original number that has something in common with a certain unconventional, magical-realist strand of South-East Asian cinema as practised by Apichatpong Weerasethakul or Pen-Ek Ratanaruang." (Lee Marshall, Screen Daily)

"Wild Tales" (Damián Szifron): "It's the best thing I've seen here so far, and the best Argentinian export since NINE QUEENS. So dark. So funny." (Drew McWeeny, HitFix) "Argentine black comedy anthology WILD TALES was a terrific surprise -- kinetic, darkly funny, much fun." (Alison Willmore, Filmspotting SVU) "Wickedly funny Argentinean social satire breezes through 6 deranged stories like Buñuel on crack." (Eric Kohn, indieWIRE) "Etwas wirklich Vergleichbares zu diesem Film aus Argentinien habe ich in Cannes noch nie im Wettbewerb gesehen." (Michael Sennhauser, SRF) "Such a terrific film." (Peter Bradshaw, Guardian) "Damian Szifron’s WILD TALES is easily the best Cannes film thus far. Angry, Almodovar-esque, black humor, Argentinian class rage, etc." (Jeffrey Wells, Hollywood Elsewhere) "A standout. WILD TALES is loose-limbed, rowdy and exhilarating -- in its vibrant lunacy, and with its cartoonishly brash violence, it's a little bit Almodovar, a little bit Tarantino." (Stephanie Zacharek, Village Voice)

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★★★★

"Jauja" (Lisandro Alonso): "JAUJA is very Alonso (existential/symbolic quest arc) but also feels completely new. Seriously racking by brains for a more beautiful movie." (David Jenkins, Little White Lies) "Alonso's APOCALYPSE NOW, or MAN OF THE WEST, or THE SEARCHERS, or L'AVVENTURA. Still trying to right myself." (Glenn Heath Jr., Slant) "Strangest film here yet: Lisandro Alonso's JAUJA. Lots of walking in the desert (very Alonso). But then... Not your average Viggo vehicle." (Jonathan Romney, Screen Daily) "Lisandro Alonso's stripped-back John Ford western set in Pasolini-like moonscapes in Argentina, is a beautiful conceit." (Nick James, Sight & Sound) "Lisandro Alonso's JAUJA is a sublime mind-bender." (Isabel Stevens, Sight & Sound) "Of the Cannes movies I've yet to cover I loved Lisandro Alonso's JAUJA. Stunningly beautiful & tough to categorize." (Eric Kohn, indieWIRE)

"Two Days, One Night" (Jean-Pierre & Luc Dardenne): "A remarkable film about pity and heartless people; the best portrait of the financial crisis." (Isabel Stevens, Sight & Sound) "Uber-juicy moral tale abt dignity & work. Their UMBERTO D.? Cotillard small, fab; premise forced." (Robbie Collin, Daily Telegraph) "Very moving, suspenseful, insightful, superbly acted tale of threatened job loss." (Geoff Andrew, Sight & Sound) "That the Dardennes basically made one of the great 1930s Hollywood melodramas in 2014 makes me immensely happy. [A]" (Glenn Heath Jr., Slant) "Au hasard Cotillard: These guys may yet sell me on this whole 'humanism' thing. [84]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "The Dardennes' TWO DAYS, ONE NIGHT is so very good — Marion Cotillard as a woman coming around to her right to fight for her job." (Alison Willmore, Filmspotting SVU) "Impassioned, exciting, magnificently acted - the Dardenne brothers could actually be on for Palme no.3." (Peter Bradshaw, Guardian) "The Dardennes' TWO DAYS, ONE NIGHT - bracing, political, moving as ever, and honed to perfection." (Jonathan Romney, Screen Daily) "Dardennes deserve to do the Palme d'Or hat-trick for TWO DAYS, ONE NIGHT. Certainly best in show for me." (David Jenkins, Little White Lies) "Tender, socially textured, Cotillard/Rongione really click. But not sure I've ever *believed* a Dardennes film less. [B/B-]" (Guy Lodge, InContention)

"Leviathan" (Andrey Zvyagintsev): "Absolutely loved LEVIATHAN, a great fiery blacksmiths of a movie, knocking human beings into twisted shapes. Possible winner?" (Xan Brooks, Guardian) "Easily the heaviest, saddest, most pulverizing & beautifully shot film of the Cannes Film Festival. I don’t see how the jury can deny it." (Jeffrey Wells, Hollywood Elsewhere) "Novelistic-in-best-sense tableau of personal, political corruption. Stony allegory, ribald comedy. Le Palme, s'il vous plait. [A-]" (Guy Lodge, InContention) "Das church, politicians, and police = spiders. Citizens = barrels smashing up against a rocky shore. Thunderous. [B+]" (Glenn Heath Jr., Slant) "A new Russian masterpiece." (Peter Bradshaw, Guardian)

"Winter Sleep" (Nuri Bilge Ceylan): "WINTER SLEEP invokes Chekhov, Dostoyevsky, Shakespeare and Voltaire, and it fully belongs in their elite company." (Scott Foundas, Variety) "Ceylan's WINTER SLEEP is a largely a fireside debate film that merged Lear with Chekhov and is frankly hard work to watch. Patchily great." (Nick James, Sight & Sound) "Chekhovian seems to be favoured for WINTER SLEEP. I found bits of Middlemarch and Bergman in there, but massively lacks Bergman's energy." (Tim Robey, Daily Telegraph) "Lecture more than drama. Meat puppets more than characters. An old school endurance test. Alas, did very little for me." (David Jenkins, Little White Lies) "Nuri Bulge Ceylan’s WINTER SLEEP a hugely ambitious Chekhovian intimate epic: astute grasp of human motivation, perversity, need." (Geoff Andrew, Sight & Sound) "Word surgeons operating on a flatlined marriage in an icy purgatory. 'Your altruism brings tears to my eyes.' [A]" (Glenn Heath Jr., Slate) "Epic portrait of a prick, shot in an amazing location. Admirable, w/a magnificent lead perf, but sooo grueling. [55]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "NBC goes full Bergman while still managing to make us laugh every now and then and it's an absolute triumph." (Cédric Succivalli, ICS) "Well above rest of competition." (Michel Ciment, Positif) "WINTER SLEEP ist wieder einmal einer jener Filme, deren grausame Schönheit lange genug nachwirkt, um sie zu einem Teil des eigenen Lebens zu machen." (Michael Sennhauser, SRF)

"Force Majeure" (Ruben Östlund): "A sardonic, serious, funny, precision-controlled psycho-comedy-drama inspired by the selfishness of our survival instincts, Swedish director Ruben Ostlund’s fourth feature is his best yet." (Lee Marshall, Screen Daily) "FORCE MAJEURE is a taut, acerbic comedy of human behaviour delineated with razor-sharp precision by its top notch cast." (Catherine Bray, BBC) "Visually stunning even in its most banal moments and emotionally perceptive almost to a fault, the film stands to complicate many a romantic arthouse date." (Peter Debruge, Variety) "The gears & mechanisms of marriage/trust are more fragile than a loose snow pact... barely. Formally brilliant. [A-]" (Glenn Heath Jr., Slant)

"Amour Fou" (Jessica Hausner): "A complex and exquisitely filmed exploration of a man's desire to find a woman willing to die with him." (Boyd van Hoeij, THR) "Elegantly executed in a manner reminiscent of Eric Rohmer." (Allan Hunter, Screen Daily) "Jessica Hausner upped the ante in the Un Certain Regard section with a film that should be regarded as the festival's first true masterpiece." (Marc van de Klashorst, ICS) "Among its many virtues, Jessica Hausner's droll, designtastic period suicide romcom AMOUR FOU boasts a surefire contender for the Palme Dog." (Guy Lodge, InContention) "A delightfully eccentric period drama from Jessica Hausner which looks like a moving Vermeer painting." (Isabel Stevens, Sight & Sound)

"Adieu au langage" (Jean-Luc Godard): "ADIEU AU LANGAGE is my favorite Godard (and I've seen ALL of them) in 25 years (namely since Nouvelle Vague in 1990)." (Cédric Succivalli, ICS) "GOODBYE TO LANGUAGE will probably resist almost everything that can be said on twitter, except maybe that it is funny." (Nick James, Sight & Sound) "Breathtaking audio-visual alchemy comin' atcha in glorious "3D". Plus dog lols." (David Jenkins, Little White Lies) "Eye-searing, defeaning, fragmented, discordant reminder that JLG is the John Zorn of cinema." (Jonathan Romney, Screen Daily) "Roxy the dog is all things big and small. Neon splinters, playful superimpositions, shit jokes. Amazing." (Glenn Heath Jr., Slant) "Eigensinnig, enigmatisch, genial." (Rüdiger Suchsland, Negativ Film)

"Timbuktu" (Abderrahmane Sissako): "Jihad is about as effective as cutting the grass with a machine gun. Brutal, uncompromising, funny, & damning. [B+/A-]" (Glenn Heath Jr., Slant) "Does a good job for a long while of hiding its essential nature—social-justice tract—behind loose-limbed funkiness. [59]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "TIMBUKTU is downbeat but also quite funny; unlike other movies about jihadists, situates tragedy in richly developed community." (Eric Kohn, indieWIRE) "Competition off to a fine start with Sissako's TIMBUKTU." (Justin Chang, Variety) "I've never seen a film that combines, quiet fury, humour, and tragic symbolism so compellingly as TIMBUKTU. Great start to comp." (Nick James, Sight & Sound) "Cannes kicks off very well with Abderrahmane Sissako’s TIMBUKTU: very moving, nicely measured account of jihadist persecution in Mali." (Geoff Andrew, Sight & Sound) "It's a masterful work of humanism." (Jay Weissberg, Variety) "Sad, sensual TIMBUKTU responds to repression with wit and fury." (Guy Lodge, InContention) "It's a brilliant portrait of a place ruled by religion and a people traumatised by division." (Peter Bradshaw, Guardian) "Each cut in the film feels like a small reveal, moving with a motivation for revelation. And what better way to start a festival than that?" (Daniel Kasman, Mubi.com) "TIMBUKTU keeps growing on me since noon. 4 stars for the Ioncinema panel." (Cédric Succivalli, ICS)

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★★★

"Maidan" (Sergei Loznitsa): "Ukrainian revolution doc MAIDAN is astounding, terrifying and beautiful by turns. One of the best films here." (Nick James, Sight & Sound) "MAIDAN is a staggering, you-are-there immersion into the epicenter of the Ukrainian Revolution. One of the best of Cannes." (Scott Foundas, Variety) "I think this was my favourite film in the festival so far." (Leslie Felperin, THR)

"The Wonders" (Alice Rohrwacher): "Manchmal aber passiert es, dass ein Film etwas tief in einem anrührt, dass etwas zu schwingen anfängt und eine Wärme und Gelassenheit ausstrahlt, die die Welt für Augenblicke geradezu aufhebt." (Josef Lederle, Filmdienst) "A personal, intimate riffing on Rohrwacher's own childhood, celebrating the wonderful strangeness of families – equally capable of love and destructiveness, happiness and despair, often all at the same time." (Dave Calhoun, TimeOut) "Alice Rohrwacher’s honey gatherer family drama THE WONDERS is full of nice touches and ideas, though not all of them come off." (Nick James, Sight & Sound) "The film is a really touching mixture of fairy tale, coming-of-age story, and socio-economical commentary, and ultimately a sad lament for a way of living that is on a rapid decline in Europe." (Marc van de Klashorst, ICS) "A rich, strange mix of coming-of-age film and troubled modern pastoral." (Lee Marshall, Screen Daily)

"Welcome to New York" (Abel Ferrara): "Abel Ferrara plays the DSK scandal as jolting, trashy panto. Depardieu electrifying." (Xan Brooks, Guardian) "Abel Ferrara's WELCOME TO NEW YORK is every bit as troubling as BAD LIEUTENANT. But also extraordinary, and Depardieu's LAST TANGO IN PARIS." (Jamie Graham, Total Film) "Depardieu wins the Palme D'Orgasm for one of many ridiculous scenes in WELCOME TO NEW YORK." (Eric Kohn, indieWIRE) "Savagery gets what it wants, when it wants. If that doesn't work, fuck it. There's always tomorrow. [B+/A-]" (Glenn Heath Jr., Slant)

"Saint Laurent" (Bertrand Bonello): "The elegant fit and woozy feel of a life worn down by ambition, ego, and pills. There will be Frenchies. [B/B+]" (Glenn Heath Jr., Slate) "Bonellos SAINT LAURENT ist ein faszinierendes zeitbild über die kommodifizierung der mode mit helmut berger als spätem ysl." (Dominik Kamalzadeh, Standard) "Bonello's SAINT LAURENT is a ravishing object, esp. in its Proustian final third. Helmut Berger sublime as the old SL." (Scott Foundas, Variety) "Found SAINT LAURENT half brilliant and half intolerable. Luxe, indulgent, beautiful, very long. Time-jumping final part is splendid." (Alison Willmore, Filmspotting SVU) "A diffuse and uneven look at the life of one of France's greatest designers." (Boyd van Hoeij, THR) "Bertrand Bonello’s SAINT LAURENT an impressionistic, even arty narrative says little about designer, less about others. Long too." (Geoff Andrew, Sight & Sound) "Subject unworthy of director (his snakes and his collection of cool '45s), but loved opaqueness of context. Decent." (David Jenkins, Little White Lies)

"Mr. Turner" (Mike Leigh): "A masterpiece of subtlety." (Sasha Stone, AwardsDaily) "Mike Leigh's MR TURNER is the quirkiest biopic ever! Looking stunning, Tim Spall, Dorothy Atkinson & Marion Bailey are perfection." (Alan Jones, FrightFest) "Wow. MR. TURNER might be the best thing Mike Leigh's ever done." (Robbie Collin, Daily Telegraph) "Grating, grunt-riddled epic rife with social/class interests but weighed down by plodding, meandering pace. [C+]" (Glenn Heath Jr., Slant) "Big, big fan. Salty, sad movie about death's bleak influence on art, life and love. Maybe Iron Mike's best." (David Jenkins, Little White Lies) "Much more a conventional biopic than TOPSY-TURVY, but featuring the same delectable wealth of period detail. [68]" (Mike D'Angelo, The Dissolve) "Audaciously plot-lite, terrific score & a tough, touching Tim Spall." (Geoff Andrew, Sight & Sound) "Loved MR TURNER. A film in love with Victorian language, marine painting, art as hard work and the bad back consequences." (Nick James, Sight & Sound)

[Die nachgestellten Bilder sehen atemberaubend aus, die überwiegend britischen Kritiker sind bei ihrem Heimat-Auteur total aus dem Häuschen, aber mich sprechen weder die Persönlichkeit des Biopic noch Mike Leighs Gesamtwerk sonderlich an.]

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Donnerstag, 17. April 2014
Cannes-Programm 2014

© Lagency / Taste, Paris
Die deutsche Schlagzeile wird lauten: Kein deutscher Regisseur im Wettbewerb von Cannes. Da das aber der Normalzustand ist, bedarf es eigentlich nicht mehr einer künstlichen Aufregung. Obwohl mich schon sehr interessiert, warum Fatih Akin so kurz vor der Verkündung seinen Film zurückgezogen hat und wann Christian Petzolds "Phoenix" auf der Strecke blieb, so dass es nicht einmal für die Un Certain Regard-Reihe reichte. Wenn keine Ergänzungen mehr erfolgen, scheint mir das mit nur 18 Filmen der dünnste Cannes-Wettbewerb seit langer, langer Zeit zu werden. Der Feminismus-Counter zählt genau zwei Frauen in der prestigeträchtigsten Reihe. Aber mein Blick wandert sowieso mehr in die Un Certain Regard-Liste, nachdem sie uns letztes Jahr so reichhaltig beschenkte ("The Missing Picture", "Der Fremde am See", "Bastards", "Norte"). Da könnte man sich filmpatriotisch über Wim Wenders freuen, wenn man sich denn nicht noch so gut an das "Palermo Shooting"-Debakel erinnerte. Jean-Luc Godard lebt, sogar im Wettbewerb, auch wenn er sich offenbar von der gesprochenen Sprache verabschieden will. Kein Wettbewerb für Cine-Hipster aka US-Blogger, überwiegend gute alte Auteur-Schule. Viel Frankreich, was ich gut finde. Lasst das Stöbern beginnen!

Competition:

LEVIATHAN - ANDREY ZVYAGINTSEV
WILD TALES - DAMIAN SZIFRON
TIMBUKTU - ABDERRAHMANE SISSAKO
LE MERAVIGLIE - ALICE ROHRWACHER
FOXCATCHER - BENNETT MILLER
JIMMY’S HALL - KEN LOACH
MR TURNER - MIKE LEIGH
FUTATSUME NO MADO - NAOMI KAWASE
THE HOMESMAN - TOMMY LEE JONES
THE SEARCH - MICHEL HAZANAVICIUS
ADIEU AU LANGAGE - JEAN-LUC GODARD
CAPTIVES - ATOM EGOYAN
MOMMY - XAVIER DOLAN
DEUX JOURS, UNE NUIT - JEAN-PIERRE & LUC DARDENNE
MAPS TO THE STARS - DAVID CRONENBERG
WINTER SLEEP - NURI BILGE CEYLAN
SAINT LAURENT - BERTRAND BONELLO
SILS MARIA - OLIVIER ASSAYAS

Out of Competition:

GRACE OF MONACO - OLIVIER DAHAN (Opening Film)
GUI LAI - ZHANG YIMOU
HOW TO TRAIN YOUR DRAGON 2 - DEAN DEBLOIS

Un Certain Regard:

PARTY GIRL (Opening Film)
JAUJA - LISANDRO ALONSO
LA CHAMBRE BLEUE - MATTHIEU AMALRIC
INCOMPRESA - ASIA ARGENTO
TITLI - KANU BEHL
ELEANOR RIGBY - NED BENSON
BIRD PEOPLE - PASCALE FERRAN
LOST RIVER - RYAN GOSLING
AMOUR FOU - JESSICA HAUSNER
CHARLIE’S COUNTRY - ROLF DE HEER
SNOW IN PARADISE - ANDREW HULME
DOHEE-YA - JULY JUNG
XENIA - PANOS KOUTRAS
RUN - PHILIPPE LACÔTE
TURIST - RUBEN ÖSTLUND
HERMOSA JUVENTUD - JAIME ROSALES
THE SALT OF THE EARTH - WIM WENDERS & JULIANO RIBEIRO SALGADO
FANTASIA - WANG CHAO
HARCHECK MI HEADRO - KEREN YEDAYA

Directors' Fortnight:

ALLELUIA by Fabrice DU WELZ
NEXT TO HER (AT LI LAYLA) by Asaf KORMAN
GIRLHOOD (BANDE DE FILLES) by Céline SCIAMMA
CATCH ME DADDY by Daniel WOLFE
COLD IN JULY by Jim MICKLE
FIGHTERS (LES COMBATTANTS) Thomas CAILLEY
GETT - THE TRIAL OF VIVIANE AMSALLEM, Ronit & Shlomi ELKABETZ
THE STORY OF PRINCESS KAGUYA by Isao TAKAHATA
A HARD DAY (KKEUT-KKA-JI-GAN-DA) by Seong-Hun KIM
EAT YOUR BONES (MANGE TES MORTS) Jean-Charles HUE
NATIONAL GALLERY by Frederick WISEMAN
LI’L QUINQUIN (P’TIT QUINQUIN) by Bruno Dumont
PRIDE by Matthew WARCHUS
QUEEN AND COUNTRY by John BOORMAN
REFUGIADO by Diego LERMAN
THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE by Tobe HOOPER
THESE FINAL HOURS by Zach HILDITCH
TU DORS NICOLE by Stéphane LAFLEUR
WHIPLASH by Damien CHAZELLE

Critics' Week

“Making Love” (Djinn Carrenard)
“Breathe” (Melanie Laurent)
“The Kindergarten Teacher” (Nadav Lapid)
“Darker Than Midnight” (Sebastiano Riso)
“Gente de bien” (Franco Lolli)
“Hope” (Boris Lojkine)
“It Follows” (David Robert Mitchell) *
“Self Made” (Shira Geffen)
“The Tribe” (Myroslav Slaboshpytskiy)
“When Animals Dream” (Jonas Alexander Arnby) *
“Hippocrate” (Thomas Lilti)

Midnight Screening:

THE ROVER - DAVID MICHOD
THE SALVATION - KRISTIAN LEVRING
PYO JEOK - CHANG

Special Screening:

EAU ARGENTÉE - MOHAMMED OSSAMA
MAIDAN - SERGEI LOZNITSA
RED ARMY - POLSKY GABE
CARICATURISTES – FANTASSINS DE LA DÉMOCRATIE - STEPHANIE VALLOATTO
LES PONTS DE SARAJEVO, film chorale

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Freitag, 11. April 2014
Tarantino-Tribut für Jerry Lewis

Zu heiß gebadet, Jerry?
Diesen Samstag, den zwölften April, widmet der Regisseur Quentin Tarantino der amerikanischen Komiker-Legende Jerry Lewis gleich vier, für die Öffentlichkeit kostenlos zugängliche Kinovorführungen im New Beverly Cinema. Anlässlich Jerrys ehrenvoller Fußabdruck-Verewigung vor dem Chinese Theatre lässt sich der Regisseur nicht lumpen und zaubert aus seinem 35mm-Archiv "At War with the Army", "Hollywood or Bust", "Don't Give Up the Ship" und "Boeing Boeing" auf die Leinwand zurück. Tarantino hat sich in seiner Karriere immer wieder tief vor Jerry Lewis, den er als Nationalheiligtum bezeichnet, verbeugt, am deutlichsten wohl in der Rolle des Bellboy in "Four Rooms". Und auch "Boeing Boeing", eine ganz wundervolle Screwball Comedy aus den 1960er-Jahren, in der Tony Curtis einmal Lewis an die Wand spielen darf, war regelmäßig Teil des eigenen QT-Film-Festivals. Ich nehme vor allem die mir noch unbekannten "At War with the Army" und "Don't Give Up the Ship" als Anregungen mit, nachdem die Viennale im letzten Jahr mit ihrer umfassenden Retrospektive bereits ganze Arbeit geleistet hatte.

Link: - At War with the Army

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Montag, 31. März 2014
Quartals-Top Ten 2014: Vol. 1

"Blackfish": Ein snuffiger Greenpeace-Propagandastreifen für alle
Top-5:

01. DAS LIED VON EIS UND FEUER – George R. R. Martin
02. NYMPH()MANIAC: VOL. 2 - Lars von Trier
03. BLUTGLETSCHER - Marvin Kren
04. BLACKFISH - Gabriela Cowperthwaite
05. THE GRAND BUDAPEST HOTEL - Wes Anderson
Kommentar: Ich habe praktisch noch nichts gesehen. Was mich aber nicht davon abhält, eine Quartalsliste aufzustellen. Wenn ich denn die ersten drei Monate konstant am Ball geblieben bin, dann nur bei der TV-Serie "Community" und der epischen George R. R. Martin-Saga "Das Lied von Eis und Feuer". Ich fand "Nymphomaniac: Vol. 1" sogar noch einfältiger psychologisiert als "Feuchtgebiete". Wenn ich mir schon die mutzenbacher'schen Flegeljahre einer jungen Frau gebe, dann doch gleich von Meistern ihres Faches wie Kurt Nachmann oder Hans Billian. Der zweite Teil dagegen ist von Trier ziemlich meisterlich gelungen. Als ob aus Helen Memel zuerst die Klavierspielerin Isabelle Huppert wird, die später noch in Christina 'They Call Her One Eye' Lindberg morpht. Eine optische wie auch entwicklungstechnische Metamorphose, die mich deutlich mehr interessiert hat. Und der Film hat das witzigste Ende seit langer, langer Zeit. Dass Marvin Kren was kann, zeigte er mir bereits mit dem Micro-Budget-Zombie-Fernsehspiel "Rammbock". "Blutgletscher" ist die konsequente Fortführung dieses Talents, ein Film, der dem Horror wieder einen Körper schenkt. "Blackfish" hatte ich mir dagegen nur angesehen, weil Tieraktivisten im Netz das Gerücht verbreiteten, Wladimir Putin wolle zur Eröffungsfeier in Sotschi Schwertwale das Olympische Feuer anzünden lassen. Pustekuchen. "Blackfish" aber war dann eine Nature-Strikes-Back-Variante der snuffigen "Gesichter des Todes"-Reihe. Aufgezogen wie ein Greenpeace-Propagandastreifen und vielleicht gerade deswegen so faszinierend. Wahrlich ist das ein Reigen aus wackeligen Amateur-Kameraaufnahmen des Grauens, die den Atem stocken lassen. "The Grand Budapest Hotel" empfand ich in seiner deutschen Synchro leider nur als einen schwächeren Wes Anderson-Film, der trotzdem noch meilenweit über Oscar-Schlonz wie "American Hustle", "Twelve Years a Slave" oder "Wolf of Wall Street" thront. Der Versuch zählt, Wes, einen "Tim & Struppi" wie Filmgott Lubitsch gedreht haben zu wollen!

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