Freitag, 27. Mai 2011
Europloitation-Link-Tipps
Ich habe endlich wieder eine kleine German-Sexploitation-Phase, die mich über Google den längst vergessenen Kleinod, nämlich das Dirty-Pictures-Forum für Eurocult-Liebhaber, wiederfinden ließ. Und ich habe nebenher auch noch einen schönen Movie Blog aufgetan, der sich nach dem wahrscheinlich unbekanntesten Fernando-Di-Leo-Mafiafilm, "Shoot First, Die Later", benannt hat. Dort werden internationale Magazinartikel zu den spaßigsten Genres und Subgenres gesammelt, die die Filmgeschichte zu bieten hat. Unter anderem habe ich dort englische Artikel zu der berüchtigten "Frau Wirtin"-Reihe gefunden. Kostbar!

Links: - Dirty Pictures, - Shoot First Die Later, - Tim Lucas

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Donnerstag, 3. Dezember 2009
Elvis Mitchell is on fire!
Die nächsten Tage werden die Listen der amtierenden Kritiker Amerikas hier eingehen und von mir mit größter Sorgfalt begutachtet werden. Von meinen beiden amerikanischen Lieblingskritikern wird es dagegen keine Top Ten geben. Der eine ist Chefkritiker bei Variety und hält sich aus diesen neckischen Spielchen heraus. Der andere publiziert leider nicht mehr, leitet dafür seit Jahrzehnten die anregendste und smarteste Interviewsendung zum Thema Filme. Die Rede ist natürlich von Elvis Mitchell und seiner Treatment-Reihe auf KCRW. Nur werde ich seine Liste nicht wirklich vermissen, weil seine Gästeliste für mich bereits die größtmögliche Empfehlung ist, die ein Kritiker aussprechen kann. Besonders in den letzten Wochen sind seine Gespräche wieder faszinierende, sehr unterhaltsame Tiefenforschungen gewesen, die ich nur allzu gerne verlinken will.

Links:

- Werner Herzog ("Bad Lieutenant"), - Chris Weitz ("New Moon"), - Lee Daniels ("Precious"), - Nicolas Winding Refn ("Bronson")

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Dienstag, 29. September 2009
Relaxtes Fatih Akin-Interview zu "Soul Kitchen"
"Hans Albers music is also soul"
Über Isabelle Allendes Kochbuch als Inspiration, Heimat, die Musikwahl, die Bundestagswahl, Hamburg und das aktuelle italienische Kino. Ich glaube, "Soul Kitchen" könnte Akins zuschauerreichster Film in Deutschland werden, was zu begrüßen wäre.

Venedig-Interview: # 1 & 2

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Samstag, 25. Juli 2009
Links: Jonathan Ross, GameOne, Charlie Rose
- Quentin Tarantino on Friday Night with Jonathan Ross:

Vol. 1: Der Original-Inglorious Basterds, Apache-Resistance, Subgenres, Power-Thing bei Scores & Brad Pitt.

Vol. 2: Casino Royale, Romcoms, The Proposal, unfunny Shootouts & Death Proof.

- GameOnes 2 1/2 stündiges Kopfkino-Spezial zur Filmgeschichte der Sommerblockbuster:

Link: Episch. Zwar viele Selbstläuferthemen, aber die muss man erst einmal können. Macht vom Unterhaltungslevel dem Slashfilmcast Konkurrenz. Hätte nicht gedacht, so etwas mal zu meinen Lebzeiten auf Deutsch zu hören.

- Roman Polanski bei Charlie Rose:

Link: Carol Reeds "Odd Man Out" wollte ich schon lange, lange schauen. Jetzt habe ich den entscheidenden Stich bekommen.

- Amateurhaftes, aber dafür interessantes QT-Interview:

Link: The angry woman with the hat, film criticism, "I give them an excuse to show their movie knowledge", soft dicks & "The Girl with the Dragon Tattoo".

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Donnerstag, 2. Juli 2009
Guillermo del Toro bei Edeltalker Charlie Rose
Der oscarnominierte Knuddelmexikaner und "Hobbit"-Regisseur wird diesen Donnerstag die amerikanische Talklegende Charlie Rose besuchen, um Auskunft zu geben über seine zahlreichen geplanten Projekte, aber natürlich hauptsächlich um über seine Arbeit mit Peter Jackson zu sprechen. Alle exklusiven neuen Projekte, die niemals verwirklicht werden, aber toll klingen und die Antwort, warum del Toro bald dünn wie eine Bohnenstange sein wird, gibt es spätestens Freitag im Blog: Wie ich aber Peter Sciretta von Slashfilm kenne, ein paar Minuten später auch dort.

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Sonntag, 28. Juni 2009
Wertvolle 1950er-Jahre Spiegel-Serie entdeckt: "Bei der Ufa machte man das so ..."
Vorwort: Rudolf Augstein wünscht viel Vergnügen!

1. Teil: Kinokrise der Nachkriegszeit, Asta Nielsen & die Gründung der Ufa.

2. Teil: Der Spielfilm "Der Großvater", Propagandaschlacht im Ersten Weltkrieg und Ludendorff.

3. Teil: Ossi Oswalder, Etna Andra, Henny Porten, "Der Student von Prag" & Theater vs. Kino.

4. Teil: Joe May & Ernst Lubitsch.



Fortsetzung folgt ... read more?

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Freitag, 5. Juni 2009
Link-Ticker: Party Down, Seen, French Open
- Adam Quigley, das Küken des Slashfilmcast, empfiehlt Rob Thomas' ("Veronica Mars") neue Serie "Party Down". Abgehalfterte Möchtegern-Hollywoodschauspieler betreiben einen Partyservice und sehen dabei aus und klingen so wie die anderen US-Serien und Geheimtipps "It's Always Sunny in Philadelphia" und "Arrested Development": Office-Wackelkameralook plus gute Drehbuchschreiber plus bessere, teilweise von Judd Apatow-geschulte Nachwuchsschauspieler. Mit dem Tom Cruise-Double Adam Scott aus "Stiefbrüder", einer niedlicheren Emily Blunt-Variante namens Lizzy Caplan und der immer unterschätzten, ganz großartigen Jane Lynch, die in den letzten Jahren quasi alle witzigen Frauen über vierzig in Hollywood gespielt hat. Die ersten drei Folgen machen Spaß. Nichts zwingendes. Da aber die erste Staffel so kurz ist, werde ich sie mir mal im Ganzen geben.

- Seen kommt! Das Kino- und Filmmagazin der Ex-Giga-Meinungsmacher Etienne Gardè und Colin Gäbel hat seit längerem einen Trailer, den man sich notfalls auch als Cookie-unerfahrener Bunch-TV-Nutzer auf Youtube anschauen kann und der mich entfernt an den Trailer gewisser Ex-Moderatoren auf einem gewissen Ex-Sender in Super Mario-Kluft erinnert hat. Erste Indizien, wann und wie lange "Seen" laufen wird, gibt das andere neue Bunch-TV-Format mit ehemaligen Giga-Moderatoren: Das Computerspielemagazin "Play'd" wurde zum zweiten Mal ausgestrahlt, was dafür spricht, dass auch "Seen" bald folgen und sich in der Lauflänge bei einem zweistelligen Minutenbeitrag einpendeln wird.

- French Open: "Have you seen this, have you heard about this?" Aus dem spannendsten Turnier ever wurde nach dem Achtelfinale ein echter Rohrkrepierer. Zumindest bei den Herren der Schöpfung. Witzig war die exklusive, hoch angesetzte Blitzmeldung von Spiegel Online, Tommy Haas hätte die ersten beiden Sätze gegen Federer gewonnen. Tja, dann aber auch beeindruckend fix die nächsten drei Sätze verloren. Anstatt des doppelten Favoritensturzes gibt es jetzt die bekannte One-Man-Show des beliebten und dafür gehassten Schweizers.

Und wo wir bei weltberühmten Schweizern sind: Schon der Milka Opa Peter Steiner wusste: "Aber Vorsicht, it's cool man!" Wobei ich das hinsichtlich der French Open nicht auf die Schokolade, sondern die famos aufspielende Australierin Samantha Stosur beziehen würde, die leider gegen Wuchtbrumme Svetlana Kuznetsova im Halbfinale ausgeschieden ist. Coolness ist eben nicht alles. Man muss auch aus Russland kommen, um im Damentennis ganz oben auf dem Treppchen zu landen.

- Unsere Nachrufindustrie ist mir zuwider: Wenig geht es dabei um die verstorbenen Menschen als viel mehr um die exklusive Nachricht auf der Website. Heucheln auf ganz niedrigem Niveau. Fangfrage: Wer schaffte ein paar passende Worte zu David Carradine, ohne dabei den Film "Kill Bill" erwähnen zu müssen? Niemand? Doch, z. B. Glenn Kenny.

- In der "Inglourious Basterds"-Kritik von Blickpunkt:Film werden unter anderem der Edgar Wallace-Krimi "Der rote Kreis" und Francois Truffauts "Die letzte Metro" als Referenzwerke angegeben. Ohne den Film bisher gesehen zu haben, halte ich das für fragwürdig: Jürgen Rolands Inszenierungen gelten unter den Kennern als zu vernachlässigen. Und Tarantino war immer Vollblut-Godardfan und hatte deshalb wenig für den Konkurrenten Truffaut übrig. Davon konnte man sich besonders gut überzeugen, als vor allem die deutsche Presse versuchte, Vergleiche zwischen "Kill Bill" und "Die Braut trug schwarz" zu ziehen.

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Sonntag, 12. April 2009
Trailer-Tipp: Deutsche Schulmädchen fern der Heimat ...
(Geschrieben am 06.05.2008)

Da Etienne die letzten Wochen fast ausschließlich Trailer zu den immer gleichen amerikanischen Sommerblockbustern gezeigt hat, empfehle ich als Kontrastprogramm häufiger einen Blick in die Filmgeschichte zu wagen. Zum Beispiel gibt es da den sehr geilen Kinotrailer zu

"Karate, Küsse, blonde Katzen"

zu bestaunen. Der Film war damals in den 1970er-Jahren die erste und damit einzige echte Genreverquickung aus Schulmädchen-Reports und Kung-Fu-Filmen dank der außergewöhnlichen Zusammenarbeit von Wolf C. Hartwigs Rapid-Film und den Shaw Brothers. Und der dazugehörige Film ist sowieso über jeden Zweifel erhaben.

"Nach diesem Film gönnen sie ihrer Frau freiwillig ein Vorspiel."

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Sonntag, 12. April 2009
Who the fuck is Alfred Hitchcock?

Wartezimmer zum Jenseits (Alfred Vohrer)
Wie sich die Wahrnehmung des Edgar-Wallace-Regisseurs Alfred Vohrer in den letzten Jahren unter deutschen Filmfans verändert hat

Gelegentliche Leser dieses Blogs werden den Namen nicht unbedingt kennen. Aber gerade dieser Alfred Vohrer gewinnt in der letzten Zeit immer mehr Fans und Aufmerksamkeit. Ein Umstand, der Quentin Tarantino zu verdanken ist. Als naiver Fünftklässler stolperte er in einem Drive-in-Kino in Tennessee über Vohrers Krimi "Die blaue Hand". Vohrer war für ihn seitdem der deutsche Hitchcock, ein verkanntes Genie, das er irgendwann, wenn er etwas zu sagen hätte, einer breiteren Öffentlichkeit wiederbringen wollte. Die Gelegenheit kam 2003, auf der Promotour für "Kill Bill". Zum einen programmierte er für den ominösen TV-Sender Trio ein kleines Filmfestival mit Double Features, unter denen sich "The Creature with the Blue Hand" befand, zum anderen widmete er Vohrer seine "Kill Bill"-Deutschlandpremiere in Berlin und bezeichnete ihn als Genie.

Nun ist es richtig, dass die Deutschen immer schon ihre Edgar-Wallace-Filme geliebt haben, meistens jedoch hauptsächlich aus nostalgischer Verklärung, so wie man sich gerne an die Zeit als Kind erinnert oder um sie mehr schlecht als recht zu parodieren (siehe die Wixxer-Reihe). Bis 2003 habe ich den Namen Alfred Vohrer in keinem deutschen Filmkanon, in keiner Lieblingsfilmliste wieder gefunden. Jetzt ist er eine große Nummer. Letztes Jahr schob Tarantino noch mal nach, als er auf die Frage, wer seine deutschen Lieblingsregisseure seien, meinte, es wären vor allem die alten wie Leni Riefenstahl, Dr. Arnold Fanck, Bernhard Wicki und eben Alfred "Genius" Vohrer.

Neben Tarantino kümmert sich auch eine andere Koryphäe der Filmgeschichte um das Ansehen von Alfred Vohrer: Tim Lucas, Herausgeber der englischsprachigen Kultpostille Video Watchdog. Er ist ein großer, großer Fan. Letztes Jahr feierte Ausgabe Nr. 134 in einem glänzenden Artikel von Kim Newman das Phänomen 'Edgar-Wallace-Krimis'. Spätestens da wurde Vohrer offiziell zum Meister erklärt und abgesegnet. Keine deutsche Filmzeitschrift wäre auch nur auf die Idee gekommen, den wunderschönen Ufa-DVD-Boxen solch einen ausführlichen Themenschwerpunkt zu widmen. Der erwähnte Tim Lucas hat auch einen Blog, auf dem er immer wieder gerne mit kindlicher Entdeckungsfreude deutsche Filmgeschichte zelebriert. Sein letzter Coup ist ein kleines, liebevolles Vohrer-Portrait:

His Name Rhymed With Horror

Ich finde, seine Besessenheit wirkt ansteckend. Muss mir, egal ob er über vergessene Winnetou-Filme oder den verstorbenen Edgar-Wallace-Schauspieler Dieter Eppler mit Zitaten aus "Das neue Blatt" schreibt, immer einen deutschen Film anschauen. Und das sollten vor allem junge Filmfans wider ihrer Vorurteile, dass Schwarzweiß-Filme oder allgemein deutsche Filme langweilig seien, häufiger tun und einfach ausprobieren.

(Geschrieben am 03.06.2008 im Giga-Forum)

Auch gut: - Edgar Wallace-Doku "German Grusel"

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Montag, 9. März 2009
Revenge of the Movie Geeks - Der Slashfilmcast


(Geschrieben am 07.07.2008) ... [Link]

Anderthalb bis zwei Stunden Hardcoretalk über hyperaktuelle Filme und Serien made in Hollywood. Keine Werbeunterbrechungen oder Einspieler, einzig und allein die Macht des Wortes. Für Movie Geeks ein Schlaraffenland – inklusive des Überfressens. Ein fettiges, heißes Gratis-All-You-Can-Eat-Fast-Food-Menü. Wer satt ist, darf auf die Rutsche, spult vor oder schaltet ab. Der Unterhaltungsfaktor und die Dauer des Slashfilmcast sind im Internet konkurrenzlos. Wenn man ein bisschen an der Speisekarte drehen dürfte, müssten natürlich mehr elementare sowie exotischere Speisen drauf.

Seit Anfang diesen Jahres produzierten die drei leidenschaftlichen Hobby-Filmkritiker David Chen, Devindra Hardawar und Adam Quigley den Podcast 'The Watchers' für AlwaysWatching.org. Chen und Hardawar sind Mitte zwanzig, kennen sich seit dem College. Den 19-jährigen Quigley sammelten sie bei JoBlo’s Movie Club ein, wo er hauptsächlich Disney-Kinderfilme besprechen durfte. Schnell wuchs den dreien eine kleine Fangemeinde heran. Und letzten Monat entschloss sich, der semipopuläre Filmblog Slashfilm die Jungs zu schlucken. Jetzt heißen sie ganz offiziell 'Slashfilmcast' und sind gleichzeitig auch ein bisschen die Stimme einer ganzen Generation von Bloggern, die es einfach lieben, unerschöpflich über Filme und Serien zu quatschen.

"Sie sind schlecht bei guten und richtig gut bei schlechten Filmen."

Am liebsten und ausführlichsten sprechen die drei Geeks über Comics und Superhelden, amerikanisches Fernsehen und besonders schlechte Hollywoodfilme. Sie können sich ewig darüber aufregen, dass Regisseur Bryan Singer in „Superman Returns“ einen ihrer Helden zum intergalaktischen Gewichtheber verkommen lassen hat. Sie schauen wirklich Unmengen TV, von den neuesten Serien, über Late Night bis zu Reality Shows. Sie sind in Höchstform, wenn sie die moralische Zwickmühle von "The Moment of Truth" analysieren, die der am Lügendetektor angeschlossene Fitnesstrainer hat, als er verraten muss, ob er Kundinnen schon mal absichtlich zärtlich angefasst hat. Sie zelebrieren ewig "Lost", "Battlestar Galactica", "The Office", "South Park" und "30 Rock" und sind am allerbesten, wenn sie über misslungene Hollywoodproduktionen herziehen können, wie z. B. "The Happening", "X-Men 3" oder "Spider-Man 3". Das "The Wicker Man"-Remake mit Nicholas Cage huldigen sie wie einen geheimen Kult, indem sie sich gelegentlich die Highlights noch mal auf YouTube anschauen: wie der Hollywoodstar im Bärenkostüm kleinen Mädchen Angst einjagt, Frauen ins Gesicht schlägt und letztlich droht, von Bienen verspeist zu werden.

"I have taken craps that are harder than the Beverly Hills Cop franchise."

Der jeden Dienstag aufgezeichnete Podcast ist thematisch dreigeteilt: Zuerst haken sie zuletzt gesehene Filme und Serien ab, gehen dann die News der Woche durch, um abschließend eine aktuelle Kino- oder DVD-Veröffentlichung detailliert zu besprechen. David Chen leitet die Diskussionen, moderiert an und ab, ruft die Teilnehmer auf und setzt die Themen. Er ist die kritische Seele des Podcast. Selbst bei Meisterwerken meckert er noch. Dabei ist er sehr witzig und schlagfertig, argumentiert mit schlauen, zugespitzten Beobachtungen. Chen und Devindra Hardawar sind als Team eine gut geölte Maschine, die sich ganz automatisch die Bälle zuschmeißt. Quigley nimmt im Dreigestirn indes eher den Küken-Status ein. Gemeinsam kneten sie selbst die schlechtesten Hollywoodfilme so unterhaltsam durch, dass sie wieder attraktiv und sehenswert werden. Einer der besten Momente aller Sendungen war bisher, als sich Chen über den grottigen Copfilm „Street Kings“ mit Keanu Reeves ausließ und stichhaltig ausführte, dass der Überfall auf Terry Crews aus einer McBain-Episode der Simpsons geklaut wurde.

"Fair Enough"

Chen, Hardawar und Quigley sind normale Kinozuschauer, die keine Pressevorführungen besuchen. Der gewöhnliche Filmkritiker schaut eigentlich auf den Zuschauer herab, weil er die Filme früher sehen darf und somit einen Wissensvorsprung hat. Die drei aber sehen die Filme am regulären Startwochenende und diskutieren danach. Der gleiche Level zwischen Podcast und Zuschauer wirkt anregend. Außerdem ist der Slashfilmcast ein ganz guter Spiegel der amerikanischen Gesellschaft, soweit das junge Männer zwischen Studium und Job betrifft, so genannte Twentysomethings, die früher als Nerds verlacht wurden und sich heute selbst stolz als Geeks bezeichnen. Weibliche Besucher der Talkrunde, wie Angie Han oder Christina Warren, wirken unheimlich erfrischend in die teilweise sehr beschränkten Sichtweisen der Jungs hinein. Warum nicht auch einmal über die Darstellungen interessanter Frauenfiguren in Judd-Apatow-Komödien nachdenken. Normalerweise spielen Frauen in ihren Betrachtungen nämlich kaum eine Rolle, es sei denn, sie sehen heiß aus, oder David Chen betont mal wieder, dass er ja eine Freundin hätte. Sie schweben in dieser Internetblase, in der die Worte der anerkannten Filmkritiker wie Roger Ebert oder Todd McCarthy nicht mehr zählen als der smarter Kurzkommentar eines anonymen Users in der imdb-Datenbank. Das ist Meinungs-Demokratie, aber auch teilweise Abschottung von den Alteingesessenen. Sie zitieren ausschließlich positiv befreundete Blogs und lieb gewonnene Internetseiten, wie CHUD.com oder salon.com. Die klassischen Printmagazine wie Entertainment Weekly oder Variety werden dagegen höchstens als Negativbeispiele aufgeführt.

"On the Treadmill"

Häufig grenzen sich die Jungs auch vom gewöhnlichen Zuschauer ab, amüsieren sich über eigensinnige Verhaltensweisen und hohle Kommentare. Heimlich sehen sie sich doch als kleine Elite, die gelegentlich über alle anderen die Nase rümpft. Dabei konsumieren sie hauptsächlich genau das, was ihnen die großen Studios und TV-Sender vorsetzen. Ausländische Filme z. B. schauen sie höchstens, wenn sie für den Oscar nominiert sind. Arthouse-Kinos und Retro-Cinemas scheinen Fremdwörter. Selten reichen ihre Filmreferenzen über die letzten zehn Jahre hinaus. Quigley hasst Western, Hardawar findet Jodie Foster in "Taxi Driver" unerträglich. So gesehen sind sie genau der von ihnen verspottete, amerikanische Durchschnittsfilmfan, nur eben mit höheren Ambitionen, größerem Appetit und mehr Eloquenz. Chen ist allem Anschein nach chinesischer, Hardawar indischer Abstammung, was ihre Filmrezeption zumindest dahingehend facettenreicher und sensibler macht. Sie beklagen sich, wenn der Durchschnittsamerikaner nicht weiß, dass der indische "Love Guru", gespielt von Mike Myers, auch Asiate ist, dass Walt Disney die Kung-Fu-Legenden Jet Li und Jackie Chan in ihrem ersten gemeinsamen Auftritt, "The Forbidden Kingdom", ausgerechnet von einem All-American-Boy retten lässt und allgemein, dass asiatische Schauspieler in Hollywoodfilmen entweder Shaolin-Mönche oder Computernerds spielen müssen. Aber genauso bewundern sie die Entlarvung asiatischer Stereotypen in "Harold & Kumar Escape From Guantanamo Bay" und jubeln über den im Sci-Fi-Film "Sunshine" für sie logischerweise hohen Anteil asiatischer Crewmitglieder.

"You Got the Touch"

Letzten Dienstag landete der Slashfilmcast einen netten Coup: Eric Vespe, vielen eher bekannt unter dem Pseudonym Quint von den Aintitcool-News, war Gast bei der "Wall-E"-Sendung. Im Internet ist Quint ein Star und seine Anwesenheit so etwas wie das ultimative Gütesiegel. Ja, vielleicht war das sogar eine Art Wachablösung, da die Aintitcool-News die letzten Jahre doch sehr egal geworden sind. Die Zeiten der großen Setberichte über "Lord of the Rings" und "Kill Bill" sind längst vorbei, Übergeek Harry Knowles hat inzwischen geheiratet und sich eine längere Auszeit gegönnt. Sein Sidekick Moriarty versucht sich mit wechselndem Erfolg als Drehbuchautor für John Carpenter. Die meisten irreführenden Lobeshymnen auf mediokere Filme liest man kaum noch. Der Slashfilmcast ist erfrischend anders: Es geht ihnen nicht darum, vor allen anderen die Filme zu sehen, sondern die originellste und unterhaltsamste Meinung zu haben. Die drei Geeks machen ganz allgemein Lust auf aktuelle Filme und ausschweifende Filmdiskussionen.

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