Freitag, 15. September 2017
US-Lieblingskritikerin Amy Nicholson schreibt für Variety

Amy Nicholson auf der San Diego Comic Con 2016 | Foto: Gage Skidmore, Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Das Branchenblatt Variety hat einen klugen Schachzug getätigt: Es hat sich die Schreibkräfte der überaus talentierten Filmkritikerin Amy Nicholson gesichert.

Das Karriererad dreht sich bei amerikanischen Filmkritikern immer schneller: War meine US-Lieblingskritikerin Amy Nicholson gerade erst hochmotiviert zu den MTV News gewechselt, arbeitet sie seit dem 13. September offiziell für das Branchenblatt Variety. Wenn ich den Film Comment-Kritikerspiegel aufschlage, sind es eigentlich nur die Wertungen der früheren L.A. Weekly-Chefkritikerin, die mich richtig interessieren. Sie hat in der Szene eine originelle, sehr unterhaltsame Stimme, weil sie sich im Trash wie in der Hochkultur zu Hause fühlt. Es wird ein Fest werden, wenn Variety sie auf die internationalen Filmfestivals wie die Berlinale oder Cannes schickt.

Negative Space hatte erst im Februar auf der Berlinale den Amy-Nicholson-Preis für Kickass Cinema ins Leben gerufen. Erster Gewinner war die Genreperle „Tiger Girl“ von Jakob Lass. Im vergangenen Jahr setzte Nicholson Yorgos Lanthimos' Film „The Lobster“ auf Platz eins ihrer persönlichen Top Ten. Sie ist ein steter Quell an Inspiration für die eigene Filmauswahl, weil sie nicht nur auf ausgetretenen Pfaden unterwegs ist, sondern die gesamte Bandbreite des Kinos abdeckt.

Auch betreibt sie immer noch den sehr empfehlenswerten The Canon-Podcast, bei dem sie die Hörer abstimmen lässt, ob ein präsentierter Klassiker oder eine wiedergefundene Perle in den podcasteigenen Filmkanon eingehen soll. Ihr Co-Moderator Devin Faraci, der wegen der Anschuldigung der sexuellen Belästigung auf Twitter durch eine Frau aus dem Podcast ausgeschieden war, macht aktuell wieder Schlagzeilen: Weil der Alamo Drafthouse-Betreiber Tim League Faraci still und heimlich nach einem Jahr Pause wieder mit an Bord des Fantastic Fest genommen hat, verabschiedete sich der langjährige Mitarbeiter und Filmkritiker Todd Brown aus moralischen Gründen.

Links: - Nicholson bei Variety, - Liste 2016, - The Canon

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Montag, 4. September 2017
Lukas Foerster erhält Kracauer-Stipendium

Kracauer-Preis 2017 (Symbolbild) | © State Farm, flickr (CC BY 2.0)
Es trifft den richtigen: Filmkritiker Lukas Foerster erhält das Stipendium des Siegfried-Kracauer-Preises 2017. Er wird zur „Neuen Cinephilie“ forschen.

Das Jahresstipendium des Siegfried-Kracauer-Preises erhält Lukas Foerster für eine Essayreihe zum Thema „Neue Cinephilie“. Das teilte der Verband der Deutschen Filmkritik mit. Das Stipendium wird am 16. September 2017 im Rahmen des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein verliehen.

Laut der Webseite Perlentaucher umfasst das Stipendium eine monatliche Förderung von 1.000 Euro. Dafür verpflichtet sich der Stipendiat sechs Essays zum Thema "Neue Cinephilie" zu schreiben und einen Blog zu führen. Die Essays und der Blog werden bei der Zeitschrift Filmdienst veröffentlicht. Einen Eindruck, was mit dem Begriff „Neue Cinephilie“ gemeint ist, kann man gewinnen, wenn man die 35. Ausgabe des Filmmagazins Revolver liest. Es geht wohl um die aktuelle Kritikergeneration, die sich der Wahrung der 16mm- und 35mm-Projektion verschrieben hat und regelmäßig in die Untiefen der deutschen und internationalen Filmgeschichte jenseits der Kanonklassiker abtaucht.

Lukas Foerster, der unter anderen für den Perlentaucher, Cargo und die taz schreibt, zählt zu den talentiertesten Filmkritikern seiner Generation. Negative Space hatte im Jahr 2014 das Glück, ihn als ersten Gast im blogeigenen Podcast begrüßen zu dürfen, der damals noch Movies & Sports-Podcast hieß. Auch wenn man selten einer Meinung mit Foerster ist, geht man aus seinen Texten und Gedanken eigentlich immer klüger hervor. Er hat einen ganz eigenen, extrem geschulten, ausnahmslos interessanten Blick auf die Filmgeschichte.
Jury lobt Bewusstsein für 35mm-Filmkultur
Die Jury hob bei den 15 Bewerbungen um das Stipendium hervor: „In Zeiten, in denen überall in der Publizistik gespart wird, begrüßen wir es, dass es diesen Preis gibt. Auffällig war bei den diesjährigen Bewerbungen fürs Stipendium, wie oft für Filmkritiker die Zukunft des Kinos von der 35mm-Vergangenheit her gedacht wird. Angesichts der erfreulichen Bandbreite von Alter, Werdegängen und Konzepten der Bewerber hätten wir gerne mehrere Stipendien vergeben. Die eingereichten Arbeiten überzeugten durch hohes Niveau, das umso überraschender ist angesichts der immer schwieriger werdenden beruflichen Aussichten und finanziellen Situation von Filmkritiker.“

Die dreiköpfige Jury, zusammengesetzt aus Vertretern der Sparten Filmproduktion, Filmverwertung und Filmkritik, entschied in einer gemeinsamen Sitzung über die Preisvergabe. Die Jury bestand 2017 aus der Filmregisseurin Lola Randl („Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“), der Vorstandsvorsitzenden des X Verleih, Manuela Stehr, und dem Filmkritiker Ekkehard Knörer, dem Gewinner des Kracauer-Preises 2016.

Links: - Kracauer-Preis für Ekkehard Knörer, - Lukas Foerster

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Freitag, 13. Januar 2012
Die Longlist des Rüdiger Suchsland
Das hier ist die Ausnahme von der Regel, aber sie hat ihre Gründe. Ja, normalerweise interessieren mich nur unwesentlich die hinteren Plätze der bekannten Filmkritiker. Aber weil nun mal Rüdiger Suchsland mein - ich betone es geradezu schmerzhaft oft - absoluter deutschsprachiger Lieblingsfilmkritiker ist, liegt der Fall etwas anders. Auch, weil mich seine ursprüngliche Top Ten im Filmdienst ziemlich rat- und regungslos zurückgelassen hatte. Wirklich "The Tree of Life" und "Melancholia" als totgefeierte Cannes-Schwergewichte ganz oben? Musste das sein? Ginge es nicht auch eine Nummer kleiner? Und wenn es dann bei ihm kleiner ging, löste das bei mir entweder egales Schulterzucken oder Kopfschütteln aus: "Norwegian Wood" auf Platz eins? Ich mochte ihn auch, aber so gut? Und "Potiche" auf Platz sieben? Den schwächsten Francois Ozon, den ich bisher gesehen habe? Und was sollten da die Empfehlungen sein? "Sucker Punch" etwa? Umso mehr mag ich jetzt seine Plätze elf bis vierzig. Zum Beispiel Asghar Farhadis Film vor "Nader & Simin", "About Elly", auf Platz zwölf, auf den ich aktuell große Lust hätte. Oder der Push für versteckte deutsche Genreperlen wie "Was du nicht siehst", "Lollipop Monster", "Hell" oder "Womb", von denen Suchsland das Jahr über schon teilweise geschwärmt hatte. Da ist viel dabei, was ich noch sehen will ("The Skin I Live In", "Im Alter von Ellen", "Brownian Movement") oder was ich gesehen habe und toll fand ("Bullhead", "Les amours imaginaires", "Kaboom", "Les petits mouchoirs"). Und soweit ich das überblicke, ist das erst die zweite Liste, neben meiner eigenen, die etwas mit dem Berlinale-Film "Our Grand Despair" anfangen konnte. Das Ganze birgt sogar minimales Konfliktpotenzial mit "Let Me In" auf Platz 40. Das ist nun wirklich kein entscheidender Platz mehr in einer Lieblingsfilme-Liste, aber verdammt, ich konnte dieses dämliche Remake abgesehen von nur einem Song so überhaupt nicht leiden.

Top-40:

01. Norwegian Wood 02. Yuki & Nina 03. Der Name der Leute 04. The Tree of Life 05. Sucker Punch 06. Hanna 07. Potiche 08. Film socialisme 09. The Mill and the Cross 10. Melancholia 11. Never Let Me Go 12. About Elly 13. La lisiere 14. Mad Circus 15. Was du nicht siehst 16. Heaven 17. The Skin I Live In 18. Hell 19. Lollipop Monster 20. Womb 21. X-Men: First Class 22. Hoffenheim - Das Leben ist kein Heimspiel 23. Im Alter von Ellen 24. The Green Wave 25. Two in the Wave - Godard trifft Truffaut 26. 10 to 11 27. Bullhead 28. Les amours imaginaires 29. Brownian Movement 30. Kaboom 31. Black Swan 32. Les petits mouchoirs 33. Bad Boy Kummer 34. Nader & Simin 35. Blue Valentine 36. Our Grand Despair 37. I'm Still Here 38. Tuesday After Christmas 39. Meek's Cutoff 40. Let Me In

Links: - Artechock, - D-Radio

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Montag, 19. September 2011
Who the fuck is Björn Lahrmann?

© Convergence Entertainment
Phantome. Das sind sie! Diese neueren deutschen Filmkritiker! Nichts gegen die Rampensäue und Showstars von früher: Siegfried Kracauer, Willy Haas und Enno Patalas. You know what I mean. Nein, aber man hat es heute schon nicht leicht, wenn man einen neuen Helden unter den deutschen Filmkritikern entdeckt. Im Zweifelsfall schreibt dieser einfach nach ein paar Monaten nichts mehr. Oder er schreibt gleich so selten, dass man ihn vergisst. Der Manifest-Kritiker Björn Lahrmann ist laut seinem Moviepilot-Profil 29 Jahre alt. Er liebt "Tokyo Drifter" und "Happiness" und hasst "L.A. Crash" und "Palermo Shooting". Über den Filmemacher Shunji Iwai ("Vampire") schreibt er: "Seine Filme waren immer schon wie Blut: Nicht jeder verträgt es, sie zu sehen." Zu "Rubber" dichtet er ein bisschen: "Der Film ergibt von vorn bis hinten absolut und überhaupt nicht das geringste bisschen Sinn. Gute Idee, eigentlich." Er hat jetzt wieder eine neue Kritik geschrieben. Drüben beim Manifest. In kräftigen Sätzen schwärmt er von einem "Film, der immerhin der beste des laufenden Kinojahres ist" und meint "Copie conforme" von Kiarostami, der in Deutschland unter dem Titel "Die Liebesfälscher" herauskommen wird. "Ramschig und x-beliebig", heißt es dazu weiter.
Kritisches Ratatouille à la Ulrich Gregor
Gäbe es eine Filmzeitschrift, in der er regelmäßig publizierte, wäre ich Stammleser. Seine Texte vom letztjährigen Fantasy Filmfest waren köstlich. Voller Humor, Fachwissen und analytischer Schärfe. Aber ich bin auch ein einfaches Gemüt. Mich freut es ja schon, wenn er im Zusammenhang mit dem uruguayischen Geisterhausfilm "The Silent House" Bob Koehler zitiert. "La casa mierda". Das beschissene Haus. Zustimmendes Schmunzeln. Ein kleiner Wunschtraum: Björn Lahrmann, Rüdiger Suchsland, Ulrich Kriest, Jochen Werner und Thomas Groh geben ein eigenes Filmmagazin heraus. Natürlich schriebe Hans Schifferle immer ausufernde Gastbeiträge. Aber eigentlich gab es genug Experimente auf dem Zeitschriftenmarkt, die schief gegangen sind. Eigentlich gibt es auch genug Filmzeitschriften, die nur die richtigen Autoren bekehren müssten. Vielleicht ist aber die imaginäre Zeitschrift, die ich mir aus ihren Meinungen im Netz zusammenbastle, die ideale. Denn dann kann ich die Podcast-Einwürfe eines Viktor Pop daruntermischen, das Ganze mit der Ferroni Brigade abschmecken und immer schön mit Katja Nicodemus, SigiGötz-Entertainment und Rochus Wolff nachwürzen. Ja, wenn es denn wenigstens eine vernünftige Suchmaske auf der Manifest-Seite für Lahrmanns Texte gäbe. Aber das hat diese Filmseite nicht exklusiv. Will man etwa Schnitt-Texte von Jochen Werner lesen, muss man sich auch dumm und dämlich suchen. Phantome waren sie. Phantome werden sie bleiben. Aber eben meine Phantome.

Link: - Die Liebesfälscher

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Sonntag, 24. April 2011
Kritiker-Sammelalbum #7: Elvis Mitchell
Heute Morgen pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Der Filmkritiker Elvis Mitchell ist bei Movieline rausgeworfen worden. Richtig, bei der Filmsite, die ihn erst vor kurzer Zeit als Chefkritiker eingestellt hatte. Tratschtante Nikki Finke kolportierte bei Deadline Hollywood, dass Mitchell wegen seiner "Source Code"-Kritik gefeuert wurde. In ihrer Version hatte Mitchell den Film nicht gesehen, sondern seinen Text auf eine frühe Drehbuchversion gestützt. Als ob Mitchell das nötig gehabt hätte. Nein, seine Entlassung bleibt für mich ähnlich mysteriös wie sein Rücktritt bei der New York Times vor einigen Jahren. Besser gefällt mir der Ansatz, den Anne Thompson gewählt hat. Auch wenn ihre Drive-in-Psychoanalyse anmaßend ist, kann man anhand ihrer vorgebrachten Insider-Fakten eher die Person und die Probleme hinter der Filmkritiker-Persönlichkeit Elvis Mitchell erahnen: Versace-Anzüge, Globetrotting with the rich and famous, kubanische Zigarren und als notorischer Fremdgeher bekannt.

Fachlich ist er für mich sowieso unangreifbar, wobei ich immer lieber seinen halbstündigen Interviews mit Filmemachern und den darin versteckten messerscharfen Analysen gelauscht habe, als seine Texte zu lesen. Seine Radioshow "The Treatment" für den öffentlich-rechtlichen Sender KCRW höre ich mindestens schon seit über einem halben Jahrzehnt. Und die wird Mitchell wohl auch weitermachen. Da das US-Filmprogramm der letzten Monate ähnlich dürftig war wie im gesamten Jahr zuvor, kam ich ehrlich gesagt selten in die Versuchung, Mitchell bei Movieline lesen zu wollen. Dass er jetzt rausgeworfen wurde, finde ich trotzdem unnötig bis scheiße. Mir gefällt aber der Gedanke, dass es Mitchell gar nicht nötig haben könnte, für seine Tätigkeit bezahlt zu werden. Das gepflegte Dandy-Image steht ihm ausgezeichnet. Er ist schon so ein bisschen der Bruce Wayne unter den Filmkritikern - zumindest in meiner Vorstellung.

Links: - Anne Thompson, - Nikki Finke, - The Treatment

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Donnerstag, 31. März 2011
Kritiker-Sammelalbum #6: Todd Brown
Ich glaube, mich erinnern zu können, dass ich das erste Mal bewusst Twitch Film las, als der Regisseur Edgar Wright über Twitter den Trailer-Link zum teilweise brillanten Neo-Giallo "Amer" postete. Das ist noch gar nicht so lange her. Aber irgendwie las man Twitch Film, die Movie Site, die sich dem abseitigeren Genrefilm verschrieben hat, schon deutlich länger. Und auch der Arm des Betreibers Todd Brown reichte weiter in die eigene Vergangenheit, als einem lieb sein konnte. Todd Brown ist exakt das, was man einen Meinungsmacher nennt. Von seinem Riecher profitieren Movie Geeks und Genrefestivals weltweit - ob über Zitate seiner Seite oder Kritiken, die Festivalleiter auf obskure Entdeckungen aufmerksam machen. Seit sieben Jahren "macht" Todd Brown Twitch Film. Wenig ist über ihn bekannt.

Dass er unter anderem deutsche Wurzeln haben soll, verriet er einmal angesichts des zu peinlichen "Otto's Eleven"-Trailer. Dass der Kanadier vor und während Twitch Film für unzählige andere Genrepublikationen gearbeitet hat, ist keine Besonderheit, sondern Normalität. Dass er aber der internationale Chefscout des Fantastic Fest in Austin, Texas ist, lässt Brown aus dem Genresumpf herausragen. Seine Fantastic Fest-Filmauswahl war im letzten Jahr schlicht umwerfend. Brown entdeckte, präsentierte und pushte Filme wie "The Troll Hunter", "Rare Exports: A Christmas Tale", "Norwegian Ninja" oder "Kidnapped" für den amerikanischen Markt. Und von da aus geht bekanntlich immer noch die größte Strahlkraft für Produktionen ohne Lobby aus. Die Amis verstehen vor allem etwas vom Verkauf. Auch etwa hinter dem Phänomen "The Human Centipede" findet man, wenn man bis zum Anfang zurückgeht, den Namen Todd Brown. Von Seiten wie Twitch Film landen diese Sensationen letztlich sogar in Blogs deutscher Trittbrettfahrer.

Amerika mag schon lange nicht mehr das ruhmreiche Filmmekka aus der Erinnerung so vieler Junggebliebener sein. Die daraus entstandene Geek-Kultur aber hat einige atemberaubende Blüten getrieben, wozu ganz sicher eine Figur wie Todd Brown zu zählen ist. Er ist interessiert am Neuen, Aufregenden. Er verweigert sich dem amerikanischen Sequel-, Prequel- und Remake-Wahn, blickt lieber nach Europa und Asien, wo es viel zu entdecken gibt. Zusammen mit dem britischen FrightFest-Chef Alan Jones ist Brown im letzten Jahr zu meinem wichtigsten Fixpunkt herangewachsen, wenn es um originelle und andersartige Genrefilme aus aller Welt geht. Brown reist viel und sieht noch mehr. Wenn er gefragt wird, warum dieser oder jene seltene Film nicht auf seiner aktuellen Jahresliste steht, muss er auf die Liste vom letzten Jahr verweisen. Twitch Film ist keine Seite, die ich täglich lese. Dazu ist sie mir zu konfus und breit ausgerichtet. Aber wenn man etwas Obskures sieht oder etwas noch Obskureres sucht, wird man bei Twitch Film fündig. Todd Brown war nämlich meistens schon vorher da.

Links: - Todd Brown, - Lieblingsfilme 2010, - Sammelalbum

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Sonntag, 22. August 2010
Kritiker-Sammelalbum #5: Mark Kermode
Der Roger Ebert Großbritanniens. Das klingt griffig, auch wenn es zu hochgegriffen ist. Der BBC-Journalist Mark Kermode hat zumindest das, was praktisch allen Filmkritikern fehlt: er hat ein Gesicht. Nicht im Sinne von Georges Franjus "Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff"; nicht dass Filmkritiker wortwörtlich kein Gesicht hätten. Aber sie kommen nun mal in der Fernsehlandschaft nicht vor. Der Amerikaner Roger Ebert hatte jahrzehntelang eine TV-Show, Auftritte bei David Letterman und Charlie Rose. Dadurch wurde er landesweit berühmt. Nicht etwa weil er so gute Filmkritiken geschrieben hätte. Und Mark Kermode ist in England so ein bisschen das, was Roger Ebert für die Amis war: ein bunter Hund, eine Reibungsfläche und ein Fixpunkt, zu dem man sich positionieren muss.

Ich halte nicht allzu viel von Kermode. Ab und an trifft er den Nagel auf den Kopf. Viel häufiger verkommen seine Besprechungen zu egozentrischen Inszenierungsshows. Er will immer cleverer als die Filme erscheinen, die er bespricht. Was er dann mag, ist so vorhersehbar wie logisch: Hausgötter wie Cronenberg und del Toro, viel Camp und noch mehr die Filme, die allgemein gut wegkommen. Seine Qualität liegt in seiner Selbstüberschätzung: Er glaubt an seine Meinung wie andere an Gott glauben. Und er vertritt diese kurzweilig in Stakkato-Reden, die weniger von Pointen als etwa vom Nachäffen zehren. Zur Halbzeit des Kinojahres präsentierte er vor kurzem im hauseigenen Videoblog die Top-5 und die Flop-5 2010:

Top-5

1. INCEPTION
2. TOY STORY 3
3. OIL CITY CONFIDENTIAL
4. PONYO
5. TWILIGHT: ECLIPSE

Flop-5

1. SEX AND THE CITY 2
2. PIMP
3. NIGHTMARE ON ELM STREET
4. LEAP YEAR
5. BOUNTY HUNTER

Links: - Top/Flop-5, - Kermode & Mayo, - Sammelalbum

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Montag, 19. Juli 2010
Hasskritiker Armond White im /filmcast
Ich glaube, ich habe das erste Mal vom berüchtigen New York Press-Kritiker Armond White gelesen, als ich Verbündete für meine "Catch Me If You Can"-Bewunderung gesucht habe. Gar nichts wusste ich damals von seinem Image als Enfant terrible der Filmszene, das er sich bis heute bewahrt hat und in Zeiten des hitzigen Internets noch leichter hat ausbauen können. Wie einfach es doch geworden ist, eine Sturm der Entrüstung zu entfachen, indem man der einzige Filmkritiker der Rottentomatoes ist, der Pixars "Toy Story 3" nicht positiv bewertet. How dare you? Wie kann man es nicht wagen, müsste eher die Frage lauten, wenn man sich seine meisten wahnsinnig anregenden und intelligenten Gedanken im Anschluss durchliest. Umso spannender, wenn er morgen im /filmcast auf genau diejenigen trifft, die in der Vergangenheit für ein paar zusätzliche Klicks nur zu gerne gegen ihn geschossen haben. Gemeinsam besprochen wird "Inception".

Links: - Armond White, - /filmcast, - Revenge of the Geeks

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Donnerstag, 3. Juni 2010
Kritiker-Sammelalbum #3: Karina Longworth
Dieses liebliche Wesen, das in etwa so aussieht, als wäre es gerade dem Daniel Clowes-Comic "Ghost World" entstiegen, ist der Film Editor vom L.A. Weekly. Die Filmkritikerin Karina Longworth folgte somit dem resigniert habenden Scott Foundas, dem angeblich größten kritischen Talent seiner Generation, wenn man indieWIRE's Anne Thompson Glauben schenken will. Während sich Foundas in der Entlassungsflut und Gehaltskürzungswut der Wirtschaftskrise zur getreuen Festival-Gemeinde zurückzog, griff seine Nachfolgerin in den letzten Monaten richtig an. Besonders ihre Verteidigung des bizarren niederländischen Horrorfilms "The Human Centipede" blieb mir in Erinnerung. Ihren Namen wird man aber auch aus den letzten zwei Jahren Filmblog-Watching kennen, war sie es schließlich, die in jedem ernsthafteren Artikel über herausragende Internetpersönlichkeiten neben Nikki Finke genannt wurde. Sie war die Gründerin von Cinematical.com, Betreiberin des semipopulären Phänomens namens SpoutBlog und ging einmal an Halloween als Moss aus der "It Crowd". Außerdem hatte sie letztes Jahr James Grays Meisterwerk "Two Lovers" auf Platz zwei ihrer Top Ten.

Links: - L.A. Weekly, - The Human Centipede, - SpoutBlog

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Kritiker-Sammelalbum #2: The Ferroni Brigade

Die Ferroni-Brigade ihrer Zeit
Ein mysteriöser Name für zwei nicht völlig unbekannte Kritikernamen: Christoph Huber und Olaf Möller, die es als deutschsprachige Kritiker soweit geschafft haben, dass sie regelmäßig auf Englisch im Sight & Sound-Magazin veröffentlichen dürfen. Ab und an lässt man sie, die sich wohl martialisch nach dem ewig unterschätzten italienischen Meister der Sandalenfilme und Spaghetti Western benannt haben, um ihre sowieso schlichtweg unverkennbaren Außenseiter-Ambitionen zu unterstreichen, sogar an den legendären Umfragen teilnehmen, bei denen meistens Orson Welles, Andrè Bazin oder Francois Truffaut gewinnen. Auf die Frage nach den besten Filmbüchern aller Zeiten antwortete die Ferroni Brigade unter anderem mit der "Geschichte des Films im Dritten Reich" von Courtade und Cadars, was ich äußerst sympathisch fand. Gehört doch die leider gekürzte, dafür umso mehr zerfledderte deutsche Ausgabe des cinephilen Schmökers seit vielen Jahren zu meinen liebsten Schätzen beim Thema Ufa under Goebbels.

Links: - Sight & Sound, - The Ferroni Brigade

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