Sonntag, 12. Juli 2009
Euro-Blockbuster "Verblendung" (noch) ohne deutsches Marketing
Über zwei Millionen deutsche Leser, europaweit unglaubliche knapp sechzig Millionen Dollar Boxoffice, Triumphe in Frankreich und Spanien - und bis heute kein deutschsprachiger Trailer, ja, nicht einmal ein deutsches Poster. Gut, der Rechteinhaber NFP musste lange um das Vorrecht kämpfen, die Bestseller-Verfilmung "Verblendung" in unsere Kinos bringen zu dürfen. Trotzdem könnte alles besser laufen. Aufwachen, möchte man da nur sagen und: am 26. August ist bereits DVD-Start in Schweden. Es bedarf Teaser und einer Werbeoffensive. Von zehn deutschen Kinogängern hat vielleicht einer von Stieg Larssons Millennium-Trilogie gehört, weiß aber nicht zwingend, dass dieses Jahr eine Verfilmung in die Kinos kommt.

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Ganz zu schweigen von Nicht-Buchkennern: Die sind mit Trailern und Bildern zu "Inglourious Basterds", "Brüno" und "Transformers 2" zugemüllt, schauen "Ice Age 3" und warten auf "Harry Potter 6". Beim Eurohit "Verblendung" denken einige auf Anhieb an schlechte Musik, nicht aber an den nächsten Film, den sie sehen wollen. Der deutsche Titel macht nichts her, der englischsprachige, "The Girl with the Dragon Tattoo", lässt dagegen sofort blumige Bilder im Kopf entstehen. Die deutschen Medien berichten überhaupt nicht von dieser Erfolgsgeschichte: weder die Branchenblätter "Blickpunkt:Film" und "Filmecho", noch die überregionalen Tageszeitungen und schon gar nicht deutsche Kinoseiten oder Movieblogs. Wenn man etwas über die Qualität des Films oder die Zahlenentwicklungen erfahren will, muss man entweder "Fangoria" oder "Screen International" lesen.

Ein Anfang wäre ja schon mal ein optischer Vergleich zwischen der "Verblendung"-Hauptdarstellerin Noomi Rapace und der Nerd-Queen Kristen Bell. Oder dass man erwähnt, in den Romanen gehe es um Altnazis und ihre degenerierte Brut, die das verruchte Erbe fortsetzt. Und nein, hoffentlich nicht so wie in dem französischen Thriller "Die purpurnen Flüsse". Ein einfacher Blick in die Amazon-Bestsellerliste würde darüber aufklären, wie extrem populär die Millennium-Trilogie gerade jetzt unter Leseratten ist, und dass sie mittlerweile fast den Twilight-Büchern den Rang als Buchdroge Nummer eins abgelaufen hat.

Die eigene Chronologie:

09.07. - Bestseller-Verfilmung "Verblendung" findet deutschen Verleih und Starttermin

17.06. - Die europäische Erfolgsgeschichte des Jahres: "Verblendung" noch ohne deutschen Kinostart

08.06. - Der skandinavische Thriller "Das Mädchen mit dem Drachentattoo" erobert Europa

31.05. - Fangorias Rückblick auf das Cannes-Festival


Weitere Links:

- Boyd van Hoeijs Variety-Kritik ()

- Mike Goodridges Artikel "Millennium: a new era for Europe" ()

- Teaser # 1 & 2


Wissenswertes:

- Das Budget der Millennium-Trilogie beträgt 100 Millionen Schwedische Kronen, was umgerechnet 16 Millionen Dollar sind. Ein Film kostet also ungefähr 5,3 Millionen Dollar.

- Allein in Schweden wurden vor der ersten Verfilmung über zwei Millionen Bücher der Trilogie verkauft. Stieg Larssons Bücher wurden in über neunzehn Ländern veröffentlicht.

- Die schwedischen Produzenten arbeiten bereits an einem englischsprachigen Remake des ersten Teils.

- "Verblendung" ist auch nach Großbritannien, Australien, Mexiko, Griechenland und Argentinien verkauft worden.

- Der zweite Teil "The Girl Who Played with Fire" wird in Schweden am 18. September und der dritte und abschließende Teil "The Girl Who Kicked the Hornets' Nest" am 27. November starten.

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Ich muss zugeben das ich die Bücher und die Filme nur dank dir kenne.Hab mir "Verblendung" jetzt mal bestellt hört sich nämlich alles sehr interessant an.

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Ich hab das von Dietmar Bär gelesene Hörbuch zum ersten Teil, komme aber nicht so recht voran. Gut, habe bisher nur ein wenig ausgetestet, aber da muss man sich schon etwas mehr Zeit und Ruhe nehmen. Scheint wirklich lohnenswert zu sein. Als ich gestern noch mal die Artikel um das Phänomen zusammengetragen habe, begeisterte mich am meisten der Vergleich von Boyd van Hoeij, die Millennium-Trilogie wäre das populärste, was seit Abba aus Schweden importiert wurde.

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