Dienstag, 9. Oktober 2018
Oscars: 87 Werke konkurrieren in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film"

Trolle bei den Oscars: Ali Abbasis "Border" | © Neon

Mittlerweile ist die Vorschlagsliste der einzelnen Länder zum besten fremdsprachigen Film bei den Oscars ebenbürtig mit der eigentlichen amerikanischen Top-Ten-Liste. Der Film "Roma" ist Frontrunner. Daumen gedrückt werden für Schweden, Südkorea und Israel.

Insgesamt wurden für die Oscar-Kategorie "bester fremdsprachiger Film" 87 Werke eingereicht. Großer Favorit auf eine der fünf begehrten Nominierungen ist der eigentlich außer Konkurrenz mitspielende Film "Roma" für Mexiko. Alfonso Cuarón dürfte mit seinem Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig sicher gesetzt sein. Da lautet eher die Frage, wie viele Nominierungen darüber hinaus "Roma" bekommen kann.

Zu den weitere Favoriten zählt "Cold War" von Paweł Pawlikowski, der Polen im Oscarrennen vertreten wird. Das Werk wurde im Mai auf dem Festival von Cannes für den besten Regisseur ausgezeichnet. "Shoplifters" von Hirokazu Kore-eda konnte die Goldene Palme gewinnen und ist in seiner Heimat Japan ein riesiger Publikumserfolg geworden.
Daumendrücken für "Burning" und "Border"
Negative Space drückt die Daumen für die wahnsinnig tolle Haruki-Murakami-Verfilmung "Burning" aus Südkorea, das schwedische Genre-Wunder "Border" und den israelischen Beitrag "The Cakemaker". Letzterer Film ist eine halbe deutsche Produktion, weil das Werk von Ofir Raul Graizer seine Liebesgeschichte in Berlin beginnen lässt und der Hauptdarsteller Tim Kalkhof heißt.

Ein Geheimfavorit könnte Ruth Beckermanns Dokumenation "Waldheims Walzer" sein, die sich mit der braunen Vergangenheit und Gegenwart Österreichs auseinandersetzt. Das Werk feierte im Februar auf der Berlinale seine Weltpremiere. "Girl" aus Belgien über einen Transgender-Menschen könnte auch ein Dark Horse sein.

Außenseiter-Chancen haben ebenso Kambodscha ("Graves without a Name") und Kolumbien ("Birds of Passage"). Auch in der Verlosung sind aus Ungarn "Sunset", aus der Türkei "The Wild Pear Tree" und aus Rumänien "I Do Not Care If We Go Down in History as Barbarians". Deutschland wird von Florian Henckel von Donnersmarcks Film "Werk ohne Autor" vertreten. Hier ist die Liste mit allen eingereichten Filmen zu finden. Die Oscars 2019 finden am 24. Februar statt.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 27. August 2018
Bully for Oscar? Welche deutschen Filme noch im Oscarrennen sind

Bully macht Geschichtsepos: „Ballon“ ist unter den letzten elf Kandidaten

Wer vertritt Deutschland ab Donnerstag bei den Oscars? Florian Henckel von Donnersmarck, Thomas Stuber, Christian Petzold, Bully Herbig oder die einzige Frau im Aufgebot?

Am Donnerstag wird bekannt gegeben, welcher Film Deutschland in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ beim Oscar vertritt. Wer folgt auf Fatih Akins „Aus dem Nichts“, der es vergangenen Dezember immerhin auf die Shortlist der Academy Awards schaffte und einen Golden Globe gewann? Ein potenzieller Nachfolger wäre Florian Henckel von Donnersmarcks Comeback „Werk ohne Autor“, der im Wettbewerb von Venedig seine Weltpremiere feiert. Wenn er da nicht völlig verrissen wird, hat dieser Startplatz international die größte Strahlkraft. Der Venedig-Wettbewerb ist dieses Jahr mehr wert als Cannes.

Auch noch in der Vorauswahl dabei sind von der Berlinale das Romy-Schneider-Biopic „Drei Tage in Quiberon“, Thomas Stubers „In den Gängen“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und Christian Petzolds „Transit“. Stubers meisterliche Großmarkt-Studie hätte den Vorteil, dass er international schon Anklang gefunden hat, wohingegen „Transit“ bei ausländischen Kritikern eher durchgefallen war. „Drei Tage in Quiberon“ war mit sieben Auszeichnungen der große Abräumer beim deutschen Filmpreis.

Weiter dabei unter den letzten elf Kandidaten und in der Verlosung ist der Filmfest-München-Eröffnungsfilm „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, Robert Schwentkes „Der Hauptmann“, der seine Weltpremiere in Toronto feierte, „Die Unsichtbaren“ über die letzten Juden, die sich in den 1940er-Jahren in Berlin versteckten, das Roadmovie „Simpel“ und der internationale Animationsfilm „Teheran Taboo“.
Darf Bully Herbig ran?
Die größte Überraschung ist Michael Bully Herbigs neuer Film „Ballon“ über die Flucht zweier Familie aus der DDR in den Westen. Das ernste Geschichtsepos mit Schauspielern wie Friedrich Mücke, Karoline Schuch, Alicia von Rittberg und David Kross bei den Oscars dabei zu haben, wäre wohl Bullys großer Traum. Ein bisschen zu wünschen wäre es ihm ja, dass er nach einigen bizarren Fehlgriffen wie „Zettl“, „Buddy“ oder „Vier gegen die Bank“ zumindest wieder einen leidenschaftlichen Kinotraum auf die Leinwand hinbekommen hat.

Die Liste (elf Kandidaten):

* 3 TAGE IN QUIBERON (Emily Atef)
* BALLON (Michael Bully Herbig)
* DER HAUPTMANN (Robert Schwentke)
* IN DEN GÄNGEN (Thomas Stuber)
* MACKIE MESSER – DER DREIGROSCHENFILM (Joachim A. Lang)
* DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER (Lars Kraume)
* SIMPEL (Markus Goller)
* TEHERAN TABU (Ali Soozandeh)
* TRANSIT (Christian Petzold)
* DIE UNSICHTBAREN (Claus Räfle)
* WERK OHNE AUTOR (Florian Henckel von Donnersmarck)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 15. Dezember 2017
Berlinale auf Oscar-Shortlist gleichauf mit Cannes - Fatih Akins „Aus dem Nichts“ dabei

„A Fantastic Woman“ | © Piffl Medien
Fatih Akin ist unter den weltweit letzten neun Filmen für den „besten fremsprachigen Film“ bei den Oscars. Ansonsten heißt es Berlinale Vs. Cannes.

Einerseits wird sich immer über das Auswahlverfahren der Academy Awards beschwert und beklagt, dass da weiße alte Männer wählen, die keine Ahnung vom Weltkino haben. Andererseits gibt es in der Filmbranche keine härtere Währung als eine Oscarnominierung. Auf der diesjährigen Oscar-Shortlist, der Vorstufe zur Nominierung, liefern sich die beiden großen A-Festivals Berlinale und Cannes ein Fernduell.

Die Berlinale stellt überraschenderweise drei der neun auserwählten Filme: Sebastián Lelios „A Fantastic Woman“ (Chile), Ildikó Enyedis „On Body and Soul“ (Ungarn) und Alain Gomis' „Félicité“ (Senegal) sind allesamt im viel gescholtenen Wettbewerb 2017 gelaufen. Die Berlinale selbst rechnet auch John Trengoves „The Wound“ (Südafrika) zu den eigenen Entdeckungen, weil der Film die Panorama-Sektion eröffnete. Seine Weltpremiere feierte er aber auf dem Sundance-Festival.
Frankreichs „120 BPM“ wäre Pflicht gewesen
Das prestigeträchtigste Filmfestival der Welt in Cannes schickt Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland), Ruben Östlunds „The Square“ (Schweden) und Andrey Zvyagintsevs „Loveless“ (Russland) ins Rennen. Den lautesten Protestschrei der Filmkritiker gab es bei der Ignoranz der Jury, nicht den französischen Beitrag „120 BPM“ auf die Shortlist eingeladen zu haben. Eine berechtigte Kritik, weil Robin Campillos Film über die Aktivistengruppe Act Up im ausgehenden Aids-Zeitalter zu den besten Werken des Jahres zählt.

Aber ehrlicherweise muss man dann schon sagen, dass diverse Festival-Highlights auf der Shortlist der Academy gelandet sind. Es sei denn, man wollte irgendwie noch Superstar Angelina Jolie mit ihrem kambodschanischen Film „First They Killed My Father“ reindrücken. Aber wir sind hier nicht bei den Golden Globes, wo es einen Promi-Counter gibt. Klar, übersehen werden immer Filme: Wo ist „Zama“ von Lucrecia Martel, warum nicht „Tom of Finland“ von Dome Karukoski, „Barrage“ aus Luxemburg oder „Die göttliche Ordnung“ aus der Schweiz? Aber verglichen mit anderen Jahrgängen ist das eine geschmackvolle Auswahl.

Die Shortlist (9 Filme):

* Aus dem Nichts (Deutschland)
* A Fantastic Woman (Chile)
* Félicité (Senegal)
* Foxtrot (Israel)
* The Insult (Libanon)
* Loveless (Russland)
* On Body and Soul (Ungarn)
* The Square (Schweden)
* The Wound (Südafrika)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 4. Dezember 2017
Was New York und Los Angeles für die Oscars empfehlen

Die Doku „Faces Places“ von Agnes Varda

Wie die wichtigsten US-Kritiker von der Ost- und der Westküste abgestimmt haben:

Die beiden bedeutendsten Kritikerverbände der Vereinigten Staaten von Amerika haben über ihres Jahresfavoriten abgestimmt. Einen Frontrunner bestimmen sie nicht. Aber sie definieren einige Favoriten in ausgewählten Kategorien: Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller für „Call Me by Your Name“, Willem Dafoe als bester Nebendarsteller in „The Florida Project“, das französische Werk „120 BPM“ als bester fremdsprachiger Film und Agnes Vardas „Faces Places“ als bester Dokumentarfilm:

BEST PICTURE

N.Y.: Lady Bird
L.A.: Call Me by Your Name

BEST DIRECTOR

N.Y.: Sean Baker (The Florida Project)
L.A.: Guillermo del Toro (The Shape of Water) & Luca Guadagnino (Call Me by Your Name)

BEST SCREENPLAY

N.Y.: Paul Thomas Anderson (Phantom Thread)
L.A.: Jordan Peele (Get Out)

BEST ACTOR

N.Y.: Timothée Chalamet (Call Me by Your Name)
L.A.: Timothée Chalamet (Call Me by Your Name)

BEST ACTRESS

N.Y.: Saoirse Ronan (Lady Bird)
L.A.: Sally Hawkins (The Shape of Water)

BEST SUPPORTING ACTOR

N.Y.: Willem Dafoe (The Florida Project)
L.A.: Willem Dafoe (The Florida Project)

BEST SUPPORTING ACTRESS

N.Y.: Tiffany Haddish (Girls Trip)
L.A.: Laurie Metcalf (Lady Bird)

BEST FOREIGN LANGUAGE FILM

N.Y.: 120 BPM (Frankreich)
L.A.: 120 BPM (Frankreich) & Loveless (Russland)

BEST DOCUMENTARY

N.Y.: Faces Places (Agnes Varda)
L.A.: Faces Places (Agnes Varda)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 28. November 2017
Und so beginnt es ...

Vicky Krieps in „Phantom Thread“ | © Annapurna Pictures / Focus Features

Das National Board of Review startet den traditionellen Oscar-Reigen. Steven Spielberg mischt die bisherigen Favoriten auf.

Das Oscar-Rennen ist offiziell eröffnet. Der erste richtungsweisende Kritikerverband, das National Board of Review, hat seine Gewinner gekürt. Als bester Film wurde Steven Spielbergs Werk „The Post“ ausgezeichnet. Beste Regisseurin wurde Greta Gerwig mit ihrem Film „Lady Bird“. Auch die beiden Hauptdarstellerpreise gehen an Spielbergs Zeitungsfilm: Tom Hanks wird bester Schauspieler, Mery Streep beste Schauspielerin. Am wichtigsten ist aber immer die Liste der zehn besten Filme des Jahres:
Platz eins: THE POST

* BABY DRIVER
* CALL ME BY YOUR NAME
* THE DISASTER ARTIST
* DOWNSIZING
* DUNKIRK
* THE FLORIDA PROJECT
* GET OUT
* LADY BIRD
* LOGAN
* PHANTOM THREAD
In einem normalen Jahr würde ich die Liste des National Board of Review nicht mehr posten. Ich würde sie amüsiert zur Kenntnis nehmen. Zu dubios ist eigentlich die Zusammensetzung der Kritikervereinigung, zu weit habe ich mich von den Oscar Bloggern entfernt. Aber in diesem Jahr sind einfach sehr viele Filme im Rennen, denen ich die Daumen drücke.

Das gilt selbst für einen von mir noch nicht gesehenen Film wie Paul Thomas Andersons „Vertigo“-Variation „Phantom Thread“ mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps. Wie cool ist das denn? Da ist auf einmal die famose Luxemburgerin aus „Das Zimmermädchen Lynn“ und „Der junge Karl Marx“ in einem potenziellen Oscar-Film zu sehen. Übrigens feierte der tolle „Karl Marx“ in der angeblich so überflüssigen Berlinale-Special-Reihe seine Weltpremiere.
Spannender ist fast, wer nicht drauf steht
Steven Spielberg erhält einen größeren Push mit den diversen Preisen. Mich amüsiert zwar ein bisschen der Spruch „Der beste Spielberg seit ...“, weil ganz klar „Bridge of Spies“ sein bester Film seit den frühen 2000er-Jahren ist. Und das war quasi sein bis dato letztes Werk. Aber ansonsten bestätigt das National Board frühe Favoriten wie „Call Me by Your Name“, „Dunkirk“, „The Florida Project“, „Get Out“ und „Lady Bird“. So schön ich auch die Nennung von „Logan“ finde, der wird in diesem Umfeld zu vernachlässigen sein. Auch „Baby Driver“ und „The Disaster Artist“ wirken wie Zeichen der versuchten Jugend. „Downsizing“ ist auch eigentlich schon in Toronto verbrannt worden.

Überraschenderweise außen vor sind hier auf jeden Fall „Shape of Water“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Darkest Hour“ und „The Big Sick“. Die Liste zeigt letztlich eigentlich nur, wie offen das Oscar-Rennen zu diesem Zeitpunkt noch ist. Die Kritiker positionieren sich, die letzten Kandidaten werden gesichtet. Spannend wird sein, wie sich „The Post“ und „Phantom Thread“ auf mittelfristige Sicht unter den Favoriten einsortieren werden.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 26. September 2017
Perfect 10 – Die aktuellen Oscar-Favoriten

Greta Gerwigs Regiedebüt „Lady Bird“ mit Saoirse Ronan | © A24

Immer mehr Favoriten bilden sich im Oscarrennen heraus. Erstaunlich, wie sympathisch, anregend und erfrischend die Filme daherkommen. Einen richtigen Frontrunner gibt es noch nicht. Ein kurzer Blick in die Glaskugel von Michael Müller

Gefühlt gibt es unzählige Oscarblogs. Jedes Fachmagazin hat mittlerweile seinen Oscar-Experten. Über die Jahre entwickelt man selbst Präferenzen und Aversionen. Am liebsten habe ich lange Zeit die Podcasts von Jeffrey Wells (Hollywood Elsewhere) und Sasha Stone (AwardsDaily) gehört. Beides sind sie Alphatierchen in der Szene, die sich über eine unterschiedliche sexuelle Präferenz in die Haare bekamen. Das Traumduo zerbrach. Das andere Lieblingsgespann hieß Anne Thompson (indieWIRE) und Kris Tapley (Variety). Alle vier sind größer denn je ins Oscar-Business verstrickt.

Meine Erfahrung ist allerdings: Umso kontinuierlicher man ihrer Berichterstattung folgt, umso weniger Spaß hat man letztlich bei den Oscars, weil man praktisch alles vorher weiß. Als ich auf Abstand zu den Experten gegangen bin, fand ich den exzellenten Awards Chatter Podcast von Scott Feinberg. Der ist natürlich auch ein wahnsinniger Oscar-Nerd. Aber im Podcast spricht Feinberg mehr mit potenziellen Kandidaten, als dass er sie zu Tode analysiert. Da wir uns aktuell aber in einem so frühen Stadium des Oscarrennens befinden, muss ich sagen, dass ich jetzt sehr viel Spaß mit seiner ersten Oscar-Vorhersage beim Hollywood Reporter hatte.
Eine Liste wie die eigene Wunschvorstellung
Das mag daran liegen, dass sich unter Feinbergs Favoriten in der Best Picture-Kategorie hauptsächlich Filme befinden, die ich selbst im Blog frühzeitig vorhergesagt habe („Dunkirk“, „Call Me by Your Name“, „The Shape of Water“); oder es sind Filme auf der Liste, die ich selbst sehr schätze („Get Out“, „Wonder Woman“); oder es stehen Filme unter den ersten zehn, die ich auf dem Filmfest Hamburg sehen will („The Florida Project“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Battle of the Sexes“); oder es ist das Regiedebüt der verehrten Greta Gerwig („Lady Bird“).

Zum jetzigen Zeitpunkt mutet die Feinberg-Liste wie meine eigene Wunschvorstellung an: Die liebste Mumblecore-Darstellerin, die durch die Filmindustrie stolperte, landet mit ihrem Regiedebüt direkt einen Homerun; ein meisterhafter Horrrorfilm über Vorurteile und Rassismus wird noch ernsthaft für den Oscar gehandelt; der beste Film des Jahres („Call Me by Your Name“) scheint auch gewürdigt zu werden. Da wird sich sicherlich bis Dezember noch einiges verschieben, aber mir gefällt diese Momentaufnahme sehr.

Favoriten:

* Dunkirk (Christopher Nolan)
* The Shape of Water (Guillermo del Toro)
* Darkest Hour (Joe Wright)
* The Florida Project (Sean Baker)
* Lady Bird (Greta Gerwig)
* Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Martin McDonagh)
* Get Out (Jordan Peele)
* Battle of the Sexes (Jonathan Dayton & Valerie Faris)
* Call Me by Your Name (Luca Guadagnino)
* The Big Sick (Michael Showalter)

Verfolger:

* Detroit (Kathryn Bigelow)
* Molly's Game (Aaron Sorkin)
* Okja (Bong Joon-ho)
* I, Tonya (Craig Gillespie)
* Wonder Woman (Patty Jenkins)
* War of the Planet of the Apes (Matt Reeves)

Was noch kommt (Auswahl):

* The 15:17 to Paris (Clint Eastwood)
* Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve)
* Last Flag Flying (Richard Linklater)
* The Meyerowitz Stories (Noah Baumbach)
* Phantom Thread (Paul Thomas Anderson)
* The Post (Steven Spielberg)
* Star Wars: The Last Jedi (Rian Johnson)
* Wonder Wheel (Woody Allen)

Link: - Scott Feinbergs komplette Vorhersage

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 24. August 2017
Akins "Aus dem Nichts" ist der deutsche Oscar-Kandidat

Der internationale Verleihtitel von "Aus dem Nichts" lautet "In the Fade"

Mach's noch einmal, Fatih: Der deutsche Regisseur Fatih Akin hat die Ehre, Deutschland wieder in der Oscar-Kategorie "bester fremdsprachiger Film" zu vertreten. Mit seinem Film "Aus dem Nichts" ist er vor allem wegen Hauptdarstellerin Diane Kruger nicht chancenlos.

Der Film "Aus dem Nichts" von Fatih Akin ist der offizieller deutsche Kandidat für die Oscar-Kategorie "bester fremdsprachiger Film". Das gab das Unternehmen German Films, das jährlich die Wahl des deutschen Beitrags organisiert, am Mittwochmittag bekannt. Akins Film gewann mit seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger im Mai den Darstellerinpreis bei den Filmfestspielen in Cannes. Im Jahr 2007 vertrat der Regisseur mit "Auf der anderen Seite" bereits Deutschland im Oscar-Rennen. "Aus dem Nichts" folgt auf "Toni Erdmann", der es dieses Jahr unter die fünf besten fremdsprachigen Filme schaffte.

Zur Begründung der Auswahl des Rachefilms, der um ein Hamburger Bombenattentat mit NSU-Bezug kreist, hat die neunköpfige Jury geschrieben: "It's at the same time a drama, a court movie and a thriller. Fatih Akin relates law and justice, revenge and pain – with complexity, unsparingly, and with a stirring narrative. The film gives a political issue a human face and unfolds with a ripple effect from which the audience cannot escape, from the first to the very last minute."
Offene Rechnung "Inglourious Basterds"
Magnolia Pictures hat die Verleihrechte von „Aus dem Nichts“ für Nordamerika gekauft und will den Film noch dieses Jahr in die US-Kinos bringen. Mit der Schauspielauszeichnung für Kruger in Cannes und ihrer Geschichte um die verpasste Nominierung für „Inglourious Basterds“ könnte der neue Fatih-Akin-Film zumindest nicht chancenlos im Oscar-Rennen um eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film sein.

Deutschland gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film in den vergangenen Jahren zwei Mal: im Jahr 2006 für "Das Leben der Anderen" und im Jahr 2002 für "Nirgendwo in Afrika". Neben "Toni Erdmann" schafften aber auch andere deutsche Spielfilme den prestigeträchtigen Achtungserfolg, nominiert worden zu sein: "Das weiße Band", "Der Baader-Meinhof-Komplex", "Sophie Scholl" und "Der Untergang".
Wer ist die Konkurrenz?
"Aus dem Nichts" setzte sich gegen zehn andere deutsche Kandidaten durch. Darunter befanden sich Valeska Grisebachs "Western", Chris Kraus' "Die Blumen von gestern" und Sven Taddickens "Gleißendes Glück". Auch Schweden gab diese Woche seinen Oscar-Kandidaten, nämlich den Palmengewinner "The Square" von Ruben Östlund, bekannt. Die Schweiz schickt ihren Film "Die göttliche Ordnung" über das Frauenwahlrecht ins Rennen.

Von seinem Land noch nicht bestimmt, aber sicherlich auch nicht chancenlos wäre der ungarische Berlinale-Gewinner "On Body and Soul". Das gilt auch für Aki Kaurismäkis finnische Flüchtlingskomödie "The Other Side of Hope", das chilenische Drama "A Fantastic Woman" sowie "Ana, mon amour" aus Rumänien. Aus Cannes scheinen der französische Beitrag "120 Beats per Minute" und der russische Beitrag "Loveless" nicht unwahrscheinlich.

Links: - Liste aller Oscar-Kandidaten, - Deutsche Shortlist

... link (0 Kommentare)   ... comment


Samstag, 5. August 2017
Die aufregende Ungewissheit im Oscarrennen

Guillermo del Toros neuer Film "The Shape of Water" | © Fox Searchlight

Wer gewinnt am 4. März 2018 den Oscar für den besten Film? Schönerweise ist das Rennen noch ganz offen. Aber mit den Herbstfestivals in Venedig, Telluride und Toronto wird sich das schlagartig ändern. Ein Überblick von Michael Müller

Ich denke gerne an die Zeiten zurück, als William Goldmans Satz "Nobody knows anything" im Oscarrennen noch etwas gegolten hat. Der berühmte Drehbuchschreiber ("Die Braut des Prinzen", "Die Unbestechlichen") und Buchautor ("Adventures in the Screen Trade") fasste gut zusammen, was alle Menschen in Hollywood dachten: Niemand weiß wirklich genau, was wie funktioniert und am Ende in der eigenen Oscarkampagne aufgehen wird. Aber die Zeiten haben sich geändert: Heutzutage analysiert eine ganze Industrie von Oscar-Blogs die Ereignisse so genau, dass spätestens im Dezember bereits alles klar scheint, was im folgenden Februar bzw. März passieren wird. Deswegen mag ich die jetzige Phase besonders, in der noch fast nichts vorgegeben und alles möglich ist.

Bislang gibt es nur den obligatorischen Sundance-Darling und den "guten" ernsthaften Blockbuster. Der Liebesfilm "Call Me by Your Name" von Luca Guadagnino ist nicht der typische amerikanische Independent-Film, der jedes Jahr aus Sundance ins Oscarrennen einsteigt. Das wäre die Komödie "The Big Sick". "Call Me by Your Name" ist aber europäischer, reifer und besser. Tatsächlich ist er der mit Abstand beste Film des Jahres, der eher aus Verlegenheit seine Weltpremiere in Sundance feierte. Verpasste Nominierungen für Film, Regie, Hauptdarsteller (Armie Hammer), Nebendarsteller (Michael Stuhlbarg), Drehbuch (James Ivory) oder etwa Song (Sufjan Stevens) wären eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.
"Dünkirchen" erinnert an "Master and Commander"
Beim ehrenvollen Blockbuster handelt es sich natürlich um Christopher Nolans Kriegsfilm "Dünkirchen". Ich muss sagen: Ich bin nicht der größte Fan, schätze aber insgesamt doch diese Art von anspruchsvollem Popcornkino als Gegengewicht zu den sonstigen Hollywoodproduktionen. Aber das ist nicht nur wegen seiner technischen Perfektion der erste ernstzunehmende Anwärter für den Oscar als bester Film. Peter Weirs vergleichbar steife Großproduktion "Master and Commander", die unbekannte Geschichte lebendig machte, erhielt im Jahr 2004 zehn Oscarnominierungen und gewann für beste Kamera und Schnitt. Nolans Film ist eine pure Kinoerfahrung mit dem tickenden Hans-Zimmer-Score, dem fehlenden Feind und der experimentell angehauchten Verquickung der drei Handlungsebenen. Dafür gab es nicht zu unrecht fast durch die Bank weg Hymnen von den wichtigen amerikanischen Kritikern.

Die ersten Indizien, welche Herbstfilme wichtig werden, liefern die drei elementaren Festivals am Anfang der Oscarsaison: Venedig, Telluride und Toronto. Legt man den Wettbewerb von Venedig über die Programmauswahl von Telluride, ergibt sich bereits Anfang September ein gutes Bild, über welche Werke noch am Ende des Jahres gesprochen wird. Soweit gibt es nur die Filme im Wettbewerb von Venedig: Alexander Paynes Schrumpfungs-Satire "Downsizing" mit Matt Damon und Kristen Wiig, Darren Aronofskys Film "mother!" mit seiner Partnerin Jennifer Lawrence, George Clooneys Coen-Paraphrase "Suburbicon" und der neue Guillermo-del-Toro-Film "The Shape of Water".
Del Toros Oscar-Comeback?
Zu letzterem sagte Venedig-Festivalchef Alberto Barbera gegenüber dem Branchenblatt Screen Daily, es sei der beste del-Toro-Film, den er seit "Pan's Labyrinth" gedreht habe. Der Film erzählt in den 1960er-Jahren von einer Liebesgeschichte zwischen einer stummen Reinigungskraft (Sally Hawkins) und einer fremdartigen Wasserkreatur (Doug Jones), die vom US-Militär festgehalten wird. Die Amerikaner hoffen, das Geschöpf als Waffe im Kalten Krieg einsetzen zu können. Es ist das erste Mal seit "Pan's Labyrinth" der Fall, dass del Toro wieder in den Wettbewerb eines A-Festivals eingeladen wurde. In den vergangenen Jahren starteten so unterschiedliche Filme wie "Gravity", "Spotlight", "Birdman" oder "La La Land" ihren Siegeszug in Venedig.

Zwischem dem ältesten Filmfestival der Welt in Venedig und dem schnuckelig verschneiten Telluride-Festival in den Bergen von Colorado ist ein richtiger Kampf um die Weltpremieren der potenziellen Oscarfilme entstanden. Das Branchenblatt Variety spekuliert deshalb auch, dass die amerikanischen Vertreter in Venedig sehr früh programmiert werden. So könne Telluride dem Festival nicht die Exklusivität einiger Titel mit so genannten Sneak Previews streitig machen. Venedig läuft vom 30. August bis zum 9. September, Telluride startet bereits am 1. September. Der aktuelle Oscargewinner "Moonlight" feierte beispielsweise dort seine Weltpremiere. Das Festival in Toronto läuft wiederum vom 7. bis zum 17. September. Dort werden die ersten Eindrücke aus Venedig und Telluride konkretisiert und demokratisiert, weil dort nicht nur die Branchenblätter, sondern fast alle amerikanischen Filmkritiker hinfliegen, die etwas auf sich halten.

Link: - Deutsche Oscarkandidaten 2018

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 3. August 2017
Pre-Shortlist der deutschen Oscar-Kandidaten

„Western“ von Valeska Grisebach | © Komplizen Film
Eine Vorauswahl für den deutschen Oscar-Kandidaten hat keinen klaren Favoriten. Aber Valeska Grisebachs Comeback wäre ein würdiger Vertreter und Lars Eidinger ein Geheimtipp.

Der deutsche Film, der das Land in der Oscar-Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ vertreten wird, steht am 24. August fest. Die jetzt veröffentlichte Liste der elf Filme ist noch nicht die Shortlist, die eine Jury zusammengestellt hat, sondern eine Vorauswahl von Mitgliedern der deutschen Filmszene. In der Jury, welche dann die endgültige Entscheidung treffen wird, sitzt beispielsweise der Mitbegründer der Woche der Kritik in Berlin, Dennis Vetter.

* AMELIE RENNT (Tobias Wiemann)
* AUS DEM NICHTS (Fatih Akin)
* DIE BLUMEN VON GESTERN (Chris Kraus)
* GLEISSENDES GLÜCK (Sven Taddicken)
* IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS (Matti Geschonneck)
* JONATHAN (Piotr J. Lewandowski)
* JUGEND OHNE GOTT (Alain Gsponer)
* MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN (Marc Rothemund)
* PAULA (Christian Schwochow)
* WESTERN (Valeska Grisebach)
* WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS (Simon Verhoeven)

Ehrlich gesagt sehe ich bei den ausgewählten deutschen Filmen keine potenzielle Oscarnominierung. Die größten Chancen würde ich allerdings Valeska Grisebachs Werk „Western“ einräumen. Die Abenteuergeschichte um deutsche Bauarbeiter in Bulgarien besitzt dank seiner Weltpremiere in Cannes bereits internationales Renommee und hat bedeutende Fürsprecher unter den englischsprachigen Filmkritikern. „Gleißendes Glück“ mit Ulrich Tukur und Martina Gedeck war einer meiner Lieblingsfilme des vergangenen Jahres. Aber der ist zu finster und kantig, als dass er sich für eine Oscarkampagne eignen würde. Mein Geheimtipp auf eine Nominierung als deutscher Kandidat ist Chris Kraus' Film „Die Blumen von gestern“, von dem ich sehr schöne Dinge gehört habe. Außerdem spielt Hauptdarsteller Lars Eidinger einen Holocaustforscher.

Nachtrag (11.08.): Magnolia Pictures hat die Verleihrechte von „Aus dem Nichts“ für Nordamerika gekauft und will den Film noch dieses Jahr in die US-Kinos bringen. Mit der Schauspielauszeichnung für Diane Kruger in Cannes und ihrer Geschichte um die verpasste Nominierung für „Inglourious Basterds“ könnte der neue Fatih-Akin-Film zumindest nicht chancenlos im Oscarrennen um eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film sein.

Link: - Die aufregende Unwissenheit im Oscarrennen

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 30. November 2016
National Board of Review ruft Oscar-Frontrunner aus

Seit Sundance der große Indie-Darling im Oscarrennen: "Manchester by the Sea"

Der Film "Manchester by the Sea" kristallisiert sich bereits direkt am Start der Oscar Season als sehr starker Frontrunner heraus. Aber auch der Dude macht von sich Reden.

Jeff Bridges ist mit "Hell or High Water" wieder im Rennen um den Oscar als bester Nebendarsteller? Der neue Martin-Scorsese-Film "Silence" könnte wirklich gut sein? "Kubo" macht den Animationsschlachtschiffen ernsthafe Konkurrenz? Das sind nur einige Erkenntnisse nach dem ersten wichtigen amerikanischen Kritikerpreis des aktuellen Jahres. Allgemeinhin als besserer Lehrerverband diskreditiert, leutet das National Board of Review die offizielle Oscar-Jagd ein. Klarer Frontrunner ist seit vergangenem Januar eigentlich immer noch Kenneth Lonergans Melodram "Manchester By the Sea" mit Casey Affleck. Das Board gibt ihm Preise für besten Film, Haupt- und Nebendarsteller und Drehbuch. Damit dürfte Lonergans Comebackfilm einer der großen Fünf im Februar sein, der in zahlreichen Kategorien berücksichtigt wird.

Ansonsten setzt das Board Akzente, die zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sonderlich viel aussagen müssen. Es ist zum Beispiel unwahrscheinlich, dass der neue Mel-Gibson-Film "Hacksaw Ridge", der vom Board unter die besten zehn Filme des Jahres gewählt wurde, tatsächlich eine Rolle im Oscarrennen spielen wird. Genauso unwahrscheinlich ist eine Berücksichtigung des mediokeren Coen-Films "Hail, Caesar". Interessanter sind da Kandidaten wie "Moonlight" (beste Regie für Barry Jenkins) oder Denis Villeneuves Sci-Fi-Film "Arrival". Die besten fremdsprachigen Filme laut dem Board heißen "The Handmaiden", "Elle", "Julieta", "Land of Mine" und "Neruda". Zwei dieser Filme finden sich auch auf der Top Ten-Liste der Cahiers du Cinema wieder. Und "The Handmaiden" will ich nach all dem Buzz jetzt auch endlich sehen. Wieder ein richtig guter Chan-wook Park-Film? Das wäre schon was.

Link: - National Board of Review 2016

... link (0 Kommentare)   ... comment