Freitag, 2. August 2019
Trailer zu Venedig-Wettbewerbsfilm „The Painted Bird“


Einer der am heißesten erwarteten Venedig-Wettbewerbsfilme 2019, „The Painted Bird“, hat einen Trailer.

„The Painted Bird“ ist ein schwarzweißes Holocaust-Drama des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul, das Ende August im Wettbewerb von Venedig gezeigt wird. Es geht um einen jüdische Jungen, der während des Zweiten Weltkrieges sich von einem polnischen Dorf ins nächste rettet und auf unvorstellbare Gewalt stößt. Um die Romanvorlage des polnischen Autors Jerzy Kosiński gab es in den 1980er-Jahren einen Urheberstreit. Kosiński wurde des Abschreibens beschuldigt. Davor war es als eines der authentischsten Zeugnisse des Holocaust gefeiert worden – unter anderem von dem Holocaust-Überlebenden und Autoren Elie Wiesel. Im Cast vom 169-minütigen „The Painted Bird“ befinden sich Schauspieler wie Udo Kier, Stellan Skarsgard und Harvey Keitel.

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Dienstag, 30. Juli 2019
Noch zwei freie Slots in Venedig

Sandler in Venedig? | © Angela George, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Scorseses „The Irishman“ wurde nicht rechtzeitig fertig und läuft jetzt in New York. Aber zwei weitere Pfeile hat Venedig noch im Köcher.

Es wird noch zwei größere Ergänzungen im Venedig-Programm geben. Das sagte Venedig-Chef Alberto Barbera gegenüber dem britischen Branchenblatt Screen Daily am 26. Juli. In der Verlosung sind unter anderem folgende drei mit Spannung erwartete Filme: „Uncut Gems“ von den Safdie Brothers mit Adam Sandler, James Mangolds Le-Mans-Film „Ford Vs. Ferrari“ mit Christian Bale und Matt Damon sowie „The Two Popes“ von Fernando Meirelles mit Anthony Hopkins als Papst Benedikt und Jonathan Pryce als Papst Franziskus.

Barbera sagte, dass er mit Ausnahme von einem Film, alles bekommen habe, was er haben wollte und rechtzeitig fertig war. Das schloss Martin Scorseses „The Irishman“ bereits aus, weil die Postproduktion-Effekte einfach zu lange dauerten und der Film jetzt einen Monat später seine Weltpremiere auf dem New Yorker Filmfestival feiern wird. Aber sehr gerne gehabt hätte er Kelly Reichardts neuen Film „First Cow“, den die Produktionsfirma A24 lieber exklusiv in den USA auf dem Telluride Festival zeigt, da es noch keinen US-Verleih gibt.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. In den Wettbewerb eingeladen sind bereits neue Filme von Roman Polanski, Olivier Assayas, Kore-eda Hirokazu, James Gray, Steven Soderbergh, Ye Lou, Noah Baumbach, Pablo Larraín und Ciro Guerra.

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Donnerstag, 25. Juli 2019
Venedig-Wettbewerb veröffentlicht

Gong Li in „Saturday Fiction“ | © Ying Films
Hollywood, Netflix, Roman Polanski, der Superhelden-Schurke „Joker“ und die starken Lateinamerikaner lassen auf einen großen Wurf des Venedig-Wettbewerbs 2019 hoffen.

Die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe („Tore tanzt“) hat es mit ihrem Film „Pelikanblut“ dann doch nicht in den Wettbewerb geschafft. Aber eigentlich sollte man es feiern, dass sie in der zweitwichtigsten Reihe, der Orrizonte, läuft. Als Frau in den inzwischen wieder so wichtigen Wettbewerb von Venedig zu kommen, bei dem sich die Auteurs nur so drängeln, ist eine echte Herausforderung. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte Venedig-Chef Alberto Barbera seine Quote um 100 Prozent. Anstatt nur die Australierin Jennifer Kent („The Nightingale“) einzuladen, gibt es dieses Jahr die erste Saudi-Araberin, Haifaa Al Mansour, die einen Film in ihrer Heimat drehen durfte. „The Perfect Candidate“ ist eine deutsche Co-Produktion mit der Berliner Produktionsfirma Razor Film und dem NDR. Dazu kommt im Wettbewerb die australische Debütantin Shannon Murphy mit ihrem Film „Babyteeth“.

Eigentlich weiß man bei diesem Wettbewerb gar nicht, wo man anfangen soll. Er ist zu attraktiv und vielseitig. Es gibt offene Geschichten, Filme, die nicht laufen, Geheimtipps und Netflix. Es wäre zu einfach, von den Hollywoodfilmen zu schwärmen: James Grays Sci-Fi-Film „Ad Astra“ mit Brad Pitt, Noah Baumbachs Familiendrama „Marriage Story“ mit Scarlett Johansson und Adam Driver, Steven Soderberghs „The Laundromat“ über die Panama Papers mit Meryl Streep und Todd Phillips' „Joker“ mit Joaquin Phoenix. Das sind die Filme, welche die Schlagzeilen und Klicks bringen und den Oscar Buzz haben. Keine Frage – die werden viel Spaß machen.
Punk Rocker Todd Phillips
Mittlerweile bin sogar ich schon auf Phoenix' Joker gespannt. Das will was heißen, weil ich Superhelden selten so langweilig wie 2019 fand. Aber irgendetwas jenseits des Wettbewerbsslot sagt mir, dieser „Joker“ wird besonders. Vielleicht weil der Regisseur Phillips vor den „Hangover“-Filmen und „Road Trip“ die ziemlich unfassbar Dokumentation „Hated: GG Allin & the Murder Junkies“ gedreht hat. Viel mehr Punk Rock als GG Allin geht nicht. Möglicherweise findet sich von diesem anarchischen Geist etwas in Phillips' Film wieder.

Über die Entscheidung, Roman Polanski mit dem Dreyfus-Affäre-Film „An Officer and a Spy“ in den Wettbewerb einzuladen, wird aufgrund von #metoo bereits jetzt in den Trade Papers die Nase gerümpft. Tatsächlich ist das Werk mit Jean Dujardin einer meiner Most-Wanted-Filme des Herbstes. Wieder arbeitet Polanski mit dem „Ghost Writer“-Drehbuchautor Robert Harris zusammen. Der Prozess um Antisemitismus im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts ist hochspannend. Man könnte sogar sagen, dass er den Zionismus mitbegründete, weil sich Theodor Herzl durch die Ungerechtigkeit zu seiner Bewegung inspirieren ließ. Dazu habe ich sehr viel Lust auf den neuen Pablo-Larraín-Film „Ema“, der toll aussieht. Ye Lou Schwarzweiß-Poem „Saturday Fiction“ mit Gong Li wurde bereits für die Berlinale gehandelt. Es ist zu hoffen, dass die chinesische Zensur nicht doch noch zwischen die Weltpremiere auf der Mostra kommt.
Lokaler Geheimtipp Marcello
Ansonsten natürlich auch viel Vorfreude auf Roy Andersson („About Endlessness“), Olivier Assayas („Wasp Network“), den Eröffnungsfilm „The Truth“ und Jonfans eleganten Anime „No. 7 Cherry Lane“. Viel Buzz bekommt der Italiener Pietro Marcello mit seinem Film „Martin Eden“, weil sein Vorgängerfilm „Lost and Beautiful“ so großartig gewesen sein soll. Auch bin ich sehr gespannt auf das Holocaust-Drama „The Painted Bird“ des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul. Und „Waiting for the Barbarians“ des kolumbianischen Regisseurs Ciro Guerra nach einem Roman von J. M. Coetzee klingt auch toll. Ja, das kann ein großes Fest werden – auch ohne Scorsese und die Safdie Brothers.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Wir berichten live vor Ort.

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Dienstag, 23. Juli 2019
Anzeichen für Katrin Gebbes "Pelikanblut" in Venedig

Regiehoffnung Katrin Gebbe | © J.-H. Janßen, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Anzeichen verdichten sich, dass die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe ihren Film "Pelikanblut" mit Hauptdarstellerin Nina Hoss auf dem Filmfestival von Venedig vorstellt.

Es ist ein Hauen und Stechen, wer im Herbst welche Weltpremiere bekommt. Das ist die einzig harte Währung unter Filmfestivals. Daran liest sich der Stellenwert ab. Das wichtigste Filmfestival der amerikanischen Kritiker, nämlich Toronto, hat nicht die exklusive Vorführung von Katrin Gebbes neuem Film "Pelikanblut" gekriegt. Der ist am Dienstag auf der Webseite nur als Nordamerika-Premiere gelistet worden. Somit bleibt eigentlich allein die Option Venedig für die Weltpremiere. Ob es die deutsche Regisseurin Gebbe mit ihrer Hauptdarstellerin Nina Hoss auch in den prestigeträchtigen Wettbewerb geschafft hat oder "Pelikanblut" doch eher in der Nebenreihe Orrizonte läuft, wissen wir am Donnerstag um ungefähr 12 Uhr. Dann ist die offizielle Programm-Pressekonferenz von Venedig schon fortgeschritten.

In "Pelikanblut" geht es um die 45-jährige Reitlehrerin Wiebke (Nina Hoss), welche die fünfjährige Melva adoptiert. Wie sich zeigt, hat das Mädchen aber eine Bindungsstörung. Gleichzeitig ist sie ein steter Unruheherd in der Familie. Der Arzt diagnostiziert lebenslange Probleme mit der Empathie. Das stellt Wiebke vor schwerwiegende Probleme. Sie hält für ihre Adoptivtochter ein antikes Exorzismusritual für den einzigen Ausweg, bei dem sie selbst ein großes Opfer eingehen muss.

Laut der Produktionsnotizen geht der Filmtitel auf das christliche Symbol einer Pelikanmutter zurück, die ihrem toten Sprössling eigenes Blut füttert und ihn so wieder ins Leben zurückbringt. Es sei eine Metapher für bedingslose Liebe und den Glauben. Für Regisseurin Gebbe geht es bei der durch wahre Begebenheiten inspirierten Geschichte um die Frage, was die Menschen bereit sind zu opfern, um die eigenen Ideale und Träume zu erreichen.

Gebbe gehört seit ihrem Debütfilm "Tore tanzt", der im Jahr 2013 gleich in die Un-Certain-Regard-Reihe in Cannes eingeladen wurde, zu den verheißungsvollsten deutschen Regie-Talenten. Sie würde damit in die Fußstapfen von Florian Henckel von Donnersmarck treten, der vergangenes Jahr "Werk ohne Autor" im Wettbewerb präsentierte. Erziehung, Horror, Familie und Kinder lotete bereits die Berlinale-Debütantin Nora Fingscheidt furios mit ihrem Film "Systemsprenger" im Februar aus. Das klingt doch nach einem passenden Double Feature mit "Pelikanblut".

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Die attraktive Venedig-Nebenreihe Venice Days

"The Weeping Woman" | © Giornate degli Autori
Jayro Bustamante, Dominik Moll und ein echter polnischer Geheimtipp laufen in der Mostra-Nebenreihe Venice Days.

Das Schöne ist, wenn man das erste Mal nach Venedig auf den Lido fährt: Man lernt die Nebenreihen jenseits des allseits bekannten Wettbewerbs kennen, wo sich immer die Hollywoodstars tummeln. Da wäre zum Beispiel die Reihe Venice Days, die nach dem Vorbild der Directors Fortnight in Cannes aufgebaut wurde. Die Sektion gibt es erst seit dem Jahr 2004. Beim Blick über die elf ausgewählten Filme habe ich mich aber gefragt, warum ich nicht schon mal vorher davon gehört oder gelesen habe. Denn das Angebot ist exklusiv und teils hochattraktiv.

Drei Filme stechen besonders heraus: Da wäre der Berlinale-Newcomer Jayro Bustamante aus Guatemala, der erst im Februar in Berlin seinen Film "Temblores" im Panorama präsentierte. Sein neuer Film heißt "La Llorona" aka "The Weeping Woman" und soll eine Mischung aus Horror und Fantasy sein. Klingt spannend. Dann gibt es einen neuen Film von Dominik Moll ("Harry meint es gut mit dir"). Der macht eigentlich immer höchst schaubare Genrefilme, zuletzt die tolle Komödie "News from Planet Mars".

Sein neuer Film heißt "Only the Animals", es geht in der deutsch-französische Co-Produktion um eine Frau, die im Schnee verschwindet. Ein weiterer Geheimtipp ist der polnische Beitrag "Corpus Christi", den Über-Cineast Cédric Succivalli sehr empfehlen kann. Es geht um einen Kriminellen, der sich in einer Kleinstadt als Priester ausgibt. Weitere Empfehlungen von ihm sind „They Say Nothing Stays the Same“, „Lingua Franca“ und „Beware of Children“.

Link: - Der ganze Wettbewerb

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Mick Jagger schließt die Mostra mit Charles-Willeford-Adaption

Claes Bang und Elizabeth Debiki | © Jose Haro
Als Rauschmeißer spielt Venedig die Charles-Willeford-Adaption "The Burnt Orange Heresy" mit Claes Bang. Wobei dem sicherlich Rockstar Mick Jagger die Show stehlen wird.

Mick Jagger war der Superstar im britischen Gangsterfilm "Performance" im Jahr 1970. Der heute 75-Jährige blieb einer der größten Superstars der Welt bei den Rolling Stones und kehrt jetzt im Venedig-Abschlussfilm "The Burnt Orange Heresy" zurück auf die Leinwand. Wobei der Neo-noir gar nicht so sehr nach Fallobst riecht, das nur wegen seines Superstars eingeladen wurde.

Erste Bilder versprechen ein schönes kleines Genrewerk, bei dem auch die "The Square"-Berühmtheit Claes Bang und Großmeister Donald Sutherland mitspielen. Als "elegant" und "erotisch" preist das Festival das Heist-Movie um einen Kunstraub an. Jagger spielt den exzentrischen Kunstsammler, dem Kunstkritiker Bang und die australische Newcomerin Elizabeth Debicki ein Schnippchen schlagen wollen.

Da die Drehbuchvorlage auf dem amerikanischen Krimi-Gott Charles Willeford basiert, kann das eigentlich nur mindestens recht spaßig werden. Bei uns hieß die Buchvorlage übrigens mal "Die Kunst des Tötens", mal "Ketzerei in Orange". Regie geführt hat der Italiener Giuseppe Capotondi, der in den letzten Jahren vor allem an der Netflix-Serie "Suburra" arbeitete. "The Burnt Orange Heresy" läuft am Samstag, den 7. September, nach der offiziellen Löwenvergabe.

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Sonntag, 21. Juli 2019
Letzte Spekulationen vor der Venedig-PK

Waititis „Jojo Rabbit“ | © Fox Searchlight
Letzte Venedig-Spekulationen vor der offiziellen Verkündigung: Wie wäre es mit Polanski, Waititi, Reichardt, Larraín, Gray, Soderbergh oder Baumbach?

Am Donnerstag um 11 Uhr ist es endlich wieder soweit: Dann wird offiziell die Herbstsaison mit der Verkündigung des Wettbewerbs von Venedig eingeleitet und damit die Oscar-Jagd eröffnet. Für Venedig-Chef Alberto Barbera wird es nicht einfach sein, zwischen dem Überangebot der Streaming-Riesen Netflix und Amazon, der Star-gespickten Oscar-Beute, dem prestigeträchtigen Kunstkino und den Gender-Ansprüchen der Öffentlichkeit ein glückliches Händchen zu beweisen. Nach dem letztjährigen Jahrhundertwurf im Wettbewerb kann es eigentlich nur einen Schritt zurückgehen. Mit Blick auf die potenziellen Kandidaten bleibt das Teilnehmerfeld aber sehr attraktiv.

Nach den Trade Papers Hollywood Reporter, Variety und Deadline hat auch Über-Cineast Cédric Succivalli wieder seinen persönlichen Tipp für die 20 möglichen Wettbewerbsslots abgegeben. Es zeigen sich diverse Überschneidungen.

Wobei Succivalli offen lässt, ob einige dieser Werke eventuell doch außer Konkurrenz oder in der Orrizonti-Nebenreihe laufen werden. Dazu nennt er als weitere mögliche Attraktionen einen neuen Cut zu Gaspar Noés „Irreversibel“ und eine noch längere Fassung zu Abdellatif Kechiches „Mektoub, My Love: Intermezzo“, als die in Cannes lief. Wenn alles so käme, liefen zwei Frauen im Wettbewerb der Mostra: die amerikanische Veteranin Kelly Reichardt („First Cow“) und die australische Debütantin Shannon Murphy („Babyteeth“). Dieses Aufgebot würde dazu viele Hollywoodstars und spannende Auteurs aufbieten, aber auch Martin Scorsese („The Irishman“), die Safdie Brothers („Uncut Gem“), Greta Gerwig („Little Women“) und Todd Phillips „The Joker“ vermissen lassen. Vielleicht haben da Festivals wie Telluride, Toronto oder New York dem ältesten Festival der Welt ein Schnippchen geschlagen. Gerade Toronto soll den Druck auf die Filmfirmen erhöht haben, um mehr exklusive Weltpremieren zu bekommen.

Nichtsdestotrotz gäbe es viel, auf dass man sich freuen könnte: Roman Polanski etwa mit seinem Film zur Dreyfus-Affäre („An Officer and a Spy“), Taika Waititi, der sich Adolf Hitler annimmt („Jojo Rabbit“), James Gray, der Brad Pitt ins Weltall schickt („Ad Astra“), Fernando Meirelles, der Papst Benedikt auf Papst Franziskus treffen lässt („The Pope“), Auteurs wie Roy Andersson, die schon genannte Reichardt, Pablo Larraín, Noah Baumbach oder Steven Soderbergh. Spannend sähen auch der chinesische Anime „No. 7 Cherry Lane“, Kristen Stewart als Pop-Ikone Jean Seberg („Seberg“) und das Holocaust-Drama „The Painted Bird“ des tschechischen Regisseurs Vaclav Marhoul aus.

Kore-eda Hirokazus Werk „The Truth“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke steht bereits als Eröffnungsfilm der Mostra am 28. August fest. Das Festival von Venedig läuft bis zum 7. September. Wir berichten live vor Ort.

Links - Variety, - THR, - Deadline, - Screen Daily

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Samstag, 20. Juli 2019
Kore-edas „The Truth“ eröffnet die Mostra

© 3B Productions/Bun-Buku/MI Movies/France 3 Cinéma
Besser als Hollywood: Das Filmfestival von Venedig eröffnet mit dem neuen Werk des Gewinners der letztjährigen Goldenen Palme in Cannes.

Der letztjährige Gewinner der Goldenen Palme, der japanische Regisseur Kore-eda Hirokazu, eröffnet mit seinem neuen Werk „The Truth“ („La vérité“) das Filmfestival von Venedig. Der Film mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke wurde bereits in Cannes erwartet. Aber den Zuschlag bekam jetzt Venedig-Chef Alberto Barbera. Die Deneuve spielt eine französische Schauspielerin, die ihre Memoiren veröffentlicht. Binoche ist ihre Tochter und mit Ethan Hawke verheiratet. Als die beiden Frauen sich wiedersehen, kommt es zu Konflikten.

Kore-edas grandioser Vorgängerfilm „Shoplifters“ wurde nach dem Gewinn der Goldenen Palme auch für den Golden Globe und den Oscar nominiert. In seiner Heimat sahen ihn 3,6 Millionen Menschen. „The Truth“ ist nicht nur der Eröffnungsfilm am 28. August, sondern auch im offiziellen Wettbewerb. Wenn nicht schon der Regiename für Euphorie ausreichen würde, könnte die gleichzeitige Einladung in den Wettbewerb als weiteres Qualitätskriterium verstanden werden.
Barbera: Poetische Mutter-Tochter-Reflexion
„Wir haben den Film vergangenen Herbst in zehn Wochen gedreht“, sagte Kore-eda. Die Besetzung sei prestigeträchtig, aber es sei eine kleine Familiengeschichte, die hauptsächlich in einem Haus spiele. Festivaldirektor Barbera betont, dass es Kore-edas erster Spielfilm außerhalb Japans ist. Er bezeichnet seinen Eröffnungsfilm als „poetische Reflexion der Beziehung zwischen Mutter und Tochter und über den komplexen Beruf des Schauspielers“.

Venedig lud Kore-eda, der 1962 in Tokio geboren wurde, bereits mit seinem Debütfilm „Maborosi“ in den Internationalen Wettbewerb ein. Der Film gewann auch gleich die Goldene Osella für die beste Kamera. Dann machte er aber bis zum Jahr 2017 mit „The Third Murder“ eine Pause. Sein Stammfestival wurde Cannes, wo er regelmäßig im Wettbewerb lief („Our Little Sister“, „Nobody Knows“, „After Life“).

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Der Blog Negative Space wird vor Ort berichten.

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Sonntag, 14. Juli 2019
Petzolds „Undine“-Projekt mit Paula Beer prädestiniert für die Berlinale 2020

Petzold, Beer & Rogowski | © ZDF/Marco Krüger
Einen neuen Petzold zur sagenhaften Nixen-Figur Undine mit Paula Beer? Da würde Carlo Chatrian zur Berlinale-Premiere nicht Nein sagen.

Der „Transit“-Regisseur Christian Petzold tritt in die Fußstapfen von legendären deutschen Filmemachern wie Rolf Thiele oder Eckhart Schmidt und wagt sich an den Undine-Mythos. In den Hauptrollen spielen wie bereits in „Transit“ Paula Beer („Frantz“, „Bad Banks“) und Franz Rogowski („Fikkefuchs“, „A Hidden Life“).

Petzolds Plot lautet wie folgt: Als die geheimnisvolle Undine (Paula Beer), die studierte Historikerin ist und in Berlin als Stadtführerin arbeitet, von ihrem Freund (Jacob Matschenz) verlassen wird, stürzt sie sich in eine neue Liebe. Doch ihr Schicksal holt sie ein, während sie eine Beziehung mit Christoph (Franz Rogowski) beginnt. Der Sage nach ist die Undine ein jungfräulicher Wassergeist, der dem untreuen Ehegatten den Tod bringt. Bei Petzold soll sich Undine gegen ihre Bestimmung wehren.

Die Kino-Dreharbeiten finden gerade für das ZDF in Berlin und Nordrhein-Westfalen statt. Drehende soll Mitte August sein. So könnte Petzolds „Undine“ rechtzeitig für Carlo Chatrians erste Berlinale fertig sein. „Wolfsburg“, „Gespenster“, „Yella“, „Barbara“ und „Transit“ liefen jeweils auch schon im Wettbewerb des wichtigsten deutschen Festivals.

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Samstag, 13. Juli 2019
Skandalfilm „Extase“ mit Hedy Lamarr leitet Venedig ein

Hedy Kiesler in „Extase“ | © ASAC - La Biennale di Venezia
Für Cineasten zaubert das Filmfestival von Venedig noch vor dem offiziellen Start den erotischen Klassiker „Extase“ in einer neuen Restaurierung aus dem Hut.

Am 27. August, vor der offiziellen Eröffnung, zeigt das Filmfest von Venedig den Skandal umwitterten Film „Extase“ als Weltpremiere in einer restaurierten 4K-Digitalkopie. Das Werk aus dem Jahr 1932 erlangte Weltruhm, weil es die erste Ganzkörper-Nacktszene in einer Mainstream-Produktion aufbot. Die Berüchtigkeit des Films ebnete auch der Hauptdarstellerin Hedy Kiesler den Weg nach Hollywood, wo sie als Hedy Lamarr bekannt wurde. Der Skandal um den Film des tschecheslowakischen Regisseurs Gustav Machatý ereignete sich auf dem zweiten Venedig-Festival 1934.

Die Wienerin Kiesler war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten von „Extase“ noch keine zwanzig Jahre alt. Die berüchtige Szene zeigt sie beim Nacktbaden. Ihr damaliger Mann, der Waffenhändler Fritz Mandl, versuchte vergeblich alle Filmkopien aufzukaufen. In vielen Ländern hatte der Film Zensurprobleme. Der am 7. August 1934 an der Mostra gezeigte Film erhielt den Regiepreis, und das Publikum wählte ihn zum besten fremdsprachigen Film. Der spätere Regisseur und damalige junge Filmkritiker Michelangelo Antonioni schrieb: „Im Garten des Excelsior in dieser Nacht konnte man das Atmen der begeisterten Zuschauer hören und den Schauder spüren, der dem Publikum über den Rücken lief.“
Floh vor den Nazis nach Hollywood
Kiesler hieß mit Vornamen eigentlich Hedwig. Der Berliner Theatergott Max Reinhardt entdeckte sie. Die Jüdin floh vor den Faschisten und den Nazis in den 1930er-Jahren über London nach Hollywood, wo der Produzent Louis B. Mayer sie in Hedy Lamarr umtaufte und sie eine ansprechende Karriere bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges genoss. Im vergangenen Jahr erschien die Dokumentation „„Geniale Göttin – Das Geheimnis der Hedy Lamarr“ in den deutschen Kinos.

Die Restaurierung von „Extase“ nahm das tschechische Filmarchiv mit der Unterstützung des Filmfestivals in Karlovy Vary vor. Ein großer Anteil der Arbeit passierte dazu in Bologna. Da keine Originalkopie in tschechischer Sprache mehr existiert, setzte sich die Restaurierung aus Kopien verschiedener anderer Sprachen zusammen. Die Filmarchive Großbritanniens, der Schweiz, Dänemarks, Österreichs, Frankreichs und der Slowakei halfen aus.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Der Blog Negative Space wird vor Ort berichten.

Link: - Karina Longworth über Hedy Lamarr

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Mittwoch, 3. Juli 2019
Tarantino spricht in dreistündigem Podcast über selbst kuratiertes Juli-Kinoprogramm

Foto: Georges Biard, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Drei Stunden Podcast mit Quentin Tarantino über seinen selbst programmierten Juli im New-Beverly-Kino.

Seit einiger Zeit hat Quentin Tarantinos New-Beverly-Cinema in Los Angeles seinen eigenen Podcast. Passend zum „Once Upon a Time in Hollywood“-Kinostart Ende Juli spricht Tarantino jetzt in einer knapp dreistündigen Ausgabe des Pure Cinema Podcast über die Filme, welche die Zuschauer auf sein neuestes Werk vorbereiten sollen. Es geht um Doube Features zu Raquel Welch, Ann-Margret, Jane Fonda, George Hamilton, Natalie Wood und Vince Edwards.

Link: - Pure Cinema Podcast mit QT

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Dienstag, 2. Juli 2019
Negative Space berichtet vor Ort von der Mostra

Foto: Mansour Nasiri, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Es wurde aber auch Zeit: Negative Space berichtet Ende August live vor Ort und exklusiv vom Venedig-Festival.

Der Blog Negative Space wird dieses Mal nicht die Internationalen Filmfestspiele von Venedig aus der Ferne mit einem Kritiker-Ticker beobachten. Chefredakteur Michael Müller wird vor Ort von der 76. Ausgabe des ältesten Filmfestival der Welt berichten, das vom 28. August bis 7. September stattfindet. Das ist eine Premiere.

Aber angesichts der Tatsache, dass in der Festivalwelt so viel in Bewegung ist, die Berlinale sich mit Carlo Chatrian sehr spannend neu aufgestellt hat und Venedig in den vergangenen Jahren auf Cannes so aufgeschlossen hat, ist der Besuch vor Ort zwingend notwendig. Es gilt mit eigenen Augen herauszufinden, wie gering der Abstand zum Klassenprimus wirklich geworden ist. Cannes hatte mit Filmen wie „Once Upon a Time in Hollywood“, „Portrait of a Lady on Fire“, „Parasite“, „A Hidden Life“ oder „The Wild Goose Lake“ einen bärenstarken Jahrgang. Vielleicht pushen sich die beiden besten Festivals der Welt auch gegenseitig durch die Konkurrenzsituation in neue Sphären.
Spekulationsblase mit Scorsese, Gray & Joker
In der Spekulationsblase für den Wettbewerb der Mostra befindet sich Martin Scorseses Netflix-Gangsterepos „The Irishman“, wobei die indieWIRE-Filmjournalistin Anne Thompson Zweifel gesät hat, ob die aufwendigen Aging-Spezialeffekte der Superstars Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci rechtzeitig fertig werden. Todd Phillips „Joker“ mit Joaquin Phoenix wird genauso gehandelt wie James Grays Sci-Fi-Film „Ad Astra“ mit Brad Pitt.

Negative Space berichtete am 12. Juni, dass Roman Polanskis Dreyfus-Affäre-Film „J'accuse“ ziemlich sicher für den Wettbewerb eingeloggt ist. Das Gleiche gilt für den Franzosen Robert Guédiguian und seinen Film „Gloria Mundi“. Wahrscheinlich sind auch die Safdie-Brothers mit dem Netflix-Film „Uncut Gems“ und Pablo Larraíns Netflix-Einkauf „Ema“. Weitere heiße Kandidaten sind Hirokazu Koreedas „La verité“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ludivine Sagnier, Roy Anderssons „About Endlessness“, Justin Kurzels „The True History of the Kelly Gang“ mit Nicholas Hoult und Russell Crowe, Greta Gerwigs „Little Women“, Mia Hansen-Løves „Bergman Island“, Ulrich Seidls „Böse Spiele“, Chloé Zhaos „Nomadland“ mit Frances McDormand, Sam Mendes' „1917“ und Katrin Gebbes „Pelikanblut“.

Das Line-Up des Wettbewerbs und der Nebenreihen wird am 25. Juli um 11 Uhr in Rom bekannt gegeben. Jurypräsidentin ist in diesem Jahr die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel. Ihr spanischer Kollege Pedro Almodóvar, dessen neuester Film „Leid und Herrlichkeit“ in Cannes für Furore gesorgt hat, wird mit dem Goldenen Löwen für das Lebenswerk geehrt.

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