Dienstag, 19. Dezember 2017
Der 17. Hofbauer-Kongress entblättert sein Programm

Der Namenspatron des Hofbauer-Kongresses darf nicht fehlen

Der Hofbauer-Konress ist eine cineastische Institution. In Nürnberg werden auch in der 17. Ausgabe die verschollenen Genreschätze wiederentdeckt, die den Diskurs der kommenden Jahre prägen werden.

Vier Tage mit wundersamen, romantischen und synapsensprengenden filmischen Preziosen aus aller Welt, vom frühen Tonfilm bis zu den 1980er-Jahren, vorgeführt von historischen 35mm-Filmkopien. So fasst der Hofbauer-Kongress in Nürnberg selbst sein Programm zusammen, das er deutschen Cineasten immer kurz nach Neujahr serviert. Dieses Mal dabei sind so verheißungsvolle Namen wie der kürzlich verstorbene Fassbinder-Schüler Ulli Lommel („Der zweite Frühling“), Marika Rökk im 1937er-Film „Karussell“, Radley Metzger („Carmen, Baby“), Wes Craven („Angela“) und Rolf Olsen („Das Rasthaus der grausamen Puppen“). Das Programm wird laufend ergänzt und dann zeitnahe auch hier aktualisiert. Der 17. Hofbauer-Kongress findet vom 4. bis 7. Januar im Nürnberger KommKino in der Königstraße 93 statt. Hier trifft sich die Crème de la Crème der deutschen Cineasten, aber auch jeder, der mal etwas Neues ausprobieren will.

Programmübersicht:

Donnerstag, der 4. Januar

14:30 – CINEMA FUTURES
Ö/USA/IN/NO 2016, 126 Min., OmU, R.: Michael Palm

17:00 – DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN
BRD/IT 1965, 89 Min., R.: Ernst Hofbauer, D.: Stewart Granger, Rosanna Schiaffino, Horst Frank, Paul Klinger, Helga Sommerfeld, Sieghardt Rupp

21:00 – IMMER WENN ES NACHT WIRD
BRD 1961, 94 Min., R.: Hans Dieter Bove, D.: Jan Hendriks, Hannelore Elsner, Karin Kernke, Walter Wilz, Elisabeth Volkmann

23:30 – ANGEL GUTS: RED CLASSROOM aka RED SCHOOLROOM
(天使のはらわた 赤い教室) JP 1979, 79 Min., OmeU, R.: Chūsei Sone, D.: Yūki Mizuhara, Keizo Kanie, Jun Aki, Reiko Fujinami, Rebun Hori

Im Anschluss: Überraschungsprogramm


Freitag, der 5. Januar

15:00 – StÜF – DER STÄHLERNE ÜBERRASCHUNGSFILM
86 Min., DF

17:00 – SANTA – SKLAVIN DES LASTERS
(Santa) MX 1943, 94 Min., DF, R.: Norman Foster, Alfredo Gómez de la Vega, D.: Esther Fernández, José Cibrián, Ricardo Montalban, Estela Inda, Fanny Schiller

21:00 – Ulli Lommel (1944 - 2017) in memoriam: DER ZWEITE FRÜHLING
BRD/IT 1975, 84 Min., DF, R.: Ulli Lommel, D.: Curd Jürgens, Irmgard Schönberg, Eddie Constantine, Anna Orso, Umberto Raho

23:30– KARUSSELL
D 1937, 89 Min., R.: Alwin Elling, D.: Marika Rökk, Paul Henckels, Georg Alexander, Richard Korn, Elga Brink
Im Anschluss: Überraschungsprogramm

Im Anschluss: Überraschungsprogramm


Samstag, der 6. Januar

15:00 – TrÜF – DER TRISTE ÜBERRASCHUNGSFILM
58 Min., DF

17:00 – ANGEL GUTS: RED RUST aka RED VERTIGO
(天使のはらわた 赤い眩暈) JP 1988, 74 Min., OmeU, R.: Takashi Ishii, D.: Mayako Katsuragi, Naoto Takenaka, Hirofumi Kobayashi, Jun Izumi, Kazuyo Ezaki

21:00 – Radley Metzger (1929 - 2017) in memoriam: CARMEN, BABY
BRD/USA/YU 1967, 83 Min., DF, R.: Radley Metzger, D.: Uta Levka, Claus Ringer, Barbara Valentin, Arthur Brauss, Christiane Rücker

23:30 – LEFT-HANDED
USA 1972, 87 Min., OV, R.: Jack Deveau, D.: Ray Frank, Robert Rikas, Larry Burns, Teri Reardon, Al Mineo

1:30 – HINTERHÖFE DER LIEBE
BRD 1968, 75 Min., R.: Erwin C. Dietrich, D.: Ev Brunell, Peter Capra, Brigitte Frank


Sonntag, der 7. Januar

15:00 – MÄDCHEN MIT HÜBSCHEN BEINEN
BRD/IT 1958, 109 Min., R.: Camillo Mastrocinque, D.: Mamie Van Doren, Antonio Cifariello, Rossana Martini

17:00 – WIE VERGEWALTIGE ICH EINEN MANN?
(Män kan inte våldtas) SE/FI 1978, 99 Min., OmU, 35mm, R.: Jörn Donner, D.: Anna Godenius, Gösta Bredefeldt, Algot Böstman, Toni Regner, Christina Indrenius-Zalewski

21:00 – ANGELA, THE FIREWORKS WOMAN
USA 1975, 84 Min., R.: Wes Craven (als Abe Snake), D.: Jennifer Jordan, Eric Edwards, Wes Craven, Helen Madigan, Ellis Deigh

23:30 – DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN
BRD/IT 1967, 96 Min., R.: Rolf Olsen, D.: Essy Persson, Helga Anders, Erik Schumann, Margot Trooger, Dominique Boschero

Link: - Das KommKino in Nürnberg, - Das Hofbauer-Kommando

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 25. Juli 2017
„Argentinischer Russ Meyer“ in Frankfurt wiederentdeckt

Regisseur Armando Bó mit seiner Muse Isabel Sarli („La Leona“)
Das Filmkollektiv Frankfurt und das Hofbauer-Kommando laden zur Wiederentdeckung des argentinischen Exploitation-Regisseurs Armando Bó ein. Vom 18. bis 20. August zeigen sie in Frankfurt am Main die größte Bó-Hommage außerhalb Argentiniens.

„Vier Männer zerfleischen sich im Kampf um Isabel Sarli, Argentiniens bombastischen Superstar jener Zeit. Implodierende Seelen neben explodierenden Figuren in einem Kaleidoskop lateinamerikanischer Befindlichkeiten.“ So schwärmte der epd-Filmkritiker Hans Schifferle von Armando Bós Film „Naked“ (1966). Und wenn der beste deutsche Filmkritiker von einem Regisseur schwärmt, den ich gar nicht kenne, werde ich hellhörig.

Wer ist Armando Bó? 1914 in Buenos Aires geboren, begann Bó seine Karriere als Schauspieler und unabhängiger Produzent. Zwischen 1954 und seinem frühen Tod 1981 inszenierte er 30 Spielfilme. Das Filmkollektiv Frankfurt und das Hofbauer-Kommando präsentieren jetzt die umfangreichste Bó-Hommage außerhalb Argentiniens. Am Wochenende vom 18. bis 20. August laufen zehn Spielfilmen, allesamt in 35mm-Unikatskopien, davon sieben als Deutschlandpremiere und eigens untertitelt, im Festsaal des Frankfurter Studierendenhaus und im Deutschen Filmmuseum. Die Werkschau bietet einen umfassenden Einblick in Bós Œuvre, indem auch zwei politische Komödien und ein Fußballfilm zu sehen sind sowie eine Dokumentation über die immensen Eingriffe der Zensur in seine Filme.

In Argentinien sei Bó als der Populärregisseur schlechthin bekannt und geliebt, schreibt das Filmkollektiv Frankfurt. Seine Filme genießen unter den wenigen Kennern außerhalb der spanischsprachigen Welt den Ruf eines „argentinischen Russ Meyer“.

Die Filme werden von Einführungen begleitet, und Gabriela Trujillo (Cinémathèque française), Expertin für südamerikanischen Avantgardefilm, wird unter anderem den subversiv-experimentellen Charakter von Bós Spielfilmen in ihrem Kurzvortrag am Samstag, den 19. August, um 22.30 Uhr beleuchten.

Freitag, 18. August

17.00 Uhr – CARNE SOBRE CARNE (2008) Dokumentation (Festsaal)
19.00 Uhr – EMBRUJADA (1969-76) (Festsaal)
22.30 Uhr – TROPISCHE SINNLICHKEIT (= Lujuria tropical, 1964) (Deutsches Filmmuseum)

Samstag, 19. August

14.00 Uhr – LA MUJER DEL ZAPATERO (1965) (Festsaal)
16.00 Uhr – DESNUDA EN LA ARENA (1969) (Festsaal)
18.30 Uhr – EL TRUENO ENTRE LAS HOJAS (1958) (Festsaal)
22.30 Uhr – Kurzvortrag (20min, in Engl.) von Gabriela Trujillo
anschließend: FIEBRE (1972) (Deutsches Filmmuseum)

Sonntag, 20. August

14.00 Uhr – PELOTA DE CUERO (1963) (Festsaal)
16.00 Uhr – LA SENORA DEL INTENDENTE (1967) (Festsaal)
19.00 Uhr – FUEGO (1968) (Festsaal)
21.00 Uhr – NAKED (= La tentación desnuda, 1966) (Festsaal)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 13. Januar 2017
Revolver #35 - Cinephilie in Deutschland heute

Revolver #35 in bester Gesellschaft
Der Negative Space-Redakteur Michael Müller hat sich zum ersten Mal ein Revolver-Magazin gekauft. Der Anlass sind die Helden der berüchtigten Hofbauer-Kongresse, die über Cinephilie in Deutschland Auskunft gaben.

Das Revolver-Magazin. Heimathafen der Berliner Schule. Nie meine Art der Filmliebe gewesen, dachte ich. Das hat sich mit der 35. Ausgabe geändert. Ein episches Gespräch über Cinephilie in Deutschland steht im Kern des kleinen Taschenbuchs von einer Filmzeitschrift, das mich schon in seiner kompakten Form sofort in seinen Bann zog. Fast ausschließlich mir bekannte Namen der deutschen Filmszene sprechen 155 Seiten lang über den Zustand, heutzutage Cineast in diesem Land zu sein. Das Revolver-Heft #35 ist dabei eine ganz wertvolle Bestandsaufnahme, aber auch ein Generationsportrait von Gleichgesinnten geworden, die sich in den vergangenen Jahren still und heimlich als Avantgarde des deutschen Cineastentums herausgeschält haben.

Der Regisseur und Filmkritiker Christoph Hochhäusler („Dreileben“, „Falscher Bekenner“) hatte – unter Mithilfe des künftigen Filmemachers Gary Vanisian – im Februar 2016 nach Berlin geladen. Die Namen der Beteiligten sagen wohl eher Insidern der Szene etwas: Andreas Beilharz, Sano Cestnik, Christoph Draxtra, Lukas Foerster, Kurt Karate, Sven Safarow, Silvia Szymanski und eben jener Gary Vanisian. Auf die ein oder andere Weise kenne ich alle diese Persönlichkeiten. Und doch eben auch nicht, weil die Beteiligten in diesem Interview recht tief in ihre persönlichen Biografien blicken lassen. Die Erwartung war aber, dass sich diese Filmwissenschaftler, Kritiker, Schriftsteller, Festivalmacher und angehenden Regisseure aufgrund der bloßen Anzahl auf den virtuellen Beinen stehen würden. Das Gespräch jedoch funktioniert ganz fabelhaft: Jeder Beteiligte bekommt den Raum, um zu scheinen und sich auszudrücken. Vielleicht mit Ausnahme von Silvia Szymanski, die als einzige Frau am Tisch und für den Michael-Althen-Preis nominierte Filmkritikerin sicherlich auch noch mehr hätte beisteuern können.
Wie ein gut inszeniertes Epos
Das Revolver-Gespräch ist gut sortiert, aufgegliedert nach Oberbegriffen wie „Mission“, „Ersatz“ oder „Liebe“; immer scheint eine Person im Vordergrund zu stehen; es gibt sogar eine Intermission im Mittelteil. Ständig gibt es das Gefühl, dass das Gespräch noch länger und intensiver war, dass aber eine übergeordnete Hand eingeschritten ist und das Ganze im Nachhinein neu inszeniert hat. Die meisten der Namen sind im Dunstkreis des berüchtigten Hofbauer-Kongresses bekannt geworden. Das ist ein Filmfestival in Nürnberg, das den deutschlandweiten Ruf genießt, die wertvollste Filmparty des Jahres zu sein. Die Hofbauer-Kongresse widmen sich vor allem der deutschen Filmgeschichte der 1960er- und 1970er-Jahre. Wer Schlager- und Nudistenfilme, Krautploitation und FWU-Bildungsfilme in ausverkauften Vorstellungen mit dem fachkundigsten Publikum der Republik sehen will, muss nach Nürnberg pilgern. Andreas Beilharz und Christoph Draxtra zeichnen sich hauptsächlich für das Programm verantwortlich. Zum aktuellen Kongress am ersten Januar-Wochenende war aber zum Beispiel auch die Fachexpertise des eingeladenen Buio-Omega-Clubs aus Gelsenkirchen gefragt. Sano Cestnik, Kurt Karate und Sven Safarow gehören zu der mit dem Kongress eng verbundenen Webseite Eskalierende Träume. Der Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster, die Schriftstellerin Silvia Szymanski und der Festivalmacher Gary Vanisian sind Stammzuschauer eben dieser Kongresse.

Ihre Auseinandersetzung mit dem Medium Film, wie schwierig es heutzutage in Deutschland ist, daraus eine Profession zu machen, wie sehr aber auch die gemeinsame Erfahrung diese Gruppe von Interessierten zusammengeschweißt hat – davon erzählt die Revolver-Ausgabe. Ein Reiz dabei ist sicherlich, dass hier die von Christoph Hochhäusler verkörperte Berliner Schule auf die nächste Generation von Cineasten trifft. Wie sich die Erfahrungen und Referenzpunkte unterscheiden, wo sie sich dann auch wieder ähnlich sind. Es ist ja nicht so, dass es eine homogene Gruppe von Menschen ist, sondern es jeweils Persönlichkeiten mit teils recht unterschiedlichen Filmphilosophien sind. Das, kombiniert mit den angerissenen Lebensläufen, die ein Generationsportrait ergeben, den Filmreferenzen und Zitaten verschiedener Vorbilder, schafft die Ahnung des wertvollen Fußabdrucks, den diese Menschen hinterlassen könnten, wenn sie denn an den filmhistorischen Schnittstellen der Macht säßen.
kino.de-Superstar Kurt Karate
Bei Silvia, die zu kurz kam, weiß ich, dass ich bei Hard Sensations im Ausgleich dafür ihre Filmkritiken lesen kann. Aber gerade bei Andreas Beilharz und Kurt Karate hatte ich persönlich beim Lesen das Gefühl, dass noch größere Redeanteile nicht geschadet hätten. Das mag damit zusammenhängen, dass ich beide schon seit meiner kino.de-Zeit Anfang der 2000er-Jahre kenne. Darüber kann ich so frei von der Leber weg schreiben, weil meine kümmerlichen Anfänge gar nicht mehr nachzurecherchieren sind. Denn kino.de hatte irgendwann die glorreiche Idee, die gesamte Community und ihre abertausenden von Beiträge von heute auf morgen zu löschen. Stattdessen verknüpfte die Seite sich mit Facebook und ließ fortan die Like-Roboter die Arbeit einer lebendigen Gemeinschaft übernehmen.

Gerade Kurt Karate, der bei kino.de Liberty Valance hieß und den ich als Anfänger in seiner fortgeschrittenen Ausdrucksform und den genauen Beobachtungen sehr bewunderte, in diesem Reigen der Revolver-Zeitschrift wiederzufinden, machte besonders Spaß. Er ist, wenn man so will, der cineastische Aussteiger der Runde, der nochmal eine ganz andere Perspektive auf die Cinephilie mitbringt. Was sehr witzig ist, weil Kurt bereits in den kino.de-Tagen zu den ersten Aussteigern gehörte, der eine Auszeit von den Suchtaspekten dieses Metiers nahm. Heute hat er einen sehr entspannten Zugang zum Medium gefunden, veröffentlicht dann und wann in seiner Freizeit zum Beispiel bei critic.de einen Text und taucht wieder ab.

Was ich letztlich nur schreiben wollte: Ich habe die 35. Ausgabe des Revolver-Magazins mit großem Genuss gelesen. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich im deutschsprachigen Raum mit Film auseinandersetzt. Es ist eine sehr lesenswerte Bestandsaufnahme, die sogar einmal recht interessant in die Untiefen des Films des Dritten Reiches abgleitet. Ich werde noch viel darin blättern. Vielleicht funktionieren die Dialoge bei mir aber auch vor allem so gut, weil ich die Menschen hinter den Namen kenne. Ich glaube, dass es aber fast noch wertvoller für Menschen sein könnte, die mit diesen Namen bislang noch nichts anfangen konnten.

Links: - Revolver #35 bestellen, - Hofbauer-Kongresse

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 3. November 2016
Filmzeitschrift Revolver widmet Ausgabe #35 Cinephilie in Deutschland

Das neue KommKino in Nürnberg © Michael Müller
Revolver #35 kreist um Cinephilie in Deutschland. Die neue Cineastengeneration stellt sich bei einem Runden Tisch vor, der das ganze Heft ausmacht.

Der Filmemacher und Mitbegründer der Filmzeitschrift Revolver, Christoph Hochhäusler ("Falscher Bekenner", "Unter dir die Stadt"), hat auf Facebook einen Einblick zur kommenden Ausgabe gegeben. Gegen sonstige Gewohnheiten wird die Nummer 35 aus einem einzigen langen Gespräch bestehen.

Um was geht's? Den Stand der Cinephilie in Deutschland. Wer diskutiert? Namen wie Gary Vanisian, Silvia Szymanski, Andreas Beilharz, Sano Cestnik, Christoph Draxtra, Lukas Foerster, Kurt Karate und Sven Safarow. Viele davon kommen aus der Clique, die sich um die legendären Hofbauerkongresse im Nürnberger KommKino gebildet hat. Es sind Filmkritiker, Kuratoren, Festivalmacher, Autoren, Journalisten, Cineasten und baldige Regisseure und Drehbuchautoren, die so ein bisschen die Speerspitze der neueren Cineastenwelle darstellen. Einige Texten von ihnen sind zum Beispiel im Blog Eskalierende Träume nachzulesen.

"Entstanden ist das Portrait einer Generation, die vielleicht gerade deshalb ein existenzielles Verhältnis zum Kino hat, weil das Medium verletzlich geworden ist und verteidigt werden muss", schreibt Hochhäusler. Berliner Schule trifft auf Jürgen-Enz-Fans. Bebildert wird das Ganze von der Edelfeder Rainer Knepperges, dessen Essay "Mamas Kino lebt!" zu den absoluten Highlights des Filmbuches des Jahres, "Geliebt und verdrängt: Das Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963", gehört. Mitte Dezember kommt das Heft in den Handel.

Link: - Revolver - Zeitschrift für Film, - Mehr HK-Kongresse

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 1. Februar 2016
Kultfilm "Der Perser und die Schwedin" kommt

© Forgotten Film Entertainment
Am 31. Januar endete die Crowdfunding-Kampagne für den deutschen Film "Der Perser und die Schwedin". Die angestrebten 8.750 Euro Budget wurden zwar nicht erreicht. Aber dank des Engagement der Unterstützer sieht sich Forgotten Film Entertainment in der Lage, den Film doch herauszubringen. Bis zum 14. Februar haben Nachzügler noch die exklusive Möglichkeit, auch eine DVD des Films für 25 Euro vorzubestellen.

Links: - Homepage, - Mehr zum Perser und die Schwedin

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 11. Januar 2016
Crowdfunding-Kampagne für deutsche Filmrarität "Der Perser und die Schwedin"

Persischer Gammelstudent trifft Jean Seberg-Verschnitt
"... und wenn ihr dann in vielen Jahren sterbend in eurem Bett liegt, wärt ihr dann nicht bereit, jede Stunde einzutauschen, von heute bis auf jenen Tag, um einmal nur, ein einziges Mal nur hier wieder stehen zu dürfen, um unseren Feinden zuzurufen: Ja, sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheit."

(William Wallace, "Braveheart")


So ließe sich die Crowdfunding-Kampagne um die deutsche Filmrarität "Der Perser und die Schwedin" und die damit einhergehende Moralfrage martialisch ausdrücken. Etwas feinsinniger formuliert: Hier bietet sich die einmalige Gelegenheit, als Filmfan eigenhändig in die deutsche Filmgeschichte einzugreifen und sie neu mit zu formulieren.

Es gibt da diesen Film, der sich "Der Perser und die Schwedin" nennt. Um ihn hat sich auf Genre- und Retro-Festivals in dieser Republik über die letzten Jahre ein Mythos entwickelt. Der Film sei ein Wunderwerk, die Kopien aber vom Aussterben bedroht. Hintergrundinformationen zum Regisseur Akramzadeh oder zu der Produktion seien selbst nach hartnäckiger Recherche quasi nicht auszumachen, heißt es. Und wenn man den Film dann mit den eigenen Augen sieht - wie ich es etwa auf dem Frankfurter Sondergipfel des Hofbauer-Kommandos im November 2014 getan habe - dann wischt dieses Faszinosum von einem Film sämtliche Erwartungshaltung und unmenschlichen Druck mit solch einer Leichtigkeit davon, dass man gar nicht anders kann, als begeistert zu sein.

"Der Perser und die Schwedin" ist ein Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1961. Teils wundervolle Slacker-Komödie über das Gammeltum eines Studentenlebens. Ein iranischer Austauschstudent pilgert lieber regelmäßig ins Londoner Vergnügungsviertel Soho als in die Hörsäle der Universität. Dabei dokumentiert der Film gleichzeitig und ausgiebig die Londoner Party-Szene der Swingin' 60's mit seinen unzähligen Tanzlokalen und Bars. Fiktion und Dokumentation fließen wie in einem großen Bilderrausch wundersam ineinander und entwickeln einen speziellen, ganz eigenen Erzählrhythmus. Dazu steuert die deutsche Synchronisation im pointiert-lakonischen Off-Kommentar und den wilden Dialogen eine zusätzliche Unterhaltungsebene bei.

Ich kann "Der Perser und die Schwedin" nur empfehlen. Und mit der Crowdfunding-Kampagne, die am Ende des Artikels verlinkt ist, kann man sich dieses so seltene Filmerlebnis nicht nur nach Hause holen. Man würde auch dazu beitragen, dass der Film für alle interessierten Cineasten auf DVD oder auch auf Blu-ray verfügbar würde. Einem Eintrag in die Filmgeschichtsbücher kämen wir alle so ein Stück weit näher. Zumal mir auf dem jetzt gerade zu Ende gegangenen 15. Hofbauer-Kongress in Nürnberg zugetragen wurde, dass höchst interessante Audiokommentare aufgenommen wurden, die dann auch das Licht der Welt erblicken könnten.

Die Crowdfunding-Kampagne läuft bis zum 31. Januar. Mit 25 Euro ist man dabei. Die Scheibe hat das Potenzial zur DVD/Blu-ray des Jahres.

Link: - Rettet die Schwedin

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 20. Oktober 2014
Historisch: Erster Hofbauer-Kongress in Frankfurt am Main
Vom 7. bis 9. November passiert es wirklich: Das sagenumwobene Hofbauer-Kommando macht das Rhein-Main-Gebiet unsicher. Es ist eine riesige Ehre und vor allem dem Filmkollektiv Frankfurt zu verdanken, dass die Eingreiftruppe ihr Stammterritorium Nürnberg für ein Wochenende verlässt, um einige der größten Schätze der vergangenen Kongresse ("Der Perser und die Schwedin", "Roulette d'amour") im Uni-Kino Pupille und im Filmforum Höchst zu zeigen. Weiter aufgewertet wird die Veranstaltung mit exklusive Einführungen ausgewählter Perlen durch die Ferroni Brigade. Es lohnt schon allein die Anreise, um einmal Olaf Möller ekstatisch von einem völlig unbekannten Film schwärmen zu hören. Ich freue mich darüber hinaus besonders auf Ernst Hofbauers nächsten Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut". Der erster Link führt zu den anregenden Programmtexten des aktuellen Kongresses, der zweite zurück zum letzten glorreichen Kongress samt der drei Movies & Sports-Podcasts.

Freitag, 07.11. (Filmforum Höchst)

16.30 Uhr - UNERSÄTTLICHE TRIEBE
18.30 Uhr - FRANKFURT KAISERSTRASSE
22.45 Uhr - 69 – VORSPIEL ZUR EKSTASE
01.00 Uhr - TAUSEND TAKTE ÜBERMUT
03.00 Uhr - "STÄHLERNER ÜBERRASCHUNGSFILM"

Samstag, 08.11. (Filmforum Höchst)

16.30 Uhr - HERBSTROMANZE
22.45 Uhr - NORDISCHE NÄCHTE – VERSCHWIEGENE PARTIES
01.00 Uhr - SÜNDE MIT RABATT
03.00 Uhr - "VIDEOKNÜPPEL"

Sonntag, 09.11. (Uni-Kino Pupille)

16.30 Uhr - DER PERSER UND DIE SCHWEDIN
18.15 Uhr - TANJA – DIE NACKTE VON DER TEUFELSINSEL
20.00 Uhr - … UND NOCH NICHT SECHZEHN
23.15 Uhr - BARON PORNOS NÄCHTLICHE FREUDEN
01.00 Uhr - SCHWEDISCHER SOMMERWIND
03.00 Uhr - EXPECTATIONS – HEMMUNGSLOSE VERFÜHRERIN

Links: - 1. auswärtiger Sondergipfel, - 13. Hofbauer-Kongress

... link (1 Kommentar)   ... comment


Freitag, 27. Juni 2014
Taifun der Zärtlichkeit - Der 13. Hofbauer-Kongress naht

Das Hofbauer-Kommando ist schon selbst gespannt ("Eis am Stiel")
Irgendjemand müsste sich mal die Mühe machen und den bisherigen feinen Programmen der Hofbauer-Kongresse einen Wikipedia-Eintrag spendieren. Und irgendjemand sollte eigentlich zu jedem Kongress eine Publikation organisieren, in der jeder einzelne Film mindestens von einem Zuschauer besprochen wird. Und irgendjemand - und damit meine ich wohl mich - sollte beim nächsten Kongress nicht nur die wertvollen Einleitungen zu den raren Filmperlen mitschneiden und im Blog hochladen, sondern ausführlichere Interviews mit den Machern führen. Ende Juli, vom 24. bis 28.07., geht es also wieder los. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der 13. Hofbauer-Kongress naht. Und drüben bei den Eskalierenden Träumern feiert man sich mit der genüsslich-langsamen Entblätterung der größten Highlights und den teils kryptisch verschnörkelten Teaser-Texten selbst.

Zurecht! Denn wenn im Nürnberger KommKino und im nur wenige Haltestellen entfernt liegenden Fürther Uferpalast wieder einmal die Lichter ausgehen werden, wird - um einen späten Hubert Frank-Titel zu zitieren - ein Taifun der Zärtlichkeit über die willigen Cineasten hinwegfegen. Das lässt sich schon jetzt anhand des bekannten Programms prophezeien. Regisseure wie der Schwedenfilm-Sexgott Joseph W. Sarno ("Das Strandhaus"), der Namenspatron Ernst Hofbauer ("Holiday in St. Tropez") und Boaz Davidson ("Eis am Stiel") werden sich die Klinke in die Hand geben. Hubert Franks Emmanuelle-Paraphrase "Vanessa" wird im Mondlicht mit Barzinis italienischem Video-Sleaze "Giulia" tanzen und den Hardcore-Film "Dirty Lilly" zum Dreier bitten. Und der Kultpostille SigiGötz-Entertainment und ihrem Schöpfer Ulrich Mannes wird ein Schwerpunkt gewidmet sein: Das bedeutet SGE-Kurzfilme en masse und einen sagenumwobenen Siggi Götz-Überraschungsfilm. Ob es "Zwei im 7. Himmel" oder "3 Bayern in Bangkok" sind, wird sich zeigen müssen. Es scheint aber ein den Temperaturen angemessenes, schweißtreibendes Sexploitation-Fest der allerersten Güteklasse zu werden.

Bislang bekanntes Programm:

Do, 24.07.
WANG YU - STAHLHARTE HONGKONG-KILLER (17 Uhr)
HOLIDAY IN ST. TROPEZ (21.15 Uhr)
GIULIA (23.30 Uhr)

Fr, 25.07.
SGE-Kurzfilme (17 Uhr)
SIGGI GÖTZ-ÜBERRASCHUNGSFILM (21.15 Uhr)
SIGGI GÖTZ-ÜBERRASCHUNGSFILM (23.30 Uhr)

Sa, 26.07.
DAS RECHT ZU LIEBEN (18 Uhr)
MÄDCHEN DES LASTERS (20 Uhr)
EIS AM STIEL (Mitternacht)
DIRTY LILLY (Nacht)

So, 27.07.
SCOPITONES (19.30 Uhr)
DAS STRANDHAUS (21.30 Uhr)

Link: - Hofbauer-Kongress #13

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 23. September 2013
Das Hofbauer-Kommando – die Männer mit den goldenen Pinseln

Frits Fronz' unglaublicher Film "Roulette d'amour"
Der 11. außerordentliche Filmkongress des Hofbauer-Kommandos fand vom 13. bis 16. September statt. Eingeladen war die Crème de la Crème der deutschen Cineasten, aber auch jeder, der einfach ein bisschen länger im Kinosaal sitzen blieb. Ein Bericht von Michael Müller

Es ist schon ein großes Glück für die deutsche Filmgeschichte, dass es solch eine cineastische Institution wie das Hofbauer-Kommando gibt. Diese Vereinigung von gleichgesinnten Filmfreunden in Süddeutschland bringt mit nächtlichen Sitzungen bis in die frühen Morgenstunden überwiegend verschollen geglaubte deutsche Genreperlen zurück auf die Leinwand und ins cineastische Bewusstsein. Auf so genannten außerordentlichen Filmkongressen des Hofbauer-Kommandos, das sich stolz nach dem einstmals vielbeschäftigten Wiener Schulmädchen-Report-Regisseur benannt hat, werden zur Abwechslung auch andere große Filmnationen wie Japan, die USA oder Italien gehuldigt, aber der Schwerpunkt liegt doch klar auf der heimischen Filmproduktion der 1960er- und 1970er-Jahre. Diese Genrefilme, für die der Oberbegriff Krautploitation wunderbar passt, sind eigentlich bis heute in der offiziellen Filmgeschichtsschreibung verdrängt und vergessen worden.

Eine ganze Generation von Filmemachern wie Kurt Nachmann, Adrian Hoven, Eberhard Schroeder oder - von mir aus auch - Jürgen Enz wartet darauf, überhaupt einmal wahrgenommen zu werden. Trotz zarter filmwissenschaftlicher Bemühungen in den letzten Jahren, etwa von Tim Bergfelder („International Adventures“) oder Ulrich Mannes („Alpenglühn 2011“), klafft immer noch ein gewaltiges Loch der Unwissenheit zwischen den Weimarer Stummfilmklassikern und dem Neuen Deutschen Film. Gut, da waren die Nazis, deren Filmproduktion in den letzten Jahrzehnten wirklich gründlich auf Ideologiespuren abgeklopft wurde, ohne dabei die ästhetischen Qualitäten zu berücksichtigen. Aber gab es danach nicht abseits von Edgar Wallace, Winnetou und Liebesgrüßen aus der Lederhose etwas zu entdecken? Man möchte im Zusammenhang mit der Programmauswahl der HK-Kongresse am liebsten nur den Replikanten Roy Batty aus „Blade Runner“ zitieren: „Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet!“

Die Auswahl der Filme für den Kongress ergibt sich aus den Vorlieben der Macher, den Verfügbarkeiten von echten 35mm-Kopien, aber etwa auch aus zeitgenössischen Kritiken des katholischen Filmdienstes, der damals vehement von diversen moralisch fragwürdigen Filmen abriet, was das Kommando heute als besondere Empfehlung begreift. Für den ersten Abend war die charmante Katja Bienert als Star des Jess-Franco-Double-Feature „Lolita am Scheideweg“ und „Entfesselte Begierde“ geladen, der es so gut gefiel, dass sie gleich noch den nächsten Kongresstag als Privatperson dranhing. Mit dem Film „Die Sex-Spelunke von Bangkok“ hatte das Hofbauer-Kommando eine echte, wenn auch in ihrer Filmqualität zumindest zweifelhafte Rarität aufgetan, die nicht einmal einen Eintrag in der IMDb-Datenbank besaß. Unbedarftere Zuschauer wurden mit dem gut wegschaubaren Double Feature „Ich lebte wie Eva“ und „Töchter der Sonne“ in die Geheimnisse des Nudistenfilms eingeführt. Und wenn zur vorgerückten Stunde keiner mehr im Stande war, Widerstand zu leisten, wurden die Härtetests ausgepackt: Die von mir halb verdöste Jürgen-Enz-Katastrophe „Das liebestolle Internat“, der spanische, sehr vergnügliche 1980er-Jahre-Softporno „La señora del Oriente Express“ oder der Hardcore-Film „Lass jucken, Kumpel 5“, welcher über dem gesamten Kongress wie ein Damoklesschwert hing, weil er immer wieder auf die Tagesordnung gebracht, aber bis zuletzt aufgeschoben wurde.

Das Tollste am Kongress aber war, dass die Hofbauer-Kommando-Mitglieder und ihre Entourage in fast allen Fällen ähnlich unwissend in die Filme gerieten wie der große Rest der tapferen Zuschauer. Ich hatte im Vorfeld extra keine Recherchen zur Filmauswahl angestellt und kannte höchstens gelegentlich einen Regisseur. Nur so war es möglich, richtiggehend von den Filmerfahrungen überrollt zu werden. Der Fluch des heutigen Cineasten ist ja seine Informiertheit. In Komödien kennt man die besten Gags meist Monate vorher wegen der Trailer. Cameo-Auftritte können in Zeiten von Twitter und Facebook keine Minute nach einer Filmpremiere geheim gehalten werden. In jedem Filmpodcast braucht es klar abgegrenzte Spoiler-Bereiche. Auf diesen außerordentlichen Kongressen des Hofbauer-Kommandos jedoch weiß man im besten Fall nichts. Und plötzlich entdecke ich hier auf der Leinwand das meisterhafte Frank-Wisbar-Melodram „Barbara – Wild wie das Meer“, gehe in die Knie vor Frits Fronz‘ melancholischer Wiederholungsorgie „Baron Pornos nächtliche Freuden“, werde berauscht von Jess Francos Escher-Gemälde „Lolita am Scheideweg“ und finde in der kleinen, locker aus dem Ärmel geschüttelten Genreperle „Vulkan der höllischen Triebe“ ein veritables Gangster-Meisterwerk der deutschen Filmgeschichte.

Mitentscheidend für den Genuss dieser Perlen sind die Kommando-Mitglieder selbst als treibende Kräfte, wenn es um die passende Kinoatmosphäre geht: Ob jetzt der Bierverschluss im richtigen Moment poppt oder ein geradezu orgiastisches Lachen den Raum erfüllt – Das Kommando liefert den charmanten Retrosound, den es braucht, um die Filme noch mehr zu mögen, als sie es ursprünglich einmal verdient hatten. Man will nicht nur einfach Filme von damals, sondern Filme wie damals zeigen. Thematisch passende Trailer garnieren den Hauptfilm, die von Unglaublichkeiten der Filmgeschichte zeugen, Appetit machen und den Horizont erweitern. Einmal gab es zum Aufwärmen einen imperialistischen Kulturfilm über Südafrika zu sehen, wo sich der deutsche Herrenmensch in die Berge verguckt, die er bei Dr. Arnold Fanck so zu lieben gelernt hatte. Der damals steuerlich begünstigte Kulturfilm gilt unter den Kommando-Mitgliedern als Geheimtipp, da es dort angesichts der bloßen Masse noch praktisch unendlich viele Entdeckungsmöglichkeiten gibt. Die Kongresstage hatten insgesamt eine nette Genremischung, die mit Ausflügen zum Martial-Arts-Film („Der Todesschrei des gelben Panthers“), dem japanischen Neo-Noir („Unersättliche Triebe“) oder dem Interview-Film („Menschen von Morgen“) für Abwechslung sorgten. Denn auch an Brüsten und Hintern kann man sich sattsehen, wie man hier lernt.

Die Kommando-Mitglieder haben interessanterweise über die Zeit ihre eigene Sprache entwickelt. Filme sind trüb, werden als Schmier oder Ultrakunst bezeichnet. Das hat leicht autistische Züge, weil Nicht-Eingeweihte zuerst fragend in die Runde starren. Darin drückt sich aber die Liebe zu einem Medium aus, das in erster Linie visuell wirkt und bei dem selbst die besten Texte im Vergleich dazu mickrig ausfallen. Da scheint es nur konsequent zu sein, nach neuen Vokabeln zu fahnden. Außerdem ist zur Aufklärung schon länger ein Hofbauer-Kommando-Wörterbuch auf der Website Eskalierende Träume angekündigt. Sie sind die interessanteste cineastische Erscheinung, die mir im deutschsprachigen Raum bislang begegnet ist. Bei der Eroberung des immer noch dichten Dschungels der deutschen Filmgeschichte braucht es mutige Menschen, die mit ihren Macheten angstfrei voranschreiten und eine Schneise schlagen. Institutionen zur Orientierung, von denen man sich inspirieren lassen oder auch distanzieren kann, sind elementar für die Wiederentdeckung deutscher Genreschätze. Ohne Joe Hembus gäbe es keinen Christian Keßler, ohne die Zeitschrift Filmkritik keinen Buio Omega Filmclub. Wenn man bedenkt, dass das Hofbauer-Kommando seit seiner Gründung im Sommer 2010 bereits elf Kongresse abgehalten hat, wird einem gar nicht bange um die Zukunft des deutschen Genrefilms, jedenfalls was seine Vergangenheit angeht.

---
Das Programm des 11. Filmkongresses des Hofbauer-Kommandos:
(13.-16. September)

Fr.
Lolita am Scheideweg (Jess Franco, 1980)
Entfesselte Begierde (Jess Franco, 1968)
Geschäftliche Reise zur Erholung in Afrika (Vernon Whitten, 1960)
Die Sex-Spelunke von Bangkok (Erwin C. Dietrich & Peter Grau, 1974)

Sa.
Barbara – Wild wie das Meer (Frank Wisbar, 1961)
Menschen von Morgen (Kees Brusse, 1964)
Venusberg (Rolf Thiele, 1963)
Baron Pornos nächtliche Freuden (Frits Fronz, 1969)
Das liebestolle Internat (Jürgen Enz, 1982)

So.
Where the Boys Are (Henry Levin, 1960)
Ich lebte wie Eva (Zygmunt Sulistrowski, 1963)
Töchter der Sonne (Alexander Swiagenin, 1964)
Unersättliche Triebe (Kan Mukai, 1966)
Der Todesschrei des gelben Panthers (Joseph Velasco, 1972)
La señora del Oriente Express (Franco Lo Cascio, 1989)

Mo.
Vulkan der höllischen Triebe (Peter Häuser, 1968)
Porco mondo (Sergio Bergonzelli, 1978)
Der Liebesschüler (Sigi Rothemund, 1974)
Lass jucken, Kumpel 5 (Franz Marischka, 1974)

Links: - Eskalierende Träume, - Hypnosemaschinen, - Filmtagebuch, - Dirty Laundry, - Funkhundd

... link (2 Kommentare)   ... comment