Mittwoch, 3. August 2016
Locarno-Kurator Olaf Möller empfiehlt 11 Geheimtipps des deutschen Nachkriegskinos

Filmtipps: Von "Rosen blühen auf dem Heidegrab" bis "Schwarzer Kies"

Vom 3. bis zum 13. August findet das Filmfestival von Locarno statt. Unter Insidern hat es sich gerade in den vergangenen Jahren den Ruf erarbeitet, die Auteurs von morgen zu entdecken. Regie-Exzentriker wie Hong Sang-soo, Lav Diaz oder Albert Serra empfingen hier ihre ersten Weihen. Dieses Jahr wandert mein Blick aber neidvoll auf die Locarno-Fahrer, die ihre Zeit in der Retrospektive verbringen werden. "Geliebt und verdrängt: Das Kino der jungen BRD von 1949 bis 1963" heißt das von Olaf Möller und Roberto Turigliatto kuratierte Programm.

"Das Kino der jungen BRD war vielfältig, konfliktfreudig und lebendig – und somit überraschend anders als die gängigen Ansichten und Urteile es beschreiben." Das steht im Klappentext der Begleitlektüre, die Möller gemeinsam mit dem deutschen Filminstitut auf die Beine gestellt hat. Retrospektive und Buch sind die längst überfällige Aufarbeitung der populären deutschen Genres, die als verpönt galten: Heimatfilme, Krimis, Melodramen, grob gesagt der Unterhaltungsfilm der Nachkriegszeit, der die Menschen in Scharen in die Kinos lockte.
Möller wählt Staudte, Käutner & Wisbar
Im oben verlinkten Video zählt Möller der Kino-Zeit.de-Filmkritikerin Beatrice Behn seine elf Geheimtipps dieser Epoche auf. Es sind: Der gläserne Turm (Harald Braun), Durch Nacht zum Licht (Hans Fischerkoesen), Rosen blühen auf dem Heidegrab (Hans H. König), Rose Bernd (Wolfgang Staudte), Schwarzer Kies (Helmut Käutner), Kommunikation (Edgar Reitz), Der Cornet (Walter Reisch), Den Einsamen allen (Franz Schömbs), Jetzt in der Stunde meines Todes (Konrad Petzolds), Nacht fiel über Gotenhafen (Frank Wisbar) und Es muss nicht immer Kaviar sein (Geza von Radvani).

Wie mir zugetragen wurde, werden im Herbst 20 ausgewählte Filmschätze der Retrospektive im Frankfurter Filmmuseum zu sehen sein. Auch das Berliner Zeughauskino, das Filmmuseum Düsseldorf, das Metropolis Kino in Hamburg und das Caligari in Wiesbaden werden Teile des Programms nachspielen. Ganze 73 deutsche Filme zeigt Locarno. Das ist ein wahres Schlaraffenland für Krautploitation-Fans und Cineasten. Es wird alles geboten, was das Herz begehrt: Der Arzt von Stalingrad, Der Tiger von Eschnapur, Die Rote, Endstation Liebe oder Viele kamen vorbei. Solch ein erlesenes Programm hätte der Berlinale auch ganz gut zu Gesicht gestanden.

Links: - Weitere Möller-Videos zur Retro, - Mamas Kino lebt, - Hans Helmut Prinzler zur Begleitlektüre

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