Freitag, 20. November 2009
BILD und "Engel mit schmutzigen Flügeln"
Wenn die Bild-Zeitung nicht gerade die Schweinegrippe-Paranoia für die Pharmaindustrie anstachelt oder auf die am Boden liegende SPD drauftritt, dann hat sie dann und wann ganz nette Filmschlagzeilen auf der Titelseite. Natürlich immer mit dem investigativen Fokus auf schlüpfrige Nacktszenen und schweinische Details. Und so kommt man heute in den Genuss, von dem Roadmovie "Engel mit schmutzigen Flügeln" zu erfahren, da Hauptdarstellerin Antje Mönning auch Teil des Ensembles der ARD-Erfolgsserie "Um Himmels Willen" ist. Den Kleinkram um echte Orgasmen vor der Kamera beiseite gelassen, macht die Bild-Zeitung wieder Auflage mit Titten, stößt mich aber auch auf einen interessant klingenden Film, dessen Regisseur Roland Reber von Starkritiker Hans Schifferle bereits als Unikum und deutscher Film-Buddha geadelt wurde.

Allein der Filmtitel "Engel mit schmutzigen Flügeln" weckt doch wohlige Erinnerungen: Sofort denkt man an den deutschen 70er-Jahre-Kultfilm "Engel, die ihre Flügel verbrennen" von Zbynek Brynych. Und der englische Verleihtitel "Angels with Dirty Wings", unter dem Rebers Film auf dem spanischen Genrefestival in Sitges Premiere feierte, lässt gleich an John Hughes' fiktiven Gangstertraum in "Kevin - Allein zu Haus" denken, mit dem Macaulay Culkin die beiden Einbrecher in die Flucht geschlagen hat. Leider konnte ich noch keine Kritiken zu "Engel mit schmutzigen Flügeln" finden, obwohl er ebenso auf den Hofer Filmtagen gezeigt wurde. Gerade noch wenige Meinungsschnipsel kann man in den Weiten des Internets ergattern.

In der taz schreibt zum Beispiel Michael Gückel, der Film versetze das Publikum systematisch in einen Zustand der inneren Verwahrlosung, um es für die fatale Wirkung des bösen Schnitts empfänglicher zu machen. Dabei tarne sich das Ganze mit der Ästhetik eines Medienprojekts der Klasse 9b und lasse dann Motorradreifen, Schamlippen und Teenietagebuchgesülze erbarmungslos um die Vorherrschaft kämpfen. Noch enttäuschter klingen die Gedanken auf Critic.de, die auch das Drumherum etwas beleuchten: "'Engel mit schmutzigen Flügeln' genießt schon vor dem Screening eine gewisse Popularität, spricht man doch von dem Plakat mit der Intimrasur. Die – da wurde nicht zu viel versprochen – ist dann auch ausgiebig im Film zu bewundern. Darüber hinaus wird Motorrad gefahren. Das Kino ist anfangs prall gefüllt, leert sich jedoch minütlich. Den Verbliebenen möchte der stolze Reber deutlich machen, was er von der Filmindustrie hält (nicht viel) und von sich selbst (sehr viel)."

Also ich bin interessiert!

Link: - Trailer (Auf eigene Gefahr)

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