Sonntag, 6. September 2009
Venedig-Ticker: 6. September
22.12 Uhr - "White Material"
So, erste gewichtigere Meinung zu "White Material" eingetroffen, die erwartungsgemäß relativiert, aber auch recht euphorisch klingt. Jay Weissberg, Variety: "A powerful recognition of the continent’s tragic present that focuses on a white plantation owner desperate to hold on to her land, despite roving militias and child soldiers." Und Michael Althen schwärmt als jahrzehntelanger Denis-Fan rührend in der FAZ: "Die Faszination rührt daher, dass die Figuren nie um Aufmerksamkeit buhlen, sondern nur so viel preisgeben, wie man in die Begegnung mit ihnen zu investieren bereit ist. Durch ihre Welt bewegt man sich auf Augenhöhe, erst tastend, dann neugierig, bis man irgendwann gefangen ist."

13.06 Uhr - "White Material"
Very early buzz für Claire Denis' "White Material": Guy Lodge von InContention schreibt: "An unalloyed masterpiece that outstrips its seen Competition rivals by such a wide margin it’s almost a little embarrassing." Nun, die Seite habe ich nur durch Anne Thompsons Podcast entdeckt, und der Macher mag zum Beispiel "Inglourious Basterds" nicht, aber merke: Buzz von einer nicht vertrauenswürdigen Quelle ist immer noch besser als gar kein Buzz!

12.32 Uhr - "Capitalism: A Love Story"
Michael Moore is back und zwar mit einer ironischen Liebeserklärung an den Kapitalismus. Einst das enfant terrible der Dokuszene, umfeierter Oscar-Gewinner und Boxoffice-Abräumer, interessierten sich für seine gewitzte Abrechnung mit dem amerikanischen Gesundheitssystem, "Sicko", gar nicht mehr sonderlich viele Menschen. Dabei war das ein richtig guter Film. Und das soll auch sein Neuer, "Capitalism: A Love Story", sein, wenn man Leslie Felperin (Variety) Vertrauen schenken will, die von einem seiner besten Filme schreibt. Screen International-Chefkritiker Mike Goodridge ist eher halbbegeistert. Bei ihm klingt es recht unspannend und als ob sich Moore mehr oder weniger wiederholt. Zumindest eine leicht optimistische Note will Goodridge ausgemacht haben, die sich in Moores Film dank Obamas Wahlsieg eingeschmuggelt hat.

12.08 Uhr
Samstag war Stillstand in Venedig. Werner Herzog war mit gleich zwei Filmen im Wettbewerb vertreten. Sie entpuppten sich beide indes als nur interessant - irgendwo zwischen gescheitert und ansehenswert. Das war erwartet.

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