Mittwoch, 29. April 2009
SGE-Glamour-Girl Nadeshda Brennicke im Sat.1-Movie "Frauen wollen mehr"
Die TV Spielfilm gab einen Daumen hoch und meinte: "Die Mischung aus 'Sweet Home Alabama' und 'Was Frauen wollen' strotzt vor Charme, Witz, tollen Darstellern und nimmt dabei genüsslich jedes Plattes-Land-Klischee aufs Korn. Darauf noch 'n Korn!" Die Moviesierung von "Bauer sucht Frau" hätte auch gepasst. Oder eigentlich ist diese romantische Komödie nichts anderes als "Die Zwillinge vom Immenhof" ohne Zwillinge: Nadeshda Brennicke in der Heidi Brühl-Rolle, die als erfolgreiche Geschäftsfrau in die Heimat zurückkehrt, den Hof resp. die Weberei der Familie rettet und nebenbei die einstige Jugendliebe abstaubt, die sie damals echt fies behandelt hatte. Die klassische Frauenfantasie.

Ich finde ja, dass TV-Movies die dumme Angewohnheit haben, ihre Stärke, das locker-leichte Kopieren amerikanischer Vorbilder mit attraktiven deutschen Darstellern in bekannteren Gefilden, bereits in der ersten halben Stunde zu verpulvern. Und dann zehren sie davon bis zum unvermeidlich schlecht gezimmerten Happy End. Ein paar Statisten zu Nebenfiguren und Running Gags aufgeblasen, einen "Pulp Fiction"-Song hier und da eingestreut - und fertig sind 2,81 Mio. Zuschauer und 12,5 % Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe gegen den unbezwingbaren Dr. House.

Spannender ist die Hauptdarstellerin. Nadeshda Brennicke. Schon einmal deshalb, weil sie es scheinbar wagte, sich als eine der wenigen nicht mit einem SGE-Heft in der Hand ablichten zu lassen. Dann weil sie von RP Online 'Deutschlands Angelina Jolie' geschimpft wurde. Und weil sie mich erst an TV-Sternchen Xenia Seeberg erinnerte, in manchen Momenten auch an Chiara Ohoven oder BB-Annina, etwas an Jessica Biel und nach der Lektüre unzähliger gleich verlaufender Portraits in boulevardesken Magazinen, die behaupteten, dass Brennicke in Frankreich längst ein großer Leinwandstar wäre, auch ein ganz kleines bisschen an Filmgöttin Emmannuelle Bèart.

Nun langweilen diese eindeutigen Schönheiten als Schauspielerinnen recht schnell, wenn sie nicht gegen ihren Typ anspielen, sondern immer verträumt in die Kamera schauen müssen. Und ich wunderte mich, dass mir diese Brennicke, von der ich später las, was für eine lange, anhaltende Karriere sie gemacht hatte, ohne dass sie mir jemals aufgefallen war, nicht überdrüssig wurde. In Petzolds "Pilotinnen", in Gansels "Das Phantom", in Grafs "Hotte im Paradies" hatte sie mitgespielt, war Grimme-Preis-nominiert. Dunkel erinnere ich mich an den deutschen Horrorfilm "Tattoo", wo sie das Mädchen mit dem Ganzkörpertattoo spielt, das eine wundervolle Regenszene hat. Ihr Name hat sich damals nicht eingeprägt, es veranlasste mich nicht, explizit nach Filmen mit ihr zu suchen. Das bewirkte jetzt erst, so idiotisch es klingen mag, "Frauen wollen mehr". Und das liegt vor allem an ihrer Stimme.

In der investigativen RBB-Talkshow "Thadeusz", in der sie letztes Jahr zu Gast war und ausführlichst nach ihrem Stallgeruch befragt wurde, merkte der Moderator treffend an, wie sie für unterschiedliche Rollen immer eine ganz eigene Stimmlage finden würde. Es ist eine ganz außergewöhnliche Stimme. Katja Nottke, meine liebste Synchronstimme, spricht manchmal so. Irgendwie süchtig machend. Sich über den gewöhnlichen Film erhebend. Wie von einem anderen Stern. Ich will jetzt brav so viele Filme wie möglich mit ihr nachholen.

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