Mittwoch, 28. August 2019
Kore-edas „Wahrheit“, Gebbes „Pelikanblut“ & Molls tierisches Comeback

„Only the Animals“: Valeria Bruni Tedeschi und Nadia Tereszkiewicz | © Jean-Claude Lother
Am ersten Festivaltag überrascht in Venedig ein deutsch-französischer Regisseur, der zu Unrecht in die Nebenreihen abgeschoben wurde. Außerdem feierten Katrin Gebbe und Kore-eda Hirokazu ihre Weltpremieren.

Auch Venedig besitzt wie Cannes ein Kastensystem bei den Presse-Akkreditierungen. Augenscheinlich wird das, wenn man sich für die begehrten Filme anstellt. Am Saal Darsena zum Beispiel, der morgens einen Großteil der Wettbewerbsfilme zeigt, bilden sich vier Schlangen. Die exklusivste ganz links schleust etwa Fernsehteams durch. Wobei die Saalwächter die Schlange daneben, wo auch die internationale Presse untergebracht ist, zeitgleich einlassen. Das wichtigste ist sowieso, im Schattenbereich der jeweiligen Schlange anzustehen, weil Venedig bereits früh ordentliche Temperaturen aufweist.

Die sogenannten Trade Papers, also Hollywood Reporter, Variety und Screen Daily lassen an der Mostra am Eröffnungstag noch auf sich warten. Le film Francais kriegt man im Pressebereich und ein Fachblatt, das auf jedem Festival die chinesische Filmindustrie hypt. An die italienischen Kollegen wird in den Schlangen ein einheimisches Print-Produkt ausgeteilt, das ich noch nicht in die Hände bekommen habe. Der Venedig-Besuch soll schließlich auch eine filmkritische Horizonterweiterung sein. Mit Ausnahme von Cédric Succivalli und dem in Italien beheimateten Lee Marshall fallen mir spontan keine italienischen Filmkritiker von Prominenz ein. Wohl auch, weil diese keine Notwendigkeit sehen, auf Englisch zu publizieren. Ähnlich verhält es sich auch mit den französischen Kritikern.
Kore-eda Hirokazu atmet durch
Kore-eda Hirokazus Eröffnungsfilm „La vérite“ ist ein leichter, teils charmanter, sich in Teilen aber auch auf seinen Metaebenen verlierender Start in das Festival. Es ist ein bisschen so, als würde man dem Palmen-Gewinner Kore-eda („Shoplifters“) beim Durchatmen und Genießen zuschauen. Diese erste nicht-japanische Produktion hat er sich in seiner Karriere gegönnt, bevor es wieder an das Besteigen des nächsten Achttausender geht. Catherine Deneuve spielt die Mutter von Juliette Binoche. Die Deneuve gibt dabei eine Schauspielerin im goldenen Herbst ihrer Karriere, die gerade ihre Autobiografie veröffentlicht hat.

Aus diesem Anlass besucht Tochter Binoche mit ihrem Ehemann Ethan Hawke und der kleinen Tochter die Deneuve. Am meisten Spaß machen Deneuves spitzfindinge Kommentare zur Filmwelt, auch Fettnäpfchen von schon verstorbenen Kolleginnen, die noch als Referenzpunkt herhalten müssen. Diese Figur hat scheinbar alles in ihrem Leben der Karriere untergeordnet und bereut nichts. „Ich war eine schlechte Mutter und eine schlechte Freundin, aber eine gute Schauspielerin“, lautet einmal ihr Resümee. Gut funktioniert auch die Spiegelung von Deneuves und Binoches gestörter Mutter-Tochter-Beziehung im Spielfilm, den die Deneuve im Film dreht. Darin geht es wiederum um eine Mutter, die eine tödliche Krankheit hat und deswegen im Weltall leben muss. Während sie auf diese Weise nicht älter wird, trifft sie immer wieder auf ihre Tochter, die erst Teenie, dann erwachsene Frau und letztlich eine Greisin ist. Eine unheimliche Vorstellung.

Orizzonti-Eröffnungsfilm „Pelikanblut“ | © Junafilm / Miramar film
Katrin Gebbe: Nach Cannes also Venedig
Ich liebe Katrin Gebbes Debütfilm „Tore tanzt“. So abgründig und taff war deutsches Kino selten. Mit riesiger Spannung habe ich also ihren neuen Film „Pelikanblut“, der die wichtige Nebenreihe Orizzonti am Mittwoch eröffnete, erwartet. Und ich bin enttäuscht, dass ich die Geschichte um die Reitlehrerin Wiebke (Nina Hoss), die sich dazu entschließt, ein zweites Kind zu adoptieren, nur mochte. „Pelikanblut“ ist motivisch und dramaturgisch ein echter Zwillingsfilm zum Berlinale-Durchbruch „Systemsprenger“. Wieder ein Mädchen mit einem frühkindlichen Trauma, wieder Gewalteskalationen und Entgleisungen, wieder wird eine Familie und der Zuschauer an die Grenze des Zumutbaren geführt, nochmals wird ausgelotet, wie weit eigentlich Mutterliebe gehen kann, darf und muss.

Aber es gibt eine Zweigung, da biegt „Systemsprenger“-Regisseurin Nora Fingscheidt da ab und Gebbe wählt eben einen anderen, ganz eigenen Weg. Und ihr auf diesem Pfad in die Finsternis zu folgen, war spannend im Kino anzusehen – ich fand „Pelikanblut“ nie zäh oder langweilig. Nur letztlich ist der Film eine Mischform geworden, deren verschiedenen Elemente sich nicht befeuern, sondern ihn emotional brechen lassen. Gebbes konsequentes Abgleiten ins Genre ist gekonnt gemacht. Nina Hoss und der Kinderdarstellerin (Adelia-Constance Giovanni Ocleppo) sind beängstingend gut. Hoss wagt sich angstfrei in Abgründe ihrer Figur. Aber das Genre lässt in diesem Fall den Zuschauer emotional vom Haken. Vielleicht kann ich das mit etwas Abstand nochmal anders sehen – vor allem wenn der Film „Systemsprenger“ nicht mehr so prägend im Hinterkopf ist. Vielleicht ist es dann gerade diese Verquickung aus Grisebachs „Western“ und Grusel-Genreklassikern, die ich besonders zu schätzen weiß.

Dominik Moll (3.v.l.) und seine Filmcrew
Dominik Molls Comeback
Die Überraschung des ersten richtigen Venedig-Tages war, dass der deutsch-französische Regisseur Dominik Moll mich nochmal aus meinem wegen Hitze und Einsatz wohl verdienten Minutenschlaf holte. Sein neuer Film „Only the Animals“ war zu gut, um einzudösen. Molls Karriere ist schon ein wenig eigenartig verlaufen. Es ging so verheißungsvoll mit dem hitchcock'schen Thriller „Harry meint es gut mit dir“ in Cannes los. Fortwährend interessierten sich die Filmfestivals und Zuschauer immer weniger für ihn. Nun hat sein neuer Film am Mittwoch die Reihe Venice Days eröffnet, die ungefähr vergleichbar mit der Directors' Fortnight in Cannes ist. Der Saal Perla im Casino auf dem Lido platzte aus allen Nähten. Zur Weltpremiere war mindestens auch das halbe Filmteam erschienen.

In „Only the Animals“ geht es um einsame Seelen, die versuchen, so gut es geht ihre Sehnsüchte im Alltag zu verstecken. Als eine Frau in einem Schneesturm verschwindet, die mit den Leben all dieser Seelen etwas zu tun hat, legt Moll nach und nach die Geheimnisse der Figuren offen. Er erzählt nicht unbedingt chronologisch, lässt die Geschichten der Protagonisten zu verschiedenen Zeitpunkten ineinander laufen. Mir hat das großen Spaß gemacht, tollen Schauspielern wie Denis Menochet oder Valeria Bruni Tedeschi beim lustvollen Leiden am Alltag zuzusehen. Wie filigran und mit wie viel galligem Humor Moll die Handlungsstränge zusammenzieht, ohne seine Protagonisten dabei ganz bloßstellen zu wollen, sieht man heute immer seltener. Zumal das Ganze mit einer schönen Variation auf einen Billy-Wilder-Klassiker endet. Noch schöner war eigentlich nur Denis Menochets bewusst zur Schau getragenes Desinteresse beim anschließenden Q & A.

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Dienstag, 27. August 2019
Vorglühen auf der Mostra: Negative Space in Venedig

Cliff Booth ist auch schon in Venedig angekommen
In Venedig das Filmfestival zu besuchen, hat etwas von einem Kulturschock. Wie sollen Filmkritiker in diesem Urlaubsparadies Meisterwerke finden können? Ein Vorglühen von Michael Müller

Man weiß, dass man tatsächlich im Flugzeug nach Venedig zu den Internationalen Filmfestspielen unterwegs ist, wenn plötzlich der US-Filmkritiker Justin Chang im Gang auftaucht. Jep, das diesjährige Jurymitglied der Berlinale, einer der zuverlässigsten Filmjournalisten bei den Trade Papers und seit einiger Zeit der Chefkritiker bei der Los Angeles Times und der öffentlich-rechtlichen Radiosendung „Fresh Air“. Auch ihm haben wir dieses Jahr den Goldenen Bären in Berlin für Nadav Lapids „Synonymes“ zu verdanken.

Er sitzt eine Reihe schräg hinter mir. Ihn jetzt anquatschen, denke ich. Aber was dann sagen? „Ich habe eure Juryentscheidungen im Februar geliebt.“ Oder: „Ich wollte mit Ihnen schon immer mal über Ihren christlichen Hintergrund als Filmkritiker sprechen?“ Letztlich komme ich zu der Erkenntnis, dass sich bei dem Fluglärm der Lufthansa sowieso niemand vernünftig unterhalten kann. Vor allem nicht über zwei Reihen hinweg. Außerdem zieht Chang umgehend ein Buch aus seiner Tasche. Den Titel kann ich nicht erspähen. Ich vermute, es wird J. M. Coetzees „Waiting for the Barbarians“ sein, dessen Verfilmung mit Johnny Depp am Ende des Festivals auf uns wartet.

Sant'Elena: Nur fünf Minuten fährt das Vaporetto von hier zum Lido
Sich einmal wie George Clooney fühlen
Vaporetti heißen die flachen Boote, welche die schwitzenden Touristen, die sich kein privates Wassertaxi leisten können, von Anlegesteg zu Anlegesteg in Venedig bringen. Auch bei stärkerem Wellengang hat man nie das Gefühl, dass sie untergehen könnten – auch wenn ständig noch weiter ausgelotet wird, wie viele Menschen auf solch einen Kahn passen können. Aber sitzt man erst einmal in einem dieser Dinger, alle Fenster sperrangelweit offen und die Seebrise in der Nase, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, gerade an einer fast majestätischen Beförderungsmöglichkeit teilzunehmen. So fühlt sich also George Clooney, wenn er alljährlich zum roten Teppich durch die venezianischen Kanäle chauffiert wird. Irgendetwas machen die Venezianer schon richtig.

Elia, der mich zu meinem Apartment führt, findet das nicht. Er ist ein Einheimischer. Er sagt, Venedig ist eher etwas für alte Menschen. Party machen könne man hier nicht. Da müsse man schon in Nachbarorte fahren. Elia hat Deutsch in der Schule gelernt, weil er Französisch noch weniger mochte. „Ich spreche sehr schlechtes Deutsch“, formuliert er fehlerfrei mit einem Lächeln vor sich her. Vielleicht sehe ich ihn nochmal bei den Security-Mitarbeitern des Festivals wieder, meint er. Die Festivalmeile auf dem Lido weist am Anfang und am Ende Verkehrspoller auf. Aber die dort postierten Polizisten wirken so entspannt, dass zwischen Sommerhitze und Eisessen auch nicht einmal der Hauch eines Bedrohungszenarios entsteht. Tatsächlich ist man mit zehn Schritten von der Festivalmeile am Strand angekommen. Das nennen die Italiener also ein Filmfestival? Für Besucher des frostigen Stadtfestivals in Berlin wirkt das wie eine Verhöhnung. In diesem Urlaubsparadies soll mit grimmigen Blick also Filmgeschichte geschrieben werden.

Hinter den Kulissen der Mostra: am Lido-Strand
Hier soll ich über die kommenden Oscar-Kandidaten spekulieren, sagen ob „Marriage Story“ von Noah Baumbach oder „Joker“ von Todd Phillips eher als bester Film nominiert werden. Hier soll ich also der Narrative der amerikanischen Trade Papers folgen, die Venedig-Chef Alberto Barbera für zu wenige Frauen im Wettbewerb und zu viel Roman Polanski und Nate Parker anzählen. Das ist mir zu einfach. Ich will mich generell vor keinen Karren spannen lassen, möge der Anlass auch noch so gut sein.

Ein heißer Oscarkandidat: Baumbachs „Marriage Story“
Erstes Highlight kommt aus Deutschland
Ich will mir ein eigenes Bild machen, mich auf Katrin Gebbe morgen freuen, wenn sie mit „Pelikanblut“ und Nina Hoss die Nebenreihe Orizzonti eröffnet. Dann werde ich vielleicht Barbera vorwerfen können, dass Gebbe in den Wettbewerb reingemusst hätte. Und ja, zwei Frauen in einem der wichtigsten Filmwettbewerbe der Welt sind zu wenig. Aber die 40 Prozent Regisseurinnen im Berlinale-Wettbewerb haben diesem auch nicht helfen können. Kelly Reichardt mit „First Cow“ hätte Venedig sehr gut getan. Aber der ging nach Telluride – vielleicht auch ein Stück weit wegen der Haltung von Barbera; und weil der Film noch keine US-Verleih hat.

Posen vor der 76. Mostra
Es ist mein erstes Venedig-Festival. Der Wettbewerb ist auf dem Papier sehr gut bestückt. Er muss dieses Jahr die Oscar-Last vor allem nicht allein auf seinen Schultern tragen: Telluride hat „Uncut Gems“ von den Safdie Brothers, New York hat Scorseses „The Irishman“, Toronto hat „Jojo Rabbit“ und das AFI wahrscheinlich Greta Gerwigs „Little Women“. Es werden ziemlich sicher elf tolle Tage auf dem ältesten Filmfestival der Welt werden. Ich liebe Überraschungen und eigene Entdeckungen. Ich will nicht nur das Vorgekaute und hoffe auch auf die Nebenreihen Orizzonti und vor allem Venice Days. Ich will die Filmemacher sehen, deren nächste Filme Netflix aufkaufen wird. Und ich wünsche mir, dass die italienische Mischung aus Spielfilm und Doku, „Fulci for Fake“, mindestens halb so gut ist, wie ich sie mir erträume.

Link: - Venedig-Wettbewerb 2019

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Mittwoch, 21. August 2019
„Systemsprenger“ im Oscar-Rennen

„Systemsprenger“ | © Yunus Roy Imer / Port au Prince Pictures
Eines der wenigen Berlinale-Highlights 2019, der Debütfilm „Systemsprenger“, tritt bei den Oscars in die Fußstapfen von „Werk ohne Autor“.

Der Film „Systemsprenger“, der im Februar seine Weltpremiere auf der Berlinale feierte und den Alfred-Bauer-Preis gewann, wird von Deutschland ins Oscar-Rennen geschickt. Das Debütwerk von Nora Fingscheidt um einen kleinen Jungen, der seine Gewalt nicht kontrollieren kann, kommt am 19. September in die deutschen Kinos. Zur Konkurrenz in der finalen Runde zählten die Filme „Der Junge muss an die frische Luft“, „Der Fall Collini“, „Lara“, „Deutschstunde“, „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ und „Und der Zukunft zugewandt“.

Unter dem Vorsitz des Filmkritikers Frédéric Jaeger von critic.de entschied sich die Jury am Mittwoch für „Systemsprenger“. Regisseurin Fingscheidt sagte: „Wir fühlen uns geehrt und dankbar, dass Systemsprenger Deutschland bei den Oscars vertritt. Nach dem Silbernen Bären auf der Berlinale befindet sich unser Film auf einer weltweiten Tournee. Die erschlagenden Reaktionen der Zuschauer zeigen uns, dass Kino einen Dialog zwischen den Kulturen herstellt, weil es um Menschlichkeit geht.“ Für Negative Space gehörte „Systemsprenger“ zu den wenigen Highlights des Berlinale-Wettbewerbs 2019. Die Filmerfahrung sei eine „emotionale Achterbahnfahrt“ und komme in der Schilderung der sozialen und familiären Problemen und seiner Intensität einem Horrorfilm gleich.

Im Oktober wird die Academy eine Liste mit allen weltweiten Einsendungen für den besten internationalen Film veröffentlichen. Kurz vor Weihnachten gibt es eine Shortlist mit zehn Kandidaten. Fünf davon werden am 13. Januar 2020 für den Oscar nominiert. Die Verleihung ist am 9. Februar. Der im vergangenen Jahr von der Jury vorgeschlagene Film „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck wurde für einen Oscar nominiert. Davor schaffte es Fatih Akins „Aus dem Nichts“ auf die Shortlist. 2016 wurde auch „Toni Erdmann“ in der Kategorie „bester internationaler Film“ nominiert.

Link: - Systemsprenger-Kritik Berlinale 2019

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Freitag, 2. August 2019
Trailer zu Venedig-Wettbewerbsfilm „The Painted Bird“


Einer der am heißesten erwarteten Venedig-Wettbewerbsfilme 2019, „The Painted Bird“, hat einen Trailer.

„The Painted Bird“ ist ein schwarzweißes Holocaust-Drama des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul, das Ende August im Wettbewerb von Venedig gezeigt wird. Es geht um einen jüdische Jungen, der während des Zweiten Weltkrieges sich von einem polnischen Dorf ins nächste rettet und auf unvorstellbare Gewalt stößt. Um die Romanvorlage des polnischen Autors Jerzy Kosiński gab es in den 1980er-Jahren einen Urheberstreit. Kosiński wurde des Abschreibens beschuldigt. Davor war es als eines der authentischsten Zeugnisse des Holocaust gefeiert worden – unter anderem von dem Holocaust-Überlebenden und Autoren Elie Wiesel. Im Cast vom 169-minütigen „The Painted Bird“ befinden sich Schauspieler wie Udo Kier, Stellan Skarsgard und Harvey Keitel.

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Dienstag, 30. Juli 2019
Noch zwei freie Slots in Venedig

Sandler in Venedig? | © Angela George, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Scorseses „The Irishman“ wurde nicht rechtzeitig fertig und läuft jetzt in New York. Aber zwei weitere Pfeile hat Venedig noch im Köcher.

Es wird noch zwei größere Ergänzungen im Venedig-Programm geben. Das sagte Venedig-Chef Alberto Barbera gegenüber dem britischen Branchenblatt Screen Daily am 26. Juli. In der Verlosung sind unter anderem folgende drei mit Spannung erwartete Filme: „Uncut Gems“ von den Safdie Brothers mit Adam Sandler, James Mangolds Le-Mans-Film „Ford Vs. Ferrari“ mit Christian Bale und Matt Damon sowie „The Two Popes“ von Fernando Meirelles mit Anthony Hopkins als Papst Benedikt und Jonathan Pryce als Papst Franziskus.

Barbera sagte, dass er mit Ausnahme von einem Film, alles bekommen habe, was er haben wollte und rechtzeitig fertig war. Das schloss Martin Scorseses „The Irishman“ bereits aus, weil die Postproduktion-Effekte einfach zu lange dauerten und der Film jetzt einen Monat später seine Weltpremiere auf dem New Yorker Filmfestival feiern wird. Aber sehr gerne gehabt hätte er Kelly Reichardts neuen Film „First Cow“, den die Produktionsfirma A24 lieber exklusiv in den USA auf dem Telluride Festival zeigt, da es noch keinen US-Verleih gibt.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. In den Wettbewerb eingeladen sind bereits neue Filme von Roman Polanski, Olivier Assayas, Kore-eda Hirokazu, James Gray, Steven Soderbergh, Ye Lou, Noah Baumbach, Pablo Larraín und Ciro Guerra.

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Donnerstag, 25. Juli 2019
Venedig-Wettbewerb veröffentlicht

Gong Li in „Saturday Fiction“ | © Ying Films
Hollywood, Netflix, Roman Polanski, der Superhelden-Schurke „Joker“ und die starken Lateinamerikaner lassen auf einen großen Wurf des Venedig-Wettbewerbs 2019 hoffen.

Die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe („Tore tanzt“) hat es mit ihrem Film „Pelikanblut“ dann doch nicht in den Wettbewerb geschafft. Aber eigentlich sollte man es feiern, dass sie in der zweitwichtigsten Reihe, der Orrizonte, läuft. Als Frau in den inzwischen wieder so wichtigen Wettbewerb von Venedig zu kommen, bei dem sich die Auteurs nur so drängeln, ist eine echte Herausforderung. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte Venedig-Chef Alberto Barbera seine Quote um 100 Prozent. Anstatt nur die Australierin Jennifer Kent („The Nightingale“) einzuladen, gibt es dieses Jahr die erste Saudi-Araberin, Haifaa Al Mansour, die einen Film in ihrer Heimat drehen durfte. „The Perfect Candidate“ ist eine deutsche Co-Produktion mit der Berliner Produktionsfirma Razor Film und dem NDR. Dazu kommt im Wettbewerb die australische Debütantin Shannon Murphy mit ihrem Film „Babyteeth“.

Eigentlich weiß man bei diesem Wettbewerb gar nicht, wo man anfangen soll. Er ist zu attraktiv und vielseitig. Es gibt offene Geschichten, Filme, die nicht laufen, Geheimtipps und Netflix. Es wäre zu einfach, von den Hollywoodfilmen zu schwärmen: James Grays Sci-Fi-Film „Ad Astra“ mit Brad Pitt, Noah Baumbachs Familiendrama „Marriage Story“ mit Scarlett Johansson und Adam Driver, Steven Soderberghs „The Laundromat“ über die Panama Papers mit Meryl Streep und Todd Phillips' „Joker“ mit Joaquin Phoenix. Das sind die Filme, welche die Schlagzeilen und Klicks bringen und den Oscar Buzz haben. Keine Frage – die werden viel Spaß machen.
Punk Rocker Todd Phillips
Mittlerweile bin sogar ich schon auf Phoenix' Joker gespannt. Das will was heißen, weil ich Superhelden selten so langweilig wie 2019 fand. Aber irgendetwas jenseits des Wettbewerbsslot sagt mir, dieser „Joker“ wird besonders. Vielleicht weil der Regisseur Phillips vor den „Hangover“-Filmen und „Road Trip“ die ziemlich unfassbar Dokumentation „Hated: GG Allin & the Murder Junkies“ gedreht hat. Viel mehr Punk Rock als GG Allin geht nicht. Möglicherweise findet sich von diesem anarchischen Geist etwas in Phillips' Film wieder.

Über die Entscheidung, Roman Polanski mit dem Dreyfus-Affäre-Film „An Officer and a Spy“ in den Wettbewerb einzuladen, wird aufgrund von #metoo bereits jetzt in den Trade Papers die Nase gerümpft. Tatsächlich ist das Werk mit Jean Dujardin einer meiner Most-Wanted-Filme des Herbstes. Wieder arbeitet Polanski mit dem „Ghost Writer“-Drehbuchautor Robert Harris zusammen. Der Prozess um Antisemitismus im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts ist hochspannend. Man könnte sogar sagen, dass er den Zionismus mitbegründete, weil sich Theodor Herzl durch die Ungerechtigkeit zu seiner Bewegung inspirieren ließ. Dazu habe ich sehr viel Lust auf den neuen Pablo-Larraín-Film „Ema“, der toll aussieht. Ye Lou Schwarzweiß-Poem „Saturday Fiction“ mit Gong Li wurde bereits für die Berlinale gehandelt. Es ist zu hoffen, dass die chinesische Zensur nicht doch noch zwischen die Weltpremiere auf der Mostra kommt.
Lokaler Geheimtipp Marcello
Ansonsten natürlich auch viel Vorfreude auf Roy Andersson („About Endlessness“), Olivier Assayas („Wasp Network“), den Eröffnungsfilm „The Truth“ und Jonfans eleganten Anime „No. 7 Cherry Lane“. Viel Buzz bekommt der Italiener Pietro Marcello mit seinem Film „Martin Eden“, weil sein Vorgängerfilm „Lost and Beautiful“ so großartig gewesen sein soll. Auch bin ich sehr gespannt auf das Holocaust-Drama „The Painted Bird“ des tschechischen Regisseurs Václav Marhoul. Und „Waiting for the Barbarians“ des kolumbianischen Regisseurs Ciro Guerra nach einem Roman von J. M. Coetzee klingt auch toll. Ja, das kann ein großes Fest werden – auch ohne Scorsese und die Safdie Brothers.

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Wir berichten live vor Ort.

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Dienstag, 23. Juli 2019
Anzeichen für Katrin Gebbes "Pelikanblut" in Venedig

Regiehoffnung Katrin Gebbe | © J.-H. Janßen, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Anzeichen verdichten sich, dass die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe ihren Film "Pelikanblut" mit Hauptdarstellerin Nina Hoss auf dem Filmfestival von Venedig vorstellt.

Es ist ein Hauen und Stechen, wer im Herbst welche Weltpremiere bekommt. Das ist die einzig harte Währung unter Filmfestivals. Daran liest sich der Stellenwert ab. Das wichtigste Filmfestival der amerikanischen Kritiker, nämlich Toronto, hat nicht die exklusive Vorführung von Katrin Gebbes neuem Film "Pelikanblut" gekriegt. Der ist am Dienstag auf der Webseite nur als Nordamerika-Premiere gelistet worden. Somit bleibt eigentlich allein die Option Venedig für die Weltpremiere. Ob es die deutsche Regisseurin Gebbe mit ihrer Hauptdarstellerin Nina Hoss auch in den prestigeträchtigen Wettbewerb geschafft hat oder "Pelikanblut" doch eher in der Nebenreihe Orrizonte läuft, wissen wir am Donnerstag um ungefähr 12 Uhr. Dann ist die offizielle Programm-Pressekonferenz von Venedig schon fortgeschritten.

In "Pelikanblut" geht es um die 45-jährige Reitlehrerin Wiebke (Nina Hoss), welche die fünfjährige Melva adoptiert. Wie sich zeigt, hat das Mädchen aber eine Bindungsstörung. Gleichzeitig ist sie ein steter Unruheherd in der Familie. Der Arzt diagnostiziert lebenslange Probleme mit der Empathie. Das stellt Wiebke vor schwerwiegende Probleme. Sie hält für ihre Adoptivtochter ein antikes Exorzismusritual für den einzigen Ausweg, bei dem sie selbst ein großes Opfer eingehen muss.

Laut der Produktionsnotizen geht der Filmtitel auf das christliche Symbol einer Pelikanmutter zurück, die ihrem toten Sprössling eigenes Blut füttert und ihn so wieder ins Leben zurückbringt. Es sei eine Metapher für bedingslose Liebe und den Glauben. Für Regisseurin Gebbe geht es bei der durch wahre Begebenheiten inspirierten Geschichte um die Frage, was die Menschen bereit sind zu opfern, um die eigenen Ideale und Träume zu erreichen.

Gebbe gehört seit ihrem Debütfilm "Tore tanzt", der im Jahr 2013 gleich in die Un-Certain-Regard-Reihe in Cannes eingeladen wurde, zu den verheißungsvollsten deutschen Regie-Talenten. Sie würde damit in die Fußstapfen von Florian Henckel von Donnersmarck treten, der vergangenes Jahr "Werk ohne Autor" im Wettbewerb präsentierte. Erziehung, Horror, Familie und Kinder lotete bereits die Berlinale-Debütantin Nora Fingscheidt furios mit ihrem Film "Systemsprenger" im Februar aus. Das klingt doch nach einem passenden Double Feature mit "Pelikanblut".

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Die attraktive Venedig-Nebenreihe Venice Days

"The Weeping Woman" | © Giornate degli Autori
Jayro Bustamante, Dominik Moll und ein echter polnischer Geheimtipp laufen in der Mostra-Nebenreihe Venice Days.

Das Schöne ist, wenn man das erste Mal nach Venedig auf den Lido fährt: Man lernt die Nebenreihen jenseits des allseits bekannten Wettbewerbs kennen, wo sich immer die Hollywoodstars tummeln. Da wäre zum Beispiel die Reihe Venice Days, die nach dem Vorbild der Directors Fortnight in Cannes aufgebaut wurde. Die Sektion gibt es erst seit dem Jahr 2004. Beim Blick über die elf ausgewählten Filme habe ich mich aber gefragt, warum ich nicht schon mal vorher davon gehört oder gelesen habe. Denn das Angebot ist exklusiv und teils hochattraktiv.

Drei Filme stechen besonders heraus: Da wäre der Berlinale-Newcomer Jayro Bustamante aus Guatemala, der erst im Februar in Berlin seinen Film "Temblores" im Panorama präsentierte. Sein neuer Film heißt "La Llorona" aka "The Weeping Woman" und soll eine Mischung aus Horror und Fantasy sein. Klingt spannend. Dann gibt es einen neuen Film von Dominik Moll ("Harry meint es gut mit dir"). Der macht eigentlich immer höchst schaubare Genrefilme, zuletzt die tolle Komödie "News from Planet Mars".

Sein neuer Film heißt "Only the Animals", es geht in der deutsch-französische Co-Produktion um eine Frau, die im Schnee verschwindet. Ein weiterer Geheimtipp ist der polnische Beitrag "Corpus Christi", den Über-Cineast Cédric Succivalli sehr empfehlen kann. Es geht um einen Kriminellen, der sich in einer Kleinstadt als Priester ausgibt. Weitere Empfehlungen von ihm sind „They Say Nothing Stays the Same“, „Lingua Franca“ und „Beware of Children“.

Link: - Der ganze Wettbewerb

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Mick Jagger schließt die Mostra mit Charles-Willeford-Adaption

Claes Bang und Elizabeth Debiki | © Jose Haro
Als Rauschmeißer spielt Venedig die Charles-Willeford-Adaption "The Burnt Orange Heresy" mit Claes Bang. Wobei dem sicherlich Rockstar Mick Jagger die Show stehlen wird.

Mick Jagger war der Superstar im britischen Gangsterfilm "Performance" im Jahr 1970. Der heute 75-Jährige blieb einer der größten Superstars der Welt bei den Rolling Stones und kehrt jetzt im Venedig-Abschlussfilm "The Burnt Orange Heresy" zurück auf die Leinwand. Wobei der Neo-noir gar nicht so sehr nach Fallobst riecht, das nur wegen seines Superstars eingeladen wurde.

Erste Bilder versprechen ein schönes kleines Genrewerk, bei dem auch die "The Square"-Berühmtheit Claes Bang und Großmeister Donald Sutherland mitspielen. Als "elegant" und "erotisch" preist das Festival das Heist-Movie um einen Kunstraub an. Jagger spielt den exzentrischen Kunstsammler, dem Kunstkritiker Bang und die australische Newcomerin Elizabeth Debicki ein Schnippchen schlagen wollen.

Da die Drehbuchvorlage auf dem amerikanischen Krimi-Gott Charles Willeford basiert, kann das eigentlich nur mindestens recht spaßig werden. Bei uns hieß die Buchvorlage übrigens mal "Die Kunst des Tötens", mal "Ketzerei in Orange". Regie geführt hat der Italiener Giuseppe Capotondi, der in den letzten Jahren vor allem an der Netflix-Serie "Suburra" arbeitete. "The Burnt Orange Heresy" läuft am Samstag, den 7. September, nach der offiziellen Löwenvergabe.

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Sonntag, 21. Juli 2019
Letzte Spekulationen vor der Venedig-PK

Waititis „Jojo Rabbit“ | © Fox Searchlight
Letzte Venedig-Spekulationen vor der offiziellen Verkündigung: Wie wäre es mit Polanski, Waititi, Reichardt, Larraín, Gray, Soderbergh oder Baumbach?

Am Donnerstag um 11 Uhr ist es endlich wieder soweit: Dann wird offiziell die Herbstsaison mit der Verkündigung des Wettbewerbs von Venedig eingeleitet und damit die Oscar-Jagd eröffnet. Für Venedig-Chef Alberto Barbera wird es nicht einfach sein, zwischen dem Überangebot der Streaming-Riesen Netflix und Amazon, der Star-gespickten Oscar-Beute, dem prestigeträchtigen Kunstkino und den Gender-Ansprüchen der Öffentlichkeit ein glückliches Händchen zu beweisen. Nach dem letztjährigen Jahrhundertwurf im Wettbewerb kann es eigentlich nur einen Schritt zurückgehen. Mit Blick auf die potenziellen Kandidaten bleibt das Teilnehmerfeld aber sehr attraktiv.

Nach den Trade Papers Hollywood Reporter, Variety und Deadline hat auch Über-Cineast Cédric Succivalli wieder seinen persönlichen Tipp für die 20 möglichen Wettbewerbsslots abgegeben. Es zeigen sich diverse Überschneidungen.

Wobei Succivalli offen lässt, ob einige dieser Werke eventuell doch außer Konkurrenz oder in der Orrizonti-Nebenreihe laufen werden. Dazu nennt er als weitere mögliche Attraktionen einen neuen Cut zu Gaspar Noés „Irreversibel“ und eine noch längere Fassung zu Abdellatif Kechiches „Mektoub, My Love: Intermezzo“, als die in Cannes lief. Wenn alles so käme, liefen zwei Frauen im Wettbewerb der Mostra: die amerikanische Veteranin Kelly Reichardt („First Cow“) und die australische Debütantin Shannon Murphy („Babyteeth“). Dieses Aufgebot würde dazu viele Hollywoodstars und spannende Auteurs aufbieten, aber auch Martin Scorsese („The Irishman“), die Safdie Brothers („Uncut Gem“), Greta Gerwig („Little Women“) und Todd Phillips „The Joker“ vermissen lassen. Vielleicht haben da Festivals wie Telluride, Toronto oder New York dem ältesten Festival der Welt ein Schnippchen geschlagen. Gerade Toronto soll den Druck auf die Filmfirmen erhöht haben, um mehr exklusive Weltpremieren zu bekommen.

Nichtsdestotrotz gäbe es viel, auf dass man sich freuen könnte: Roman Polanski etwa mit seinem Film zur Dreyfus-Affäre („An Officer and a Spy“), Taika Waititi, der sich Adolf Hitler annimmt („Jojo Rabbit“), James Gray, der Brad Pitt ins Weltall schickt („Ad Astra“), Fernando Meirelles, der Papst Benedikt auf Papst Franziskus treffen lässt („The Pope“), Auteurs wie Roy Andersson, die schon genannte Reichardt, Pablo Larraín, Noah Baumbach oder Steven Soderbergh. Spannend sähen auch der chinesische Anime „No. 7 Cherry Lane“, Kristen Stewart als Pop-Ikone Jean Seberg („Seberg“) und das Holocaust-Drama „The Painted Bird“ des tschechischen Regisseurs Vaclav Marhoul aus.

Kore-eda Hirokazus Werk „The Truth“ mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke steht bereits als Eröffnungsfilm der Mostra am 28. August fest. Das Festival von Venedig läuft bis zum 7. September. Wir berichten live vor Ort.

Links - Variety, - THR, - Deadline, - Screen Daily

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Samstag, 20. Juli 2019
Kore-edas „The Truth“ eröffnet die Mostra

© 3B Productions/Bun-Buku/MI Movies/France 3 Cinéma
Besser als Hollywood: Das Filmfestival von Venedig eröffnet mit dem neuen Werk des Gewinners der letztjährigen Goldenen Palme in Cannes.

Der letztjährige Gewinner der Goldenen Palme, der japanische Regisseur Kore-eda Hirokazu, eröffnet mit seinem neuen Werk „The Truth“ („La vérité“) das Filmfestival von Venedig. Der Film mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke wurde bereits in Cannes erwartet. Aber den Zuschlag bekam jetzt Venedig-Chef Alberto Barbera. Die Deneuve spielt eine französische Schauspielerin, die ihre Memoiren veröffentlicht. Binoche ist ihre Tochter und mit Ethan Hawke verheiratet. Als die beiden Frauen sich wiedersehen, kommt es zu Konflikten.

Kore-edas grandioser Vorgängerfilm „Shoplifters“ wurde nach dem Gewinn der Goldenen Palme auch für den Golden Globe und den Oscar nominiert. In seiner Heimat sahen ihn 3,6 Millionen Menschen. „The Truth“ ist nicht nur der Eröffnungsfilm am 28. August, sondern auch im offiziellen Wettbewerb. Wenn nicht schon der Regiename für Euphorie ausreichen würde, könnte die gleichzeitige Einladung in den Wettbewerb als weiteres Qualitätskriterium verstanden werden.
Barbera: Poetische Mutter-Tochter-Reflexion
„Wir haben den Film vergangenen Herbst in zehn Wochen gedreht“, sagte Kore-eda. Die Besetzung sei prestigeträchtig, aber es sei eine kleine Familiengeschichte, die hauptsächlich in einem Haus spiele. Festivaldirektor Barbera betont, dass es Kore-edas erster Spielfilm außerhalb Japans ist. Er bezeichnet seinen Eröffnungsfilm als „poetische Reflexion der Beziehung zwischen Mutter und Tochter und über den komplexen Beruf des Schauspielers“.

Venedig lud Kore-eda, der 1962 in Tokio geboren wurde, bereits mit seinem Debütfilm „Maborosi“ in den Internationalen Wettbewerb ein. Der Film gewann auch gleich die Goldene Osella für die beste Kamera. Dann machte er aber bis zum Jahr 2017 mit „The Third Murder“ eine Pause. Sein Stammfestival wurde Cannes, wo er regelmäßig im Wettbewerb lief („Our Little Sister“, „Nobody Knows“, „After Life“).

Die 76. Mostra findet vom 28. August bis 7. September statt. Jurypräsidentin ist die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel, Ehrenpreisträger der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Der Blog Negative Space wird vor Ort berichten.

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Sonntag, 14. Juli 2019
Petzolds „Undine“-Projekt mit Paula Beer prädestiniert für die Berlinale 2020

Petzold, Beer & Rogowski | © ZDF/Marco Krüger
Einen neuen Petzold zur sagenhaften Nixen-Figur Undine mit Paula Beer? Da würde Carlo Chatrian zur Berlinale-Premiere nicht Nein sagen.

Der „Transit“-Regisseur Christian Petzold tritt in die Fußstapfen von legendären deutschen Filmemachern wie Rolf Thiele oder Eckhart Schmidt und wagt sich an den Undine-Mythos. In den Hauptrollen spielen wie bereits in „Transit“ Paula Beer („Frantz“, „Bad Banks“) und Franz Rogowski („Fikkefuchs“, „A Hidden Life“).

Petzolds Plot lautet wie folgt: Als die geheimnisvolle Undine (Paula Beer), die studierte Historikerin ist und in Berlin als Stadtführerin arbeitet, von ihrem Freund (Jacob Matschenz) verlassen wird, stürzt sie sich in eine neue Liebe. Doch ihr Schicksal holt sie ein, während sie eine Beziehung mit Christoph (Franz Rogowski) beginnt. Der Sage nach ist die Undine ein jungfräulicher Wassergeist, der dem untreuen Ehegatten den Tod bringt. Bei Petzold soll sich Undine gegen ihre Bestimmung wehren.

Die Kino-Dreharbeiten finden gerade für das ZDF in Berlin und Nordrhein-Westfalen statt. Drehende soll Mitte August sein. So könnte Petzolds „Undine“ rechtzeitig für Carlo Chatrians erste Berlinale fertig sein. „Wolfsburg“, „Gespenster“, „Yella“, „Barbara“ und „Transit“ liefen jeweils auch schon im Wettbewerb des wichtigsten deutschen Festivals.

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