Sonntag, 24. April 2011
Kritiker-Sammelalbum #7: Elvis Mitchell
Heute Morgen pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Der Filmkritiker Elvis Mitchell ist bei Movieline rausgeworfen worden. Richtig, bei der Filmsite, die ihn erst vor kurzer Zeit als Chefkritiker eingestellt hatte. Tratschtante Nikki Finke kolportierte bei Deadline Hollywood, dass Mitchell wegen seiner "Source Code"-Kritik gefeuert wurde. In ihrer Version hatte Mitchell den Film nicht gesehen, sondern seinen Text auf eine frühe Drehbuchversion gestützt. Als ob Mitchell das nötig gehabt hätte. Nein, seine Entlassung bleibt für mich ähnlich mysteriös wie sein Rücktritt bei der New York Times vor einigen Jahren. Besser gefällt mir der Ansatz, den Anne Thompson gewählt hat. Auch wenn ihre Drive-in-Psychoanalyse anmaßend ist, kann man anhand ihrer vorgebrachten Insider-Fakten eher die Person und die Probleme hinter der Filmkritiker-Persönlichkeit Elvis Mitchell erahnen: Versace-Anzüge, Globetrotting with the rich and famous, kubanische Zigarren und als notorischer Fremdgeher bekannt.

Fachlich ist er für mich sowieso unangreifbar, wobei ich immer lieber seinen halbstündigen Interviews mit Filmemachern und den darin versteckten messerscharfen Analysen gelauscht habe, als seine Texte zu lesen. Seine Radioshow "The Treatment" für den öffentlich-rechtlichen Sender KCRW höre ich mindestens schon seit über einem halben Jahrzehnt. Und die wird Mitchell wohl auch weitermachen. Da das US-Filmprogramm der letzten Monate ähnlich dürftig war wie im gesamten Jahr zuvor, kam ich ehrlich gesagt selten in die Versuchung, Mitchell bei Movieline lesen zu wollen. Dass er jetzt rausgeworfen wurde, finde ich trotzdem unnötig bis scheiße. Mir gefällt aber der Gedanke, dass es Mitchell gar nicht nötig haben könnte, für seine Tätigkeit bezahlt zu werden. Das gepflegte Dandy-Image steht ihm ausgezeichnet. Er ist schon so ein bisschen der Bruce Wayne unter den Filmkritikern - zumindest in meiner Vorstellung.

Links: - Anne Thompson, - Nikki Finke, - The Treatment

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Mitchell macht Kevin Smith sogar erträglich ;-)

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Beinahe! ;)

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